Trauerbegleitung - Hilfe annehmen in den schwersten Stunden

Serie Trauer - Teil 1


Der Tod stürzt alles um. Es gibt nichts, was Trauer leichter macht. Mit Verständnis und Bestärkung an der Seite kann es jedoch gelingen, aus dem Verlust wieder ins Leben zu finden. Jeder von uns wird diesen einschneidenden Tag erleben, aber man spricht nicht darüber in unserer Gesellschaft. Das ist schade. Denn in der Beschäftigung mit dem Thema Tod liegt die Chance auf ein besseres Leben. Lernen Sie hier im PLUS einen außergewöhnlichen Bestatter kennen, der eine besondere Form von Trauerkultur pflegt und viele Menschen weit über die schweren Stunden hinaus stützt und ermutigt.



„Als unser Vater starb, haben wir 11 Tage gebraucht, um Abschied zu nehmen.“ Fritz Roth war bekannt geworden mit seinem Engagement für einen offeneren Umgang mit Tod und Trauer in unserer Gesellschaft. Er gründete den ersten privaten Friedhof in Deutschland, er eröffnete die Private Trauer-Akademie und setzte sich besonders für trauernde Kinder ein. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die natürliche und klare Vermittlung der Themen um Sterben, Tod und Trauer. Unvergessen ist, dass er selbst auf seinen Wunsch in einem knallroten Sarg beigesetzt wurde. Die Familie führt sein Werk weiter: Trauer ist Liebe. David Roth erzählt uns, was Trauerbegleitung Hinterbliebenen geben kann.


„Nicht tun, was Sie müssen. Sondern tun, was Sie möchten.“


Was können Sie für Trauernde tun, Herr Roth?

David Roth: Ich glaube, dass wir etwas Einzigartiges tun. Bei uns geht es nicht darum, einen Sarg auszusuchen. Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, was Trauernde wollen, was ihnen gut tut. Wir bieten keine Konzepte an, weil es keine Schubladen für den Tod geben kann. Wir bieten Begleitung an, die sich ganz diesem einen Menschen widmet, der versucht den Tod zu verstehen. Der Abschied ist ein besonderer Tag. Da muss der kommerzielle Hintergrund ganz weit zurückrücken und mit ihm alle Regeln. Üblicherweise glaubt man ja, dass Trauernde bevormundet werden müssen, an die Hand genommen und geführt. Das ist nicht so.

Trauernde sollen im Gegenteil ermutigt werden, nicht das zu tun, was sie müssen, sondern das, was sie möchten. Wir müssen zuhören: Was hat den Verstorbenen ausgemacht? Wir müssen ermuntern: Tun Sie nichts, weil es sich angeblich so gehört. Warum nicht etwas selber machen? Liebe kann man nicht delegieren. An aufmerksamen Fragen entzünden sich helle Gedanken: Worüber konnte die, konnte der Verstorbene lachen? Wir befassen uns mit dem Gedanken, den Verstorbenen eine Freude zu machen. Jede Trauerfeier ist ein letztes Geburtstagsfest, dafür setzen wir uns ein.


Wie sieht eine gute Trauerbegleitung in Ihrem Sinne aus?

David Roth: Es geht erst einmal darum, Trauernde auszuhalten. Unsere Mitarbeiter sind geübt darin, Gefühle zuzulassen, aufzufangen und ihnen ein Feedback zu geben. Wir wollen Gemeinschaft erzeugen, die Hinterbliebenen dürfen nicht die Alleingebliebenen sein. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, persönliche Vorstellungen zu verwirklichen. Angeblich unumstößliche Regularien kann man hinterfragen – zum Beispiel ist es durchaus möglich, dass ein Verstorbener 36 Stunden zu Hause bleibt - damit man ausreichend gemeinsame Zeit hat.

Wir haben viele Vorurteile Toten gegenüber, vor allem im Zusammenhang mit Hygiene - die keine vernünftige Grundlage haben. Wenn wir eine Archäologie der Trauerkultur betreiben, finden wir sehr natürliche Umgangsformen mit Toten. Es gibt viele Alternativen zu den gebräuchlichen Abschieds-Szenarien. Eine gute Trauerbegleitung wird sich gemeinsam mit den Hinterbliebenen auf die Suche nach menschlichen Bedingungen machen und notfalls auch gegen Widerstände angehen. Eine Trauerfeier muss zum Beispiel so lange dauern dürfen, wie sie dauern soll - wir finden einen Ort, wo das möglich ist.


Was halten Sie von Trauerverarbeitung mit Hilfe von Medikamenten oder einer Therapie?

David Roth: Trauer ist keine Krankheit. Sie gehört zum Leben, es ist die völlig normale Reaktion auf einen Verlust. Eine Vielzahl von Gefühlen ist beteiligt, positive wie negative, das muss man zulassen. Therapie ist wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Natürlich gibt es auch psychiatrische Notlagen. Der Trauerbegleiter besitzt die Ausbildung und die Erfahrung, um festzustellen, ob jemand Psychotherapie braucht – aber es besteht ein breiter Konsens, dass das die Ausnahme ist. Wer vorher stabil war, wird es auch jetzt wieder.


