Serie Depressionen – Teil 2: Nicht ins Seelentief abstürzen

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Eine Depression kann sich schleichend entwickeln oder scheinbar grundlos plötzlich auftreten. Wer Risiken erkennt und erste Symptome ernst nimmt, kann rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen, um womöglich gar nicht erst abzurutschen in das große Seelentief.



„Je mehr jeder einzelne über die Krankheit weiß, umso besser kann er damit umgehen". TV-Entertainer Harald Schmidt ist bei Millionen für Spaß bekannt. Diese Popularität kommt jetzt einem ernsten Thema zugute: Als Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe engagiert er sich für mehr Aufklärung. Das ist wichtig. Etwa die Hälfte aller depressiven Erkrankungen bleibt unerkannt, weil Betroffene und ihre Umwelt die Erkrankung nicht als solche wahrnehmen.

Professor Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, rät: Wer länger als zwei Wochen unter den Frühsymptomen einer Depression leidet, sollte zum Arzt gehen. Nach seinen Erfahrungen sind häufig Menschen gefährdet, die besonders verantwortungsbewusst, leistungsbereit und streng mit sich selbst sind. Aber die Rahmenbedingungen einer Depression können vielfältig sein.



Das Risiko kommt plötzlich. Oder es ist schon lange da.

  • Risikofaktor Gene: Studien belegen, dass Kinder depressiver Eltern ein dreifach erhöhtes Risiko aufweisen, selbst zu erkranken. Der genetische Einfluss ist jedoch nur bei den selteneren bipolaren, das heißt: manisch-depressiven Störungen besonders ausgeprägt.
  • Risikofaktor Belastung: Viele depressiv erkrankte Menschen hatten vor der ersten depressiven Störung eine schwere Belastung zu ertragen. Das kann der Verlust einer vertrauten Person sein, aber auch anhaltender Druck am Arbeitsplatz, schwere finanzielle Not, soziale Isolation oder die Sorge um nahestehende Menschen.
  • Risikofaktor Kindheit: Depressive Patienten haben in ihrer Kindheit zwei bis dreimal so häufig wichtige Personen verloren, beispielsweise durch die Trennung der Eltern oder Vernachlässigung. Durch ein solches frühkindliches Trauma kann eine Veranlagung zur Depression entstehen.
  • Risikofaktor Krankheit: Organische und neurologische Erkrankungen können das Risiko einer Depression erhöhen. Dazu gehören Krebserkrankungen, Parkinson, Demenz, aber auch Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Lebererkrankungen und sogar schlafbezogene Atemstörungen wie das Schlafapnoe-Syndrom. Nach Schlaganfällen oder Herzinfarkten treten Depressionen gehäuft auf und auch einzelne medikamentöse Therapien können depressive Erkrankungen auslösen.
Ein zusätzliches Risiko besteht in der Tatsache, dass depressive Erkrankungen häufig schwer abzugrenzen sind von depressiven Verstimmungen. Lassen Sie uns über drei spezielle Fälle sprechen.



Erschöpft oder krank? Burnout oder Depression?

Experten sagen: Es gibt keine allgemein akzeptierte Diagnose Burnout. So wird unter diesem Begriff, der heute in aller Munde ist, sehr Unterschiedliches verstanden. Von Burnout spricht man im Allgemeinen bei einem Zustand großer Erschöpfung, der mit innerer Unruhe, Schlafstörungen, dem Gefühl der Überforderung und auch der gefühlsmäßigen Überlastung verbunden sein kann. Das können auch Anzeichen für eine Depression sein. Wenn es sich „nur“ um eine Erschöpfung wegen Überarbeitung handelt, hilft es meist, kürzer zu treten. Depressiv Erkrankte fühlen sich zwar auch erschöpft, es kommen aber weitere Krankheitszeichen hinzu. Bei anhaltendem Erschöpfungsgefühl und Verlust der Lebensfreude sollte die Diagnose auf jeden Fall von einem Arzt gestellt werden, weil eine Verwechslung schwere Folgen haben kann.



Ausgerechnet im glücklichsten Moment des Lebens - Babyblues oder Depression?

„Du musst doch glücklich sein!“ 10 bis 15 Prozent der jungen Mütter sind es nicht und erleiden eine Wochenbett-Depression, korrekter: die postpartale Depression. Sie kann bis zu einem halben Jahr nach der Entbindung auftreten und ist nicht zu verwechseln mit dem hormonell bedingten „Babyblues“, der nach einigen Tagen vorübergeht. Die Symptome einer ernsten Wochenbett-Depression sind die gleichen wie in anderen Lebensphasen, das Spektrum reicht von der traurigen Verstimmung bis zur schweren Erkrankung mit Suizidgedanken. Die Therapie mit  Antidepressiva ist sinnvoll, weil sie oft hilft, schneller aus der Depression herauszufinden und die wichtige Mutter-Kind-Bindung rasch wieder herzustellen. Die häufigste Sorge der Mütter ist unbegründet: Es gibt heute Psychopharmaka und auch Schlafmittel, die mit dem Stillen vereinbar sind.



