Pflegebedürftige Eltern – wann müssen Kinder für die Pflegekosten aufkommen?

Menschen werden immer älter – lag die Lebenserwartung bei 1950 geborenen Männern im Schnitt noch bei 64,6 Jahren und bei Frauen bei 68,5 Jahren, hat ein 2015 geborener Junge eine Lebenserwartung von 77,7 Jahren und ein Mädchen 82,8. Das ist eine erfreuliche Entwicklung – hat aber auch eine Kehrseite, denn nicht alle sind bis an ihr Lebensende in der Lage, sich selbst zu versorgen. Oft gehen Jahre an Pflegebedürftigkeit ins Land, bis man wirklich stirbt. Und diese Pflege muss in irgendeiner Art und Weise auch bezahlt werden.



Der Staat ist nicht in der Lage, für alle Leistungen im Pflegebereich aufzukommen – 2013 gab es deutschlandweit 2,62 Mio. Pflegebedürftige – 1,86 Mio. davon wurden zu Hause versorgt, 764.000 vollstationär in Pflegeheimen. Rund eine Mio. Menschen sind beruflich im Pflegesektor tätig – 685.000 davon in Pflegeheimen, 320.000 bei ambulanten Diensten. Prognosen zufolge soll die Zahl der Pflegebedürftigen weiter ansteigen – bis 2030 rechnet man mit ca. 4,3 Mio. Menschen in Deutschland, die auf Pflege angewiesen sein werden.




Wie wird die Pflege in Deutschland finanziert?

1995 wurde die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Seitdem zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Beitrag zur Pflegeversicherung. Dieser beträgt bei gesetzlich Versicherten derzeit 2,35% des Lohns (bei kinderlosen Arbeitnehmern 2,6%) – bei privat Versicherten ist der Beitrag vom Alter und vom Gesundheitszustand abhängig – und wird zu 50% vom Versicherten und zu 50% vom Arbeitgeber bezahlt. Selbständige müssen die Beiträge zur Gänze selbst bezahlen. Die deutsche Sozialversicherung definiert die Pflegeversicherung wie folgt:

„Die Pflegeversicherung sichert das finanzielle Risiko der Pflegebedürftigkeit ab. Sie soll es dem Pflegebedürftigen ermöglichen, ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Demnach ist die Pflegeversicherung keine Vollversicherung. Sie stellt eine soziale Grundsicherung in Form von unterstützenden Hilfeleistungen dar, die die Eigenleistungen der Versicherten und anderer Träger nicht entbehrlich machen.“ Daraus kann man erkennen, dass die Pflegeversicherung nicht für alle erforderlichen Maßnahmen im Pflegebereich aufkommt. Ein Teil bleibt am Pflegebedürftigen hängen – und der ist nicht gerade gering.


Wer erhält wie viel Pflegegeld?

Das hängt vom jeweiligen Pflegegrad ab – davon gibt es fünf:

Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Geleistet werden monatlich in Pflegegrad 1: 125 Euro Sachleistung, also Kosten für professionelle Pflege oder 125 Euro für vollstationäre Pflege.

Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit. Geleistet werden monatlich in Pflegegrad 2: 316 Euro für private Pflege oder 689 Euro Sachleistung, also Kosten für professionelle Pflege oder 770 Euro für vollstationäre Pflege.

Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit. Geleistet werden monatlich in Pflegegrad 3: 545 Euro für private Pflege oder 1.298 Euro Sachleistung, also Kosten für professionelle Pflege oder 1.262 Euro für vollstationäre Pflege.

Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit. Geleistet werden monatlich in Pflegegrad 4: 728 Euro für private Pflege oder 1.612 Euro Sachleistung, also Kosten für professionelle Pflege oder 1.775 Euro für vollstationäre Pflege.

Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung. Geleistet werden monatlich in Pflegegrad 5: 901 Euro für private Pflege oder 1.995 Euro Sachleistung, also Kosten für professionelle Pflege oder 2.005 Euro für vollstationäre Pflege.


Das kostet die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung

Der Pflegestatistik 2016 des Statistischen Bundesamts zufolge kostet die Unterbringung und Pflege im Pflegeheim im Schnitt 3.515 Euro bei Pflegegrad 5. Die gesetzliche Pflegeversicherung erstattet davon nur bis zu 1.612 Euro (im Härtefall 2.005 Euro). Es bleibt somit ca. 1.500 Euro im Monat übrig, die vom Staat nicht übernommen werden.


Wer zahlt den Rest?

