Gewaltfreie Kommunikation: Der Schlüssel zu besseren Beziehungen?



Unter körperlicher Gewalt kann sich jeder etwas vorstellen. Aber eine gewaltvolle Sprache? Gibt es das? Ja! Und dabei muss man nicht einmal nur an Beschimpfungen denken. Auch mit Urteilen, Herabsetzungen und verbalen Grenzüberschreitungen kann man ein Gegenüber verletzen. Häufig sind wir uns nicht einmal bewusst, dass wir das tun. Es passiert, täglich: in Familien, in Betrieben oder in der Politik, und macht das Leben nicht leichter. Im Gegenteil: Es führt zu Missverständnissen, Konflikten oder dazu, dass wir uns abwenden.

Schon seit den 60er Jahren gibt es ein Rezept, das Linderung verspricht: die Gewaltfreie Kommunikation (GFK). Entwickelt hat sie Marshall Rosenberg, ihre Relevanz ist ungebrochen. Bis heute wird sie gelehrt und in vielen Bereichen – privat wie geschäftlich – angewandt. Eine Einführung!

"Menschen sind bereit sich zu verändern, wenn sie mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen wahrgenommen werden“, war die Meinung von Marshall Rosenberg. Der US-amerikanische Psychologe erlebte als Kind Gewalt an der Schule und die Rassenunruhen in Detroit mit. Schon früh interessierte er sich für die Entstehung von Repression und Gewalt, und wie man ihnen entgegenwirken kann. Dabei entdeckte er die Macht, die in unserer Sprache liegt. Auf den Lehren seines Professors - dem bekannten Psychologen und Psychotherapeuten Carl Rogers -  basierend, entwickelte Marshall eine achtsame und friedvolle Kommunikationsform, die auf einem positiven Menschenbild gründet und ein wertschätzendes Miteinander fördert.


Gewaltfreie Kommunikation: Mehr Verständnis – weniger Konflikte

„Die meisten Menschen wünschen sich eine Kommunikation, die zu tieferem gegenseitigem Verständnis führt und Konfliktlösungen erleichtert“, erklärt Christoph Stettner, Trainer für Gewaltfreie Kommunikation in Köln und Bonn. Immer mehr Menschen nutzten deshalb die Methode der GFK, um das Miteinander in privaten Beziehungen, im beruflichen Umfeld und auch innerhalb von Institutionen wie Schulen, Kindergärten und anderen sozialen Einrichtungen bewusster zu gestalten. Aus gutem Grund: „Die Gewaltfreie Kommunikation unterstützt uns dabei, eine einfühlende Verbindung zu uns selbst und zu anderen Menschen aufzubauen. Mehr Offenheit, Klarheit und Tiefe in unseren beruflichen und privaten Beziehungen entwickeln sich daraus“, weiß Christoph Stettner, der selbst GFK-Fortbildungen und -Schnupperseminare anbietet.  



Rosenberg selbst, der 2015 starb, wendete seine Kommunikationsmethode in den 1960er Jahren zunächst erfolgreich gegen Rassendiskriminierung in Schulen an. Selbst die US-Regierung wurde auf seine Arbeit aufmerksam und förderte ihn. Später gründete Rosenberg in Kalifornien seine eigene Schule, das „Center for Nonviolent Communication“, veröffentlichte Bücher und lehrte die gewaltfreie Kommunikationsform in Dutzenden von Ländern. Sogar in Kriegs- und Krisengebieten und in der Diplomatie wurde und wird sie eingesetzt. Rosenberg entwickelte außerdem eine spezielle GFK-Methode für Kinder. Bis heute wird sein Werk von zahllosen GFK-Trainern weltweit fortgesetzt.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA



Jeder von uns kann in eine kritische Situation kommen - auf dem Heimweg, im Fußballstadion oder Kinder in der Schule, im Sportverein oder auf dem Spielplatz.

Sicherheitsschulungen zum Selbstschutz
In vielen Situationen kann es sein, das man sich unsicher oder bedroht fühlt. Damit Sie oder ihr Kind gewappnet sind und sich behaupten können, unterstützt AXA Sie und Ihre Familie mit WO-DE Sicherheitsschulungen und einem Seminarangebote zum Sonderpreis:

Lesen Sie mehr zum Angebot der AXA und den WO-DE Sicherheitsschulungen.

Seminare zur gewaltfreien Kommunikation mit der GFK-Methode
Haben Sie Interesse an einem GFK Seminar? Alle Kunden von AXA erhalten eine Ermäßigung von 10% bei Seminarbuchung über das freie Bildungswerk Rheinland www.fbw-rheinland.de. Bitte geben Sie bei der Buchung den folgenden Code an: FBW-AXA


Achtsamkeit versus Ellenbogen: Die Wolfswelt gegen die Giraffenwelt tauschen

Doch wie funktioniert das, gewaltfrei zu kommunizieren? Die Basis ist der Kontakt zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen: „Nur wer sich selbst wirklich wahrnimmt und versteht, was er fühlt und warum er dieses oder jenes Gefühl gerade hat, kann sich erstens seinem Gegenüber ehrlich öffnen, und zweitens auch dem Anderen wiederum Verständnis und Mitgefühl für dessen Belange entgegenbringen“, sagt Christoph Stettner.

