Serie Schlaganfall – Teil 1: Plötzlich und unerwartet

Interview mit Dr. med Alexander Hemmersbach

Über 200.000 Menschen trifft das Ereignis jedes Jahr wie der Blitz aus heiterem Himmel. Der Schlaganfall bedroht uns aber nicht nur im Alter, der Anteil jüngerer Menschen unter den Betroffenen hat in den letzten 25 Jahren besorgniserregend zugenommen. Doch es gibt auch positive Entwicklungen, vor allem bei der Behandlung der Folgeerscheinungen. Mit Dr. med. Alexander Hemmersbach haben wir einen der engagiertesten Experten für Reha-Behandlung von Schlaganfall im Fachgespräch. 



„Es war ein Tag wie jeder andere“, schildern die meisten Betroffenen: Der Schlaganfall kommt plötzlich, oft ohne jegliche Vorwarnung, und kann in jedem Alter geschehen. Der Boxer Axel Schulz erlitt einen Schlaganfall mit 37 Jahren, die Schauspielerin Sharon Stone mit 43, der Komponist Georg Friedrich Händel war 53 Jahre alt und schrieb danach noch sein größtes Werk, den Messias.

Knapp 270.000 Schlaganfälle ereignen sich nach aktuellen Berechnungen jährlich in Deutschland (Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe), 200.000 davon sind Erst-Ereignisse. Die Zahlen sind alarmierend. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland geworden und es ist die Erkrankung, die am häufigsten zu bleibenden Behinderungen führt - fast eine Million Menschen leiden in Deutschland darunter.

Andererseits sind zwei von drei Schlaganfällen vermeidbar, durch gesünderen Lebensstil, aber auch durch Vermeidung bzw. rechtzeitige Therapien von Risikofaktoren.



„Nicht alleine bleiben mit dem Risiko“


Der Neurologe Dr. med. Alexander Hemmersbach, leitender Chefarzt des Rehabilitationszentrums der Johanniter Ordenshäuser in Bad Oeynhausen, engagiert sich seit vielen Jahren für neue Ansätze in der Sicht auf neurologische Erkrankungen.


Guten Tag Herr Dr. Hemmersbach. Was kann man tun, um sich zu schützen?

Dr. Alexander Hemmersbach: Es ist möglich, das persönliche Risiko zu mindern. Man kann Warnsymptome rechtzeitig erkennen. Wichtig ist auch zu wissen, wie man sich im Notfall richtig verhält. Und selbst wenn das Ereignis bereits eingetreten ist, kann man auf verbesserte Möglichkeiten zugreifen, um mögliche Folgeerscheinungen zu reduzieren. Wir haben es in den letzten Jahren mit ganz neuen Modellen in der Reha zu tun.


Was passiert bei einem Schlaganfall?


Dr. Alexander Hemmersbach: Typischerweise handelt es sich um eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns. Stellen Sie sich vor, dass ein Hirnareal von Sauerstoff und Nährstoffen abgeschnitten ist, die Nervenzellen dort stellen ihre Funktion ein und können absterben, wenn nicht ganz schnell gehandelt wird. „Time is Brain“, sagt man, „Zeit rettet Hirn“ und das heißt: Es kommt auf jede Minute an, um die Zellen vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. So lange ihre Struktur noch vorhanden ist, können wir auch die Funktion wieder herstellen.


Was sind die Ursachen eines Schlaganfalls?


Dr. Alexander Hemmersbach: In 80 Prozent aller Fälle handelt es sich um einen Hirninfarkt, eine ischämische Attacke - das heißt: eine Minderdurchblutung, die durch Verstopfung eines Blutgefäßes verursacht wird. 15-20 Prozent der Schlaganfälle sind dagegen hämorraghische Ereignisse, vereinfacht gesagt: Blutungen im Inneren des Gehirns, die durch  den plötzlichen Riss eines, meist vorgeschädigten, Blutgefäßes entstehen.


Der Hirninfarkt kann in Folge einer Gefäßverkalkung, Arteriosklerose, geschehen. Die Hirngefäße selbst oder auch Versorgungsbahnen wie die Halsschlagader sind dann durch Ablagerungen verengt oder sogar verschlossen. In etwa einem Drittel der ischämischen Schlaganfälle sind die großen Arterien betroffen. In einem weiteren Drittel liegt die Ursache der Durchblutungsstörung in den kleinen und kleinsten Gefäßen, dann spricht man von einer Mikroangiopathie.


