Hämorrhoiden - darüber zu sprechen, ist gesund

Vier Fünftel aller Deutschen haben einmal im Leben damit zu tun. In den westlichen Industrienationen sind mindestens 50 Prozent der Erwachsenen von Beschwerden mit Hämorrhoiden betroffen, während das Problem in Drittländern wohl untergeordnet ist. Die Ernährungsgewohnheiten machen den Unterschied. Genaue Zahlen liegen jedoch nicht vor, denn Hämorrhoiden waren lange Zeit Tabuthema. Zum Glück fallen die Schamgrenzen an Darm und Enddarm. Man darf offen über Ursachen reden und vor allem über die richtigen Verhaltensweisen, um die schmerzhaften Befindlichkeiten zu vermeiden.




Eine Medizinstudentin hat die Tabuzone aufgedeckt. Der Bestseller „Darm mit Charme – Alles über ein unterschätztes Organ“ von Giulia Enders hat dafür gesorgt, dass offen und sogar unterhaltsam über das größte Organ des Menschen gesprochen werden kann. Wer wusste schon, dass der Darm ein acht Meter langes Wunderwerk ist, das besonderer Aufmerksamkeit bedarf? Ganz am Ende des Interesses sitzen die Hämorrhoiden. Jeder Mensch hat sie und das ist gut so: Hämorrhoiden sind Gefäßpolster, aus Arterien und Venen, die wie ein Dichtungsring innen vor dem After sitzen. Die Schwellkörper sind wie ein Schwamm mit Blut gefüllt und verhindern als Feinverschluss, dass bei unwillkürlichen Belastungen wie etwa Niesen oder Lachen Flüssigkeiten und Gase austreten.



Quelle: Bundesverband Deutscher Internisten

Bei 80 Prozent aller Menschen macht dieser Verschlussmechanismus irgendwann im Leben Probleme. Ähnlich wie Krampfadern können sich die Gefäße ausweiten und nach außen stülpen, es kommt zu Juckreiz, Brennen und Blutungen. Männer sind häufiger als Frauen, ältere Menschen öfter als jüngere betroffen von solchen symptomatischen, das heißt: erkrankten Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden). Das Leiden ist so alt wie die Menschheit. Geschichte sollen die Schwellkörper geschrieben haben, als Napoleon die Schlacht bei Waterloo verlor, weil ihn unerträglich schmerzende Hämorrhoiden außer Gefecht gesetzt hatten. Wenn nicht wahr, dann ist diese Episode gut erfunden. Hämorrhoidalleiden können sich mehr als unangenehm entwickeln, wenn der Arztbesuch aus falscher Scham zu lange aufgeschoben wird. Auch die Angst vor einer womöglich schmerzhaften Untersuchung ist in aller Regel unberechtigt, weil die Darmschleimhaut keine Schmerznerven hat.


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Aussitzen tut weh

Veränderungen an den Hämorrhoiden entwickeln sich in vier Stadien von einer gelegentlichen Belästigung bis zur dauerhaften Qual. Als Hämorrhoiden Grad I bezeichnet man eine leichte Vergrößerung, die sich durch Spuren von hellrotem Blut und Juckreiz bemerkbar machen kann. Bei Grad II ist die Vergrößerung so weit fortgeschritten, dass die Hämorrhoiden auf der Toilette beim Pressen heraustreten, sich aber von selbst wieder zurückziehen. Dieses Stadium ist das typische Hämorrhoidalleiden mit vermehrten Blutungen, Brennen, Nässen, Juckreiz, manchmal auch Schmerzen, und unangenehmem Befinden beim Stuhlgang. Die Beschwerden verstärken sich in Grad III. Die vorfallenden Hämorrhoiden ziehen sich nicht mehr von selbst zurück, so kann es auch zu Störungen bei der Entleerung kommen. Bei Hämorrhoiden vierten Grades ist der Vorfall beständig, oft verbunden mit starken Schmerzen und möglichen Komplikationen wie einer Hämorrhoidalthrombose mit starker Schwellung.


Die Therapie beginnt bei Tisch

Basis aller Therapien ist die Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten. Nur eine ballaststoffreiche Kost kann helfen, die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Reichlich Obst, Gemüse und Vollkorn sorgen für eine regelmäßige Verdauung ohne Verstopfungen und für eine ausgeglichene Stuhlkonsistenz, die das System der Hämorrhoiden nicht strapaziert.

