Keine Angst vor der Angst

Es gibt Hilfe, wenn die menschliche Alarmanlage außer Kontrolle gerät


Zu wenig Angst ist lebensgefährlich. Zu viel Angst macht krank. Therapien können das Ur-Gefühl wieder ins Gleichgewicht bringen. 

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Ohne Angst würden wir nicht lange existieren, sagen die Experten. Mit Angst können viele aber auch nicht leben. Wenn Panik den Hals zuschnürt, wenn Angst zur krankhaften Störung wird und das Leben dominiert, dann müssen ärztliche Therapien helfen. Niemand muss sich dafür schämen. Viele Menschen leiden unter Angststörungen, es ist die mit Abstand häufigste psychiatrische Erkrankung. Lesen Sie im PLUS und in der Pflegewelt von AXA alles über dieses Gefühl der Angst, das plötzlich verrücktspielen kann.

Johnny Depp hat Angst vor Clowns. David Beckham bekommt Panik bei Unordnung. Nicole Kidmann fürchtet sich vor Schmetterlingen. Madonna hat Angst, dass ihr das Publikum die Luft weg atmet und der Rapper Puff Daddy rastet aus beim Anblick langer Zehen. Für die Betroffenen ist das nicht komisch. Mit Lachen sind wir trotzdem auf der richtigen Spur: „Das Einzige, was wirklich hilft gegen die Angst, ist das Lachen“, sagt der Soziologe Heinz Bude, der sich mit dem „Virus der Angst“ beschäftigt hat.

Haben die Ängste tatsächlich zugenommen, wie uns die Medien glauben machen? „Nein“, sagt Borwin Bandelow, Experte für Angsterkrankungen und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie in Göttingen. „Seit 30 Jahren werde ich gefragt, ob die Angst gerade im letzten Jahr deutlich zugenommen hat. Das ist nicht der Fall. Die Ängste werden etwa zur Hälfte vererbt und bleiben sehr, sehr gleich.“


Woher kommt die Angst?

Fehlreaktionen der lebenswichtigen urmenschlichen Alarmanlage gab es immer schon. Zu allen Zeiten hat man sich mit dem unerwünschten Gefühl beschäftigt. So nahm der amerikanische Psychologe William James Anfang des 20. Jahrhunderts als Ursache der Angst an, dass Mensch und Moderne nicht zusammenpassen.

Später war man bemüht, eine bessere Hilfestellung zu leisten. Angst entwickelte sich zu der mit Abstand am genauesten untersuchten Emotion. Sigmund Freud nannte sie den „Knotenpunkt der Seele“ und erklärte sinngemäß: Was Angst auslöst, ist Vermeidung, das bedeutet: wichtigen Erfahrungen, wichtigen Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Der Angstforscher Bandelow sagt heute: „Es ist eine Mischung aus Erziehung, Erlebtem, Krankheiten und Umwelteinflüssen. Vor allem aber spielt der genetische Faktor eine große Rolle.-.30 bis 70 Prozent der Angststörungen sind vererbt. Bei einfachen Phobien etwa vor Spinnen oder Dunkelheit sind es 70 Prozent.“ Aber wo verläuft die Grenze zwischen dem Grauen vor Spinnen, dem zugeschnürten Hals bei der Prüfung und der krankhaften Angst?


Wenn das Gefühl zur Krankheit wird

Plötzlich ein unerklärlicher Druck auf der Brust, Übelkeit, Schwindelgefühle, Atemnot - ein Herzinfarkt? Nein, körperlich ist alles in Ordnung bei der ärztlichen Untersuchung. Eine Panikattacke aus heiterem Himmel geschieht rund 30 Prozent aller Menschen. Sie kommt mit starken körperlichen Reaktionen aus dem Nichts. Todesangst ohne Vorwarnung, das war der Grund, aus dem der Sänger Andreas Kümmert die Nominierung zum Eurovision Song-Contest ausschlug. Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer der Formen von Angststörungen. Noch schwerer als Phobien und Panik sind die ständigen Gefühle von Besorgtheit und Anspannung abzugrenzen, die eine generalisierte Angststörung ausmachen.

Ein Selbsttest ersetzt natürlich nicht die ärztliche Diagnose, kann aber helfen, den richtigen Weg zu finden. Wenn nur eine der folgenden Aussagen auf Sie zutrifft, sollten Sie sich einem Arzt oder Psychologen anvertrauen:

  • Ich denke 80 Prozent des Tages über meine Ängste nach                               
  • Ich werde durch die Ängste in meiner Lebensqualität erheblich eingeschränkt
  • Meine Bewegungsfreiheit ist wegen meiner Ängste erheblich eingeschränkt
  • Wegen meiner Ängste werde ich immer depressiver
  • Wegen meiner Ängste habe ich schon Selbstmordgedanken gehabt
  • Ich bekämpfe meine Ängste mit Alkohol, Beruhigungstabletten oder Drogen
  • Wegen meiner Ängste ist meine Partnerschaft ernsthaft in Gefahr
  • Wegen meiner Ängste habe ich Probleme im Beruf bzw. bin ich arbeitslos
(Quelle: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org, fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Borwin Bandelow (Autor), Göttingen (DGPPN) und PD Dr. med. Michael Rufer, Zürich (SGPP)



Angst gehört dazu

Die Erkenntnisse des Psychoanalytikers Fritz Riemann (1902-1979) sind heute noch gültig als Grundlektüre in jeder Psychologie-Ausbildung: „Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben. In immer neuen Abwandlungen begleitet sie uns von der Geburt bis zum Tode. Es bleibt wohl eine unserer Illusionen, zu glauben, ein Leben ohne Angst leben zu können. Sie gehört zu unserer Existenz! Wir können nur versuchen, Gegenkräfte gegen sie zu entwickeln: Mut, Vertrauen, Erkenntnis, Macht, Hoffnung, Demut, Glaube und Liebe.“ In diesem Sinne versuchen Psychotherapeuten vor allem, ihren Patienten „die Angst vor der Angst“ zu nehmen. Man trainiert, die Angst als Gefühl zu akzeptieren und die Stärken in der Schwäche zu erkennen.

