Erziehung zum Selbstschutz – Sicherheitsschulungen für Kinder und Jugendliche



Gewalt und Konflikte unter Kindern und Jugendlichen hat es immer schon gegeben. Doch in den letzten Jahren sind die Hemmschwellen und das Einfühlungsvermögen merklich zurückgegangen. Konflikte werden immer häufiger mit Gewalt „gelöst“. Doch Gewalt ist in den seltensten Fällen eine Lösung. Auch die Gewalt von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen stellt ein Problem dar. Wie man vermeintlich harmlosen „Schulhofpöbeleien“ oder Übergriffen von Erwachsenen schadlos entkommen kann, weiß Holger Schumacher, Geschäftsführer von WO-DE Sicherheitsschulungen. Holger Schumacher und sein Team bieten bereits seit über 20 Jahren Sicherheitsschulungen für Kinder und Erwachsene an.



Herr Schumacher, Sie beschäftigen sich schon lange mit dem Thema persönliche Sicherheit und bieten Sicherheitsschulungen an. Wie steht es eigentlich mit dem Gewalt- und Konfliktverhalten unter Kindern und gegenüber Kindern?


Entgegen der allgemeinen Meinung, dass die Gewalt unter Kindern ständig zugenommen hat, ist es vielmehr so, dass unter Kindern ein gedankenloserer Umgang herrscht und weniger gegenseitiges Einfühlungsvermögen entgegen gebracht wird. Das liegt häufig daran, dass ein richtiges Konfliktverhalten im Elternhaus nicht vorgelebt wird. Viele Kinder erleben aggressives Verhalten oder Streitsituationen bei den Eltern, oder auch Gewalt von einem Elternteil gegenüber dem eigenen Kind – die keineswegs eine vernünftige Konfliktkultur aufweisen. Wenn Kinder grundlegende Dinge im Elternhaus nicht lernen, dann können sie sich in Konfliktsituationen auch nicht richtig verhalten. Aus diesem Grund neigen viele Kinder zu Gewalt, denn sie sind nicht im Stande, Konflikte verbal zu beseitigen oder werden ganz einfach von Erwachsenen nicht ernst genommen.



Konfliktvermeidung ist ein wichtiger Punkt in Ihren Sicherheitsschulungen. Wie kann ein Kind oder Jugendlicher Konflikten am besten aus dem Weg gehen?


Grundlegend lässt sich sagen, dass sich Konflikte besser lösen lassen, wenn man vorbereitet ist. Und genau diese Vorbereitung ist Inhalt von Sicherheitsschulungen. Kinder müssen darin gestärkt werden, sich nicht alles gefallen zu lassen und den Mund aufzumachen. Sie müssen lernen, ganz klar zu sagen und verständlich zu machen „Das will ich nicht!“ und in weiterer Folge Eltern und Lehrer in die Konflikte mit einbeziehen. Doch heutzutage sind Konflikte und Probleme oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, sie spielen sich häufig auf anderen Kanälen ab, in die Eltern oder Lehrer nicht immer Einblick haben – Stichwort „Cyber-Mobbing“ in Facebook und anderen social-media-Plattformen. Gerade hier müssen Kinder lernen, bei Problemen auf Eltern oder Lehrer zuzugehen.



Auf welche Theorien oder Erkenntnisse bauen Ihre Sicherheitsschulungen auf? Was sind die Leitgedanken?


Wie schon gesagt, ist die Vorbereitung auf einen möglichen Konflikt sehr wichtig. Sollte ein Konflikt nicht vermeidbar sein, dann gilt unser Grundsatz „Der Kampf, der nicht stattfindet, ist der beste Kampf“. In unseren Seminaren sensibilisieren wir die Teilnehmer für „brenzlige“ Situationen, z.B. sich zurückzuziehen, wenn ein Konflikt in Gewalt ausartet und Hilfe zu holen. Ein wichtiger Punkt ist, nachdem ich vorhin schon auf den Einfluss der Eltern auf das Konfliktverhalten von Kindern und Jugendlichen hingewiesen habe, dass bei unseren Trainings immer ein Elternteil das Seminar gemeinsam mit dem Kind besucht und aktiv miteinbezogen wird. Damit werden nicht nur die Kinder geschult, sondern auch den Eltern Verständnis für die Probleme des Kindes mitgegeben und diese dadurch ebenso sensibilisiert, denn die Prävention liegt – auch nach dem Seminar – bei den Eltern. Tatsächliche, körperliche Verteidigungstaktiken werden auch geschult, stehen aber gegenüber der psychischen Stärkung im Hintergrund.



Wie läuft eine Sicherheitsschulung für Kinder und Jugendliche genau ab? Kann jedes Kind teilnehmen und wie lange dauert ein solches Seminar?


Grundsätzlich kann jedes Kind teilnehmen, es gibt bei dieser Art von Sicherheitsschulungen keine Einschränkungen hinsichtlich Seh-, Geh- oder sonstiger Körperbehinderungen – denn die Gefahr oder Konflikte unterscheiden auch nicht in „normale“ und „benachteiligte“ Kinder. In unseren Sicherheitsschulungen für Kinder und Jugendliche von 4 bis 17 Jahren verbinden wir Theorie und Praxis – abgestimmt auf das Alter der Teilnehmer. Die Schulungen dauern 12-16 Stunden, aufgeteilt in vier Tage. In den ersten zwei Stunden wird theoretisch mit interaktiven Geschichten und Lösungsstrategien gearbeitet. Danach folgen Rollenspiele, in denen die Trainer mögliche Konfliktsituationen simulieren, auf die die Kinder angemessen zu reagieren lernen. Das spielt sich größtenteils auf der Gefühlsebene ab, die Kinder sollen lernen, sich auf ihr „Bauchgefühl“ zu verlassen. Am Schluss folgt noch ein Selbstverteidigungs-Training, bei denen sich die Kinder einfache aber wirksame Abwehrtechniken aneignen, z.B. gegen das Schienbein oder zwischen die Beine zu treten und Aufmerksamkeit zu erregen, damit Passanten oder andere anwesende Personen auf das Problem aufmerksam werden und zu Hilfe kommen.



Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Sie den Lesern auf diesem Weg mitgeben möchten?


Das lässt sich am besten mit einem einfachen Lebensmotto ausdrücken: „Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ Oder nach unserem obersten Leitsatz: „Der Kampf, der nicht stattfindet, ist der beste Kampf!“ Wenn man sich an diese beiden Regeln hält, lassen sich Konflikte oftmals einfacher und gewaltlos lösen.

Danke Herr Schumacher für das aufschlussreiche Interview und die Einblicke in diesen wichtigen Bereich der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Hier finden Sie ein besonderes Vorteilsangebot von WO-DE Sicherheitsschulungen für Sie und Ihre Kinder.

Zur Person: Holger Schumacher ist Gründer und Entwickler des WO-DE-Konzepts, ehemaliger Angehöriger der Polizei-Spezialeinheit MEK/SEK beim Landeskriminalamt Hamburg, ausgebildeter Erstsprecher bei Geiselnahmen, 8-facher deutscher Meister in Karate/Jujutsu-Wettkampf, Sportübungsleiter gem. DLV und Buchautor („Starke Kinder wehren sich“)

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