Zeit für den wohlverdienten Ruhestand: Teil 1 – Vorbereitung auf die Betriebsübergabe

Ein eigenes Unternehmen aufzubauen und erfolgreich zu führen, ist nicht nur Beruf, sondern auch Berufung. Hat man sich für diesen Weg entschlossen – und über Jahre hinweg Geld und Energie in den Betrieb gesteckt – kommt irgendwann der Zeitpunkt, um über den Ruhestand nachzudenken. Dabei geht es auch darum, was mit dem Unternehmen geschehen soll, wenn man sich aus dem Berufsleben zurückzieht. Es gilt einen Nachfolger zu finden, der die Firma in einer Form weiterführt, die sowohl ertragreich ist als auch dem ehemaligen Grundgedanken des Gründers entspricht ­– sonst fällt es noch schwerer, sich vom Unternehmen zu lösen.



Das Problem einer Nachfolgeregelung trifft mehr Personen, als man annehmen möchte – deutschlandweit suchen jährlich ca. 22.000 Unternehmer einen geeigneten Nachfolger. Laut Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn stehen im Zeitraum von 2014 bis 2018 ca. 135.000 Familienunternehmen zur Übergabe bereit – zum größten Teil im produzierenden Gewerbe mit über 41.000 Betrieben. Lesen Sie heute im ersten Teil dieser Reihe, wie man sich auf eine Übergabe vorbereiten sollte, wie und wo ein geeigneter Nachfolger gefunden werden kann und welche Formen einer Übergabe möglich sind.




In welchen Händen ist das Lebenswerk am besten aufgehoben?

Diese Frage steht allen anderen voran: An wen übergebe ich mein Unternehmen und zu welchen Konditionen? Den Idealfall stellt oft eine Nachfolge in der Familie dar – einer Umfrage zufolge sehen 44% der befragten Unternehmenseigner und Geschäftsführer eine Nachfolge durch einen Sohn oder eine Tochter am erfolgversprechendsten an (Quelle: Statista). Das ist nachvollziehbar, denn ein Familienmitglied kennt den Betrieb meist schon von Kindheit an und wird wahrscheinlich die Werte und Normen der Eltern weiterführen. An zweiter Stelle wurden in dieser Umfrage der Verkauf an ein anderes Unternehmen oder die Nachfolge durch einen Mitgesellschafter genannt. Der Verkauf an einen externen Nachfolger oder die Nachfolge durch einen Mitarbeiter sind weniger beliebt, aber auch eine Möglichkeit.



Planung und Vorbereitung der Übergabe

Egal, an wen die Firma übergeben oder verkauft wird – die Nachfolge sollte von langer Hand her geplant werden. Eine überlegte Nachfolgersuche und Betriebsübergabe erfordert nach Schätzungen der IHK ca. drei Jahre. Doch fast jeder zweite Senior-Unternehmer bereitet sich nicht rechtzeitig auf die Unternehmensübergabe vor. Ist der Entschluss für eine Übergabe gefasst, sollte das Unternehmen zuerst möglichst attraktiv präsentiert werden, damit es für potenzielle Nachfolger interessant erscheint. Das bedeutet auch, dass sich die Firma in einer wirtschaftlichen Lage befinden sollte, die dem Nachfolger Aussicht auf ein gutes Einkommen verspricht. In weiterer Folge ist es für den Senior wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie seine Altersvorsorge aussieht und wie er das Familienvermögen sichern kann. Dazu gehört auch die Beratung über rechtliche und steuerliche Aspekte einer Übertragung. Danach wird der Nachfolger ausgewählt, finanzielle sowie formelle Bedingungen geklärt, abgewickelt und der neue Firmeninhaber eingearbeitet. Nicht zu vergessen ist in der Vorbereitungsphase, sich Gedanken über die eigene Tätigkeit nach dem Ausstieg zu machen.


Ein konkreter Fahrplan ist hilfreich, um die Übergabe nicht immer wieder hinauszuschieben – loszulassen fällt oft sehr schwer. Darin sollte der Einstiegszeitpunkt des neuen Inhabers definiert sein, die Rolle des Seniors und die Verantwortungen, Aufgaben, Kompetenzen des Nachfolgers in einer eventuellen Übergangsphase sowie das Datum des endgültigen Ausstiegs festgeschrieben sein. Um mögliche Konflikte zu vermeiden, empfiehlt es sich, Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberater für die Gespräche zwischen Unternehmer, Nachfolger, Familie, Führungskräften und Mitarbeitern als Moderatoren hinzuzuziehen.

Die Information der Mitarbeiter ist wichtig, damit die Belegschaft nicht plötzlich vor vollendeten Tatsachen steht und eventuell mit der neuen Führung nicht klar kommt. Oft ist es sinnvoll, Gesellschafter, Führungskräfte oder den Meister im Vorfeld zu informieren – sie kennen die Belegschaft meist besser als der Firmeninhaber und können helfen, passende Strategien und den richtigen Zeitpunkt für das Informieren der Mitarbeiter zu finden.

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Welche Form der Übergabe kommt in Frage?

Hierbei ist vieles davon abhängig, ob die Firma an einen Außenstehenden übergeben wird oder in der Familie bleibt – denn zum Beispiel eine Schenkung kommt außerhalb der Familie kaum vor. Auch hängt es davon ab, ob der Senior sofort aus dem Unternehmen ausscheiden möchte, oder ob er noch über Jahre hinweg eine Rolle im Betrieb übernehmen möchte.