Was kann ein Trauernder tun, um mit dem neuen Alltag fertig zu werden?

David Roth: Das Wichtigste ist, sich dem Alltag zu stellen. Trauernde erleben viel Unsicherheit in ihrer Umgebung: Wie geht man mit jemandem um, der einen Verlust erlitten hat? Das haben wir verlernt, viele Menschen meiden ängstlich den Kontakt mit einem Todesfall. Wir ermuntern Trauernde, nicht scheu zu sein und auch auf andere zuzugehen, Hilfe einzufordern und sie auch anzunehmen.

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Bieten Sie Trauernden auch über die Bestattung hinaus Zuwendung an?

David Roth: Wir halten viel von Trauergruppen. Trauernde sprechen miteinander und bauen Netzwerke auf. Gemeinsam gelingt es, etwas Positives zu unternehmen und das Leben in seiner neuen Form zu gestalten. Wenn wir einen Kochkurs veranstalten, kommen alle sehr schnell ins Gespräch miteinander – und es geht keinesfalls nur traurig zu. Neben Gruppen und Seminaren veranstalten wir Lesungen, Kabarett, Theater und bei unserem letzten Sommerkonzert sind über 2.000 Menschen zusammen gekommen. Es geht uns darum, Menschen aktiv zu machen und sie hinaus zu locken zur Begegnung mit anderen.


Sie setzen sich sehr für trauernde Kinder ein, haben Sie hierfür auch spezielle Angebote?

David Roth: Es gibt bei uns zwei wunderbare gemeinnützige Institutionen, das Domino Zentrum für trauernde Kinder und die TrauBe e.V., mit denen wir Themengruppen für Kinder anbieten. Es ist aber nicht so, dass Kinder dort einfach abgeladen werden – die Familien sind eingebunden. Unser eigenes Haus ist jederzeit offen für Kinder. Kindergärten besuchen uns, auf unserem privaten Friedhof hat der Waldkindergarten einen Platz, und wir gehen, natürlich nach Absprache, auch mal zu einem Verstorbenen, damit Kinder den Tod verstehen lernen.

Alle Medien sind ja voll davon, aber wie friedlich die Realität aussieht, wissen die wenigsten. Meist sind Kinder aber nicht das Problem. Man darf sie nicht ausschließen, nicht zu viel regulieren und vor allem zu nichts zwingen. Wenn sie eingebunden werden in einen Abschied und dabei Kind bleiben dürfen, werden sie die Trauer gut verarbeiten.


Wir haben von Ihrer Privaten Trauer-Akademie gehört. Was stellen wir uns darunter vor?

David Roth: Über die Trauer-Akademie organisieren wir unsere Angebote, die nicht direkt mit der Bestattung zu tun haben,  wie Seminare, Kochkurse und Reisen. Es ist wichtig, dass Menschen wieder zu einem natürlichen Umgang mit Trauer gelangen. Wir glauben heute, den Tod zu besiegen und verlieren ständig dabei. Wir müssen lernen, unseren Verstorbenen einen Platz in unserem Leben einzuräumen und eine neue Art von Beziehung zu ihnen aufzunehmen.


Sie bieten die „Gärten der Bestattung“ an. Ist das eine Alternativen zum herkömmlichen Friedhof?

David Roth: Die Gärten der Bestattung schließen eine immer wieder schmerzhaft empfundene Lücke: Auf unserem privaten Friedhof ist es möglich, Grab und Begräbnis frei von behördlich verordneten Regeln, ganz nach den persönlichen Bedürfnissen, zu gestalten – übrigens auch abends und am Wochenende. Kann ich meine Frau bei Mondschein bestatten? Kann ich meinen Hund zum Besuch am Grab mitnehmen? Die Regeln in unseren Gärten sind nur die der Rücksicht aufeinander. Nur eines ist nicht möglich: Wir bestatten nicht ohne Namen.


„Reisen ins Leben“ gehören auch zum Angebot Ihrer Trauerbegleitung. Wie können wir uns solche Reisen vorstellen?

David Roth: Wir versuchen hier, Seilschaften im positiven Sinne zu bilden. Leute finden sich, lernen sich kennen und führen sich gegenseitig. Das Reiseziel ist also weniger die Destination, als wieder Lust auf Leben zu bekommen. Es gibt verschiedene Angebote, Reisen mit uns gemeinsam aber auch individuelle Reisen gemeinsam mit anderen.


Was geben Sie uns zum Schluss mit, Herr Roth?

David Roth: Wenn wir uns dem Thema Tod stellen, wissen wir, was Leben ist. Es wäre schön, wenn in Familien wieder darüber gesprochen wird: Wie soll der Ort sein, an dem wir miteinander in Verbindung bleiben? Man kann viele Ängste verlieren und eine Linie finden, die dann hilft, wenn der Tag gekommen ist.
 
Herzlichen Dank, David Roth, für dieses Gespräch.


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