Sterbebegleitung

Sterbebegleitung

Ganz gleich, ob nach langer oder kurzer Krankheit, auf den Moment des Sterbens sind nur die wenigsten Angehörigen vorbereitet. Man muss diese traurige Zeit nicht allein meistern. Hospizdienste, ambulante Sterbebegleitung und palliative Behandlung helfen in dieser schweren Situation.

Die Themen dieser Seite im Überblick

Der Tod zählt immer noch zu den größten Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Aus diesem Grund sind vor allem Angehörige häufig überfordert, wenn ein Familienmitglied lebensbedrohlich erkrankt. Was ist zu tun? Wie bereitet man sich auf das Sterben und den Tod vor? Gibt es Hilfe von außen?

Warum ist der Tod ein Tabuthema?

Man spricht nicht gern über den Tod. Der Umgang mit dem Tod ist für Sterbende und deren Angehörige gleichermaßen schwierig. Große Ängste und Unsicherheiten treffen aufeinander.

Niemand hat eine Wahl

Jeder Mensch muss einmal sterben. Der Tod gehört somit unweigerlich zum Leben dazu. Jeder weiß das und kaum jemand spricht gern darüber. Das Wissen um den bevorstehenden Tod und somit der Prozess des Sterbens ist zweifellos die schwerste Lebensphase, die ein Mensch durchlaufen kann. Deshalb wünschen sich die meisten Menschen, irgendwann „friedlich einzuschlafen“.

In der Realität sieht das freilich anders aus. Von der Gewissheit des bevorstehenden Todes ‒ z.B. bei einer unheilbaren Krankheit ‒ bis zu dessen Eintritt können Tage, Wochen und Monate vergehen. Hier setzt die private und/oder professionelle Sterbebegleitung an, die todkranken Menschen ein würdevolles Ableben ermöglichen soll.

Die Würde zählt

Mehr als 90% aller Menschen erhoffen sich, in vertrauter Umgebung zu sterben und dabei geliebte Menschen um sich zu wissen. Für rund zwei Drittel aller Menschen aber ist das Krankenhaus, für fast ein Viertel das Pflegeheim, für viele weitere ein Hospiz der letzte Aufenthaltsort in ihrem Leben.

Vor allem körperliche Leiden in der Endphase des Lebens können nur bei fachgerechter medizinischer Betreuung gemildert werden (siehe Palliativmedizin). Aus diesen Gründen sind Krankenhäuser und Pflegeheime heutzutage dazu verpflichtet, angemessene Bedingungen für ein würdevolles Sterben innerhalb ihrer Einrichtungen zu schaffen.

Den Tod als natürlichen Prozess begreifen

Sterbebegleitung erwächst aus dem sozialen Miteinander und erfordert eigentlich nicht viel außer ausgeprägter Empathie und menschlichen Gesten. Dennoch gibt es große Ängste und Unsicherheiten in der Auseinandersetzung mit dem Tod. Ursachen hierfür sind die Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit und das Wissen um den bevorstehenden Verlust eines geliebten Menschen.

Problematisch ist ebenfalls, dass der Tod in der westlichen Welt ‒ im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen und früheren Jahrhunderten ‒ weitgehend tabuisiert und aus den Gedankengängen der Menschen verbannt wird. Auch das irreale bis skurrile Sterben in den Medien entfremdet die Menschen zusehends von diesem natürlichen Vorgang.

Was bedeutet Sterbebegleitung?

Vertrauen Sie auf sich. Einen Sterbenden auf seinem letzten Weg zu begleiten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Nicht jeder fühlt sich dieser gewachsen.

Wer kann Sterbebegleiter werden?

Im Gegensatz zu betreuerischen Aufgaben ist man bei einer begleitenden Tätigkeit für einen anderen Menschen da und nimmt sich seiner Krisensituation mit intensiver Zuwendung an.

