Serie Depressionen - Teil 3: Kein Grund, im Alter aufzugeben!

Viele Menschen halten Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Angst für unvermeidliche Begleiterscheinungen der späten Jahre. Teil 3 unserer Serie zeigt, dass Depressionen im Alter ebenso erfolgreich behandelt werden können wie bei jüngeren Menschen. Sehen Sie dazu auch den neuen Film in der Pflegewelt von AXA!



„Dieses ewige Jammern und Klagen“ - das ist im Alter doch normal? Das weit verbreitete negative Altersbild ist ein Grund dafür, dass eine Depression bei Älteren oft nicht als Krankheit erkannt wird, die behandelbar und vor allem auch heilbar ist.

Das Alter ist nicht unausweichlich grau. Das Gegenteil ist der Fall. In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigten sich 85 Prozent der 65- bis 85-Jährigen mit ihrem Leben zufrieden oder sehr zufrieden. Depressionen sind im Alter nicht häufiger als in jüngeren Jahren, etwa 8-10 Prozent der über 65-Jährigen sind betroffen, und genau wie bei jüngeren Menschen haben Therapien gute Aussichten auf Erfolg. Das Problem: Die Verstimmungen der späten Jahre werden viel zu oft als schicksalhafte Alterserscheinung abgetan, schätzungsweise kommt es nur in 40 Prozent aller Fälle zu einer korrekten Diagnose. Das ist tragisch, „,zumal Depressionen bei älteren Menschen besonders leicht einen lebensbedrohlichen Charakter annehmen.“ (Bündnis Depression). Die Hälfte aller Suizide steht im Zusammenhang mit Depressionen, ihre Anzahl nimmt mit steigendem Alter zu  (Statistisches Bundesamt); hinzu kommt die Dunkelziffer der „stillen“ Selbsttötungen: das Verweigern von Nahrung und Medikamenten, Rückzug bis in den Tod.



Getarnte Symptome

Die Symptome einer Depression werden häufig verschleiert von den Pauschalurteilen über das Alter. Wenn ein älterer Mensch sich vom Leben zurückzieht, ist das für Jüngere meist kein Alarmsignal, sondern „normal“. Schlafstörungen gelten als altersüblich und mangelndes Interesse an Austausch wird missverstanden als Folge von geistigem Abbau. „Allzu häufig wird mangelnde Energie und Hoffnungslosigkeit bei älteren Menschen mit dem natürlichen Alterungsprozess erklärt“, weiß Professor Dr. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. 

Oft überlagern Klagen über körperliches Missempfinden die seelischen Probleme. Über 90 Prozent der erkrankten Älteren berichten fast ausschließlich über Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme; im Gegensatz zu jüngeren Patienten sind sie selten in der Lage, ihr psychisches Leiden in Worten auszudrücken.



Wie viel Trauer ist normal?

Verlusterlebnisse sind nicht nur der Tod des Partners, sondern auch der Wechsel des Lebensmittelpunktes oder Einbußen von Fähigkeiten wie beispielweise Hör- oder Sehkraft. Traurigkeit ist dann eine normale Reaktion. Der Schmerz nach einem Verlustereignis kann aber unbemerkt in eine Depression abgleiten  - selbst Experten sind sich nicht einig, wann und wo genaue Grenzen zu ziehen sind. Meist werden zwei Monate als Zeitraum für eine „normale“ Trauerreaktion angesehen, im Einzelfall zählen aber immer individuelle Umstände.



Demenz oder Depression?

Die Symptome der beiden häufigsten psychischen Störungen im Alter haben auf den ersten Blick gewisse Ähnlichkeiten. Depressive Patienten können Denk- und Sprechhemmungen entwickeln, an Konzentrations- und Gedächtnisstörungen leiden und wirken vom täglichen Leben überfordert. Allerdings sind sie in der Regel nicht desorientiert und im Gegensatz zu Patienten mit dementiellen Erkrankungen spielen sie ihre Beschwerden nicht herunter, sondern erleben sie dramatisch: Die Angst vor einer möglichen Demenz vertieft den Strudel der negativen Gedanken.



Darüber sprechen!

Ablenkung ist gut gemeint, „damit du mal auf andere Gedanken kommst.“ Aber genau das Gegenteil ist richtig. Statt Zerstreuung anzubieten, ist es sinnvoll, die psychischen Probleme ernst zu nehmen und offen darüber zu reden. Dabei gibt es keine Tabugrenze. Mediziner raten ausdrücklich dazu, auch den Lebensüberdruss anzusprechen, der so viele Menschen in einer Depression befällt. Die meisten alten Menschen halten Selbstmordgedanken für eine persönliche Schwäche und schämen sich dafür – es kann eine große Erleichterung für sie bedeuten, darüber zu sprechen. Der Schritt zur professionellen Hilfe wird dadurch leichter. 


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Die Diagnose ist die erste Chance.

Die ärztliche Diagnose einer Depression ist der erste Schritt aus der Gefahrenzone – auch weil der Arzt die Möglichkeit hat, andere Erkrankungen auszuschließen.

