Serie Herzbewusst Teil 3: Ja zum Leben, mit gesundem Lebensstil!

Ein Herzinfarkt ist kein Zufallsereignis, sondern meist Tribut an das fehlende Bewusstsein für den eigenen Lebensstil. Eine gesunde Lebensweise senkt das Risiko erheblich. Selbst nach einem Infarkt ist es nicht zu spät dafür. Der Kardiologe Dr. med Franz Goss gibt Empfehlungen für eine positive Lebensqualität.

Prävention erzielt Rekordergebnisse auf dem Gebiet der Herzgesundheit. Gesunde Lebensweise senkt das Risiko eines Herzinfarktes um mehr als 90 Prozent – das bestätigte wieder eine Studie in den USA (Ärzteblatt 2011).

Wenn es aber doch so weit kommt, kann das Leben danach weitergehen. Und das sogar mit Freude und Genuss. AXA unterstützt als Partner die „Initiative Herzbewusst – Leben nach dem Herzinfarkt“. Die Informations- und Überzeugungsarbeit für einen veränderten Lebensstil ist unter anderem ein gemeinsames Ziel dieser Initiative.




Wie geht es weiter nach dem Infarkt? Im Schongang oder mit neuer Lebensqualität?


Wir treffen für Sie den Kardiologen Dr. med. Franz Goss, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Kardiologen (BNK) und engagierter Verfechter eines aktiven Herzbewusstseins, und fragen ihn nach den Chancen auf ein lebenswertes Leben nach dem Infarkt.


Dr. Goss, ist Infarktpatienten eigentlich bewusst, dass sie an einem Wendepunkt des Lebensstils stehen?


„Leider betrachten viele Menschen einen Herzinfarkt immer noch als ein zufälliges Ereignis. Vielen ist neben dem Glück, überlebt zu haben, das Risiko nicht bewusst, dass jeder achte Herzinfarktpatient noch im ersten Jahr stirbt. Es ist lebenswichtig, dass Betroffene ihren Lebensstil nachhaltig ändern, um ein weiteres Ereignis zu verhindern. Unsere wichtigste Aufgabe ist, die Patienten zu einer aktiven Mitarbeit an ihrer Gesundheit zu motivieren.“


Stichwort aktiv: Wann kann der Patient nach einem Infarkt wieder ein aktives Leben aufnehmen?


„Früher hat man gedacht, nach einem Herzinfarkt müsste man zwei bis drei Wochen Pause machen. Heutzutage werden die Patienten bei einem Infarkt in der Regel invasiv mit einem Herzkatheter behandelt. Dies führt dazu, dass viele schon relativ schnell wieder stabil und beschwerdefrei sind und auch schon früh mit einem Bewegungsprogramm beginnen können. Wichtig ist es, langsam anzufangen und nicht gleich wieder in die Vollen zu steigen. Eine Studie hat gezeigt, dass man optimaler Weise eine Woche nach dem Infarkt mit dem körperlichen Training beginnen soll, um eine möglichst schnelle Wiederherstellung der Herzfunktion zu erreichen.“

Die wichtigsten Regeln sind:

  • Nicht rauchen
  • Regelmäßige Bewegung: Eine halbe Stunde moderater Sport täglich hilft dabei, gesund und schlank zu bleiben
  • Bewusste Ernährung: ein Body-Mass-Index unter 25 gilt als gesundheitsfreundlich. Die Ernährungsempfehlungen orientieren sich an der mediterranen Küche mit viel Obst und Gemüse, wertvollen Fetten aus Pflanzenölen und Fisch. Dazu kommen möglichst noch proteinreiche Hülsenfrüchte, ballaststoffreiche Vollkornprodukte.
  • Alkohol in Maßen
  • Stress vermeiden

Wie viel darf man sich denn zumuten? Gibt es Einschränkungen bei Bewegung und Sport?


„Einschränkungen gibt es natürlich unmittelbar nach dem Herzinfarkt. Eine Woche danach ist die unmittelbare Gefahr zwar schon wieder vorbei, aber man sollte dennoch starke Blutdruckschwankungen, beispielsweise bei Kraftsportarten, vermeiden und Ausdauersportarten wählen. Patienten, die sich nach einem Herzinfarkt zurückziehen und Angst haben, durch Sport einen weiteren Infarkt zu erleiden, kann man aber beruhigen. Alle Patienten sollten sich körperlich betätigen – damit aber langsam beginnen.“


Welche Sportarten sind besonders geeignet?


