Alles auf Anfang. Wie das Leben mit der Trauer weitergeht

Serie Trauer


Der Alltag ist am schwersten, wie mit Beton an den Füßen geht es in das Leben danach. Die Trauer nach dem Verlust eines nahen Menschen scheint endlos. Gibt es Silberstreifen am Horizont? Kann man selbst etwas tun, um die Last leichter zu machen? Anmerkungen aus einem Trauerjahr.

Ein Satz begleitet das Leben ab jetzt: „Es muss ja weitergehen“, sagen alle, und sie meinen es gut. Man wird ein bisschen empfindlich in der Trauer und legt Worte auf die Goldwaage. Aber tatsächlich stimmt es nicht, dass das Leben weitergeht. Alles fängt von vorne an, alles ist neu. Das ist Schmerz, aber auch Chance. Nach den betäubten ersten Tagen und Wochen ist wieder Alltag. Nach aller Zuwendung werden Familie und Freunde ein bisschen ungeduldig und in der Frage „Wie geht es dir?“ schwingt die Erwartung einer endlich positiven Antwort. Wie damit umgehen?

Es ist, wie nach schwerer Krankheit wieder laufen zu lernen, dieser Vergleich hinkt nicht. Es hilft, sich Krücken zu bauen. Das können neue Rituale sein, eine neue Frisur, viel Arbeit, eine Reise, neue Herausforderungen, aber auch ein roter Lippenstift. Es gibt keine Regeln. Nichts ist so einzigartig wie Trauer, auch bei der besten Begleitung muss man den persönlichen Weg ganz alleine finden. Einige Phänomene scheinen allerdings viele zu betreffen, die einen Partner verloren haben. 


„Kein Schwein ruft mich an“

Wo bleiben die Freunde? Von der großen Gesellschaft aus den guten Tagen kaum eine Spur, nur hin und wieder kommt mal ein Anruf. Ein trauernder Mensch ist leicht zu kränken, auf den unsicheren Beinen zwischen Zorn und Verzweiflung. Was ist da los, bin ich den Menschen lästig? Der Trauerbegleiter Fritz Roth erklärte das so: „Viele Betroffene machen die Erfahrung, dass sie mit ihrer Trauer alleine sind, dass Kollegen, Nachbarn, selbst Freunde sich zurückziehen... Es ist kein Zufall, dass uns bei der Nachricht vom Tod eines Kollegen, eines Verwandten, eines Freundes oft die Worte fehlen... Wir wissen nicht, wie wir Trauernden begegnen sollen.

Diese Unsicherheit im Umgang mit ihnen verhindert, dass wir sie unterstützen können... Mit der Trauer über den Verlust eines nahestehenden Menschen zu leben, ist daher oft eine einsame Sache.“ Das kann man ändern. Anfangs nur manchmal, dann immer öfter gelingt es, aus dem gekränkten Rückzug herauszukommen und in die Offensive zu gehen: Wenn Freunde nicht kommen, lade ich sie ein.


Jeden Tag einen Berg besteigen

Jeder Tag bringt eine Herausforderung, immer wieder gibt es ein erstes Mal. Manches ist tatsächlich schwierig – die Erledigungen und Entscheidungen, für die zuvor der Partner zuständig war - vieles ist nur gefühlt eine riesige Aufgabe. Plötzlich allein mit allen Pflichten, aber auch allein mit den ehemals so schönen Momenten. Irgendwann lässt es sich nicht mehr vermeiden, alleine zu verreisen, alleine essen zu gehen das erste Mal. Dann hat man es geschafft: wieder einmal stärker gewesen, als geglaubt.

Nach einiger Zeit gelingt es, aus den schmerzenden Situationen auch einen Gewinn zu ziehen; „ich bin stolz auf mich“ und das Zutrauen in die eigene Überlebensfähigkeit wächst. Das neue Leben keimt. „Trauer ist ein Reifeprozess“, sagt der Autor Fritz Roth, „das beinhaltet das Entdecken von Freiräumen und neuen Lebensmöglichkeiten.“ Roth verspricht, dass „Schmerz und Einsamkeit sich im Lauf der Zeit in Lebensweisheit, Geduld und die Fähigkeit verwandeln, mit Erinnerungen umzugehen.“ Einen Zeitplan gibt es hierfür nicht.


Kraft von außen nach innen

Die Medizin macht sich in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten die Funktionsweise von Spiegelneuronen zunutze: Wenn Patienten bestimmte Handlungen verfolgen, werden sie in die Lage versetzt, selbst diese Handlung auszuüben, vereinfacht erklärt, entsteht in unserem Gehirn ein Bild von dem, was wir sehen. Das funktioniert auch mit dem eigenen Spiegelbild. Sorgfältig gewählte Kleidung, ein guter Haarschnitt, gepflegtes Aussehen, ja: und auch der eingangs erwähnte rote Lippenstift sind eine Botschaft, in erster Linie an sich selbst.