Da es weder gesetzliche Rahmenbedingungen noch Verpflichtungen gibt, bestimmte Angelegenheiten zu regeln, kann theoretisch jeder zum Sterbebegleiter werden: Ein guter Freund, ein pflegender Angehöriger, ein naher Verwandter oder auch eine betreuende Person. Es gibt keine professionellen Sterbebegleiter, wohl aber Berufsgruppen, die diese Funktion im Rahmen ihrer Arbeit ausfüllen, z.B. Angestellte aus dem Gesundheitswesen oder Mitarbeiter sozialdienstlicher und seelsorgerischer Organisationen.

Optimalerweise begleitet ein interdisziplinäres „Team“ aus Angehörigen sowie medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Fachkräften den Sterbenden auf seiner letzten Reise.

Die Bedeutung der Sterbebegleitung

Aufgaben des Begleiters

Das Sterben wird stets von Ängsten, aber auch Erwartungen, begleitet. Was passiert in den letzten Tagen und wie möchte der Sterbende diese verbringen?

Die wichtigste Aufgabe eines Begleiters ist es, die Würde des sterbenden Menschen zu bewahren sowie seine Bedürfnisse und Wünsche bestmöglich zu erfüllen. Dabei bestimmt vor allem der Sterbende selbst, was er als würdevoll empfindet und was nicht, was angenehm oder unangenehm für ihn ist. Sprechen Sie offen darüber. 

Die Umgebung des Sterbenden spielt dabei eine große Rolle. Ob zu Hause, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder im Hospiz ‒ der Begleiter hat Sorge dafür zu tragen, dass zunächst die äußeren Rahmenbedingungen stimmen und den Wünschen des Patienten entsprechen. Dabei kann es sich manchmal auch um sehr einfache Dinge handeln, die z.B. die Beleuchtung, Belüftung, Möblierung oder die Mahlzeiten betreffen.

Todkranke Menschen sind häufig von Wahrnehmungs­veränderungen betroffen. Viele Sinne sind in der Endphase des Lebens besonders stark ausgeprägt, z.B. das Tasten, Sehen, Riechen, Schmecken oder Hören. Als Sterbebegleiter sollte man daher versuchen, den Patienten nicht zu überreizen. So mag das Leibgericht auf einmal nicht mehr schmecken, die Lieblingsmusik störend klingen, eine innige Berührung unangenehm wirken oder helles Sonnenlicht unerwünscht sein.

Anforderungen an den Begleiter

Von großer Bedeutung ist die innere Bereitschaft, sich auf den Sterbenden und seine Wünsche einzulassen. Hierbei ist ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Toleranz gefragt ‒ z.B. im Hinblick auf religiöse oder spirituelle Bedürfnisse oder auf psychische und körperliche Veränderungen während des Sterbens.

Nur so kann ein Sterbender unbefangen und authentisch bis in den Tod begleitet werden. Nur so erfährt er das Verständnis und die Menschlichkeit, die ihm am Ende ein versöhnliches Gefühl vermitteln.

Engagement, Geduld und Belastbarkeit sind weitere Voraussetzungen für eine kompetente Sterbebegleitung. Da der Tod praktisch jeden Moment eintreten kann, sollte ein Begleiter in der Lage sein, durch seine Beobachtungen den Zustand des Sterbenden zu erkennen.

Angehörige als Sterbebegleiter

Angehörige eines todkranken Menschen werden meist „automatisch“ und unfreiwillig zu dessen Sterbebegleitern. Die eigene Betroffenheit aufgrund der Situation lässt häufig jedoch keine klare Sicht der Dinge zu. Sie belastet den Begleitenden nicht selten genauso wie den Sterbenden selbst.

Im Idealfall gibt es daher mehrere Begleiter, die den Todkranken, seine letzten Wünsche und sein Umfeld im Blick haben ‒ und die sich gegenseitig unterstützen.

Um den Erwartungen an eine harmonische Sterbebegleitung gerecht zu werden, sollte sich jeder Begleiter auch selbst mit seinem eigenen Leben und dem Tod auseinandersetzen können. Schließlich wird man immer mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert.

Das Begleiten eines Menschen bis zu seinem Tod kann aber auch dazu führen, sogar besser mit tiefen Gefühlen umgehen und das eigene Leben bewusster gestalten zu können.