Winter in der Seele – geht er von selbst vorbei?

Fast jedem Zehnten in Deutschland schlägt der Winter regelmäßig aufs Gemüt. Seit rund zwanzig Jahren kennt man den Zusammenhang zwischen Lichtmangel und einer so genannten „Winter-Depression“. Die Symptome unterscheiden sich von denen einer depressiven Erkrankung: Gesteigerter Appetit kommt auf, ein regelrechter Heißhunger auf Kohlenhydrate, meist auch auf Süßes, und die innere Uhr verlangt nach „Winterschlaf“. Die saisonal abhängige Depression, kurz SAD, zählt zu den leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen. Regelmäßige körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten im Freien können vorbeugen und helfen, aus dem Stimmungstief herauszukommen. Selbsthilfe ist aber nicht immer genug. Wer in aufeinander folgenden Wintern an den immer gleichen Symptomen leidet, sollte den Arzt befragen, um rechtzeitig eine womöglich schlummernde Depression rechtzeitig zu erkennen. Mit Lichttherapie, Antidepressiva und auch Psychotherapie stehen wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung.


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Erste Hilfe dringend erwünscht

Der erste Schritt ist der schwerste: die Gefahr erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Der Hausarzt ist der richtige Ansprechpartner auf dem kurzen Weg. Zum Wesen der Krankheit „Depression“ gehört, dass Betroffene nur selten den Mut fassen, sich einem bekannten Arzt anzuvertrauen. Sie brauchen besondere Unterstützung und Motivation. Praktische Hilfestellungen mit einem Online-Forum zum Erfahrungsaustausch gibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Bei dringendem Gesprächsbedarf steht die Telefonseelsorge zur Verfügung, Tel. 08 00-1 11 01 11 und 08 00-1 11 02 22.


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Schutzlos dem Schicksal ausgeliefert? Nein!

Was kann ich tun, um dem Risiko einer Depression zu entgehen? Sport wirkt ähnlich wie ein Antidepressivum. Das ist die Meinung von Wissenschaftlern der Medical School Hamburg (MSH), die in einer Mega-Analyse die Ergebnisse vorliegender Studien ausgewertet haben. Man vermutet, dass viel Bewegung die Tätigkeit der nützlichen Botenstoffe im Gehirn verbessert und das Wachstum neuer Nervenzellen begünstigt. In den Studien wurden vor allem Bewegungsprogramme aus Walking, Jogging, Aerobic oder Krafttraining untersucht.  Ob bestimmte Sportarten geeigneter sind als andere, konnte nicht geklärt werden.



Richtige Ernährung für die Seele?

In der Forschung häufen sich die Hinweise darauf, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen das Entstehen einer Depression begünstigen kann. Dazu startet gerade eine Studie mit tausend Probanden in neun europäischen Ländern. Auch bevor neue Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Depression vorliegen, ist die Bedeutung einer gesunden, ausgeglichenen und vollwertigen Ernährung für die allgemeine Gesundheit unumstritten.  



Strategien gegen Belastung

Während einer Psychotherapie lernen Patienten, wie sie Belastungen abbauen können. Ähnliche Methoden können auch dazu beitragen, sich selbst stärker zu machen. Hierzu einige Tipps:

  • Belastungen lassen sich zwar nicht einfach „ausschalten“, Sie können jedoch versuchen, einen Ausgleich zu schaffen. 
  • Planen Sie zum Beispiel regelmäßig positive Aktivitäten in ihren Tagesablauf ein, gönnen Sie sich nach anstrengenden Tätigkeiten eine Belohnung.
  • Versuchen Sie, die positiven Aspekte des Lebens und vor allem Ihre eigenen Stärken und Erfolge nicht aus den Augen zu verlieren.
  • Ein stabiles soziales Netzwerk ist wertvoll. Halten Sie Kontakt zu Freunden und Bekannten und sprechen Sie bei Schwierigkeiten mit einem Menschen Ihres Vertrauens.
  • Versuchen Sie, sich Klarheit darüber zu verschaffen, was genau Sie belastet und belassen Sie es nicht beim Grübeln.
  • Erlauben Sie sich Verstimmungen und gestehen Sie sich zu, zwischendurch aus der guten Laune auszubrechen.
  • Üben Sie, auch manchmal „nein“ zu sagen und sich damit vor Überforderung zu schützen.

Und was ist von Hausmittelchen zu halten?

Viele gut gemeinte Rezepte sind im Umlauf, meist aus der Naturapotheke wie Bachblüten, Ginkopräparate und Ähnliches. Als stimmungsaufhellender Klassiker gilt Johanniskraut. Was sagen Experten dazu? Ganz klar: Wer Johanniskraut einnehmen möchte, soll das mit dem Arzt besprechen. Erstens können mehrere Wochen vergehen, bis sich ein positiver Effekt zeigt. Außerdem ist Johanniskraut auch für problematische Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu anderen Arzneimitteln bekannt.

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