Serie - Wege zum Wunschkind – Teil 3

Die natürlichen Grenzen der modernen Kinderwunsch-Behandlung


Das erste Kind mit 48! Immer häufiger lassen Schlagzeilen vermuten, dass heute alles möglich sei. Kann sich die moderne Reproduktionsmedizin wirklich über die Grenzen der Natur hinwegsetzen? Wichtige Fakten zu den Möglichkeiten von Kinderwunsch-Behandlungen erfahren Sie aus erster Hand von Dr. med. Klaus Bühler.


Herr Dr. Bühler, wie viele Befruchtungs-Behandlungen werden in Deutschland jährlich durchgeführt? Mit welchen Erfolgen und Risiken?

2011 wurden in den 128 Kinderwunschzentren in rund 90.000 Behandlungszyklen fast 50.000 Frauen behandelt. Bei ungestörter Eierstockfunktion kommt es bei der konventionellen in-vitro-Fertilisation im Mittel aller Altersklassen in 36,1 Prozent aller Embryo-Transfers zu einer Schwangerschaft. Nach Altersgruppen aufgeschlüsselt, liegt die Schwangerschaftsrate bei Frauen unter 30 Jahren bei 46,1 Prozent und sinkt dann mit steigendem Alter bis zu 21,7 Prozent bei Frauen über 40 Jahren. Das Risiko einer Fehlgeburt liegt im Rahmen der Natur um die 20 Prozent, bei Frauen über Vierzig erhöht es sich auf 30 bis 40 Prozent.


Kann man im Ausland mehr?

In europäischen Nachbarländen ist auch die Eizell-Spende erlaubt, wenn sich in zunehmendem Alter die Eizell-Reserve und die Qualität der Eizellen verringert hat. Darüber hinaus ist es dort zugelassen, das Befruchtungsprodukt genetisch zu untersuchen, was allerdings auch keine hundertprozentige Sicherheit liefert. Für eine junge Frau macht es aber im allgemeinen keinen Sinn, diese Möglichkeiten zu nutzen, wenn nicht eine besondere genetische Belastung vorliegt.


Warten die Paare zu lange mit ihrem Kinderwunsch?

Nach einer Allensbach-Untersuchung glaubt rund die Hälfte der Bevölkerung, dass es über Vierzig allenfalls ein bisschen schwieriger wird, ein Kind zu bekommen. Der Anteil von über 35-jährigen Frauen, die eine Kinderwunschbehandlung auf sich nehmen, ist in den letzten 16 Jahren von 38,7 auf 54,4 Prozent gestiegen. Es ist noch viel zu wenig bekannt, das die monatliche Schwangerschaftschance ab dem 32./33. Lebensjahr kontinuierlich abnimmt. Die durchschnittliche Wartezeit von Paaren ist seit 1997 zwar von 5,25 auf 3,65 Jahre gesunken – aber auch das ist viel zu lang. Es muss noch mehr Aufklärung über die natürlichen Schwangerschaftschancen geben. Ein Paar sollte nicht mehr als sechs Monate warten, wenn es trotz regelmäßigem ungeschützten Verkehrs nicht zu einer spontanen Schwangerschaft kommt.


Was sollten Paare bei der Suche nach einer Kinderwunschpraxis beachten?

Das ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Die nunmehr 130 Kinderwunschzentren in Deutschland befinden sich alle auf einem sehr guten Standard, sie werden bei ihrer Eröffnung und danach jährlich überprüft. Die Reproduktionsmedizin in Deutschland zeichnet sich im internationalen Vergleich durch eine hervorragende Qualität aus, und die Versorgung ist flächendeckend. Im Einzelfall geht es darum zu entscheiden: Welcher Stil passt mir? Größere Zentren besitzen natürlich eine höhere Behandlungsroutine, bei kleineren Praxen kann die individuelle Betreuung besser ausfallen. Wichtig ist es, sich gut zu informieren und sich auch offen mit anderen auszutauschen – eine Kinderwunschbehandlung sollte heute ja kein Tuschelthema mehr sein.


Welche Risiken bringt eine Befruchtungsbehandlung mit sich? Viele denken da an Mehrlingsgeburten und Fehlbildungen…

Das Risiko einer Drillingsgeburt hat heute deutlich abgenommen. Die Zahl der übertragenen Embryonen wurde von 1997 bis 2010 um 20 Prozent reduziert – das hört sich nicht spektakulär an, aber die Zahl der Drillingsgeburten hat sich damit um 80 Prozent verringert. An allen Mehrlingsgeburten in Deutschland hat die Reproduktionsmedizin gerade einmal einen Anteil von 16 Prozent. Wenn wieder einmal Vierlinge, Fünf- oder Sechslinge durch die Presse gehen, hat das mit Befruchtung im Reagenzglas nichts zu tun.

Was Fehlbildungen angeht, hat man natürlich immer noch mit Vorurteilen zu tun. Die Reproduktionsmedizin geschieht in den gleichen natürlichen Prozessen und deshalb kommt es hier nicht zu mehr Fehlbildungen als bei spontanen Schwangerschaften.

Wir haben in 30 Jahren so viele Fortschritte gemacht. Was uns auferlegt bleibt, sind die Grenzen der Natur. Wir müssen immer wieder betonen, dass Reproduktionsmedizin keine Hexerei ist. Es wäre sehr wünschenswert, dass der Kinderwunsch wieder in die Lebensphase zurückkehrt, in der das reproduktive Fenster auch geöffnet ist.

Vielen Dank, Dr. Bühler, für das klare Schlusswort und das ehrliche Gespräch.

Dieses Interview kann das Gespräch mit dem Arzt natürlich nicht ersetzen. Mehr Information zu den Fakten der Reproduktionsmedizin und ein Verzeichnis der deutschen Kinderwunschzentren finden Sie unter www.deutsches-ivf-register.de.

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