Nur ein Gläschen... Vorsicht! Alkohol ist der Wolf im Schafspelz

Serie Alkoholabhängigkeit Teil 1 – mit Checkliste

Alkohol fordert jedes Jahr fast viermal so viele Opfer wie der Straßenverkehr. Trotzdem ist die Nachfrage hierzulande unverändert hoch. Alkohol ist das am weitesten verbreitete Genussmittel, und während das Rauchen ausgegrenzt wird, ist Trinken in allen Bereichen der Gesellschaft akzeptiert. Kaum jemand nimmt von der jährlichen „Aktionswoche Alkohol“ Notiz. Die wenigsten Konsumenten fühlen sich angesprochen von den Warnungen, doch der Übergang vom Genuss zur Sucht ist fließend – alkoholabhängig wird man heimlich, still und unbemerkt. 



Alkohol ist einer der gefährlichsten Stoffe, die es gibt. Zu diesem Schluss kommt der Statusreport der Weltgesundheitsorganisation WHO 2014 und stellt fest, dass die Krankheit Alkohol tödlicher ist als Aids und Tuberkulose zusammen. Nach offiziellen Zahlen fallen dem Alkohol rund 15.000 Menschen pro Jahr zum Opfer. Das sind jedoch nur die Todesfälle, bei denen der Arzt einen ursächlichen Zusammenhang mit Alkohol feststellt und auf dem Totenschein notiert. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen DHS glaubt jedoch, dass die wahre Zahl der Alkohol-Toten weit höher liegt.  

Eine Studie der Universität Greifswald kam auf fast 80.000 Alkoholtote pro Jahr. Doch so lange es launig über gut gelungene Partys heißt „Erste Regel: hoch den Pegel“ verdunkelt die Gesellschaft das Problem und seine Folgen. Während auf jeder Zigarettenschachtel steht, dass „Rauchen tötet“, wird nur selten ausgesprochen, dass Alkohol nicht weniger gefährlich ist. 


Zehn Millionen genießen das Risiko.

Es sind vermutlich rund zehn Millionen Menschen in Deutschland, die mehr Alkohol trinken, als ihnen guttut; etwa 1,8 Millionen kann man als alkoholabhängig bezeichnen. Die Begleiterscheinungen des übermäßigen Alkoholkonsums sind alles andere als genussvoll: Ein Drittel aller Gewalttaten werden unter Alkoholeinfluss begangen. Bei Gewalt gegen Frauen liegt der Anteil alkoholisierter Männer bei weit über 50 Prozent. Betrunkene verursachen 15.000 Verkehrsunfälle im Jahr, bei denen mehr als 300 Menschen sterben.


„Ich habe das im Griff.“

Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche jährlich den Inhalt einer Badewanne an alkoholischen Getränken. Sucht weisen die meisten dennoch weit von sich. In einer Umfrage der „Apotheken Umschau"  glaubt jeder Dritte, dass Alkoholismus erst durch ständige Trinkorgien bis zum Vollrausch entsteht. Nein, die Abhängigkeit entwickelt sich schleichend und „zu viel“ ist sehr viel weniger, als die meisten Menschen glauben: Ab einem täglichen Alkoholkonsum von über zwölf Gramm reinem Alkohol bei Frauen und über 24 Gramm bei Männern beginnt das Risiko. Zur besseren Vorstellung: Eine Flasche Bier enthält etwa 20 Gramm, ein 0,2 Liter-Glas Wein rund 16 Gramm reinen Alkohol.


Märchen und Mythen rund um den Alkohol. Was glauben Sie?

Testen Sie Ihr Wissen an sechs häufigen Behauptungen. Die Auflösung mit den richtigen Antworten finden Sie am Ende des Artikels.

1. Rotwein ist gesund.
O falsch
O richtig
 
2. Ein bisschen Alkohol ist nicht schädlich.
O falsch
O richtig
                        
3. Rauchen ist krebserregend, aber nicht Alkohol.
O falsch
O richtig
 
4. Komasaufen ist ein Jugendphänomen.

O falsch
O richtig
 
5. Alkohol ist ein guter Schlummertrunk
O falsch
O richtig
 
6. Ein Schnaps hilft bei der Verdauung
O falsch
O richtig


Die Fakten: Was richten Promille an?