Die Ursache des Schlaganfalls kann auch entfernt vom Ort des Ereignisses entstehen. Ablösungen aus Gefäßablagerungen können als Plaques ins Gehirn gespült werden und Gefäße verschließen. Die kardiogenen Embolien machen das dritte Drittel bei den ischämischen Insulten aus: Im Herzen kann sich unter Einfluss von Rhythmusstörungen ein Blutgerinnsel bilden und als Thrombus eingeschwemmt werden. Das ist ein Grund, warum wir Vorhofflimmern als Risikogeschehen mit höchster Aufmerksamkeit verfolgen. Wir schreiben bei Verdacht nicht nur Langzeit-EKGs, sondern können bei gefährdeten Patienten mittlerweile auch Chips als „Event Recorder“ zur kardiologischen Fernüberwachung einsetzen, die den Herzrhythmus über Monate kontrollieren.


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Nicht alleine bleiben!

Sie sind in guter Begleitung mit dem gesundheitsservice360° und der Gesundheits-App von AXA.

Der gesundheitsservice360° ist ein innovatives kostenfreies Gesundheitsprogramm, das die private Krankenversicherung von AXA in allen wichtigen Bereichen ergänzt: Vorsorge, Orientierung, Versorgung und persönliche Betreuung formen eine rundum aktive Unterstützung. Bei neurologischen Erkrankungen profitieren Betroffene und Angehörige von einer umfassenden Begleitung bei Akut-Ereignissen, während der stationären Behandlung bis zur ambulanten Weiterbehandlung.

Wir unterstützen Sie durch,
  • intensive Betreuung
  • Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Therapiekliniken
  • Abklärung der Kostenträger (ggf. Einschaltung des Rentenversicherungsträgers)
  • Planung bzw. Vorbereitung der Entlassung aus der Therapieklinik
  • Abstimmung der ambulanten Weiterbehandlung (Therapiemaßnahmen)
  • Unterstützung bei der Therapeutensuche (z. B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten)
  • Abstimmung und Organisation von Hilfsmitteln
  • Mitarbeiter mit fachlichem und medizinischem Know-how
  • qualifizierte Ansprechpartner zu Fragen hinsichtlich gewünschter Therapiemöglichkeiten



Gibt es typische Risikofaktoren?


Dr. Alexander Hemmersbach: Wie so oft, haben wir es auch hier in der Hauptsache mit den „brisanten Vier“ zu tun: Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte. Daneben steigt das Schlaganfall-Risiko nach wie vor mit dem Alter, es kommen familiäre Häufungen von Ereignissen vor, Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und übermäßiger Alkoholkonsum stehen auf der roten Liste.


Kann man die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls durch Prävention reduzieren?


Dr. Alexander Hemmersbach: Das Risiko kann man definitiv reduzieren. Ein gesunder Lebensstil ist natürlich wesentlich beteiligt. Nehmen Sie 3 x 30 Minuten Bewegung pro Woche als Faustregel, damit ist schon viel getan. Dabei kann jeder ganz individuell entscheiden, was gut und richtig ist – es muss nicht immer Laufen sein. Ich mache gerne Mut, in die Welt zu schauen, um zu sehen, was Spaß macht. Man muss aber auch darauf achten, nicht allein zu bleiben mit der Prävention. Bei Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck ist neben einer Verhaltensänderung eine gute ärztliche Behandlung auf Dauer unentbehrlich. Es ist ja so, dass die Dinge in gegenseitiger Abhängigkeit stehen – wie Bluthochdruck, Bewegung, Fettstoffwechsel – mit Motivation und Therapie können wir hier viel bewirken. Insgesamt legen wir heute großen Wert auf die Schlaganfall Genese. Die Betrachtung der Ursachen ist sehr wichtig geworden und damit die Frage: Wie schütze ich mich?

Herr Dr. Hemmersbach, wir bedanken uns und sind gespannt auf den zweiten Teil unseres Gesprächs über die wichtigsten Verhaltensregeln im Akutfall.

Link-Tipp gegen das Risiko

Einen aufschlussreichen Online-Test bietet die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter www.schlaganfall-hilfe.de/online-risikotest
 
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