Mit sportlichem Beispiel voran

Fitte Kinder brauchen fitte Eltern


Rückwärts laufen, Purzelbäume schlagen, balancieren? Das kann doch jedes Kind – sollte man meinen! Doch das Gegenteil ist der Fall: War eine Generation vorher zum Beispiel schon morgens der Schulweg über mehrere Kilometer zu Fuß normal, bewegen sich Jungen und Mädchen heute immer weniger. Nur rund 20 Prozent der Mädchen und 30 Prozent der Jungen haben laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts täglich ausreichend Bewegung.


Mehr Bewegung im Alltag...

Kleine Wohnungen, Straßenverkehr, Stadtleben, wenige Freiflächen zum Spielen, das Sitzen in der Schule und vor dem PC zuhause fordern ihren Tribut. Sogar weltweit ist die Fitness von Kindern in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken: Jungen und Mädchen heute seien um 15 Prozent weniger sportlich trainiert als ihre Eltern es in deren Alter gewesen waren. Das ergab eine Analyse in den USA von 50 Studien aus 28 Ländern.

„Dabei liegen die Vorzüge von täglicher Bewegung und körperlicher Aktivität auf der Hand“, sagt die Sporttherapeutin Sandra Klering. Die studierte Sportwissenschaftlerin gibt unter anderem Pilates-Kurse für Schwangere und junge Mütter an der Familienschule Fulda. Und das nicht ohne Grund: „Schon im Bauch prägen wir das Bewegungsverhalten unserer Kinder“, weiß sie. Ist das Kind dann auf der Welt, guckt es sich die Gewohnheiten der Eltern ab. Deshalb plädiert Frau Klering – genau wie zahlreiche Lehrer, Kinderärzte und Pädagogen – für mehr Bewegung in Alltag und Familie. Wie das geht? „Ganz einfach“, sagt Sandra Klering, in unserem Interview:

Freude an der Bewegung – brauchen Kinder ihre Eltern als Vorbild?

Sandra Klering: Kindern ist von Natur aus ein großer Bewegungsdrang angeboren. Als Erwachsene wundern wir uns ja immer, wie man den ganzen Tag so herum springen und rennen kann, ohne müde zu werden. Ein kleines Kind bewegt sich, wann immer es kann, und diesem Drang sollten wir Erwachsene zunächst genügend Raum geben. Mädchen und Jungen möchten toben, laufen, kullern, klettern, diese Möglichkeiten sollten sie bekommen.

Das Bedürfnis nach Bewegung lässt erst im Laufe der Grundschulzeit etwas nach. Und hier sind nun wir Erwachsenen und Eltern gefragt. Gerade weil unsere Kinder vor allem durch die Nachahmung ihrer Umgebung lernen, gilt es, ihnen die Freude an der Bewegung vorzuleben und sie gemeinsam zu teilen. Haben Kinder das von klein auf und mit Spaß daran erfahren, besteht eine gute Chance, dass Bewegung auch in späteren Jahren ein Grundbedürfnis für sie bleibt.



Wie viel bzw. wie wenig Bewegung in der Woche ist nötig?

Sandra Klering: So viel Bewegung wie möglich! Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Es ist abhängig vom Temperament und vom Alter des Kindes. Am besten täglich, verbunden mit Phasen der Ruhe und ausreichend Schlaf. Damit ist jedoch kein Wochenplan gemeint, der mit Ballettstunden, Karatetraining und Fußballverein vollgestopft sein muss. Es geht vielmehr um alltägliche Gemeinsamkeiten, angefangen beim Fußweg zum Kindergarten, dem Treppensteigen statt Rolltreppe- oder Fahrstuhlfahren, das Radeln in die Schule (und ins Büro) übers Tanzen und Raufen in der Wohnung bis hin zu gemeinsamem Federballspielen im Garten, Spazierengehen und Familienausflügen per Fahrrad oder zum Wandern. Das Gute daran ist: Für all diese Aktivitäten müssen die Eltern gar keine Sportskanonen sein.


Warum ist Bewegung überhaupt so wichtig für Kinder?

Sandra Klering: Der positive Einfluss von Bewegung auf die körperliche Gesundheit allgemein ist bekannt. Wir trainieren Kreislauf, Atmung, Muskeln, Faszien, Immunsystem, Motorik, stabilisieren Knochen und unseren Stützapparat, aber auch unser Gehirn und die Organe werden angeregt. Doch das ist längst nicht alles: Die gesamte geistige Entwicklung eines Kindes steht in sehr engem Zusammenhang mit seiner Bewegungsfähigkeit. Kinder, die sich viel bewegen, tun sich zum Beispiel beim Spracherwerb und beim Lesen leichter.