Alkohol regt erst an, betäubt und enthemmt dann in Folge und wirkt auf alle Körperzellen, vor allem die Nervenzellen im Gehirn. Der Weg ist kurz: Alkohol dringt über die Schleimhäute von Magen und Dünndarm in den Blutstrom und wird schnell im gesamten Organismus verteilt. Nach etwa 30 bis 60 Minuten ist die Blutalkoholkonzentration am höchsten. Achtung: Die folgende Übersicht gilt ausschließlich für Erwachsene; Kinder und Jugendliche reagieren wesentlich empfindlicher auf Alkohol, Kleinkinder sterben schon ab 0,5 Promille.

0,2 Promille: Man fühlt sich zwangloser und animiert, noch mehr zu trinken. Die Konzentrationsfähigkeit sinkt, Bewegungen sind schwerer zu steuern.
 
0,5 Promille:
Reaktionen verlangsamen sich. Man schätzt Geschwindigkeiten falsch ein und die Risikobereitschaft steigt.  
 
0,8 Promille:
Alle Reaktionen sind deutlich verlangsamt, Gleichgewichtssinn und Konzentrationsfähigkeit sind gestört. Das Gesichtsfeld verengt sich zum Tunnelblick.

1,0 Promille: Das Rauschstadium beginnt. Gleichgewichts-, Seh- und Sprachstörungen treten auf, die Reaktionsfähigkeit ist in hohem Maße eingeschränkt. Parallel dazu wachsen Enthemmung und die Bereitschaft zur Aggression.
 
2,0 Promille:
Das Betäubungsstadium setzt ein. Gleichgewicht und Gedächtnis sind gestört. Die Muskeln sind schlaff, die Reaktionsfähigkeit geht gegen null.
 
3,0 Promille:
Die schwere, akute Alkoholvergiftung beginnt. Es kommt zu Gedächtnisverlust, Bewusstlosigkeit oder Tiefschlaf und Verlust der Körperreflexe.
 
ab 4,0 Promille:
Lähmungen setzen ein. Die Ausscheidungsorgane lassen sich nicht mehr kontrollieren. Koma und Lebensgefahr!
 
(Quelle: www.aktionswoche-alkohol.de)


Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Die Patientenbegleitung – gute Aussichten für Ihren Behandlungserfolg

Entdecken Sie, was wir bei Alkoholproblemen mit dem gesundheitsservice360° für Sie tun können und steigen Sie ein in die Patientenbegleitung.

Sie sind nicht allein: Ein persönlicher Gesundheitsberater ist für Sie da.
Bei einem Verdacht auf übermäßigen Alkoholkonsum suchen Sie bitte umgehend einen Facharzt auf, mit dem Sie die Problematik besprechen können. Gerne ist die Patientenbegleitung der AXA Ihnen dabei behilflich, einen geeigneten Facharzt in Ihrer Nähe zu finden.

Verständnisvolle und geschulte Expertinnen und Experten bieten individuelle Unterstützung im Rahmen des gesundheitsservice360° von AXA. Sie können vielfältig davon profitieren, z.B. durch:
  • individuelle Begleitung in eine qualifizierte fachärztliche Beratung
  • aktive Unterstützung bei Maßnahmen zur Verbesserung des Krankheitsbildes wie z.B. Anregung ambulanter Psychotherapie*
  • Optimierung der Arzneimitteleinstellung
  • kompetente Gesprächspartner bei allen Fragen rund um das Krankheitsbild
  • qualifizierte Ansprechpartner bei allen Fragen zur gewünschten Therapie
Erste Wahl bei stationärer Therapie
Wenn eine stationäre Behandlung notwendig wird, sichert Ihnen der Kontakt zu uns alle nötigen Informationen und Maßnahmen. Unter der Tel. 0221/ 148-43391 finden Sie den Ansprechpartner für Suchterkrankungen und psychologische Beeinträchtigungen.

Alle weiteren Informationen zur Patientenbegleitung von AXA finden Sie hier.

*abhängig vom gewählten Versicherungsschutz


Risiko von Kopf bis Fuß

Alle Experten sind sich einig: Risikofreien Alkoholgenuss gibt es nicht. Ganz egal, ob es zu Trunkenheit kommt oder nicht: In jedem Fall richtet Alkohol im gesamten Organismus Schäden an:

Das Gehirn verliert Millionen von Zellen durch jeden Rausch. Vermindert werden vor allem Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit, Kritik- und Urteilsfähigkeit.
 
Mundhöhle, Rachenraum, Speiseröhre
sind durch Alkohol von erhöhtem Krebsrisiko bedroht.
 
Das
Herz-Kreislauf-System leidet unter chronischem Alkoholkonsum in Form von Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündungen und Bluthochdruck.
 
Die weibliche Brust
ist schon bei täglich zwei Gläsern Bier oder Wein von 1,5fach erhöhtem Krebsrisiko bedroht. 

