Serie Rückengesundheit Teil 3: Therapie und Behandlung

Interview mit Prof. Dr. med. Grönemeyer


Zum Thema Rückenschmerzen haben Sie in den ersten beiden Artikeln dieser Reihe schon viel erfahren. Um Ihnen tiefergehende Informationen zu einzelnen Erkrankungen, ihre Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten zu geben, haben wir Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer interviewt.

Der bekannte Radiologe hat das Grönemeyer Institut für MikroTherapie in Bochum gegründet, das auf die ambulante und interdisziplinäre Behandlung des Rückens und der Wirbelsäule spezialisiert ist. Gemeinsam mit einem Team aus Rückenexperten behandelt er seit Jahren Menschen mit Rückenproblemen und hat neue Behandlungsmethoden mitentwickelt.

Im ersten Teil unseres Gesprächs ging es um Themen wie Krankheitsbilder und wie wichtig eine ganzheitliche Schmerztherapie bei Rückenbeschwerden ist. Hier lesen Sie den zweiten Teil – mit vielen Informationen zu den möglichen Ursachen von Rückenproblemen und persönlichen Tipps, wie Sie Schmerzen im Rücken vermeiden.


Herr Professor Grönemeyer, kaum betritt man eine orthopädische Praxis, wird man geröntgt. So erscheint es einem zumindest manchmal. Sie sind ein großer Fan der Kernspintomografie (MRT). Warum?
 
Bei der Kernspintomographie (MRT) handelt es sich um ein Verfahren, bei dem ohne Strahlung gezielt nach Ursachen für den Rückenschmerz gesucht wird. Die MRT ist in der Lage, nicht nur die knöchernen Strukturen der Wirbelsäule darzustellen, sondern auch die der Weichteile, der Bandscheiben, der nervalen Strukturen der Gefäße oder des Rückenmarkkanals. Chronische Aktivierungsprozesse bei Entzündungen sind nur durch die hochauflösenden MRT-Bilder möglich. Bei Unfällen oder Frakturverdacht bei einer Osteoporose ist das Röntgen als Erstmethode indiziert. Wichtig dabei ist aber die multimodale Schmerztherapie, in der unterschiedliche Fachdisziplinen sich dem Patienten annehmen. Dies hat sich als bewährtes Konzept bei starken, chronifizierten Schmerzen etabliert.
 
Im Gegensatz zum Röntgen ist die MRT aber sehr teuer. Wann nehmen Sie dieses bildgebende Verfahren in Anspruch? Oder wann empfehlen Sie es?

Vor der bildgebenden Diagnostik steht bei uns grundsätzlich die gründliche Befragung und Untersuchung des Patienten. Somit kann dann die richtige Untersuchungsmethode ausgewählt werden, zum Beispiel ist bei Unfällen oder Frakturverdacht bei einer Osteoporose zunächst eine Röntgenuntersuchung sinnvoll, eine Funktionsuntersuchung im Röntgen oder eine Belastungsuntersuchung in der MRT kann indiziert sein, bei einer Skoliose empfiehlt sich auch eine Aufnahme der gesamten Wirbelsäule.

Der Lebensstil und die Ernährung – was spielen sie in Ihren Augen bei Rückenbeschwerden für eine Rolle?

Sowohl der Lebensstil als auch die Ernährung spielen sicherlich eine entscheidende Rolle bei Rückenbeschwerden. Ein ausgeglichener stressfreier Lebensstil sowie gesundes vollwertiges Essen und die Vermeidung von Übergewicht sind nachweislich gute Möglichkeiten, um langfristig chronische Rückenschmerzen einerseits zu verhindern, andererseits auch dafür zu sorgen, dass es nach erfolgreicher Therapie nicht kurzfristig wieder zu einem Rückschritt bzw. Rückfall kommt. Auch die Vermeidung von Übersäuerung des Bindegewebes durch Reduzierung von Zucker und Weißmehl gehört dazu.
 
Welchen Einfluss haben persönliche Probleme, z.B. in Beruf und Familie, auf Rücken und Rückenprobleme? Oder auch umgekehrt?
 
Von vielen Patienten wissen wir, dass sich die Schmerzattacken gerade in Zusammenhang mit familiären Problemen häufig verstärken oder auch Stress diese verstärkt. Gerade auch Probleme oder eine Überlastung am Arbeitsplatz ist langfristig ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von chronischen Rückenschmerzen.

Wie wichtig ist ein ergonomischer, also körpergerechter Arbeitsplatz für den Rücken?

Da wir insgesamt viel Zeit am Arbeitsplatz verbringen, ist ein rückengerechtes Arbeiten absolut notwendig, um langfristig Rückenschäden zu vermeiden. Dazu gehören sicherlich Arbeitssicherheitsmaßnahmen wie das Verhindern von Tragen schwerer Lasten, aber auch die Gestaltung des individuellen Arbeitsplatzes, z.B. durch einen angemessenen Bürostuhl oder die Positionierung der Mitte des Bildschirms auf Augenhöhe, ist sehr wichtig.

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Wer chronische Rückenschmerzen hat, weiß, was das für einen Einschnitt in die Lebensqualität bedeuten kann. Kunden von AXA können in diesem Fall ohne zusätzliche Kosten vom gesundheitsservice360° profitieren.
 
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  • Persönlicher Gesundheitsberater, der bei der Bewältigung des Alltags unterstützt und Orientierung für eine nachhaltige Lebensführung bieten kann
  • Ganzheitliche Diagnostik mit Screening des Chronifizierungs- bzw. Erkrankungsstadiums und – je nach Ergebnis – Verordnung der Integrierten Funktionellen Rückenschmerztherapie
  • Vermeidung von Rückenoperationen und stationären Krankenhausaufenthalten durch hochwertige und individuelle Behandlungs- und Trainingsmaßnahmen
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Was kann man vorbeugend gegen Rückenschmerzen tun, im täglichen Leben zwischen Bürostuhl und all den zusätzlichen Verpflichtungen, die man so hat?

