Telemedizin – auf die Dosis kommt es an

E-Health ist Fortschritt. Doch nicht jede Gesundheits-App tut gut


Telemedizin ist die beste Unterstützung, die sich Ärzte für ihre Patienten wünschen können. Die digitalen Gesundheitsleistungen sind auf einem guten Weg, das macht sie jedoch nicht zum Allheilmittel. Der Arzt bleibt gefragt.

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Online-Gesundheitsprogramme bewähren sich, wenn die Änderung des Lebensstils gefragt ist. Online-Therapien bieten eine erste Hilfe aus der Verzweiflung einer Depression. Jetzt zieht die Videosprechstunde in den Behandlungsalltag ein. E-Health ist für viele kein Fremdwort mehr, elektronische Gesundheitsdienstleistungen sind auf dem Weg zum Patienten. Ein Boom beherrscht die mobilen digitalen Dienstleistungen, jeder Dritte trägt Wearables, mehr als 100.000 Apps dienen sich der Gesundheit an - bei mHealth besteht noch Bedarf an Transparenz und Qualität. Das PLUS bringt Sie auf den aktuellen Stand.  

„Dann schauen wir doch mal, wie die Heilung vorangegangen ist.“ Der Patient sitzt gemütlich in seinem Wohnzimmer, die Sprechstunde findet per Video-Chat statt. Deutschland macht einen Schritt vorwärts in der Telemedizin: Seit 1. April gehört die Video-Sprechstunde zur Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Wie Dr. Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Telematik-Ausschusses der Bundesärztekammer, schon 2015 für die Bertelsmann-Stiftung prognostiziert hatte: „Video-Konsultationen werden sich durchsetzen, weil die gesellschaftliche Entwicklung dahingeht. Die Medizin kann sich dieser Entwicklung nicht verschließen.“ 

Rund 45 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, ihren Arzt zumindest gelegentlich per Video zu konsultieren. Vor allem auf dem Land profitieren Patienten und pflegende Angehörige von der Technik, die Wege spart; die häufig überlasteten Ärzte können Hausbesuche an Versorgungsassistenten delegieren und sich beratend zuschalten. Zunächst ist die Videosprechstunde auf eine Auswahl von Leistungen zur Kontrolle und Nachsorge beschränkt. Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigt, dass Patienten das Angebot von zwei Seiten sehen:

pro
contra
                  
                      
Zugang zu weit entfernten Ärzten wird leichter
Risiko der Fehlbehandlung steigt
Wartezeit in der Praxis entfällt
Vertrauensverhältnis zum Arzt leidet
Ansteckung im Wartezimmer vermeiden
Patientendaten können geraubt werden

Telemedizin in der Diskussion

Fortschritt oder Risiko? Hilft die Technik bei einer besseren Versorgung oder überfordert sie den Menschen? In Norwegen und Schweden wird Telemedizin bereits seit Jahren mit großem Zuspruch praktiziert, in der Schweiz und Großbritannien gehört der digitale Arzt zum Alltag. In Deutschland sind Ärzte und Patienten zögerlich. Der Standpunkt der Ärzteschaft ist eindeutig: Tele-Methoden sollen den Arztbesuch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Auch bei der Videosprechstunde gilt: Arzt und Patient müssen vor einer digitalen Konsultation zumindest einmal „Kontakt live“ gehabt haben.

Offiziell heißt es zur Telemedizin: „Telemedizin ist ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die als Gemeinsamkeit den prinzipiellen Ansatz aufweisen, dass medizinische Leistungen der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie bei der ärztlichen Entscheidungsberatung über räumliche Entfernungen (oder zeitlichen Versatz) hinweg erbracht werden. Hierbei werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt.“


Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité Berlin: Ein Patient misst beim morgendlichen Frühstück zu Hause den Blutdruck. Das Messgerät überträgt die Blutdruckwerte automatisch und drahtlos an das telemedizinische Zentrum, das mit Fachärzten und Fachpflegern besetzt ist. Bei auffälligen Messwerten stellen die Ärzte Diagnosen und leiten die notwendige Maßnahmen ein, im Akutfall kommt ohne Zeitverlust der Notarzt. Prof. Dr. med. Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums und Oberarzt für Kardiologie, ist überzeugt davon, dass diese Form der Betreuung in zehn Jahren selbstverständlich sein wird.