Die Leber wird besonders deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Die Folgen: Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose bis hin zum Leberkrebs.
 
Magen und Dünndarm
können unter Übelkeit und Erbrechen, Entzündungen, Verletzungen und Blutungen leiden. Die geschädigte Schleimhaut kann wichtige Nährstoffe nicht mehr aufnehmen.
 
Der Enddarm
trägt ein hohes Risiko, an Krebs zu erkranken.
 
Ein Kind im Mutterleib
wird mit 40 Prozent Wahrscheinlichkeit mit Schädigungen geboren.
 
Hormonelle Störungen
betreffen vor allem die Sexualhormone des Mannes.
 
Weitere gesundheitliche Schäden
treten im Stoffwechsel und im Immunsystem auf und führen zu vermehrten Infektionen.



Erste Hilfe ist Erkenntnis.

Die gesellschaftliche Anerkennung des Trinkens hilft, Probleme zu verdrängen. Es dauert oft lange, bis Menschen sich ihr Risiko eingestehen.

Wieviel ist zu viel? Bin ich betroffen? Der Cage*-Test hilft. Mit nur vier kurzen Fragen können Sie Ihre Beziehung zum Alkohol selbst beurteilen:

1. Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren sollten?
2. Haben Sie sich schon darüber aufgeregt, wenn andere Ihr Trinkverhalten kritisierten?
3. Hatten Sie wegen Ihres Alkoholkonsums schon Gewissensbisse?
4. Haben Sie am Morgen nach dem Erwachen schon als erstes Alkohol getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder den Kater loszuwerden?


Schon zwei bejahende Antworten weisen darauf hin, dass Alkoholprobleme existieren können. Die Wahrscheinlichkeit eines Alkoholmissbrauchs liegt bei 62% bei einer bejahenden Antwort und bei 89% bei zwei bejahenden Antworten. Bei drei und vier bejahenden Antworten beträgt die Wahrscheinlichkeit 99%.

*Cage steht für: cut down, annoyed, guilty, eye-opener

Viele Risikotrinker und Alkoholabhängige versuchen zunächst, ihr Alkoholproblem auf eigene Faust zu lösen. Untersuchungen zeigen, dass das einem Teil der Betroffenen auch gelingt. Professionelle Hilfe beim Ausweg aus der Falle Alkohol bieten viele Institutionen an.

Checkliste Alkoholabhängigkeit (PDF, 256 KB)

Sie sind nicht allein!

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.bzga.de und www.kenn-dein-limit.de

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: www.suchthilfeverzeichnis.de

Verzeichnisse von Selbsthilfegruppen gibt es unter www.blaues-kreuz.de, www.freundeskreise-sucht.de, www.guttempler.de oder www.kreuzbund.de

Wer unsicher ist, findet anonym persönliche Beratung beim Info-Telefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter Tel. 01805-313031, Montag bis Sonntag rund um die Uhr.


Lesen Sie auch im PLUS:

Nutzen Sie Ihren Vorteil im PLUS:

Die Auflösung des Wissenstestes „Was glauben Sie“

1. Falsch. Es gibt Studien, die feststellen, dass Alkohol das Risiko für Herzerkrankungen senkt. Doch es ist nicht der Rotwein, der die schützende Wirkung besitzt, sondern die darin enthaltene Flavonoide, die auch im Tee oder Traubensaft enthalten sind.

2. Falsch. Alkohol ist ein Zellgift, das immer wirkt. Jedes Glas Alkohol erhöht das Risiko, Erkrankungen zu entwickeln. Deshalb spricht man bestenfalls von einer risikoarmen Dosis und nicht von einer risikofreien.

3. Falsch. Alkohol erhöht das Risiko an Krebs zu erkranken. Beim Abbau von Alkohol im Körper entsteht das Zellgift Acetaldehyd, das zu den Top 10 der Stoffe gehört, die Krebs auslösen.

4. Falsch. Alkoholvergiftungen kommen in allen Altersgruppen und allen Gesellschaftsschichten vor. Die Mehrheit der Behandlungen wegen akuter Alkoholvergiftung betrifft Erwachsene.

5. Falsch. Alkohol dämpft und betäubt zwar, man schläft schneller ein, doch der Schlaf ist oberflächlich und man wacht öfter auf.

6. Falsch. Sogenannte Verdauungsschnäpse verdünnen die Säure im Magen. Dadurch braucht die Verdauung wesentlich länger, um die Fette im Magen abzubauen. Auch Kräuterschnäpse helfen nicht, da der Alkohol die Wirkung der Kräuter wieder aufhebt.

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