Die Therapie von Depressionen im Alter unterscheidet sich nicht von der Behandlung in jungen Jahren. Auch die Erfolgsquote ist vergleichbar: Bei etwa 70 Prozent aller depressiv Erkrankten kann eine deutliche Besserung erzielt werden – dabei spielen natürlich Gesundheit und Lebensumstände eine Rolle. Nicht nur die gefühlte Lebensqualität kann wieder gesteigert werden, auch körperliche Beschwerden verbessern sich. Studien belegen, dass typische Alterserkrankungen bessere Verläufe haben, wenn eine gleichzeitig auftretende Depression behandelt wird.



Drei Säulen stützen die Seele.

Auch bei der Therapie von Depressionen im Alter gilt die Kombination von Psychotherapie, Medikamenten und sozialer Unterstützung als optimal.

Die Psychotherapie ist entgegen vieler Vorurteile auch bei alten Menschen möglich und wirksam. Bewährt hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Vereinfacht erklärt werden hier positive Aktivitäten aufgebaut, verzerrte Denkmuster verändert, soziale Fertigkeiten und der Aufbau von Kontakten eingeübt und Methoden der Problemlösung erlernt. Dazu kommen sport- und bewegungstherapeutische Maßnahmen und Entspannungstechniken. In der praktischen Durchführung ist die Therapie den Bedürfnissen älterer Menschen angepasst: Die Sitzungen sind kürzer und die Gruppen kleiner, das Vorgehen ist insgesamt langsamer und Inhalte werden öfter wiederholt.


Die medikamentöse Behandlung ist sinnvoll, um den gestörten Hirnstoffwechsel zu normalisieren. Natürlich muss bei älteren Patienten, die häufig unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden, besonders auf mögliche Wechselwirkungen der Antidepressiva mit anderen Medikamenten geachtet werden. Es gibt heute eine ganze Reihe von Präparaten, die auch unter den speziellen Gegebenheiten des Alters gut verträglich sind. Geduld ist dennoch nötig. Es ist durchaus möglich, dass mehrere Antidepressiva ausprobiert werden müssen, bis eine zufriedenstellende Wirkung erzielt ist. Die Therapie kann beim ersten Auftreten einer Depression ein Jahr dauern, bei wiederholten Episoden drei Jahre und länger, unter Umständen müssen Antidepressiva lebenslang eingenommen werden.

Die soziale Unterstützung soll den Patienten helfen, Belastungen im Alltag besser zu bestehen und Probleme zu überwinden. Das kann Hilfe im Haushalt sein, Essen auf Rädern oder Unterstützung beim Aufbau von sozialen Kontakten wie zum Beispiel Anschluss an Senioren- oder Selbsthilfegruppen, sehr hilfreich kann ein sozialpsychiatrischer Dienst sein. Auch der Beistand der nahestehenden Menschen gehört dazu. Sie können zum Beispiel wertvolle Unterstützung beim Zurückgewinnen von Genussfähigkeiten leisten.



Essen und Trinken gehören zur Therapie.

Typischerweise ist mit einer Depression Appetitlosigkeit verbunden und damit ein hohes Risiko für Mangelernährung. Gerade im Alter kann ein zu niedriges Körpergewicht und eine unzureichende Versorgung mit Nährstoffen die bedrohliche Spirale von Schwäche, Infektanfälligkeit, Stürzen und Knochenbrüchen in Gang setzen. Zudem sind Gewichtsverluste im Alter nur schwer wieder rückgängig zu machen. Die Versorgung mit motivierender und appetitanregender vollwertiger Kost ist also lebenserhaltend. Im Notfall wird der Arzt zusätzlich zu einem Antidepressivum eine Trinknahrung verordnen, die dramatische Gewichtsverluste verhindert



Zwei wichtige Aufgaben für Angehörige: Geduld und Wissen

Das Wichtigste, was Angehörige leisten können, ist verständnisvolle Begleitung. Dabei heißt es, sich selbst zurück zu nehmen, und alle gewohnten Mechanismen zu unterdrücken: Gute Ratschläge, motivierende Forderungen und positive Appelle führen zu nichts. Der Depressive braucht neben der ärztlichen Behandlung geduldige Zuwendung und die Stütze eines geregelten Tagesablaufes. Das ist eine schwere Aufgabe, die auch einen stabilen Menschen an die Grenzen der Belastungsfähigkeit führen kann. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe warnt: „In ihrer Hilflosigkeit gegenüber der Depression entwickeln Angehörige oft selbst Schuldgefühle oder gar Ärger über die Erkrankten.“ Es ist daher wichtig, jederzeit im Auge zu behalten, dass es sich bei der Depression um eine Krankheit handelt, die einen Menschen völlig verändern kann. „Für Patienten und Angehörige ist es wichtig, sich durch Bücher, Videos oder Gespräche frühzeitig und umfassend über die Erkrankung zu informieren.“ raten die Experten der Depressionshilfe.

Lesen Sie auch die beiden ersten Teile unserer Serie Depressionen mit interessanten Informationen über Ursachen, Therapie und Möglichkeiten der Vorbeugung:


Was Sie noch interessieren könnte:

Umfassende Informationen und Kontaktadressen bietet www.deutsche-depressionshilfe.de

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