So bitter es auch ist, die Differenz muss vom Pflegebedürftigen selbst finanziert werden. Im besten Fall hat der Betroffene mit einer privaten Pflegeversicherung vorgesorgt – ansonsten muss die Rente und vorhandenes Vermögen herangezogen werden. Reicht auch das nicht aus, springt das Sozialamt ein – es tritt aber nur in Vorleistung und fordert die Zahlungen von den Angehörigen zurück. Zuerst wird der Ehepartner herangezogen, danach die Kinder. Voraussetzung für eine Unterhaltspflicht der Kinder ist, dass die Eltern bedürftig und die Kinder leistungsfähig sind – und die Bedürftigkeit der Eltern ist meistens gegeben, wenn kein großes Vermögen vorhanden ist und der Aufenthalt im Pflegeheim länger andauert.


So sieht die Haftung der Kinder für die Eltern im Pflegefall aus

Elternunterhalt ist in Deutschland die rechtliche Verpflichtung von Kindern, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten den Lebensbedarf der Eltern durch Unterhaltszahlungen zu sichern – auch wenn der Kontakt seit langer Zeit abgebrochen war. Die Höhe des Unterhalts hängt von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kinder ab und wird individuell berechnet. Und das sieht wie folgt aus: Zur Berechnung wird das Nettoeinkommen abzüglich Unterhaltspflichten gegenüber eigener Kinder oder Ehepartner herangezogen. Davon wird ein Selbstbehalt von 1.800 Euro im Monat für eigene Bedürfnisse abgezogen.

Ist das Kind verheiratet, werden vom gemeinsamen Einkommen 1.800 Euro plus 1.440 Euro Selbstbehalt vom Ehepartner abgezogen – das ergibt einen abzugsfähigen Betrag von 3.240 Euro vom Familieneinkommen, der nicht zum Unterhalt gegenüber der Eltern bzw. Schwiegereltern eingesetzt werden kann. Darüber hinaus gibt es weitere Aufwände, die abgezogen werden können – zum Beispiel berufsbedingte Aufwendungen, Nachhilfekosten, Kreditraten sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Der verbleibende Betrag wird zur Zahlung des Elternunterhalts herangezogen – wobei die Sozialämter nicht in allen Fällen den Gesamtbetrag einfordern, oft sind es auch nur 30 bis 50 Prozent.

Gibt es mehrere Geschwister, haften sie anteilig im Verhältnis ihrer Leistungsfähigkeit. Im Jahr 2012 hatten die Sozialämter aus dieser Unterhaltspflicht um die 500 Millionen Euro eingenommen.

Auch  das Vermögen der Kinder kann für die Pflegekosten der Eltern herangezogen werden. Hierbei gibt es ein sogenanntes „Schonvermögen“, das den Kindern bleiben muss. Wie hoch es ist, errechnet sich individuell aus dem Einkommen und den bisherigen Berufsjahren. Das sieht zum Beispiel so aus: Ein Arbeitnehmer mit 15 Berufsjahren und 1.300 Euro Bruttoeinkommen hat ein Schonvermögen von ca. 12.000 Euro.

Bei einem Arbeitnehmer mit 40 Berufsjahren und 2.300 Euro Bruttoeinkommen beträgt das Schonvermögen ca. 150.000 Euro. Zum Schonvermögen gehört auch ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung.

Musterrechnung Pflegekosten (pdf, 272 KB)
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So denkt Deutschland über die Problematik der Unterhaltspflicht

Darüber gibt der AXA Deutschland-Report Aufschluss: In der Befragung kam heraus, dass  der Staat stärker in der Pflicht gesehen wird, als eigene Kinder. Sieben Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sind der Meinung, dass der Staat bei Pflegebedürftigkeit einzuspringen hat. Nur drei Prozent wollen sich im Pflegefall auf ihre Kinder verlassen. Dass dies aber leider in der Realität anders aussieht, zeigt die derzeitige Situation und beim Blick in die Zukunft bleibt offen, ob sich die Leistungen des Staates erhöhen werden.


Gezielt vorsorgen – Kinder schützen!

Damit Kinder im Pflegefall nicht für ihre Eltern aufkommen müssen, gibt es private Pflegeversicherungen. Mit nur ein paar Euro im Monat kann man die Lücke bei den Pflegekosten schließen und dadurch den Lebensstandard der Kinder sichern. Wie wenig dieser Gedanke jedoch in den Köpfen der Deutschen verankert ist, zeigt ein weiteres Ergebnis des AXA Deutschland-Reports: Nur 40% der in Deutschland erwerbstätigen Personen haben eine finanzielle Vorsorge für den Fall einer Pflegebedürftigkeit getroffen.

Mehr über die Erwartungen, Sorgen und Ängste der Deutschen in Bezug den Ruhestand erfahren Sie im AXA Deutschland-Report.

Übrigens – es geht auch anders: In Österreich wird die staatliche Pflegeversicherung aus Steuermitteln finanziert und seit Mitte 2014 werden die Kinder nicht mehr für die Pflegekosten zur Verantwortung gezogen. Reicht das Vermögen der Eltern für die Pflegekosten nicht mehr aus, übernimmt diese der Staat zur Gänze.


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