Unterstützung für Sterbebegleiter

Problematisch ist es oft, sollten während der letzten Lebensphase des Sterbenden von Seiten der Angehörigen Probleme gewälzt, Familienkonflikte angesprochen oder noch „offene Fragen“ geklärt werden wollen. Dies führt eher zu einem belastenden als zu einem erlösenden Ende. Gerade im Familienverbund mehrerer Angehöriger sollten diese zusammenhalten und Konkurrenzdenken und Streitpunkte außen vor lassen. Als privater Sterbebegleiter sollte man sich nicht scheuen, Hilfe im Umgang mit dieser belastenden Situation zu suchen.

Medizinische und pflegerische Unterstützung ist meist vorhanden, aber kann die psychologische oder soziale Komponente oft nicht bedienen. Hier kann beispielsweise ein ambulanter Hospizdienst die richtige Lösung sein. Für ungeübte Angehörige bieten vor allem kirchliche Organisationen und Hospizvereine auch kostenlose Kurse an, die sich mit den Themen Sterben und Tod ausführlich befassen.

Demenzerkrankte Person beim Sterben begleiten

Was ist bei an Demenz erkrankten Sterbenden zu beachten?

Bei an Demenz erkrankten Menschen stellt sich das Problem, dass diese ihre Wünsche und Bedürfnisse kaum oder gar nicht mehr äußern können. Es ist ihnen häufig ebenso wenig bewusst, dass ihr eigener Tod bevorsteht, auch wenn die ärztliche Diagnose eindeutig ist. Die Anzeichen für den nahenden Tod lassen sich jedoch von außen nicht immer deuten, solange kein medizinischer Notfall besteht oder ein rapider Abfall der Körperfunktionen beobachtet wird. 

Fest steht andererseits, dass auch demenzkranke Menschen Nähe, Vertrauen und Intimität wahrnehmen und wertschätzen. Sie sollten daher bis zum Schluss nach bestem Wissen und Gewissen betreut und begleitet werden. Vielleicht ist es für Demenzpatienten sogar „einfacher“ dem Tod zu begegnen, weil sie den Prozess des Sterbens nicht in vollem Bewusstsein miterleben oder reflektieren können.

Von daher gelten besonders der körperliche Kontakt und das Schaffen einer angenehmen Atmosphäre als wichtige Maßgaben für die Sterbebegleitung.

Wozu sind Hospizdienste da?

Im entscheidenden Moment nicht allein.
 

Ehrenamtliche Mitarbeiter nehmen bei der Unterstützung der Angehörigen und Betroffenen vielfältige Aufgaben wahr, um die letzte Lebensphase so angenehm wie möglich und das Lebensende würdevoll zu gestalten. An erster Stelle steht die psychosoziale Begleitung.

Sterbenden einen festen Platz im Leben geben

Als Hospiz (lateinisch sinngemäß für „Ruheplatz”) bezeichnet man ein Konzept für die Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. In erster Linie umfasst es die Betreuung unheilbarer kranker Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Dies kann sowohl in den eigenen vier Wänden als auch im stationären Bereich geschehen.

Die Hospizarbeit lebt vor allem von der meist ehrenamtlichen Basisarbeit vieler Menschen, die ihren Gemeinsinn und ihre Fürsorge einbringen, um Menschen ganz individuell in der Phase des Sterbens beizustehen. Sie spannt einen Bogen von den Bedürfnissen des Patienten über die gesellschaftliche Verantwortung bis hin zur Betreuung der Hinterbliebenen.

Hospizarbeit ist für Sterbende und Angehörige

Wie bei der Sterbebegleitung allgemein stehen auch in der Hospizarbeit die persönlichen Wünsche des Sterbenden an erster Stelle ‒ z.B. nach Ruhe oder Gesellschaft, nach Konzentration oder Zerstreuung, nach der Art der medizinischen Versorgung oder Intensität der persönlichen Betreuung.

Die Aufgaben des Hospizdienstes enden jedoch nicht mit dem Tod der Patienten. Auch die Angehörigen sollen auf diesem schweren Weg begleitet werden. Damit unterscheidet sich das Hospiz deutlich von herkömmlichen Institutionen im Gesundheitswesen.

