Zeit für den wohlverdienten Ruhestand: Teil 2 – Unternehmenswert und Zahlung bei Betriebsübergabe


Die Entscheidung, sich aus dem eigenen Betrieb zurückzuziehen und die Früchte des zurückliegenden Arbeitslebens zu genießen, ist getroffen. Die Suche nach einem entsprechenden Nachfolger – der die Qualität und Werte des Unternehmens weiterführt – ist abgeschlossen. Jetzt geht es noch um die finanziellen Aspekte und um die konkrete Übergabe. Aber was ist das Unternehmen eigentlich wert? In welcher Art und Weise soll die Bezahlung erfolgen? Welche Verträge müssen aufgesetzt werden und welche steuerlichen und rechtlichen Folgen hat die Übergabe für den ehemaligen Besitzer. Genau um diese Fragen geht es im zweiten Artikel zum Thema Betriebsübergabe und Nachfolgeregelung.




Was ist das Unternehmen wert?

Gerade in diesem Punkt gehen die Vorstellungen des Betriebsinhabers und des Nachfolgers oft stark auseinander. Während der Nachfolger bemüht ist, einen möglichst niedrigen Preis für das Unternehmen zu bezahlen, überschätzt der Inhaber häufig den Wert seiner Firma. Laut IHK fordern 42% aller Alt-Inhaber einen zu hohen Kaufpreis – das liegt mit Sicherheit am subjektiven Empfinden, wie viel sein Lebenswerk seiner Ansicht nach wert sein müsste. Setzt man als Übergeber den Wert zu hoch an, kann es schwierig werden, einen Nachfolger davon zu überzeugen, dass er zuschlagen soll – steigt er trotz eines überhöhten Kaufpreises ein, besteht das Risiko, dass er sich finanziell übernimmt und die heißgeliebte Firma kurze Zeit nach der Übergabe in Konkurs geht. Auch außerbetriebliche Faktoren sind bei der Ermittlung des Kaufpreises zu berücksichtigen, wie zum Beispiel die finanzielle Lage des Käufers und des Verkäufers, das Alter und die Risikobereitschaft des Erwerbers und auch eventuelle Alternativangebote in der Umgebung. Maßgeblich für den endgültigen Preis sind Angebot, Nachfrage und das Verhandlungsgeschick von Verkäufer und Käufer.

Somit steht fest: Bei der Wertermittlung für die Unternehmensübergabe hilft nur eine objektive Bewertung – die im besten Fall von einem außenstehenden Fachmann erfolgt. Die örtlichen IHKs sind eine sehr gute Anlaufstelle, sie verfügen über die nötigen Kompetenzen und können bei der Bewertung hilfreich zur Seite stehen. Auch Wirtschaftsprüfer, Unternehmens- oder Steuerberater können eine Unternehmensbewertung vornehmen – dort sollte allerdings auf die anfallenden Kosten geachtet werden.


Konkrete Verfahren zur Bewertung

Als Ausgangspunkt für die Verhandlungen beim Verkauf dient die Bewertung des Unternehmens. Es gibt eine Vielzahl von Methoden – die auch zu unterschiedlichen Werten führen. Scheiden Gesellschafter aus Unternehmen aus, wird von der Rechtsprechung her die sogenannte „Ertragswertmethode“ angewendet – bei Familiengerichten wird hingegen für Zugewinnansprüche der Unternehmenswert aus der Hälfte von Substanz- und Ertragswert herangezogen. Grob kann man zwischen den folgenden Methoden unterscheiden:

Vergleichswertverfahren: Was kosten andere, vergleichbare Betriebe? Vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben sowie in Branchen, in denen Übertragungen häufig sind (Gastronomie, Brauereien, Reinigungen etc.) ist die Preisermittlung über Vergleichsdaten üblich. Die Daten können über Verbände, Kammern oder Unternehmensberater herausgefunden werden.

Substanzwertmethode: Hierbei werden lediglich die bestehenden Unternehmenswerte – wie zum Beispiel Grundstücke, Maschinen und Vorräte betrachtet. Bei der Ermittlung des Kaufpreises ist diese Methode wenig aussagekräftig, da zukünftige Erträge nicht berücksichtigt werden – sie ist aber wichtig für die Besicherung von Krediten und Darlehen.