Therapie mit Augenmaß ist das Motto der modernen Medizin, sanfte Methoden werden bevorzugt. Je nach Grad der Erkrankung stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Salben, Cremes, Zäpfchen oder Analtampons und Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt, Kamille oder Steinklee lindern Beschwerden Grad I und II. Die Medikamente und Hausmittel wirken entzündungshemmend oder örtlich betäubend, heilen aber nicht. In den ersten Stadien können Hämorrhoiden auch verödet werden. Die meist schmerzfreie Behandlung wird ambulant beim Proktologen durchgeführt, ist aber auch wegen der hohen Rückfallquote nicht unumstritten. Die sogenannte Gummibandligatur kann häufig auch noch bis zu Beschwerden Grad III angewendet werden: Vereinfacht erklärt werden die Hämorrhoiden dabei mit Gummibändern abgeschnürt und sterben in Folge ab. Weitere moderne schonende Maßnahmen versuchen, die Hämorrhoiden in ihrer Funktion zu erhalten und nur die Beschwerden zu lindern bzw. das Problem mit einem minimalen Eingriff zu lösen. Bei andauernden Beschwerden und Hämorrhoiden dritten und vierten Grades wird die operative Entfernung allerdings meist unausweichlich, auch weil es zu Infektionen, Abszessen und Fisteln kommen kann.



Eine Krankheit der ungesunden Gewohnheiten

Die Medizin ist sich noch nicht sicher, ob die genetische Veranlagung zu einem schwachen Bindegewebe die Veränderung der Hämorrhoiden in Gang setzt. Ganz bestimmt sind aber die Faktoren unseres Lebensstils beteiligt: Mangelnde Bewegung, sitzende Beschäftigungen, ballaststoffarme Ernährung mit viel Fleisch und zu wenig Flüssigkeit führen zu Darmträgheit. Die Sitzungen auf der Toilette werden lang, starkes Pressen überdehnt die Gefäße und Abführmittel verschlimmern die Lage noch, weil sie in einen Teufelskreis der Abhängigkeit führen. Auch Übergewicht übt Druck auf die Hämorrhoiden aus, der zur Überdehnung führt. Durch die Gewichtszunahme in einer Schwangerschaft kommt es bei jeder zweiten Frau zu einer Vergrößerung der Hämorrhoiden, diese entwickeln sich aber nach der Geburt meist von alleine wieder zurück.


Gar nicht erst anfangen zu leiden

Einfache Maßnahmen können Veränderungen der Hämorrhoiden vorbeugen und machen für alle Sinn, die mit einer Bindegewebsschwäche vorbelastet sind:


  • Verdauungsfreundlich essen: Sehr empfehlenswert sind Frischkornmüsli und Vollkornbrot, Gemüse und Salat, fettarme Sauermilchprodukte wie Buttermilch, Quark, Joghurt für eine gesunde Darmflora und Obst wie zum Beispiel Äpfel, Beeren und Trockenobst. Fleisch und tierische Fette machen den Darm dagegen träge und führen bei regelmäßigem Verzehr zu Verstopfung. Ganz wichtig sind ausreichende Flüssigkeitsmengen von täglich etwa 2-3 Litern Mineralwasser, Früchte- und Kräutertees. Hilfreich kann Ihnen dabei unsere Checkliste „Richtig trinken“ (pdf / 201,2 KB) sein.
  • Toilettengewohnheiten ändern. Schädlich sind lange Sitzungen mit der Zeitung, weil dabei nahezu das gesamte Körpergewicht auf den Beckenboden drückt und die Erweiterung der Gefäße begünstigt. Am besten ist es, dem natürlich Drang so unmittelbar wie möglich nachzugeben, in einer natürlichen Hockhaltung geht alles leichter dabei. Zur Reinigung empfehlen sich für den empfindlichen Analbereich weiches Toilettenpapier ohne Zusätze wie Duftstoffe, Konservierungsstoffe und Farbstoffe oder warmes klares Wasser in einem Bidet oder Dusch-WC.  
  • Richtige Bewegung macht die Gefäße stark. Ungünstig sind Sportarten, die mit Hüpfen, Springen und Aufprall verbunden sind wie Joggen, Tennis oder Squash. Stärkend wirken sich dagegen Radfahren und Schwimmen aus. Beim Älterwerden kann Beckenbodengymnastik gezielt Problemen entgegenarbeiten.
    Hier zum Beispiel eine einfache Übung auf einem Stuhl:
    Den Rücken rund machen und die Muskeln am Po anspannen, als wollte man den After nach innen ziehen. Die Spannung halten, ausatmen und langsam bis 10 zählen. Dann die Muskeln entspannen. Die Übung dreimal am Tag etwa zehnmal wiederholen (Quelle Enddarmzentrum Mannheim). Gegen Verstopfungen empfehlen Proktologen drei Gymnastikübungen, die auf dem Rücken liegend absolviert werden: 1. langsames Anheben der ausgestreckten Beine 2. langsames Aufrichten des Oberkörpers 3. Radfahren mit den Beinen in der Luft.

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