„Eigentlich sind alle Ausdauersportarten geeignet. Ich empfehle meinen Patienten, immer das zu machen, worauf sie Lust haben und was sie nicht überfordert. Der eine ist eher der Typ Fahrradfahrer, der andere der Läufer- oder Walker- oder Schwimmertyp. Nur wer auch Spaß hat, schafft es auch, dranzubleiben und regelmäßiges Training in den Alltag zu integrieren. Beim Schwimmen muss man eine kleine Einschränkung machen, weil hier mehrere Faktoren zusammenkommen, die einige Patienten beachten sollten. Zum einen ist die körperliche Belastung etwas höher und wird sicherlich auch unterschätzt. Hinzu kommt, dass der Wasserdruck auf den Körper einwirkt und dadurch das Herz mehr arbeiten muss. Außerdem ist das Wasser in der Regel deutlich kälter als der Körper, so dass der Körper zusätzlich Wärme produzieren muss. Zusätzlich verengen sich die Gefäße, um weniger Wärme abzugeben, und führen auch wieder zu einer Mehrbelastung des Herzens. Man sollte absolut stabil und beschwerdefrei sein, bevor man mit dem Schwimmen beginnt.“


Wie viel soll und darf man trainieren?


„Die allgemeinen Empfehlungen sagen, dass man mindestens dreimal die Woche mindestens 30 Minuten trainieren soll. Das ist eher das Minimum, um einen positiven Trainingseffekt zu erzielen. Ein ganz entscheidender Faktor ist dabei, dass man lernt, wieder auf seine Körpersignale zu achten. Wenn man beispielsweise nach 20 Minuten Ausdauertraining erschöpft ist, obwohl der Arzt eine halbe Stunde Training empfohlen hat, dann soll man auf jeden Fall eine Pause machen und das Training eventuell später fortsetzen. Das Allerwichtigste ist aber, dranzubleiben und wirklich regelmäßig Sport zu treiben, weil man nur dann die positiven Effekte spürt und in den Alltag mitnimmt. Viele meiner Patienten, die regelmäßig Sport treiben, berichten mir, dass sie sich auch insgesamt körperlich viel leistungsfähiger fühlen als früher.“


Herzsportgruppe oder Eigeninitiative, was raten Sie?


„Nach einem Herzinfarkt ist es empfehlenswert, das Sportprogramm im Rahmen eines Gruppentrainings zu starten. Aber auch der Gang ins Fitnessstudio kann eine vernünftige Alternative sein. Viele Patienten erzählen mir, dass sie sich zu einer Herzsportgruppe oder auch zum Fitnessstudio angemeldet haben, weil sie dann eine gewisse Verpflichtung fühlen, regelmäßig zu trainieren und sich zudem auch mit anderen Leidensgenossen austauschen können. Das Training mit Gleichgesinnten und unter Aufsicht steigert zum einen die Motivation und schützt zum anderen eher davor, sich selbst zu überlasten, als wenn man alleine zu Hause oder in der freien Natur trainiert.“


Was ist bei der Ernährung zu beachten? Gibt es eine Herz-Diät?


„Ich würde das keine Diät nennen, sondern eine Besinnung auf wertvolle und schmackhafte Lebensmittel. Das Wichtigste ist eine ausgewogene Ernährung. Viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte liefern nützliche Ballaststoffe, wertvolle Fettsäuren in Fisch, Nüssen und Pflanzenölen schützen die Gefäße und moderater Genuss von Alkohol stützt die Lebensfreude. Mediterrane Nationen leben so mit hohem Lebensgenuss. Das macht den Verzicht auf Nikotin mehr als wett – und der muss unbedingt sein.


Was sagen Sie den besorgten Angehörigen?


„Zuwendung und Unterstützung ja, Überfürsorglichkeit nein. Wenn Angehörige mitmachen bei der Veränderung des Lebensstils, ist das enorm motivierend für die Betroffenen. Dennoch ist es wichtig, nicht in ständiger Angst vor einem erneuten Infarkt zu leben. Angehörigen tun nichts Gutes, wenn sie den Patienten übermäßig „bemuttern“ und ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. Sie sollten sich klar machen, dass viele Menschen, die einen Infarkt überstanden haben, eine gute Belastbarkeit wiedererlangen und eine günstige Prognose haben, wenn sie aktiv und gesund leben.“

Herr Dr. Goss, wir danken Ihnen sehr für diese positiven Anregungen und Aussichten.

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