Der Begriff Hospiz enthält in seiner heutigen Bedeutung (nach J. C. Student) bestimmte Kennzeichen, die allen Angeboten weltweit gemeinsam sind:

  • Der sterbende Mensch und seine Angehörigen stehen im Zentrum des Dienstes.
  • Der Sterbende erfährt Unterstützung von einem interdisziplinären Team unter Einbeziehung freiwilliger Helfer.
  • Krankheitssymptome wie Schmerz, Übelkeit oder Atemnot werden ständig beobachtet.
  • Die gesamte, vom Tod eines Menschen betroffene Personengruppe wird fürsorglich unterstützt.

Zwar hat sich die Hospiz- und Palliativarbeit in Deutschland bereits stark weiterentwickelt, dennoch liegt der eigentliche Bedarf deutlich höher.

Formen der Hospizarbeit

Ambulanter Hospizdienst

Man spricht von einem ambulanten Hospiz, wenn die Sterbenden in ihrer eigenen oder in der Wohnung von Angehörigen betreut werden. Dabei kommen nach Wunsch und Bedarf täglich für ein paar Stunden haupt- oder ehrenamtliche Helfer/-innen ins Haus.

Oft wird hierdurch die Arbeit eines ambulanten Pflegedienstes um die psychologische und soziale Komponente ergänzt. Nicht nur die Sterbenden, sondern auch die Angehörigen erfahren in der Regel eine kostenlose Unterstützung durch die Mitarbeiter des ambulanten Hospizdienstes.

Stationäres Hospiz

Kann oder will ein Patient aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr zu Hause versorgt werden, greift das stationäre Hospiz. Anders als in einem Pflegeheim steht hier die persönliche Betreuung eines Sterbenden im Vordergrund. Dementsprechend intensiver werden die Patienten psychologisch umsorgt und medizinisch betreut. Sie und ihre Angehörigen sollen im Hospiz zur Ruhe kommen und zum Ende ihres Lebens ein Stück „Normalität“ erfahren können. Persönliche Dinge und teilweise auch eigene Möbelstücke können mit ins Hospiz genommen werden. Die Patienten bestimmen weitestgehend selbst, wann und wie sie versorgt werden.

Wer übernimmt die Kosten für das Hospiz?

Ob ambulant oder stationär ‒ grundsätzlich entstehen dem Patienten und damit auch seinen Angehörigen keine Kosten für die Inanspruchnahme von Hospizleistungen. Der ambulante Hospizdienst erfolgt in der Regel von ehrenamtlichen Helfern. Die stationäre Hospizversorgung wird zum größten Teil über Leistungen der Kranken- und Pflegekassen finanziert. Einen festgelegten Prozentsatz der Gesamtkosten muss das Hospiz aus Spendenmitteln selbst aufbringen. Daher sind gerade stationäre Hospize auf Spenden angewiesen. Jede noch so kleine Summe kann helfen, den Hospizbetrieb aufrecht zu erhalten und weiter optimieren zu können.

Was kann Palliativmedizin leisten?

Abschied ohne Schmerzen.
 

Grundsatz der Palliativmedizin ist, dem Leben nicht mehr Tage zu schenken, sondern den Tagen mehr Leben. Das Ziel besteht in der Betreuung und Behandlung von Menschen, die unheilbar erkrankt sind.

Die Grundlagen der Palliativmedizin

Als Palliativmedizin bezeichnet man Behandlungsmethoden, die bei unheilbaren Krankheiten im fortgeschrittenen Stadium und nur noch geringer Lebenserwartung angewandt werden. Während die kurative Medizin auf eine Heilung und Genesung des Patienten abzielt, steht bei ihr die Lebensqualität des Erkrankten und seines Umfelds im Vordergrund. Es handelt sich bei der Palliativmedizin also explizit nicht nur um eine körperliche Behandlung. Vielmehr soll die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich und vor allem unter weitestgehender Schmerzfreiheit gestaltet werden. Dabei wird der Patient psychisch unterstützt und seine Wünsche werden nach Möglichkeit erfüllt.