Regelmäßige Bewegung ist das A und O, um seine Gesundheit, speziell die des Rückens, zu erhalten. Wir empfehlen, regelmäßig zumindest kurz einmal zwischendrin aufzustehen. Das kann auch am Arbeitsplatz sein. Hilfreich ist, wenn man sich vorübergehend einmal an einen Stehtisch stellt oder von einem höhenverstellbaren Schreibtisch aufsteht, um im Stehen zu arbeiten. Dehn- und Stretch-Übungen können, wenn man bereits ein leichtes Ziehen spürt, eine weitere schmerzhafte Muskelverspannung schon im Keim ersticken. Immer wieder sollte man sich eine Auszeit gönnen und gerade auch auf seinen Körper hören.
 
Engagieren Sie sich deshalb für mehr Sport in Schulen? Sollte man schon bei den Kindern anfangen?

Ja, unbedingt. „Turne bis zur Urne“ ist mein Motto. Lebenslang! Vom Babyschwimmen bis zu den Kniebeugen auch als 100-jähriger Mensch.

Sie sagten selbst einmal in einem Interview, Sie haben aus beruflichen Gründen nicht so viel Zeit für Sport, wie Sie gerne hätten. Wissen Sie denn ein paar Bewegungstipps für unsere Leser?

Viel Bewegung im Alltag ist wichtig. Treppensteigen, zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit. Im Sitzen die Arme nach oben strecken zum Stretchen oder zwei Wasserflaschen in die Hand nehmen und den Rumpf drehen im Bürostuhl.
 
Jede Erkrankung ist ganz besonders individuell zu betrachten. Dennoch möchten wir Ihnen diese Frage stellen: Welche Behandlung, welche Therapien sind bei unspezifischen und spezifischen Rückenschmerzen sinnvoll und auch auf längere Sicht hilfreich? Ein Überblick?

Es gibt zahlreiche Therapien, die in der Lage sind, Rückenschmerzen effektiv zu behandeln. Inwieweit und wann welche spezifischen Verfahren sinnvoll sind, hängt immer von den individuellen Begleitumständen und der tatsächlichen Diagnose bei einem Patienten ab. Insgesamt sollen alle diese Therapiemaßnahmen den hilfesuchenden Menschen ermöglichen, wieder aktiv am Leben teilzunehmen und sich bewegen zu können. Vor allen Dingen bevor man einen operativen Eingriff erwägt, sollten aus unserer Sicht alle möglichen konservativen Therapiemaßnahmen erst einmal ausgeschöpft werden. Dazu zählen z.B. Wärmeanwendungen, Massagen, Heilbäder und Packungen, Mooranwendungen, Akupunktur und Chirotherapie bzw. Osteopathie. Denn aus unserer Erfahrung lassen sich oft mit einfachen Möglichkeiten wie z.B. gezielte krankengymnastische Übungen, vorübergehende Einnahme von Schmerzmitteln oder mikrotherapeutische Injektionen oder kleine Eingriffe (mittels Laser oder Endoskopie) große Erfolge bei Rückenschmerzen erreichen. All diese konservativen Therapieverfahren sollen dem Körper die Möglichkeit geben, sich künftig wieder selbst in den betroffenen Bereichen helfen zu können. In den schwierigsten Fällen können auch operative Eingriffe helfen, um jemanden von den Schmerzen zu befreien. Dies sollte jedoch immer nur als letzte Option betrachtet oder bei nachgewiesenen schweren Störungen wie z.B. einer Lähmung oder einer Blasen-/Mastdarmstörung sofort gemacht werden.

Wo wird die Mikrotherapie eingesetzt?

Die Mikrotherapie bietet die Möglichkeit, auf den Millimeter genau Gewebestrukturen zu identifizieren und nachher die Instrumente zur Behandlung punktgenau einzuführen. Durch kleinste Öffnungen werden winzige Instrumente und gegebenenfalls auch Drainagen, Katheter oder elektrische Sonden zur Schmerztherapie in den Körper eingebracht. Der Arzt kann so beispielsweise bestimmte Rücken- oder Gelenks- und auch Schmerzbehandlungen durchführen, ohne den Körper chirurgisch öffnen zu müssen.
 
Haben Sie für unsere Leser Erste-Hilfe-Tipps für den Rücken – wenn einem plötzlich einmal der Schmerz in den Rücken fährt und man sich kaum mehr rühren kann?
 
Erst einmal Ruhe bewahren. Oft klingen die akuten Rückenschmerzen innerhalb von einigen Tagen schon allein durch die körperliche Schonung, vielleicht unterstützt durch eine Wärmeauflage auf die schmerzende Stelle am Rücken, folgenlos ab. Aber auch ein heißes Bad oder Dusche können „kleine Wunder“ bewirken. Sollten die Beschwerden regelmäßig auftreten, schnell schlimmer werden oder nach mehr als einer Woche nicht verschwinden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der dann hoffentlich bald die geeignete Diagnose und daraus folgend eine geeignete Strategie für Sie bereithält. 
 
Herr Professor Grönemeyer, wir danken Ihnen, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben.

Buchtipp: Das Grönemeyer Rückentraining. Für jedes Rückenproblem das individuelle Trainingsprogramm, München 2009

Internetseite vom Grönemeyer Institut für MikroTherapie: www.groenemeyer-institut.com

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