Die Väter sind gefragt - Gleichberechtigung in der Erziehung

Lange haben Wissenschaft und Gesellschaft die Bedeutung der Väter in der Erziehung unterschätzt. Heute wissen wir, wie positiv sich väterliches Engagement auf das Wohl der Kinder auswirkt. Mehr als ein Viertel der frischgebackenen Väter nimmt bereits das Recht auf Elternzeit in Anspruch – bis zur echten Gleichberechtigung von Männern in der Erziehung ist aber noch ein gutes Stück Weg zu gehen.



Zwei Drittel der Väter in Deutschland wollen laut einer Umfrage Erzieher ihrer Kinder sein. In der Realität sind laut Statistischem Bundesamt drei Viertel der Väter, die sich Elternzeit nehmen, höchstens zwei Monate zu Hause. Selbst nicht berufstätige Väter wenden im Schnitt nur 48 Minuten täglich für ihre Kinder auf, während es sogar bei arbeitenden Frauen 66 Minuten sind (Quelle: OECD). Der Rollenwandel der Väter ist im Gange. Aber es muss sich noch einiges tun im Bewusstsein von Männern und Frauen, von Arbeitgebern und in der gesamten Gesellschaft, bevor die moderne Familie ein gleichberechtigtes Team werden kann.

Als Projekt der Deutschen Familienstiftung hat es sich die Familienschule Fulda zur Aufgabe gemacht, Eltern im schwierigen Wandel der Bedingungen mit praktischer Lebenshilfe zu unterstützen. Unser Gesprächspartner Remigiusz Gadomska ist Diplom-Pädagoge mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung, Vater von zwei Kindern und engagiert sich in der Familienschule Fulda ganz besonders im Bezug auf Väter – unter anderem leitet er den Kurs Geburts- und Familienvorbereitung.




Herr Gadomska, wie hat sich die Rolle des Mannes in der Familie von heute verändert?

„Der Mann muss sich heute nicht mehr erst als Mann beweisen. Das Bild des „harten Alleinverdieners“ gibt es nicht mehr. Männer wollen und sollen sich stärker in das Familienleben mit einbinden, als es noch ihre Väter getan haben. So werden die Aufgaben im Haushalt heute geteilt, während Väter sich früher schämten, den Kinderwagen zu schieben oder ein Bügeleisen in die Hand zu nehmen. Heute stehen Männer am Herd und bringen die Kindern in die Kita. Und das nicht nur, weil Frauen berufstätig sind. Väter sind heute gerne mit ihren Kindern zusammen, sie fördern sie und sehen es als Lebensqualität an, Zeit mit ihnen zu verbringen. Männer haben außerdem erkannt, dass man sich auch mitteilen kann und darf, was die Arbeitsteilung um vieles vereinfacht.

Die Elternteile sollten sich darüber klar sein, dass die finanzielle Seite heute von beiden abgedeckt werden kann, denn Frauen sind in der Regel ebenso gut ausgebildet wie Männer. Der Vater muss nicht mehr der Alleinverdiener sein, sondern kann einen Teil der Verantwortung abgeben. Dennoch kann man ein Rollenverhalten, das seit Hunderten von Jahren besteht, nicht innerhalb von fünfzig Jahren komplett umkrempeln. Noch überwiegt der Rückzug auf die traditionelle Aufgabenverteilung. Das Bewusstsein für die Chancen des neuen Denkens wird sich in den nächsten Jahrzehnten einstellen.


„Familie ist Teamarbeit“

„Da auch Frauen heute ein neues Rollenbild haben, ist es ganz wichtig, sich in der Partnerschaft zu einigen, wer welche Aufgaben übernimmt. Familie bedeutet heute mehr denn je Teamarbeit und Kommunikation untereinander. Väter sind stärker in die alltäglichen Familienentscheidungen mit eingebunden, z.B. in Bezug auf die Schulwahl, die Erziehung, Anschaffungen, Ernährung und Bewegung. Es ist daher nötig, sich auf einen gemeinsamen Erziehungsstil zu verständigen. Es geht nicht, dass die Mutter den Umgang mit dem PC erlaubt, aber der Vater nicht.

Die Grenzen verschwimmen zwischen Frauen- und Männerrollen, jeder kann heute seinen Schwerpunkt setzen und die Aufgaben übernehmen, die ihm liegen.
Der Vater von heute muss dabei seine Rolle neu finden, denn die selbst noch erlebten, traditionellen Muster lassen sich oft nicht mehr in die Realität umsetzen. Da Paare heute viel mehr Zeit miteinander verbringen als früher, müssen klare Absprachen helfen, einerseits die Mutter zu entlasten und andererseits aufzeigen, auf welchen Feldern sich der Vater ohne Probleme einbringen kann und auch darf. Hier sind auch Frauen gefordert: Sie sollten abweichen von ihrer Tendenz, die Männer teilweise außen vor zu lassen, vor allem in der frühkindlichen Erziehung.“


Wie wichtig ist der Vater in der Erziehung?

