Gefahren im und am Wasser: Schwimmen lernen als lebensrettende Maßnahme

Mit Checkliste zum Download


Allein 2013 ertranken in Deutschland 446 Menschen; davon waren 19,1 Prozent weiblichen und 80,9 Prozent männlichen Geschlechts, 34 Todesopfer waren Kinder unter 15 Jahren. 2012 waren es insgesamt 383 Ertrunkene, also 16,5 Prozent weniger. Mit diesen Zahlen zählt Deutschland neben Großbritannien, den Niederlanden und Schweden zwar zu den Ländern mit den wenigsten tödlichen Badeunfällen. In den letzten 100 Jahren hat sich hier auch viel getan: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verloren noch etwa fünftausend Menschen pro Jahr im Wasser ihr Leben und nur zwei bis drei Prozent der damaligen Bevölkerung konnten überhaupt schwimmen. Heute sind immer noch knapp 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 25 Prozent der Erwachsenen Nicht- oder schlechte Schwimmer. Viel zu viele! – findet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG), eine Vereinigung, die sich seit hundert Jahren vor allem der Schwimmausbildung und damit der Verhinderung des Ertrinkungstodes verschrieben hat. Denn zu allem Übel steigt die Zahl der Nichtschwimmer in den letzten Jahren erneut an.



„Die Schwimmausbildung rettet am sichersten vor dem Ertrinken“


Oberstes Ziel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) ist es, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen deshalb auf breit angelegter Schwimmausbildung, weitreichender Aufklärung und einem umfassenden Wasserrettungsdienst. In den vergangenen 63 Jahren seit 1950 hat die DLRG knapp 22 Millionen Schwimmprüfungen und über viereinhalb Millionen Rettungsschwimmprüfungen abgenommen. Allein 2013 retteten DLRG-Einsatzkräfte 686 Menschen vor dem Ertrinken. 1913 gegründet und mit mittlerweile rund 1.250.000 Mitgliedern und Förderern ist die DLRG die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt und die Nummer Eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Schirmherr ist Bundespräsident Joachim Gauck. Auch weltweit setzt sich die DLRG für bessere Sicherheitsstandards durch ihre Mitarbeit in internationalen Dachverbänden ein.

Michael Grohe ist seit 2010 stellvertretender Leiter der Verbandskommunikation bei der DLRG. In unserem Interview erklärt er, wie man die Gefahren in und am Wasser verringern und die Kindersicherheit wie die von Erwachsenen erhöhen kann.





Viele Erwachsene können nicht schwimmen, immer weniger Kinder lernen sich sicher im Wasser zu bewegen. Woran liegt das?


Michael Grohe: Ja, knapp 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 25 Prozent der Erwachsenen waren 2013 Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer, das sind erschreckende Zahlen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Schwimmausbildung immer noch die wichtigste Komponente bei der Bekämpfung des Ertrinkungstodes ist. Dabei ist nicht immer das mangelnde Schwimmvermögen das Problem, immer wieder sind auch gesundheitliche Probleme, Selbstüberschätzung und Leichtsinn Auslöser für schlimme Badeunfälle. Vor allem bei Männern und Älteren. Denn viele Erwachsene haben nie in ihrem Leben schwimmen gelernt, gerade bei den 50-Jährigen gibt es eine Menge Nichtschwimmer. In dieser Altersklasse haben wir auch die meisten Toten – über die Hälfte der Gesamtzahl! – zu beklagen. Zudem findet in einigen Schulen kein Schwimmunterricht mehr statt und, wir sehen es überall: immer mehr öffentliche Bäder müssen schließen.




Kann ich denn als Erwachsener noch schwimmen lernen?


Michael Grohe: Ja, natürlich. Das können Sie in jedem Alter! Wie für Kinder als Schwimmanfänger das sogenannte Seepferdchen gibt es auch ein spezielles Schwimmzeugnis für Erwachsene. Das Mindestalter für die Ausbildung und Prüfung zum Erwerb dieses Schwimmabzeichens liegt bei 18 Jahren. Zu den Prüfungsleistungen gehören ein Sprung vom Beckenrand, das Schwimmen einer Strecke von 25 Metern sowie das Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser. Diese Prüfung können Sie in vielen Schwimmbädern, bei Vereinen oder bei einem der über 2.000 DLRG Ortsverbände, bei der Wasserwacht oder beim Schwimmverband unter Aufsicht eines autorisierten Schwimmlehrers machen. Danach kommen die deutschen Schwimmabzeichen Bronze, Silber und Gold mit steigenden Anforderungen: Jemand, der sich Schwimmer nennen möchte, sollte zumindest das bronzene Abzeichen haben! 



Ab wann sollten Kinder schwimmen lernen, und wie am besten?


Michael Grohe: Am besten recht früh, mit vier oder fünf Jahren. Wichtig ist die Freude dabei. Eltern sollten ihre Kinder zum Schwimmkurs begleiten, dann fühlt sich der Nachwuchs aufgehoben und sicher. Doch Achtung: Viele Eltern meinen, mit dem Seepferdchen wären ihre Kinder schon sichere Schwimmer und lassen sie am Wasser oder im Schwimmbad allein, das sind sie aber bei Weitem nicht! Ein einigermaßen sicherer Schwimmer sollte mindestens 200 Meter schaffen. Auch Schwimmhilfen wie Schwimmwesten oder -flügel, sind nur dazu da, Kinder unter Aufsicht ans Wasser zu gewöhnen und erste Schwimmversuche zu machen. Sie sind auf keinen Fall ein sicherer Schutz vor dem Ertrinken!


Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Gefahren erkennen. Und Unfälle vermeiden.
Im Auftrag von AXA hat das Meinungsforschungsinstitut forsa 2014 mehr als 1.000 Eltern mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt zum Thema Kindersicherheit befragt. Der daraus entstandene AXA Kindersicherheitsreport 2014 zeigt, dass das Wissen von Eltern rund um Wassergefahren lückenhaft ist. Jeder achte Befragte gibt an, dass sein Kind schon einmal aus dem Wasser gerettet werden musste. Doch nur die Hälfte der befragten Eltern sichert vorhandene Wasserflächen rund um das eigene Heim ab. Auch ist vielen nicht bewusst, dass selbst wenige Zentimeter Wasser für Kleinkinder gefährlich werden können.

Es gibt viele gute Beispiele, die zu mehr Kindersicherheit beitragen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. begleitet und berät als fachlicher Partner die 2013 ins Leben gerufene AXA Kindersicherheitsinitiative. Wir wollen damit zum Nachmachen anregen, daher haben wir auch die gemeinsame Ausschreibung des AXA Kindersicherheitspreises ausgerufen. Die fünf Kindersicherheits-Checklisten von AXA zum Ausmalen und Lernen informieren über die wichtigsten Gefahrenquellen im Haus, Garten, auf der Straße, beim Schwimmen, am See und am Meer und für Feuergefahren. Hier finden Sie mit Ihrem Kind gemeinsam aktiv und spielerisch die gefährlichen Stellen.




Wie verhalte ich mich in offenen Gewässern - was kann alles passieren?


Michael Grohe: Die meisten Unfälle passieren in unbewachten Binnengewässern, in Bächen, Kanälen, Seen und Flüssen, hier besteht die größte Gefahr zu ertrinken. Um z.B. Unterkühlung, Panik oder einen Wadenkrampf zu vermeiden, sollten Sie sich und ihre Fähigkeiten selbst gut einschätzen. Wie fit und trainiert sind Sie, wie ist Ihr Gesundheitszustand? Sie sollten die Begebenheiten gut kennen: Gibt es Strömungen, Strudel, Wellen? Existieren Treibgut oder Hindernisse unter Wasser? Wie tief ist das Wasser und wie ist die Wassertemperatur? Nicht nur zu kaltes Wasser kann den Körper auskühlen und damit für den Schwimmer gefährlich werden, auch warmes Wasser ist tückisch. Hier verliert der Körper bei der Bewegung viel Flüssigkeit, was ebenfalls schnell zu Erschöpfung führen kann. Gehen Sie nicht mit zu vollem oder leerem Magen ins Wasser und niemals mit Alkohol im Blut. Am besten schwimmen Sie nicht alleine weiter raus, Kinder sollten Sie immer beaufsichtigen.




Wie helfe ich einem Ertrinkenden?


Michael Grohe: Jeder ist nach dem Gesetz zur Hilfeleistung verpflichtet, soweit es im Rahmen seiner Möglichkeiten ist und der Retter sich nicht selbst in Gefahr bringt. Das bedeutet, dass jeder, der sich dazu in der Lage fühlt, einem Ertrinkenden zur Hilfe kommen sollte. Am besten nutzen Sie dazu auftreibende Gegenstände wie idealerweise einen Rettungsring oder andere Dinge, die schwimmen, damit sich der Verunglückte daran festhalten kann. Dazu dürfen Sie im Notfall auch Sachen nutzen, die Ihnen nicht gehören. Wenn Sie ins Wasser gehen müssen, um dem Ertrinkenden zu helfen, ist wichtig, dass Sie ihn von vorne anschwimmen und beruhigend auf ihn einwirken. Ziehen Sie möglichst viel aus, bevor Sie ins Wasser gehen, vor allem Ihre Schuhe. Halten Sie zunächst einen Sicherheitsabstand ein, damit der Verunglückte Sie nicht umklammern und damit selbst in Gefahr bringen kann. Schwimmen Sie ihn dann von hinten an. Transportiert wird in Rückenlage mit speziellen Abschlepp- oder Transportgriffen, mit denen gezogen bzw. geschoben wird. Das Wichtigste ist, dass der Kopf des Betroffenen dabei immer über Wasser ist. Die wichtigsten Rettungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen haben wir Ihnen in einer Checkliste zusammengestellt.


Checkliste Erste Hilfe beim Ertrinken (PDF, 158 KB)


Was mache ich, wenn eine Person in einen schnell fließenden Fluss wie z.B. den Rhein fällt, springe ich dann hinterher?


Michael Grohe: Die Versuchung hinterherzuspringen, um die Person zu retten, ist natürlich groß. So schrecklich es klingt, man sollte das nur tun, wenn man sehr gut trainiert ist und sich eine Rettung wirklich zutraut. Die Gefahr, dass man dabei selbst ertrinkt, ist sehr groß. Absolut niemand sollte da ohne Eigensicherung ins Wasser gehen! Trauen Sie sich eine Rettung im Wasser nicht zu, versuchen Sie besser, dem Ertrinkenden von außen zu helfen. Werfen Sie ihm eine Leine zu oder etwas, das schwimmt und an dem er sich festhalten kann. Handeln Sie auf alle Fälle schnell. Alarmieren Sie in jedem Fall sofort den Rettungsdienst über die 112! Verbleiben Sie selbst oder evtl. hinzugekommene andere Personen an der Unglücksstelle, um den Rettungsdienst einzuweisen. Versuchen Sie, weitere Personen sowie die Schifffahrt auf die Situation aufmerksam zu machen.
 
Zusammenfassend kann ich nur an alle Eltern appellieren, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen oder sie in einem Verein ausbilden zu lassen. Ertrinken ist nach wie vor die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Schwimmen lernen rettet also Leben – und es macht auch so viel Spaß!
 
Herr Grohe, vielen Dank für diese wichtigen Informationen.


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