Bio-Landwirtschaft – Chancen oder Risiken für die Landwirte?

Der Bio-Markt boomt, die Verbraucher setzen mehr und mehr auf ökologisch und biologisch erwirtschaftete Lebensmittel. Die Nachfrage in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verdreifacht, nahezu alle Supermärkte führen ein Biosegment. Viele deutsche Bauern sind in den letzten Jahrzehnten auf den Zug aufgesprungen und produzieren ökologisch. Doch trotz steigender Nachfrage wächst die Anbaufläche für Bioprodukte im Verhältnis zur gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht schnell genug. Einige Biobauern kehren sogar wieder zur konventionellen Arbeitsweise zurück. Wir sind der Frage nachgegangen: Was bedeutet eine Umstellung auf Bio für die Landwirte? Welche Hemmnisse und Probleme gibt es? Und was sind die Vorteile?



1989 wurde der ökologische Landbau erstmals staatlich durch die EU gefördert. Seitdem hat sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche in der Bundesrepublik verzwölffacht. Es gibt sieben Mal mehr Bio-Betriebe als 1990. Doch im Gegensatz zum EU-weiten Durchschnittswachstum von über 50 Prozent, nahm in Deutschland die ökologisch bewirtschaftete Fläche trotz der großen Nachfrage zwischen 2004 und 2010 nur um knapp 30 Prozent zu. So kommen viele der Bio-Produkte in deutschen Geschäften aus dem Ausland – zum Beispiel jeder zweite Bio-Apfel, der hierzulande zu kaufen ist.



Zwölf Prozent der deutschen Landwirte können sich laut einer Umfrage des Deutschen Bauernverbandes aus dem Jahr 2012 eine Umstellung ihres konventionellen Betriebes auf den ökologischen Landbau vorstellen. Eine gute Voraussetzung, um die Versorgungslücke etwas zu schließen. Doch: Welche Bedingungen muss man dafür erfüllen? Was treibt die Bauern zur Umstellung an? Und was hindert sie?




„Weg vom Gift!“

Landwirte sind Unternehmer, sie handeln nach ökonomischen Gesichtspunkten. Viele erwarten sich von der Bioproduktion bessere oder zumindest genauso gute Einkünfte wie aus der konventionellen Landwirtschaft. Fast genauso wichtig wie das eigene Auskommen aber sind den Umstellungswilligen auch Faktoren wie der Umweltschutz, der Wunsch nach einer umweltschonenderen Bewirtschaftungsform, die Ansicht, dass ökologische Nahrungsmittel gesünder sind, und ein höheres Ansehen der Bauern in der Bevölkerung.

Ich wollte weg von Chemie und Giften“, erklärt Franz Hämmer, Landwirt aus Landsberg am Lech, seinen Schwenk Richtung Bio nach 30 Jahren konventioneller Landwirtschaft. Seit fünf Jahren hat er seinen Großviehhof nach Naturland-Richtlinien umgestellt. „Ich will in Einklang mit der Natur arbeiten.“ Eine Herausforderung, der er sich mit Leidenschaft stellt. „Ohne Leidenschaft geht es nicht! Die Form der Landwirtschaft muss unbedingt zu einem selbst und zum Betrieb passen.“

Deshalb empfiehlt es sich, vor der Entscheidung einen umfassenden Betriebscheck zu machen. Einerseits um abzuklopfen: Wie steht mein Betrieb im Moment da? Welche Veränderungen kommen auf mich zu? Was muss ich in Zukunft investieren – auch an zusätzlicher Arbeitskraft? Welche Ziele habe ich und (wie) kann ich sie erreichen? Andererseits sollte man überprüfen: Ist der ökologische oder biologische der richtige Weg für mich? Stehen ich und meine Mitarbeiter voll und ganz dahinter? Welcher Verband könnte mich unterstützen? Denn insgesamt tun sich Betriebe bei der Umstellung leichter, die ohnehin schon extensiv gearbeitet haben. Für andere kann die Neuorientierung eine grundlegende Überarbeitung fast aller Abläufe bedeuten.

Beratung, Hilfen bei der Vermarktung und zahlreiche Kontakte bieten u.a. die Öko-Verbände, die zudem auch verschiedene Öko-Siegel anbieten.