Die schrittweise Übertragung: Dies läuft am einfachsten in Kommandit-Gesellschaften (KG) oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) ab. Der neue Gesellschafter wird in das Unternehmen mit einer Haftungsbeschränkung aufgenommen und kann sich in Ruhe einarbeiten. Das bietet beiden Seiten die Möglichkeit, zu prüfen ob das Unternehmen überhaupt zu dem zukünftigen Inhaber, seinen Kompetenzen und Vorstellungen passt. Wird die Firma vor der Übergabe zum Beispiel als Einzelunternehmen geführt, kann sie auch vor Eintritt des neuen Gesellschafters in eine KG oder GmbH umgewandelt werden.

Die Nachfolge per Testament oder Erbvertrag: Diese Form kommt zumeist nur innerhalb der Familie vor. Der Inhaber legt in einem Testament oder Erbvertrag fest, wer nach seinem Ableben die Firma weiterführen soll. Dies hat Vorrang gegenüber der gesetzlichen Erbfolge – andere Nachkommen können jedoch einen Pflichtteil vom Begünstigten einfordern.

Die Schenkung: Hier verhält es sich ähnlich wie bei der Nachfolge per Testament oder Erbvertrag – jedoch wird das Unternehmen noch zu Lebzeiten übergeben. Im Schenkungsvertrag müssen auf alle Fälle die Ansprüche anderer Erben geklärt werden.

Der Verkauf: Hierbei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Bei einem sogenannten „Asset-Deal“ wird das gesamte Unternehmen inklusive aller Forderungen, Verbindlichkeiten und Wirtschaftsgütern verkauft – der neue Besitzer kann über alles frei verfügen. Ein „Share Deal“ kommt zustande, wenn sich der neue Eigentümer zu einem Teil in die Firma einkauft – zum Beispiel als Gesellschafter einer GmbH. Er ist dadurch Mitinhaber – entsprechend den Anteilen. Wird das Unternehmen vom Management (Geschäftsführer, Führungskräfte) gekauft, nennt man dies „Management-Buy-Out“ – kauft ein anderes Unternehmen die Firma, ist das ein „Management-Buy-In“.


Wie und wo findet man geeignete Nachfolger?

Nachdem den meisten Firmeninhabern ihr Unternehmen auch nach der aktiven Zeit noch immer am Herzen liegt, ist es wichtig zu sehen, dass der Nachfolger geeignet ist und das Unternehmen nicht ruiniert. Deshalb ist es notwendig, ein genaues Anforderungsprofil zu erstellen. Auch wenn das Unternehmen innerhalb der Familie weitergeführt werden soll, ist eine objektive Entscheidungsfindung wichtig. Darin werden kaufmännische, fachliche und soziale Kompetenzen angeführt – darüber hinaus sollte in Gesprächen mit dem Nachfolger die Entscheidungs- und Konfliktfähigkeit und das Durchsetzungsvermögen genau unter die Lupe genommen werden. Ein Nachfolger aus dem Familien- oder Mitarbeiterkreis kann den Vorteil haben, dass er das Unternehmen und die Mitarbeiter gut kennt und vielleicht von der Belegschaft besser akzeptiert wird, als ein externer Nachfolger.

Sollte niemand aus der Familie oder der Firma bereit sein, den Betrieb weiterzuführen, kann die Suche bei anderen Unternehmen weitergehen. Gespräche mit branchenähnlichen Betrieben, Mitbewerbern, der örtlichen Kammer oder dem Fachverband können zum Ziel führen. Die „nexxt-change"-Unternehmensbörse ist eine der besten Möglichkeiten, Nachfolger zu finden. nexxt-change ist eine Internetplattform des BM für Wirtschaft und Energie, der KfW, des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, dem Bundesverband des Deutschen Handwerks, Banken und Sparkassen. Über nexxt-change können Übergeber und Übernehmer kostenlos – zuerst anonym und geschützt – in Kontakt treten. In weiterer Folge betreuen bundesweit über 820 Regionalpartner der Kammern, Sparkassen und Kreditgenossenschaften die Interessenten vor Ort. Mit durchschnittlich ca. 10.000 Inseraten – zwei Drittel Angebote zur Übergabe und ein Drittel von Nachfolge-Interessenten – hat nexxt-change rund 2,5 Mio. Seitenaufrufe im Monat und überzeugt durch über 10.000 erfolgreiche Übergaben seit 2006.


Weitere Informationen und fundierte Beratung

Es ist in jedem Fall sinnvoll und wichtig sich fachlich individuell von Experten beraten zu lassen. Mit jährlich ca. 20.000 Gesprächen und Beratungen sind die IHKs Ansprechpartner Nummer 1 für die Beratung und Information in Bezug auf Nachfolgeregelungen. Darüber hinaus bieten auch Fachverbände, Beratungsnetzwerke, Unternehmensberater, Steuerberater, Notare und Rechtsanwälte Beratungsleistungen an, die hilfreich sein können. Eine große Linksammlung zum Thema Unternehmensnachfolge finden Sie hier.

Im zweiten und drittem Teil zum Thema Nachfolgeregelung und Unternehmensübergabe erfahren Sie, wie der Wert eines Unternehmens ermittelt wird, wie ein Verkauf konkret ablaufen kann und welche steuerlichen und rechtlichen Aspekte zu beachten sind.

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