Ziele der Palliativmedizin

Die Verlängerung der Überlebenszeit ist nicht um jeden Preis vorrangig. Im Vordergrund steht der bestmögliche Erhalt einer akzeptablen Lebensqualität bis zum Eintritt des Todes ‒ natürlich immer unter Berücksichtigung der Wünsche des Patienten.

Etwas detaillierter beschreibt die Definition der World Health Organization (WHO) das Ziel der Palliativmedizin:

„Palliativmedizin ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit den Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, gewissenhafte Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“

Sterbebegleitung als ein Ziel der Palliativmedizin

Palliativversorgung

Bei der Begleitung und Behandlung von Menschen mit unheilbaren Schwersterkrankungen werden spezielle Grundwerte auf physischer, psychischer, sozialer und spiritueller Dimension verfolgt.

Die Betreuung unheilbarer Kranker

Nur etwas für Krebspatienten? ​

Bei ihrer Entstehung in den 1960er Jahren sollte die Palliativmedizin zunächst dazu dienen, die Schmerztherapie von Krebspatienten zu verbessern. Längst hat sie sich zu einem umfassenden Konzept für Menschen mit verschiedensten lebensbedrohlichen Erkrankungen entwickelt. Unabhängig von der Grunderkrankung sollen möglichst alle Schwerstkranken im Rahmen palliativer Versorgung betreut werden. In vielen Fällen wird erst von den Möglichkeiten der palliativen Versorgung Gebrauch gemacht, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist. Es kann jedoch sinnvoll sein, schon früher, neben der rein körperlichen Behandlung, auch psychische Aspekte zu berücksichtigen. Auch Gespräche mit den professionellen Teams über die Folgen der Erkrankung sowie Möglichkeiten der Palliativmedizin machen Sinn.

Ganzheitlicher Ansatz der Palliativmedizin

Vier Dimensionen des Menschen und seines Lebens:

  1. Physische Dimension

    Der körperliche Zustand. Leidet der Mensch an Schmerzen oder Mängeln?

  2. Psychische Dimension

    Der emotionale und kognitive Zustand. Wie verkraftet der Patient die Erkrankung? Ist er womöglich niedergeschlagen oder depressiv? Versteht er das Ausmaß der Erkrankung?

  3. Soziale Dimension

    Zwischenmenschliche Beziehungen. Das Miteinbeziehen von nahestehenden Personen in den Behandlungsprozess ist ein wichtiger Bestandteil der Palliativmedizin.

  4. Spirituelle Dimension

    Individuelle Weltanschauungen und existentielle Fragestellungen. Ist der Mensch religiös? Hat er Angst vor dem Tod oder erwartet er sich Erlösung?

Die Grundwerte der Palliativversorgung

Die palliative Versorgung versucht, alle vier Dimensionen zu berücksichtigen. Unerlässlich für eine gute Palliativpflege ist die Achtung der Würde des Patienten. Bei der Würde handelt es sich um ein ausgesprochen individuelles Konzept, das jedoch für fast jeden einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Ziel der Palliativmedizin ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem der Patient in Würde leben und dies auch erleben kann.

Die Palliativmedizin zeichnet sich durch Partnerschaften statt Hierarchien aus. Sowohl Hauptamtliche als auch ehrenamtlich Tätige beabsichtigen einen vertrauten und rücksichtsvollen Umgang mit dem Patienten und seinen Angehörigen. Dies zeigt sich darin, dass Entscheidungen nur in Absprache mit den Betroffenen gefällt werden. Das Recht auf Selbstbestimmung des Patienten steht im Vordergrund. Zudem soll der Fokus nicht nur auf den Beschwerden und den Defiziten des Patienten liegen. Vielmehr honoriert die palliative Versorgung die Widerstandskräfte, Ressourcen und Kompetenzen der Patienten. Dadurch hilft sie, besser mit der Erkrankung umzugehen.