Aber dafür braucht es jede Menge tägliche Anreize: Erwiesenermaßen steigen die schulischen Leistungen bei Kindern durch eine tägliche Stunde Bewegung, z.B. in Form einer Stunde Sportunterricht. Da leider in den wenigsten Kindergärten oder Schulen ausreichendes Bewegen zum Alltag gehört, liegt es am Elternhaus, das aufzufangen. Eben mit den genannten Beispielen innerhalb der Familie. Eine große Unterstützung bieten natürlich auch die zahlreichen Sportvereine. Bewegung und Sport in der Gemeinschaft fördern zusätzlich die sozialen und auch emotionalen Fähigkeiten eines Kindes.

Ab wann kann ich mein Kind generell sportlich, bewegungsorientiert fördern?

Sandra Klering: Das ist eine spannende Frage. Denn was viele nicht wissen: Die Förderung beginnt bereits vor der Geburt. Das Ungeborene ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional sehr eng mit der Mutter verbunden. Freudvolles Bewegen der Mama in der Schwangerschaft kommt damit eins zu eins auch beim Embryo an. Von täglichen Spaziergängen an der frischen Luft über regelmäßiges Schwimmen und Tanzen bis zum Besuch von Yoga- und Pilateskursen speziell für Schwangere – wie wir sie zum Beispiel in der Familienschule Fulda anbieten – reichen hier die vielfältigen Möglichkeiten.

Was noch dazu kommt: Erlebt das Kind eine bewegungsaktive Mutter während der Schwangerschaft, entwickelt es schon im Bauch Bewegungskompetenzen, welche es für die Geburt sehr gut gebrauchen kann. Die aktive Mitarbeit des Kindes ist eine wichtige Voraussetzung für eine unkomplizierte und zügige Geburt. In der Realität sieht es allerdings so aus, dass 60 Prozent der Frauen in der Schwangerschaft ihre sportliche Betätigung aufgeben, meist aus Unwissenheit oder Unsicherheit. Doch solange keine medizinischen Indikationen dagegen sprechen, ist alles an moderater Bewegung erlaubt! Vorausgesetzt es birgt keine Verletzungsrisiken und es tut der Frau gut.

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Familienschule Fulda

„Starke Kinder brauchen glückliche und zufriedene Eltern für ein unbeschwertes Aufwachsen“, dafür steht die Familienschule Fulda eine Einrichtung der Deutschen Familienstiftung.

Die Familienschule Fulda ist ein Ort, wo Eltern Antworten auf ihre Fragen bekommen, Kontakte knüpfen und hilfreiche Kurse von Geburtsvorbereitung über Eltern-Kind-Gruppen bis hin zu Selbsthilfe-Gruppen finden können.

Neben den genau auf die Bedürfnisse von werdenden und jungen Eltern abgestimmten Kursangeboten erhalten die Eltern familien- und partnerschaftsstärkende Hilfen zu Themen wie Sicherheit und Klarheit im eigenen Vorgehen, Alltagsgestaltung, Selbstpflege, Stress- und Zeitmanagement sowie verlässliche Unterstützung und Beratung bei unterschiedlichsten Problemen. Hier geht es direkt zur Familienschule Fulda.


Was kann ich mit meinem Baby oder Kleinkind schon alles an Sport machen?

Sandra Klering: Das Wichtigste ist die alltägliche gemeinsame Bewegung. Das geht los mit dem Tragen des Babys im Tragetuch oder in der Tragehilfe, dann das Tanzen, Raufen, Schaukeln, Hüpfen, Balancieren und gemeinsame Bewegungsspiele wie Um-die-Wette-laufen, auch mal die Treppe rauf, Schneeballschlachten, Fangenspielen, Bälle werfen. Man kann auch mal einen kleinen Parcours mit Tischen, Stühlen und Bänken im Wohnzimmer oder Garten aufbauen oder mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren gehen. Tolle Anregungen dafür können sich Eltern z.B. in ausgewählten Kursen, Apps, Magazinen oder Büchern holen und in den Alltag mit Kind hineintragen.

Kann das Kind schon laufen, sollte man es nicht so viel im Buggy herumkutschieren. Besser ist es, ein bisschen mehr Zeit für den Weg einzuplanen und auch größere Stücke zu Fuß zu gehen. Viele Sportangebote und Anregungen findet man auch ganz leicht im Internet zum Beispiel unter den Stichworten Kinder und Sport.

Sie sind Sporttherapeutin und haben selbst Kinder. Wie haben Sie denn Ihre Kinder an Bewegung herangeführt?

Sandra Klering: Ich selbst erlebte durch regelmäßige Bewegung zwei unkomplizierte Schwangerschaften und Geburten. Danach waren die Kinder – ob im Tragetuch oder im Fahrradanhänger – von Anfang an bei unseren Aktivitäten dabei. Heute, rund zehn Jahre später, sind beide Kinder in Vereinen sportlich aktiv und wir als Familie genießen es, gemeinsam zu klettern, auf Skiern zu stehen oder auch bei Stadtläufen dabei zu sein.

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Klering!

Bewegende Apps für Kinder und Eltern:

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