Angst muss sein. Dass sie zunehmend als Problem dargestellt wird, kritisieren einige Psychiater wie der US-Amerikaner Allen Frances und bezeichnen die zahlreichen Phobien als Modekrankheit. Doch nur die Betroffenen selbst können wissen, wie stark ihre Gefühle sie einschränken. Wenn Angst beginnt, das Leben zu dominieren, ist es sicher richtig, fachlichen Rat einzuholen.




Die Angst im Griff

Angsterkrankungen gelten als sehr gut behandelbar. „Die Behandlung geht relativ schnell und ist sehr erfolgreich, 85 Prozent der Patienten sind danach geheilt oder fühlen sich deutlich besser“, sagt der Psychiater und ärztliche Psychotherapeut Bandelow. Wünschenswert wäre jedoch, dass Angststörungen schneller erkannt werden. Bis zur korrekten Diagnose können im Schnitt immer noch bis zu sieben Jahre vergehen. Dabei ist eine rasche Behandlung nötig, um die Betroffenen vor einem Teufelskreis zu bewahren: „Vermeidungsverhalten“ nennen es die Psychotherapeuten, wenn Menschen instinktiv alles aus ihrem Leben streichen, was ihnen Angst macht, und damit nicht selten ins soziale Abseits geraten.


Mit Hilfe wieder frei werden

Oft lösen Lebenskrisen, schwere Krankheiten oder traumatische Ereignisse berechtigte Ängste aus, die von heute auf morgen überhand nehmen können. Manche Menschen überwinden die Krise aus eigener Kraft. Wenn Ängste aber dauerhaft bestehen, das heißt: an den meisten Tagen und über Monate hinweg, wird sich die Seele aller Voraussicht nach nicht selbst heilen können. Dann ist therapeutische Hilfe wichtig, um in eine  ausgeglichene Gefühlslage zurück zu finden. In diese Situation kommen zum Beispiel häufig bis dato gefühlsstabile Menschen, wenn sie Opfer eines Einbruchs wurden. Dazu interessiert Sie vielleicht der Artikel.


Was Sie selbst tun können

  • Nehmen Sie Ihre Angst ernst: Versuchen Sie zu erkennen, wer Ihnen helfen kann und suchen Sie Kontakte. Erfahrungsaustausch und Rat finden Sie rund um die Uhr in der Pflegewelt von AXA.
  • Richtig entspannen: Erlernte Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder fernöstliche Lehren können deutliche Linderung bringen. 
  • Stress abbauen: Jeder kann lernen, Druck aus dem Leben zu nehmen und Überlastungen zu verringern. Psychotherapeutische Praxen, Gesundheitszentren aber auch Volkshochschulen bieten Kurse zum Stressmanagement an. 
  • Gesund leben: Ein ausgewogener Lebensstil fördert grundsätzlich das körperliche und psychische Wohlbefinden. 
  • Sport treiben: Studien zeigen, dass Ausdauersport eine anhaltend positive Auswirkung auf Angstsymptome hat. Schwimmen, Laufen und Radfahren sind besonders empfehlenswert. Fürs Fahrrad interessiert Sie womöglich dieser Artikel.
Zuletzt gibt uns der Benediktinerpater Anselm Grün noch einen Tipp aus seiner „Kleinen Schule der Emotionen“ mit auf den Weg:  „Der erste Schritt besteht darin, sich mit der Angst auszusöhnen und mit ihr zu sprechen... Angst kann zu einer Freundin werden, die uns einlädt, neue Maßstäbe für unser Leben zu finden“.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA


Das wird Ihnen gut tun - wir sind für Sie da

Mit dem gesundheitsservice360° unterstützt AXA Sie bei allen Gesundheitsthemen – auch bei Ängsten, einem Burn-out oder einer Depression. Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei das perfekte Zusammenspiel zwischen Therapeuten, Haus- und Fachärzten, Patienten und Krankenversicherung. Unser Netzwerk für Krankenvollversicherte aus führenden Spezialisten und Kliniken bietet Ihnen als Patient eine höchstmögliche Behandlungsqualität, damit Sie möglichst schnell wieder gesund werden. Melden Sie sich bei uns unter gesundheit@axa.de oder 0221 148-43391.
  • Wir bieten Ihnen kostenlose Telefonbegleitung durch unseren externen Kooperationspartner Sanvartis an.      
  • Wir unterstützen Sie bei der Terminvergabe, beispielsweise für ein Erstgespräch oder die Vermittlung von Therapieplätzen bei einem Psychotherapeuten nach maximal 10 Werktagen – kostenlos unter 0800/ 8920870.
  • Wir sind auch online für Sie da: Zusätzliche Informationen und konkrete Hilfestellungen zu den Themen Burn-out, Angst und Depression bietet Ihnen das Online-Portal www.meine-gesunde-Seele.de. Fordern Sie einfach Ihren kostenfreien Zugangscode an – unter gesundheit@axa.de oder 0221/ 148-43391.
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