Multiprofessionelle und interdisziplinäre Teams

Der Begriff „Palliativmedizin“ lässt den falschen Schluss zu, dass es sich lediglich um eine medizinische, körperliche Behandlung handele. Daher hat sich in einigen Bereichen der Begriff der palliativen Versorgung durchgesetzt. Dieser hebt den vielfältigen und umfassenden Ansatz der Betreuung hervor. Um die genannten Werte und Ziele der Palliativmedizin zu erreichen wird in enger Absprache mit den Patienten in multiprofessionellen Teams interdisziplinär gearbeitet. Denn die Gruppe der Behandelnden setzt sich aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen: Neben Ärzten und Pflegekräften sind dies auch Physio- oder Ergotherapeuten, Seelsorger, Sozialarbeiter, Ehrenamtliche und viele mehr.

Was heißt interdisziplinär?

Interdisziplinär bedeutet: Erkenntnisse und Erfahrungen werden aus verschiedenen Fachbereichen bereichsübergreifend kommuniziert und angewandt. So verfügen beispielsweise Palliativmediziner nicht nur über medizinisches Wissen, sondern auch über Kompetenzen in Psychologie und Gesprächsführung. Diese vielfältigen Qualifikationen sind angesichts der komplexen Anforderungen durch schwere Krankheiten unerlässlich, um eine gute Betreuung zu gewährleisten. Durch die Gabe schmerzlindernder Medikamente und die Behandlung von Symptomen der Krankheit oder Nebenwirkungen der Therapien sollen körperliche Beschwerden gelindert werden. Gespräche mit kompetenten Gesprächspartnern unterstützen das emotionale und spirituelle Wohlbefinden. Denn mit dem Tod konfrontiert brauchen die meisten Menschen auch psychischen Beistand.

palliative Versorgung im voraus planen

Patientenverfügung und Advanced Care Planning (ACP)

Oberstes Ziel der palliativen Versorgung ist es, die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Dabei werden die individuellen Wünsche des Patienten berücksichtigt. Was geschieht jedoch, wenn ein Patient seine Wünsche nicht mehr äußern kann, weil er beispielsweise im Laufe der Erkrankung ins Koma gefallen ist? Advanced Care Planning (ACP) hat zum Ziel, die Behandlung im Voraus zu planen. Wünsche und Präferenzen des Patienten bezüglich medizinischer, pflegerischer, aber auch spiritueller Maßnahmen können so im Vorfeld besprochen und im Falle eines Falles berücksichtigt werden. Im Rahmen eines Gesprächs werden mögliche Szenarien und Handlungsoptionen besprochen. Diese werden anschließend verbindlich, beispielsweise in Form einer Patientenverfügung, festgehalten. Zudem werden alle in die Betreuung involvierten Personen über die Absprachen in Kenntnis gesetzt.

Behandlungsformen der Palliativmedizin

Bei der Palliativversorgung wird zwischen einer allgemeinen und einer spezialisierten Versorgung unterschieden. In den meisten Fällen ist am Lebensende eine allgemeine Palliativversorgung (APV) ausreichend. Nur Wenige sind auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) angewiesen.

Allgemeine Palliativversorgung

Die allgemeine Palliativversorgung (APV) erfolgt durch Ärzte und Fachpersonal, das über ausreichende Grundkenntnisse der Palliativversorgung verfügt. Dies können Hausärzte oder Krankenhausärzte sein, bei denen die Behandlung von Palliativpatienten jedoch nicht die Hauptbeschäftigung ist.

Im Rahmen einer APV werden der Patient und seine Angehörigen regelmäßig, aber nicht durchgängig, im Alltag unterstützt. Eine ambulante APV ist zu empfehlen, wenn das soziale Umfeld und die Anbindung an ambulante Pflegedienste und niedergelassene (zumeist Haus-) Ärzte ausreichen, um eine gute Versorgung zu gewährleisten. Bei Menschen, die mittels APV betreut werden, stehen in der Regel nur wenige Symptome der Krankheit oder des Sterbeprozesses, wie beispielsweise Schmerzen, im Vordergrund. Andere Beschwerden, wie zum Beispiel Schluckbeschwerden oder Probleme mit der Atmung, sind hier nicht dauerhaft vorhanden. Daher ist eine ganztägige intensive Betreuung durch Fachpersonal nicht zwingend notwendig.