„Für Kinder ist es wichtig, vielseitig erzogen zu werden, um sich ihren Fähigkeiten nach entwickeln zu können. Kinder fordern ihre individuellen Bedürfnisse auch selbständig ein. Man muss sie nur wahrnehmen. Der Vater fördert anders als die Mutter: Männer gehen eher mathematisch/logisch und erlebnisorientiert vor, Frauen eher beziehungszentriert. Auch die Art der Kommunikation ist unterschiedlich. Selbst wenn Eltern sich heute trennen, muss der Vater daher eine wichtige Bezugsperson bleiben. Das gilt insbesondere für Geschwisterkinder, die ständig teilen müssen – auch die Aufmerksamkeit der Eltern. Daher ist es gut, wenn die Kinder Zuwendung von Mutter und Vater bekommen können. Die Umstellung von einem auf ein zweites Kind bedeutet für den Vater zunächst eine größere Anforderung. Er kann und muss nun die Mutter entlasten und das erste Kind betreuen. Werden die Kinder größer, relativiert sich die Beanspruchung. Die Kinder sind sich gegenseitig gute Spielkameraden, sodass auch wieder mehr Platz für die Partnerschaft ist.“


Die neuen Väter brauchen Unterstützung!

„Innerhalb unserer Geburts- und Familienvorbereitung in der Familienschule Fulda haben wir den Väterpart bewusst als Thema mit eingebaut, denn der Austausch über die Rolle des Vaters in der Schwangerschaft und nach der Geburt findet sonst nicht genügend Raum. Für uns ist es wichtig, bei Männern ausreichend Bewusstsein für Themen zu schaffen, wie z.B. die Alltagsgestaltung, die Bedürfnisse von Mann und Frau oder auch die Sexualität nach der Geburt. Nur so können Paare zu einem gemeinsamen Plan kommen, wie sie ihre Zeit als Familie gestalten wollen. Unsere Hebammen sind so in der Familienvorbereitung ausgebildet, dass sie auch die Väter angemessen begleiten können. Die „Angst“ von werdenden Vätern ist vollkommen normal, denn sie ist ein Zeichen dafür, dass der Vater seine Aufgabe ernst nimmt. Er sollte seine Ängste aber auch seiner Partnerin mitteilen, damit gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann. Das wichtigste Fazit ist: Man(n) ist nicht mehr alleine verantwortlich!

Wir möchten, dass die werdenden Eltern mit einer realistischen Erwartung in die Familie starten. Das Thema Berufstätigkeit gehört dazu. So offen unsere Gesellschaft gegenüber Rollenverteilungen geworden ist, wird doch von Arbeitnehmern immer noch erwartet, dass sie immer und jederzeit Einsatz bringen. Möchte eine Frau Karriere machen, muss die Familie hinten anstehen. Männer können zwar ihren Anspruch auf Elternzeit geltend machen, aber ein leitender Angestellter wird kaum seine Laufbahn für die Familie und Kinderbetreuung aufgeben. Hier muss sich noch viel bewegen. Benötigt werden neue Jobmodelle, die größere Flexibilität bieten. Vor allem in den Köpfen der Führungskräfte muss eine Akzeptanz dafür geschaffen werden, dass Familie unser höchstes Gut ist!“

Vielen Dank, Herr Gadomska für dieses sehr aufschlussreiche Gespräch und Ihre vielen praktischen Ratschläge.


Gute Tipps für Väter


Tipp Nr.1. Austausch unter Vätern

Wichtig ist der Kontakt zu anderen (werdenden) Vätern, z.B. im Geburtsvorbereitungskurs, später dann im Kindergarten. Viele Mütterzentren haben heute auch Väter-Gruppen, außerdem gibt es diverse Internetforen wie zum Beispiel:

Tipp Nr. 2. Gemeinsam lernen

Die Familienschule Fulda bietet eine Vielzahl von Kursen zur Vorbereitung, zum Start in die Familie und zur praktischen Lebensbegleitung an, die Väter bewusst ansprechen und einbeziehen. Hier eine Auswahl:

Kurse zur Vorbereitung:

  • Geburts- und Familienvorbereitung
Kurse nach der Geburt:

  • Start in die Familie – Infopaket für den Anfang
  • Babyschwimmen
Spielgruppen:

  • Pädagogisches Eltern-Kind-Spielgruppe
  • Eltern-Kind-Turnen
Alle Informationen unter familienschule-fulda.de.

„Starke Kinder brauchen glückliche und zufriedene Eltern für ein unbeschwertes Aufwachsen“, dafür steht die Familienschule Fulda eine Einrichtung der Deutschen Familienstiftung

Die Familienschule Fulda ist ein Ort, wo Eltern Antworten auf ihre Fragen bekommen, Kontakte knüpfen und hilfreiche Kurse von Geburtsvorbereitung über Eltern-Kind-Gruppen bis hin zu Selbsthilfe-Gruppen finden können.
Neben dem genau auf die Bedürfnisse von werdenden und “jungen” Eltern abgestimmte Kursangebote, können die Eltern Sicherheit und Klarheit im eigenen Vorgehen, sowie Familien- und Partnerschaftsstärkende Anteile wie Alltagsgestaltung, Selbstpflege, Stress- und Zeitmanagement und verlässliche Unterstützung bei Problemen erhalten. Hier geht es direkt zur Familienschule Fulda.


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