Bio-Siegel in Deutschland: 
  • Biokreis
  • Bioland (100 Prozent der Zutaten müssen ökologischer Herkunft sein)
  • Biopark
  • Demeter (100 Prozent der Zutaten müssen ökologischer Herkunft sein)
  • Ecoland
  • Ecovin
  • EU-Biosiegel (95 Prozent der Zutaten müssen ökologischer Herkunft, bis zu 0,9 Prozent dürfen gentechnisch verändertes Material sein)
  • Gäa e.V.
  • Naturland (95 Prozent der Zutaten müssen ökologisch produziert sein; 5 Prozent nicht ökologische Zutaten sind erlaubt, wenn die Lebensmittel aus ökologischer Produktion nicht verfügbar und die Zutaten gentechnisch unverändert sind)


Gerade bei Futterbaubetrieben stehen oft höhere Kosten ins Haus. Die Öko-Richtlinien fordern von vielen Bauern einen Um- oder Neubau der Stallungen, z. B. um mehr Platz oder einen Auslauf für die Tiere zu schaffen. Dagegen müssen Marktfruchtbetriebe hauptsächlich in Geräte und Maschinen (z.B. zur Unkrautregulierung) investieren und sich unter Umständen von bisher sicheren Einnahmequellen wie Zuckerrübenkontingenten verabschieden. Hinzu kommen für die Landwirte teilweise höhere, teilweise sogar niedrigere Arbeitsaufwände, fast immer aber mehr Bürokratie. Schließlich muss, neben der Selbstvermarktung und nötigen Informationsbeschaffung, noch wesentlich mehr dokumentiert und geprüft werden als bisher.


Mehr Arbeit, weniger Geld? – Die Befürchtungen der Landwirte

Viele konventionelle Bauern haben Sorge, dass eine Umstellung Probleme mit sich bringt: Einerseits befürchten sie Schwierigkeiten bei der Vermarktung und zu niedrige Preise für Öko-Produkte, andererseits zunehmende Probleme mit Beikräutern. Dies sind nach einer Studie des Landesamtes für Landwirtschaft und Ernährung auch die gravierendsten Probleme, die sich nach Aussage von Öko-Betriebsleitern nach der Umstellung ergeben haben. Auch mit geringeren Erträgen – im Schnitt sind sie im Vergleich zum konventionellen Anbau 10 bis 40 Prozent niedriger – muss man rechnen. Dafür hat man wiederum weniger Ausgaben für Dünge- und Pflanzenschutzmitteln oder Tiere zu verzeichnen, bekommt spezielle Förderungen und kann höhere Produktpreise erzielen.

Mancher Bio-Bauer gibt wieder auf oder geht zum konventionellen Anbau zurück. Doch 95 Prozent der Bio-Bauern machen weiter. Ausschlaggebend für den Erfolg auf dem Weg zum Biohof scheint vor allem eine sehr gründliche Vorbereitung und gute fachliche Beratung zu sein. So sind den meisten Leitern von Bio-Betrieben Gespräche mit ökologisch wirtschaftenden Kollegen, Tipps und Know-how von ausgewiesenen Beratern – v.a. von Öko-Anbauverbänden – Infos aus der Fachpresse sowie Exkursionen und Betriebsbesichtigungen (z.B. von Demonstrationshöfen) extrem wichtig.

„Es gibt verschiedene Wege, einen Biohof gut zu etablieren. Jeder muss da sein eigenes System finden, das zum jeweiligen Boden, zum Klima und auch zum persönlichen Sein am besten passt“, sagt Matthias Wechsler, der seit 1987 einen Bioland-Hof bei Landsberg führt. „Das Know-how dafür entwickelt sich mit der Zeit.“ Und auch für Rückschläge sollte man gewappnet sein. Für ihn ist eine richtige und gute Beratung – schon vor der Entscheidung – der wichtigste Schlüssel zum Erfolg. Ob es um das richtige Saatgut, die Fruchtfolge und die Zupachtung von Ackerflächen, die Beikrautregulierung oder um Förderungen geht – der enge Erfahrungsaustausch ist Gold wert.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Bei der Arbeit mit der Natur und mit Tieren sind Betriebe der Land- und Forstwirtschaft zahlreichen Risiken ausgesetzt. AXA bietet dafür ein innovatives und speziell auf die Bedürfnisse dieser Branche zugeschnittenes Lösungskonzept, mit dem Sie Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter, aber auch Ihre eigenen privaten und betrieblichen Risiken optimal absichern können.

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