Viele Menschen leben in der Theorie der GFK nach in einer Wolfswelt. Sie wenden sich häufig mit Urteilen, Vorwürfen, Erwartungen, Schubladendenken und Schwarz-Weiß-Malerei an den Anderen. Oft sind sie dabei in der Vergangenheit verhaftet. Ihr Fokus liegt weniger auf den Bedürfnissen ihres Gegenübers und auf einer Lösung, die beiden Konfliktparteien einen Gewinn bringt, sondern eher auf dem Durchsetzen des eigenen Willens. Ihre Sätze beginnen häufig mit: „Du bist..., du hast..., du musst...“ Ergebnisse solcher „Wolfs-Gespräche“ sind meist Kämpfe mit nur einem Sieger, Schmerz, Verhärtung, Unterordnung oder Rückzug. Das heißt, mindestens für eine der Konfliktparteien ist die Auseinandersetzung nicht befriedigend gelöst worden, in der Regel sogar für beide nicht.

Friedlicher geht es dagegen in der Giraffen-Welt zu: Der Fokus von Giraffen-Menschen liegt auf der Gegenwart und dem Miteinander. Mitgefühl, Empathie, Wertschätzung – und zwar für sich und den Anderen – und gegenseitiges Verstehen sind hier die Werkzeuge. Ziel ist es, zusammenzuarbeiten und eine gemeinsame Lösung zu finden, die die Bedürfnisse aller einschließt: menschlich, konstruktiv, nach vorne blickend. Diesen Zustand will die GFK fördern. Und mit ein bisschen Training lässt er sich erreichen.

Gewalt in der Sprache vermeiden: Übung macht den Meister

Gewaltfreies Kommunizieren verläuft in vier Schritten: Zu Beginn wird die tatsächliche Situation festgestellt und an den anderen in einer Ich-Botschaft herangetragen: „Ich sehe, ich höre...“ Dann wird das eigene Erleben dabei beschrieben: „Ich bin.../Ich fühle...“ In Schritt drei erkläre ich meinem Gegenüber mein Bedürfnis: „Ich brauche...“ Zum Schluss formuliere ich eine Bitte daraus: „Ich wünsche mir...“ Verstanden? Nein?


Ein Beispiel: Der Mitbewohner hat den Müll mal wieder nicht weggebracht. Anstatt seinem Ärger und der Wut darüber freien Lauf zu lassen, könnte man gewaltfrei kommunizieren. Schritt 1: „Ich sehe, dass der Müll überläuft.“ Schritt 2: „Ich fühle mich überlastet, weil ich ihn häufig wegbringe und denke, dass allein ich dafür verantwortlich bin.“ Schritt 3: „Ich würde mir viel lieber die Arbeit teilen, damit ich mehr Zeit für schöne Dinge habe.“ Schritt 4: „Kannst du mir beim Müllwegbringen helfen? Können wir uns die Aufgabe in Zukunft aufteilen?“

Die Gewaltfreie Kommunikation geht davon aus, dass wir Menschen gerne Bedürfnisse anderer erfüllen, weil wir soziale und mitfühlende Wesen sind. Indem wir achtsam kommunizieren, appellieren wir an das Herz des Anderen. Wenn wir also ehrlich unsere Wünsche äußern, geben wir ihm die Möglichkeit, unsere Stimme anzuhören und wie auch immer darauf einzugehen. Dabei sollte man immer im Kopf haben, dass eine Bitte kein Befehl und gewaltfreie Kommunikation keine Manipulationsmaschine ist. Das Gegenüber hat immer die Freiheit, so zu handeln und zu reagieren, wie er oder sie es für richtig hält.

Klingt alles einfach, ist es aber gar nicht? Wir empfehlen: üben, üben, üben. Unter Umständen auch in ausgewiesenen GFK-Seminaren. Denn wer lange genug in der Wolfswelt gelebt hat (viele von uns von Kindheit an), legt die entsprechenden Angewohnheiten und Prägungen nicht so leicht ab. Dafür gibt es einen schönen Effekt: Es ist nämlich ganz egal, ob Ihr Gesprächspartner schon mal von GFK gehört hat oder es selbst praktiziert. Einer, nämlich Sie, genügt schon: Auch wenn Sie die Methode allein anwenden, wird sich der Ton ändern. Versuchen Sie es!

Weiterführende Links:


Lesen Sie auch im PLUS:

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.