Spezialisierte Palliativversorgung

Reicht die allgemeine palliative Versorgung nicht aus, um die Bedürfnisse und Ansprüche von Patienten mit komplexeren Erkrankungsverläufen abzudecken, besteht die Möglichkeit einer spezialisierten Palliativversorgung (SPV). Experten verfügen, durch entsprechende Fortbildungen, über das Know-How für diese Versorgungsform und arbeiten in der Regel als Palliative Care Team (PCT) zusammen. Das Team betreut hauptsächlich schwerstkranke Palliativpatienten. Die Versorgung und Betreuung wird beispielsweise durch Palliativstationen, Palliativdienste oder spezialisierte ambulante Versorgungsteams erbracht.

Diese Form der Versorgung zeichnet sich wie folgt aus:

  • Steht 24 Stunden und 7 Tage die Woche zur Verfügung
  • Qualifizierte Mitarbeiter
  • Notwendige Behandlungsmöglichkeiten:
  • Medikamentöse Schmerzlinderung
  • Unterstützung der Atemfunktionen
  • Andere pflegerische Hilfen (z.B. Körperpflege, Hilfe beim Essen oder mit der Sondennahrung, Lagerung des Patienten)

Ambulante und stationäre palliative Versorgung

In nicht allen Fällen ist eine ambulante Betreuung von Schwerstkranken möglich. So richtet sich die stationäre Versorgung auf die bestmögliche Betreuung der Betroffenen.

Sterbebegleitung mit ambulanter oder stationärer Palliativversorgung

Ambulante Palliativversorgung

Nicht immer bedarf es am Lebensende einer stationären Behandlung im Krankenhaus oder Hospiz. Viele Menschen wünschen sich explizit, zuhause oder an einem anderen vertrauten Ort zu sterben. Daher hat sich in den letzten Jahren das Angebot an ambulanter palliativer Versorgung vergrößert. Betroffene haben zudem einen Rechtsanspruch auf eine palliative Versorgung in den eigenen vier Wänden. Neben Angeboten zur allgemeinen ambulanten palliativen Versorgung gibt es auch Anbieter für eine spezialisierte ambulante palliative Versorgung. Die multiprofessionellen Teams bieten eine an die Bedürfnisse von Patient und Pflegenden angepasste Betreuung zuhause oder in Pflegeeinrichtungen an. Neben der eigentlichen Pflegearbeit koordinieren sie die palliative Betreuung durch die verschiedenen daran beteiligten Personen. So kooperieren sie mit dem Hausarzt oder anderen Behandelnden. Neben einer lückenlosen Betreuung soll dies auch eine konsequente Berücksichtigung der Wünsche des Patienten gewährleisten.          
 
Zusätzlich zur allgemeinen und spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung bieten auch ambulante Hospizdienste ihre Unterstützung an. In diesen arbeiten vornehmlich ehrenamtliche Mitarbeiter sowie hauptamtliche Koordinatoren. Sie bieten sowohl dem Betroffenen als auch seinen Angehörigen emotionale und psychosoziale Unterstützung. Dies kann beispielsweise in Form von seelsorgerischer Unterstützung und nicht nur für die Dauer der Erkrankung erfolgen. Oftmals begleiten Hospizdienste die Angehörigen auch nach dem Tod des Patienten in der Zeit der Trauer – dies ist die sogenannte Trauerbegleitung. Angeboten werden oftmals Einzelgespräche oder auch Gruppengespräche mit Menschen, die ähnliches durchlebt haben. Zudem treten ambulante Hospizdienste in der Öffentlichkeit als Fürsprecher für die Belange der Palliativversorgung auf. Sie sorgen so für eine breite Akzeptanz und Information in der Öffentlichkeit.

Stationäre Palliativversorgung

Bei manchen Krankheitsverläufen ist eine ambulante Betreuung nicht möglich, sondern eine stationäre Behandlung des Patienten vonnöten, um diesen bestmöglich betreuen zu können.