E-Health auf dem Weg

Electronic Health, kurz E-Health, schafft die Voraussetzungen für die Entwicklung der Telemedizin. Die digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien haben seit 1. Januar 2016 offiziell Rückenwind durch das E-Health-Gesetz bekommen. Laut Bundesregierung bietet es „bestmöglichen Schutz der hochsensiblen Patientendaten“ und es verbessert die Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden Einsatz der Technik durch Anreize und einen Zeitplan.                      

Der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen gibt sich noch nicht zufrieden. mHealth ist auf dem Vormarsch, der Boom von Electronic Health mit mobilen Geräten. Die Auswertung von Körperfunktionen wie Puls, Schlaf, Blutzucker, Blutdruck oder Schrittzahl ist ein gewaltiger Markt. Computer am Körper, sogenannte „Wearables“ oder „Smart Clothes“ sammeln Daten, Fitnessarmbänder, Laufuhren und natürlich Mobiltelefone mit einer Unzahl von Apps. Was die Verbraucherschützer beunruhigt: „Bei der Entwicklung von mHealth fließen selten wissenschaftliche Erkenntnisse ein, im Vordergrund stehen kommerzielle Anreize...Hierbei bestehen aber Risiken, da die Messwerte nicht nur zuverlässig erhoben, sondern hinsichtlich der Reichweite ihrer Aussagen auch verstanden werden müssen...“

Im Klartext: Es besteht „die Gefahr von unnötiger Angst und, als Folge, einer Belastung des ersten Gesundheitssystems durch Überdiagnose und Überbehandlung“. Es gibt weit mehr als 100.000 Gesundheits-Apps in den Stores, die Bertelsmann-Stiftung bemängelt: „Die Marktentwicklung ist... weniger ausgerichtet am tatsächlichen Bedarf in Prävention und Gesundheit.“ Was macht wirklich Sinn? Viele Menschen sind derzeit noch ratlos.




Online-Coaching hilft - auch dem Arzt

Der „digital.DiabetesCoach“ ist zum Beispiel ausgesprochen erfolgreich. Schon nach kurzer Zeit erleben Diabetiker eine spürbare Verbesserung ihres Gesundheitszustands und ihrer Lebensqualität, viele brauchen signifikant weniger oder sogar gar kein Insulin mehr, sie nehmen ab und verbessern ihre Blutwerte. Das telemedizinische Pilotprojekt von AXA und dem Deutschen Institut für Telemedizin ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was Online-Gesundheitsprogramme leisten können.

Die Diabetes-Experten des DITG kümmern sich in einem sehr persönlichen und vertraulichen Telefon-Coaching um die Teilnehmer und begleiten sie kontinuierlich. Die Teilnehmer erhalten digitale Messgeräte, so dass die Coaches mit ihren Empfehlungen gezielt auf die individuellen Werte eingehen können und in Echtzeit die nächsten Schritte einer Lebensstilumstellung besprechen. Es handelt sich also um eine persönliche Beratung rund um Bewegung und Ernährung, bei Bedarf begleiten die Coaches die Patienten auch motivierend bei einer Formula-Diät zur Gewichtsreduktion. In dieser Form können Online-Gesundheitsprogramme dabei helfen, die Lücken zwischen Arztbesuch und Alltag zu schließen und einen gesunden Lebensstil dauerhaft einzuhalten.


Online heilen – was können die Therapien?

Der Bestsellerautor Frank Schätzing beschreibt in seinem Roman „Limit“, wie im Jahr 2025 ein virtueller Psychotherapeut online Depressionen behandelt. Das Psychotherapieprogramm versagt, die künstliche Intelligenz ist bis auf weiteres keine Behandlungsoption. Online-Therapien hingegen helfen heute bereits vielen Menschen. Seit einigen Jahren gibt es bereits eine Teletherapie gegen Stottern, in den USA hat eine Studie die Wirksamkeit einer digitalen Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen festgestellt. Noch häufiger dienen Online-Therapien als „erste Hilfe“ bei Depressionen, um die Wartezeit auf den Therapieplatz zu überbrücken. Betroffene bleiben manchmal mehrere Monate allein mit ihrem Leiden, vor allem in ländlichen Regionen, wo statistisch gesehen 4,3 Psychotherapeuten auf 100.000 Einwohner kommen.

