Pflegefall - Was nun? Über Schwierigkeiten und Entlastungen bei der Pflege

Serie Pflege – Teil 1


Selten kündigt der Pflegefall sich rechtzeitig an. Wer nicht nur von den körperlichen und seelischen Belastungen, sondern auch vom finanziellen Druck überrascht wird, hat es doppelt schwer. Es ist sinnvoll, sich beizeiten zu informieren. Es gibt Neuigkeiten bei der gesetzlichen Pflegeversicherung. Wir bringen Sie auf den aktuellen Wissensstand.

Meist geschieht es plötzlich und unerwartet: Eltern oder Partner werden zum Pflegefall. Den Großteil der Familien treffen die neuen Anforderungen unvorbereitet – sechs von zehn Deutschen wissen nicht Bescheid, welche Rechte ihnen zustehen und welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Instituts für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF). Erschwerend kommt hinzu, dass die wenigsten ausreichend vorgesorgt haben. Eine Umfrage im Auftrag von AXA bestätigt, dass sich jeder Fünfte noch nicht mit der Vorsorge für den Pflegefall beschäftigt hat, bei den unter 30-Jährigen ist es sogar jeder Dritte.


Testen Sie Ihr Wissen für den Pflegefall

Vier Fragen, die auf jeden Zweiten zukommen können:

1. Was bedeutet der Pflegefall?
2. Was tun, falls ein Familienmitglied zum Pflegefall wird?
3. Wer ist der erste Ansprechpartner?
4. Und wo erhalte ich wichtige Informationen und Hilfe?


1. Was bedeutet der Pflegefall?

Als pflegebedürftig im Sinne des Sozialgesetbuches SGB XI gelten Personen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen – so lautet die offizielle Definition des Pflegefalls. 


Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes trifft das derzeit auf rund 2,7 Millionen Menschen in Deutschland zu, Tendenz rasant steigend. Die Wahrscheinlichkeit, hilfsbedürftig zu werden, schnellt vor allem im hohen Alter nach oben: Laut statistischem Bundesamt trifft der Pflegefall heute 13,9 Prozent der Menschen zwischen 75 und 84 Jahren, in der Altersgruppe über 89 steigt der Wert auf 64,4 Prozent an.

Mehr als zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause durch Angehörige betreut, zu 80 Prozent setzen sich Frauen ein, weit mehr als 50 Prozent der Pflegenden sind dabei noch berufstätig. Aber auch, wer sich nicht für diese große persönlichen Herausforderung entschließen kann, sieht sich einem Berg von Verantwortung gegenüber.


2. Was tun, falls ein Familienmitglied zum Pflegefall wird?

Wenn der Pflegefall erst da ist, stehen alle Beteiligten unter großem psychischen Druck – ein schlechter Zeitpunkt, um in Ruhe tragfähige Entscheidungen zu treffen. Nach einer Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg wäre jeder Vierte grundsätzlich bereit, seine Angehörigen mehr als 30 Stunden pro Woche zu pflegen. Aber wie sieht es aus, wenn es soweit ist?

Die Entscheidungen im Pflegefall sind gravierend: „Nicht nur für die kranke oder pflegebedürftige Person verändert sich das Leben, es stellt auch Ihr Leben und die Lebenspläne der ganzen Familie auf den Kopf. Alles muss überdacht und anders organisiert und viele Kompromisse müssen für eine unabsehbare Zeit eingegangen werden“ gibt die BAGSO Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen in ihrem Ratgeber zu bedenken.
Im Idealfall wird das Wichtigste bereits besprochen, bevor der Pflegefall eintritt.

Drei Punkte sind dabei vor allem zu klären:
1. Welche Wünsche gibt es für den Pflegefall?
2. Ist eine ausreichende finanzielle Absicherung dafür vorhanden?
3. Wer kann und soll handeln, wenn ein Familienmitglied nicht mehr selbst bestimmen kann?