In Notfallsituationen wie Schmerz- oder Atemnotattacken können demnach Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Meistens lässt sich damit die Einweisung in ein Krankenhaus verhindern. In der Regel bleiben die Verstorbenen noch bis zu zwei Tage im Haus, damit sich Angehörige und Freunde auch nach dem Tod noch von ihnen „verabschieden“ können.

Eine stationäre palliative Versorgung kann wie nachstehend erfolgen:

  • auf einer Palliativstation
  • durch den Palliativdienst im Krankenhaus
  • in einem Hospiz

Palliativstation

Bei einer Palliativstation handelt es sich um eine auf die Behandlung todkranker Menschen spezialisierte Abteilung eines Krankenhauses. Dort werden Patienten aufgenommen, deren körperlicher oder seelischer Zustand eine intensivierte Behandlung erfordert. Ziel ist es, den Zustand so zu verbessern, dass eine Versorgung an einem anderen Ort, beispielsweise zuhause oder in einem Hospiz wieder möglich ist.

Palliativstationen zeichnen sich durch die dauerhafte Verfügbarkeit der wichtigsten Dienstleistungen und Behandlungsmöglichkeiten aus. So können auf einer solchen Station auch komplexe und vielfältige Symptomatiken wie Schmerzen, Luftnot oder Schluckbeschwerden oder beginnendes Organversagen adäquat behandelt werden. Zudem bieten sie in der Regel ein breites Spektrum an Unterstützung in Form von Physiotherapien, bisweilen Kunsttherapie oder Hilfe durch einen Sozialdienst an. Sie verfügen für gewöhnlich über eine geringere Anzahl an Betten als andere Krankenhausstationen. Zudem ist die Einrichtung meist freundlich gehalten, um den Krankenhauscharakter der Räumlichkeiten zu verringern. Auf manchen Stationen können bei Bedarf auch Angehörige mit aufgenommen werden.

Palliativdienst

Der Palliativdienst unterstützt die Behandlung von Patienten im Krankenhaus außerhalb der Palliativstation. Er bietet zudem fachliche Beratung von Ärzten in Krankenhäusern an, die nicht über eine eigene palliative Versorgung verfügen. Man kann ihn sich als eine Art mobiles Einsatzteam vorstellen. In Zusammenarbeit mit anderen Ärzten und Behandelnden wird hier die Therapie aus palliativmedizinischer Sicht ergänzt und optimiert. Die „Behandlungshoheit“ bleibt jedoch bei den ursprünglich behandelnden Ärzten.

Hospiz

Hospize sind Einrichtungen, die auf die Betreuung Sterbender spezialisiert sind. Ist eine Betreuung zuhause nicht möglich und eine Behandlung im Krankenhaus nicht erwünscht, kann ein Hospiz eine gute Alternative darstellen. Hospize sind eigenständige Häuser mit eigenem Personal und Organisation. Sie sind also von Krankenhäusern unabhängig, arbeiten jedoch trotzdem oft eng mit ihnen zusammen. Sie verfügen in der Regel über etwa 8-16 Betten.

Auch hier stehen die Wünsche und Bedürfnisse des Patienten im Mittelpunkt. Die Mahlzeiten werden den Wünschen der Gäste angeglichen und nicht nach medizinischen Indikationen verabreicht. Auch Angehörige sind selbstverständlich willkommen, können an den Mahlzeiten teilnehmen und auch im Hospiz übernachten. Gesprächsangebote tragen dazu bei, dass sie mit der oft belastenden Situation besser umgehen können.

Die Versorgung wird durch Fachkräfte und durch ehrenamtliche Mitarbeitern gewährleistet. Zu den Fachkräften zählen neben Palliativmedizinern auch Physiotherapeuten, Pflegekräfte und Kunst- oder Gestalttherapeuten. Eine weitere wichtige Säule der Hospize stellen zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter dar. Diese sind in der Regel im Rahmen einer Ausbildung geschult worden. Sie unterstützen die Betroffenen und Angehörige sowohl emotional als auch spirituell.

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