Vom Landwirt zum Energiewirt?

Auf vielen Äckern wachsen längst keine Nahrungs- oder Futtermittel mehr. Zuckerrüben, Raps oder Mais werden nicht mehr nur zum Verzehr, sondern vermehrt zur Erzeugung von Biokraftstoffen angebaut. Schon hat sich das Auge auch an die Felder gewöhnt, wo – statt hellem Getreide – grau glänzend Photovoltaikanlagen in der Sonne funkeln. Kein Wunder, es werden immer mehr. Mancherorts recken sich zudem steil die Windkraftanlagen in den Himmel. Agrarenergie lautet die Zauberformel für viele. Die Energieerzeugung ist eine sichere und lukrative Einnahmequelle für Landwirte geworden – und für die meisten ein wichtiges zweites Standbein.




Landwirte erzeugen Milch, Fleisch, Gemüse, Holz. Aber das ist längst nicht alles. Sie liefern inzwischen Windenergie, Photovoltaik-Strom oder Wärme aus Biogas. Zudem stellen sie biogene Brennstoffe wie Hackschnitzel, Pellets oder Briketts aus Holz oder nachwachsenden Rohstoffen wie z. B. Chinaschilf her. Deren Energie gilt als CO2-neutral, weil bei ihrer Nutzung nur so viel Kohlendioxid frei wird, wie während des Wachstums der genutzten Pflanzen in der Biomasse gebunden wurde. Sie setzen also kein fossil gebundenes Kohlendioxid wie z.B. Steinkohle oder Erdgas frei.

Die immer weiter steigenden Öl- und Gaspreise haben schon vor Jahren die Veränderung der Energie- und Land-Wirtschaft interessant gemacht. Heute kommt noch das von der Bundesregierung gesetzte Ziel hinzu: Bis zum Jahr 2020 soll der deutsche Strom zu mindestens 35 Prozent aus erneuerbaren Ressourcen stammen. Die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 in Deutschland hat die Rahmenbedingungen für die Produktion von erneuerbaren Energien vorgeben. Hinzu kamen das Marktanreizprogramm, die Biomasse-Verordnung und das Biokraftstoffquotengesetz.

Die Idee, mit Förderungen auch den privaten Sektor zu stärken, scheint zu funktionieren: Vor allem private Haushalte investieren seither mit einem Anteil von etwa 60 Prozent in die erneuerbaren Energien. Rund 20 Prozent aller Anlagen sind dabei im Besitz von Landwirten. Gerade beim Bau von Biogas- und Photovoltaikanlagen liegen sie vorne. Mit gehörigem Potenzial: Allein die Gesamtfläche der landwirtschaftlichen Dächer wäre groß genug, um darauf etwa 3,5 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs zu erzeugen.


Gemeinsam stark

Landwirten eröffnen sich – je nach Ausgangssituation und der geplanten Ausrichtung des Betriebes – diverse Wege, auch als Energiewirt tätig zu werden. Sie können Biomasse erzeugen, damit handeln und sie verarbeiten, aus Biogas Strom oder Wärme produzieren, auf Dächern und Flächen Photovoltaikanlagen installieren, Windkraftanlagen bauen und zudem Dienstleistungen rund um die Erneuerbaren Energien anbieten.

Wenn einer allein es nicht schafft, versucht man es gemeinsam. Seit einigen Jahren schließen sich allerorts Bürger und Bürgerinnen zusammen, um in Eigenregie eine dezentrale Energieversorgung zu organisieren. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind in Deutschland etwa 300 Genossenschaften im Bereich der Erneuerbaren Energien gegründet worden. So können Bauernhöfe mit Wärmepumpen, Pelletheizungen, Biogas- oder Holzhackschnitzelanlagen ganze Dörfer unabhängig von fossilen Energieträgern und den großen Versorgungsunternehmen machen.


Gesetzliche garantierte Abnahme und Probleme

Das EEG garantiert eine feste Vergütung für 20 Jahre. Seit 2004 die Förderung für Biogas eingeführt wurde, boomt die Branche. Mit Energie aus Biomasse, ob fest, flüssig oder gasförmig, werden derzeit etwa 8,2 Prozent des deutschen Energiebedarfs gedeckt. Doch Vorsicht: Biogasanlagen sind nur noch schwer versicherbar. Einige Versicherer haben sich ganz aus diesem Segment zurückgezogen, andere zeichnen ausschließlich Neuanlagen oder solche von namhaften Herstellern. Zudem haben sich die Beiträge in der letzten Zeit drastisch erhöht. Denn erst mit der Zeit zeigte sich die Höhe des tatsächlichen Versicherungsrisikos und es häuften sich die Schadensfälle, die durch solche Anlagen entstanden sind.

Bei allen Vorteilen bringt die Förderung der erneuerbaren Energien in der Landwirtschaft auch Nachteile mit sich. So stiegen durch den Anbau an nachwachsenden Rohstoffen die Pachtpreise von Nutzflächen vielerorts stark an. In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beispielsweise stellt das nicht nur den Ökolandbau vor große Probleme. Die Flächenkonkurrenz zwischen Veredelung und Energieerzeugung zieht zudem höhere Preise für Futter nach sich. Solche Entwicklungen könnten auf lange Sicht die Existenz vieler Betriebe gefährden und fordern eine Regulierung durch die Politik.

Auch die steigenden Lebensmittelkosten werden zum Teil mit der wachsenden Agrarenergie in Verbindung gebracht. Und die Stimmen mehren sich, dass u.a. die entstehenden Monokulturen und der vermehrte Grünlandumbruch zu Ackerland zugunsten der nachwachsenden Rohstoffe die Bemühungen um ökologisch verträgliche Energieerzeugung ad absurdum führen. Allein schon aus diesen Gründen ist – nach den zahlreichen Änderungen und Anpassungen in den vergangenen Jahren – mit einer Reform der Fördergesetze zu rechnen.

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Interessante Links zum Weiterlesen:

Lesen Sie auch unseren 1ten Teil der Serie „Bio-Landwirtschaft – Chancen oder Risiken für die Landwirte“.

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