Diese Taktik kollidiert zuerst einmal mit der landläufigen Vorstellung, Trauernde müssten so aussehen wie sie sich fühlen – wer „richtig“ trauert, ist verhärmt. „Sie sehen aber gut aus“, ein entsprechend erstaunter Unterton schwingt in Komplimenten mit. Überhören Sie es!

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Wir lassen Sie nicht alleine...

Die Sterbegeld-Versicherung von AXA bietet Ihnen lebenslangen Versicherungsschutz und somit das gute Gefühl, für die finanzielle Absicherung Ihrer Angehörigen gesorgt zu haben. Ihre Hinterbliebenen werden entlastet.
 
Vorteile der Absicherung für den letzten Weg:
  • Sie haben lebenslangen Versicherungsschutz
  • Sie können bis zum Alter von 80 Jahren ohne Gesundheitsfragen aufgenommen werden
  • Sie bekommen bei einem Todesfall infolge eines Unfalls ab Vertragsbeginn z. B. die volle Versicherungssumme
  • Sie können im Falle einer Pflegebedürftigkeit (ab Stufe 2) eine Beitragsbefreiung vereinbaren
  • Sie haben eine zusätzliche Absicherung für den Fall des Todes im Ausland (Auslandsrückholung)
Informieren Sie sich über die Vorteile der Sterbegeldversicherung von AXA. Mehr zu den Leistungen erfahren Sie hier.


Das Leben ist ein Trainingscamp

In einer anderen Lebenssituation wären die „Fitnessübungen“ reines Vergnügen: Theater, Oper, Kino, Konzert, Vernissage, Weinprobe, Essenseinladungen annehmen und selbst für Gäste kochen. Jetzt ist Disziplin vonnöten, um nicht im letzten Moment zu kneifen und sich zu Hause zu vergraben. Es geht nicht um Ablenkung – wer das versucht, stürzt nachher umso tiefer – sondern um Therapie. Musik kann Schmerzen lindern, ebenso schöne Kunst, das ist erwiesen und gilt auch für Trauerschmerz. Positive Sinneseindrücke haben eine stärkende Wirkung auf die Seele, insbesondere spielen Kochen und Essen eine Rolle dabei.

Studien belegen den Zusammenhang zwischen Ernährung und  Psyche, insbesondere mediterrane Ernährung kann Depressionen vorbeugen. Vor allem ist es aber die Tätigkeit des Kochens - Vorbereitung, Zubereitung, Sorgfalt und Mühe, die sich fast schon wie ein stimmungsaufheiterndes Medikament auswirkt.


Etwas für andere tun

Es ist keine Einbildung, dass sich die Stimmung hebt, sobald man aufhört um sich selbst zu kreisen. Die Forschung sagt, dass das Belohnungssystem im Gehirn großzügiger „Glücksgefühle“ ausschüttet, wenn wir etwas für andere tun, statt uns nur um die eigenen Belange zu kümmern. Wenn der Kummer anderer also auch noch so geringfügig im Vergleich zum eigenen erscheint: Helfen hilft. Viele Ratgeber empfehlen, sich auf  das eigene Wohlergehen zu konzentrieren. Aber: Wann immer es gelingt, aus der Spirale der Klage auszubrechen, ist es der richtige Weg. 

Im Buch „Das letzte Hemd ist bunt“ von Fritz Roth (Gründer des Bestattungshauses Pütz-Roth) findet sich ein Satz, der Orientierung geben kann: „Ich habe nicht erwartet, dass mir so etwas Schreckliches geschieht. Aber nun ist es geschehen, es liegt nicht in meiner Macht, es ungeschehen zu machen. Vor mir liegt eine äußerst schwierige und schmerzhafte Zeit – was kann ich tun, damit es mir gelingt, sie zu meistern?“

Zur Redakteurin: Nach 34 Jahren Ehe Witwe, geholfen haben bisher: Logbuch eines unbarmherzigen Jahres, Connie Palmen; Das letzte Hemd ist bunt, Fritz Roth; Kiss me Kate, Cole Porter; Turandot, Giacomo Puccini, Der Sturm, William Shakespeare, Der Messias, Patrick Barlow; Die Made mit dem Kinde, Heinz Erhardt; Carol mit Cate Blanchett sowie zahlreiche Kunstausstellungen. Im Moment schreibe ich an einem Kochbuch für Menschen, die alleine zurück geblieben sind, „Nimm Zimt!“.



Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.