Ertragswertmethode: Im Vordergrund stehen hierbei die zukünftigen Gewinne und die Ertragskraft des Unternehmens. Bei Verhandlungen mit Banken ist diese Vorgehensweise wichtig – denn die voraussichtlichen Gewinne sind ausschlaggebend für eine Kreditvergabe.

Kombination von Ertrags- und Substanzwertverfahren: Diese Methode wird am häufigsten angewendet. Der Ertragswert bestimmt in der Regel zu 90 Prozent den Kaufpreis – der Substanzwert nur zu 10 Prozent. Bei Unternehmen mit besonders hoher Substanz – wie zum Bespiel Immobiliengesellschaften – ist der Aufteilungsschlüssel ein anderer.

Bewertungsverfahren nach dem AWH-Standard: Gerade für kleine und mittlere Handwerksbetriebe ist dies eine passende Methode – denn sie berücksichtigt in Anlehnung an die Ertragswertmethode die Beeinflussung der Erträge durch die Persönlichkeit des Inhabers, die finanziellen Besonderheiten durch Haftungsüberschneidungen von Betriebs- und Firmenvermögen, eingeschränkte betriebswirtschaftliche Planungsmetoden und das begrenzte Budget für den Bewertungsaufwand. Entwickelt wurde sie von der Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk (AWH).

Die Handwerks-, Industrie- und Handelskammern und Branchenverbände informieren mit Kennzahlen und Hinweisen über branchenübliche Verfahren. Hier finden Sie ausführliche Informationen und ein Berechnungstool.

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Wie soll die Bezahlung ablaufen?

Ist der Übernahmepreis fixiert, geht es darum, in welcher Form die Bezahlung ablaufen soll – auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

Einmalzahlung: Der Idealfall – der Käufer legt die Gesamtsumme auf den Tisch und der Verkäufer kann mit dem Geld arbeiten oder seine Altersversorgung absichern.

Wiederkehrende Leistungen: Die Bezahlung in Form von wiederkehrenden Leistungen ist für den Nachfolger liquiditätsschonender, weil kein – oder weniger – Fremdkapital benötigt wird. Hierbei wird zwischen Rente, Rate oder dauernder Last unterschieden.

Rente:
Bei dieser Variante wird eine lebenslange Rentenzahlung vereinbart. Die Renten werden in gleicher Höhe und in gleichen Abständen an den Verkäufer gezahlt.

Raten:
Der Kaufpreis wird nach und nach bezahlt. Der Verkäufer kann auf die Raten noch einen Zinsanteil hinzurechnen. Wichtig ist, im Kaufvertrag eine Wertsicherungsklausel aufzunehmen, um die Raten an die Lebenshaltungskosten anzupassen.

Dauernde Last:
Darunter sind wiederkehrende Zahlungen über einen Mindestzeitraum von zehn Jahren zu verstehen, wobei die Zahlungen regelmäßig, aber nicht in gleicher Höhe geleistet werden – sie orientieren sich an der wirtschaftlichen Situation des Nachfolgers.  


Weitere Informationen und fundierte Beratung

Es ist in jedem Fall sinnvoll und wichtig sich fachlich individuell von Experten beraten zu lassen. Mit jährlich etwa 20.000 Gesprächen und Beratungen sind die IHKs Ansprechpartner Nummer 1 für die Beratung und Information in Bezug auf Nachfolgeregelungen. Darüber hinaus bieten auch Fachverbände, Beratungsnetzwerke, Unternehmensberater, Steuerberater, Notare und Rechtsanwälte Beratungsleistungen an, die hilfreich sein können. Hier finden Sie eine große Linksammlung zum Thema Unternehmensnachfolge.

Wichtig für die Wahl der passenden Übertragungsmöglichkeit und Zahlungsweise für Käufer und Verkäufer ist, sich eingehend über die Vor- und Nachteile sowie Auswirkungen der einzelnen Möglichkeiten beraten zu lassen und Sicherheiten für beide Seiten im Kaufvertrag mit aufzunehmen.

Wie dies konkret aussieht, welche rechtlichen und steuerlichen Dinge es zu beachten gibt, erfahren Sie im dritten Teil dieser Reihe, den Sie demnächst hier in Ihrem PLUS von AXA finden können.

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