(Das heißt auch: Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht, nicht zu verwechseln mit der Patientenverfügung sollten rechtzeitig formuliert und hinterlegt werden.)


3. Wer ist der erste Ansprechpartner?

Die erste Anlaufstelle, bei der ein Antrag auf Pflegeleistungen gestellt werden muss, ist für die gesetzlich Krankenversicherten die Kranken- bzw. Pflegekasse, für die privat Krankenversicherten die private Kranken- bzw. Pflegeversicherung. Die gesetzliche Pflegekasse beauftragt daraufhin den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), die private Pflegeversicherung beauftragt Medicproof mit der persönlichen Begutachtung des Betroffenen in seiner Umgebung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.
Rat und Hilfe bei diesen ersten Schritten finden gesetzlich Krankenversicherte bei den offiziellen Pflegestützpunkten und bei zahlreichen Pflegeberatungsstellen. Privat Krankenversicherte können Sie sich an Compass wenden, mehr dazu unter www.compass-pflegeberatung.de.

Was viele nicht wissen: Jeder Pflegebedürftige hat einen gesetzlich festgelegten Rechtsanspruch auf Beratung, seit Januar 2016 gilt dieses Recht offiziell auch für pflegende Angehörige. Informationen aus erster Hand erhalten Sie auch über das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit unter 018 05 – 99 66-03.

Es ist außerordentlich wichtig, gründlich auf den Besuch des Pflege-Gutachters vorbereitet zu sein: Von seiner Einschätzung hängt die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung des Pflegegrades ab – und damit auch die Höhe der Leistungen. Alle wichtigen Informationen dazu gibt die Pflegewelt von AXA.

Die Pflegeleistungen sollen sicherstellen, dass Pflegebedürftige nach ihren individuellen Ansprüchen betreut werden. Es gibt deshalb die Möglichkeit, die Unterstützung in Form von Sachleistungen (d.h. Hilfe von Pflegediensten) in Anspruch zu nehmen, oder als Pflegegeld, wenn die häusliche Pflege von Angehörigen oder ehrenamtlichen Helfern erfolgt. Pflegesachleistungen werden seit Januar 2015 bei häuslicher Pflege in Höhe von,

  • 125 Euro bei Pflegegrad 1*
  • 689 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1298 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1612 Euro bei Pflegegrad 4
  • 1995 Euro bei Pflegegrad 5 erstattet
*Als Sachleistung Anspruch über Entlastungsbetrag.

Die Höhe des Pflegegeldes bei häuslicher Pflege durch die Angehörigen reicht von,

  • 316 Euro bei Pflegegrad 2
  • 545 Euro bei Pflegegrad 3
  • 728 Euro bei Pflegegrad 4
  • 901 Euro bei Pflegegrad 5

Möglich ist auch eine Kombination beider Leistungen.

Statt der zusätzlichen Betreuungsleistungen in Höhe von 104 Euro für alle Pflegebedürftigen und 208 Euro für Pflegebedürftige mit einer stark ausgeprägten Demenz soll es ab 2017 einen einheitlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro geben. Das Geld gibt es zum Beispiel, wenn ein Pflegedienst vorliest oder mit spazieren geht. Auch kann es für die Tagespflege, die Kurzzeitpflege und Betreuungsangebote verschiedener Dienste genutzt warden.


Das Erfreulichste in Kürze

Das Pflegestärkungsgesetz bringt bereits seit 1. Januar 2015 deutliche Verbesserungen, auch für die Pflege zu Hause. Weitere Entlastungen sind 2016 in Kraft getreten. Hier die wichtigsten Fakten aus dem ersten Pflegestärkungsgesetz:

1. Fast alle Leistungsbeträge der Pflegeversicherung wurden angehoben bzw. werden schrittweise angepasst.

2. Verbesserungen gibt es bei Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Die Ansprüche können besser miteinander kombiniert werden und schaffen pflegenden Angehörigen mehr Spielraum. Der Anspruch auf bis zu vier Wochen vollstationärer Kurzzeitpflege wurde 2016 auf acht Wochen ausgedehnt, in Kombination mit nicht ausgeschöpften Leistungen aus der Verhinderungspflege sind jetzt sogar bis zu 14 Wochen möglich. Umgekehrt kann die Verhinderungspflege unter Anrechnung des Anspruchs auf Kurzzeitpflege bis zu sechs Wochen in Anspruch genommen werden; statt bisher bis zu 1.550 Euro, stehen künftig bis zu 2.418 Euro jährlich zur Verfügung. Seit Januar 2016 können auch enge Angehörige diese Regelung in Anspruch nehmen.

3. Betreuungs- und Entlastungsangebote werden für alle Pflegebedürftigen gestärkt. Auch bei rein körperlicher Beeinträchtigung werden 104 Euro pro Monat, bei Bedarf auch 208 Euro pro Monat, erstattet für anerkannte Hilfen im Haushalt oder Alltagsbegleiter, die bei der Bewältigung von Anforderungen helfen.

4. Die Zuschüsse für Umbaumaßnahmen und Pflegehilfsmittel werden erhöht. Wenn Veränderungen die Pflege deutlich erleichtern, gibt es statt bis zu 2.557 Euro jetzt bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Auch die Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln im Alltag wurden deutlich angehoben auf bis zu 40 Euro je Monat.

5. Auch die pflegenden Angehörigen selbst werden entlastet. Lesen Sie dazu im PLUS von AXA den Artikel über aktuelle Veränderungen bei der Familienpflegezeit.

Weitere Verbesserungen folgen 2017: Fünf Pflegegrade lösen die drei Pflegestufen dann ab und schaffen mehr Gleichberechtigung für Demenzkranke. Außerdem finden pflegende Angehörige noch mehr Unterstützung und Absicherung für ihre eigene Zukunft.


4. Und wo erhalte ich wichtige Informationen und Hilfe?

Lassen Sie sich gut beraten! Die Pflegewelt von AXA ist dafür da, Betroffenen und ihren Angehörigen mit praktischem Rat und nützlichen Informationen jederzeit zur Seite zu stehen. Sie finden hier:

  • Informationen und Hilfe bei der Antragsstellung
  • Wichtige Adressen
  • Ratgeber zum Download
  • Mustervorlagen für Verfügungen und Vollmachten
  • Unterstützung für pflegende Angehörige
  • Hilfe bei der Suche nach einem Pflegeplatz
  • Tipps für den Alltag und vieles mehr
Informieren Sie sich hier auf der Pflegewelt von AXA. Weitere detaillierte Informationen finden Sie auch auf der www.bmg.bund.de.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA


Sie stehen nicht alleine da. Die Pflegewelt von AXA zeigt Ihnen, wie es weitergeht.

Verständliche und anschauliche Erklärungen können wohltuend sein in schweren Zeiten. Pflegefall – was nun? An wen müssen Sie sich wenden? Wie beantragen Sie das Pflegegeld? Was geschieht bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen bzw. Medicproof und was gehört zur Vorbereitung auf diesen Besuch?

Antworten auf all diese Fragen und gute Tipps von Experten gibt es live in einer neue Ausgabe von „Pflegewelt bewegt“, einer besonders gern genutzten Rubrik in der Pflegewelt von AXA, die wichtige Themen der Pflege in informativen und praxisnahen Filmen behandelt. Ob Sie wirklich gut vorbereitet sind, erfahren Sie in unserem Filmbeitrag "Pflegefall – was nun?"

Und wenn Sie sich über eine sinnvolle Absicherung informieren möchten, erklären wir Ihnen die besonderen Vorteile der Pflegevorsorge VARIO von AXA.

Die Pflegewelt von AXA auf Facebook
Profitieren Sie von einem aktiven Austausch mit anderen Interessierten und den „Pflegeweltmachern“. Sagen Sie uns, was wir noch besser machen können.


Lesen Sie auch im PLUS:

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.