Als erster privater Krankenversicherer hat AXA in Zusammenarbeit mit der Schön Klinik internetbasierte Psychotherapiesitzungen angeboten, die dabei helfen können, Probleme zu bewältigen. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen bestätigt: „Psychologische Beratung sei grundsätzlich auch online möglich und sinnvoll, wenn sie wissenschaftlich fundiert, humanistisch geprägt und in ethischer Verantwortung geschehe.“

In Schweden, England oder den Niederlanden sind Online-Therapien teilweise bereits seit mehr als zehn Jahren fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung., in Australien kann man sich per PC in eine virtuelle Klinik begeben. Auch in Deutschland dürfte die Versorgung von Teletherapie profitieren – ungelöst ist noch die Frage nach verlässlichen Qualitätskriterien für die Patienten.


Gute Aussichten

Apple soll in den USA einen Patentantrag für ein „Healthkit“ eingereicht haben, das alle bisher vorhandenen E-Health-Services in eine einfache Anwendung zusammenfließen lässt und es Patienten auch ermöglicht, selber Bilder in das Tele-Gespräch mit dem Arzt einfließen zu lassen. In der Umfrage von Bitkom zeigen Menschen großes Interesse an diesen Möglichkeiten der Zukunft: 48 Prozent finden, es gut, wenn Operationen von Spezialisten aus der Ferne unterstützt werden können. 31 Prozent können sich eine telemedizinische Überwachung des eigenen Gesundheitszustandes vorstellen. 45 Prozent wollen Ärzte im Ausland mit Hilfe der Telemedizin konsultieren. 60 Prozent würden eine elektronische Patientenakte nützen.

Zukunftsforscher sind der Ansicht, dass Telemedizin besondere Aspekte der Menschlichkeit besitzt. Professor Werner Weidenfeld, Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München hat mit Patienten gesprochen, die bereits in telemedizinischer Betreuung sind. „Was alle auf die Frage erwähnten, was die Telemedizin für sie ausmacht, war: Ich habe keine Angst mehr. Da sich die Patienten rund um die Uhr betreut wissen und nachts oder an Feiertagen anrufen können, erleben sie Sicherheit im Alltag. Telemedizin trägt somit meiner Meinung nach zur Humanisierung der medizinischen Behandlung bei...“

Info-Tipp:

Ausführliche Informationen und Berichte über den neuesten Entwicklungsstand bietet die Bayerische Telemedallianz  unter www.telemedallianz.de

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Telemedizin an Ihrer Seite  – mit AXA als Pionier der neuen Versorgungsqualität

Mit dem gesundheitsservice360° bietet AXA krankenvollversicherten Kunden ein umfangreiches und kostenfreies Angebot an telemedizinischen Versorgungsformen. Durch diese kann die individuelle Lebensqualität unterstützt und verbessert werden.

Kooperationen bestehen unter anderem mit folgenden telemedizinischen Angeboten:
  • Deutsches Institut für Telemedizin (DITG): Digitales Diabetes Management für Typ 1 und Typ 2
  • Preventicus: Förderung der Früherkennung von Herzkreislauferkrankungen per APP
  • Patientus: Arztkonsultationen via Online-Video-Sprechstunde
  • Tinnitracks: Individuelle und selbstverwaltende Therapie gegen Tinnitus mit Hilfe einer entsprechenden App
  • Patientenfuchs: Online Informations- und Selbstmanagementprogramm für chronische Erkrankungen
  • Novego: Online-basiertes Unterstützungsprogramm zur Symptomlinderung von Depression, Burn-Out und verschiedenen Angststörungen
  • Caterna Sehschule: Zusätzliches Sehtraining bei einer Amblyopie durch kindgerechte Online-Spiele
  • gevio: digitales Rückenprogramm für den Alltag und zur Linderung von Rückenschmerzen
Somit wird Ihnen ein vielfältiges Angebot an telemedizinischen Maßnahmen im Bereich Prävention, Diagnostik oder auch Therapie ermöglicht.

Hier finden Sie weitere Informationen zum gesundheitsservice360°.


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