Alkohol - unterschätztes Risiko im Alter

Serie Alkoholabhängigkeit - Teil 2 mit Checkliste

In Deutschland ist Alkohol das Suchtmittel Nr. 1. Der Übergang vom riskanten Konsum zur Abhängigkeit ist fließend, vor allem im Alter, wenn keiner darüber spricht. Nach Schätzungen sind 400.000 Menschen über 60 abhängig von Alkohol. Die wirkliche Zahl liegt im Dunklen hinter verschlossenen Türen. Als Seelentröster ist Alkohol allgemein akzeptiert, immer wieder wird er sogar als gesundheitsförderlich angesehen. Die Pflegewelt von AXA spricht in Teil 2 der Serie über Suchtgefahren im Alter offen über das Risiko und die guten Chancen, sich auch in späten Jahren davon frei zu machen. 



Ein Schnäpschen zur Verdauung, ein Pikkolo für den Kreislauf. Und wussten Sie, dass die beliebten Stärkungsmittel und zahlreiche Hustensäfte bis zu 80 Prozent Alkohol enthalten? Eins kommt zum anderen, häufig unbewusst und unbemerkt entwickelt sich das Problem: Rund ein Drittel aller Männer und jede fünfte Frau zwischen 65 und 79 Jahren konsumieren nach einer Studie des Robert Koch-Instituts Alkohol in riskantem Umfang. Bei Frauen bedeutet das nach Definition der Weltgesundheitsorganisation mehr als 20 Gramm reinen Alkohol pro Tag, also etwa 0,2 Liter Wein und Sekt oder 0,5 Liter Bier. Für Männer gilt etwa die doppelte Menge. Nach Meinung von Kapazitäten wie Professor Dr. Helmut K. Seitz von Zentrum für Alkoholforschung liegt die akzeptable Alkoholmenge sogar nur bei 10 Gramm für Frauen und 20 Gramm für Männer bei zwei alkoholfreien Tagen pro Woche.

Auf den ersten Blick besteht kein Grund zur Sorge. Die Zahl der Risikotrinker sinkt mit den Jahren. Bei den 18-29-Jährigen sind es noch 54,2 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen. Aber während der Alkoholkonsum bei jungen Menschen Gegenstand von Studien, öffentlichen Diskussionen und engagierten Maßnahmen ist, sind Alkoholprobleme im Alter nur selten Thema. Und wenn, dann oft mit einem Schmunzeln, „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.“ - bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht vom gesundheitsfördernden Rotwein.


Wer Sorgen hat...

Der Seelentröster Alkohol hat in der deutschen Volksdichtung Tradition. Auch heute noch liegt Deutschland trotz eines leichten Rückgangs beim Alkoholkonsum im internationalen Vergleich unverändert im oberen Zehntel der Nationen. „In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor“, heißt es im Drogenbericht der Bundesregierung. Ein Gläschen in Ehren,  unversehens sind es zwei. Im Alter entstehen vermehrt Situationen, in denen Menschen Zuflucht im Alkohol suchen. „Angefangen zu trinken, habe ich nach dem Tod meines Mannes. Der ist jetzt das 18. Jahr tot. Schön ist das nicht, alleine zu sein.“, erzählt eine 90-Jährige, die zuletzt bis zu zwei Flaschen Rotwein, Sherry oder Schnaps täglich trank. (Quelle: www.unabhaengig-im-alter.de) Viele ältere Menschen trinken über Jahre heimlich. Der Alkoholkonsum bleibt unbemerkt, weil sie alleine zu Hause trinken und ohne offensichtliche Rauschexzesse ihren Alkoholpegel über den Tag hinweg konstant halten.

„Lasst ihnen doch die Freude“, hört man häufig. Das geht an der Wirklichkeit vorbei. Alles andere als Freude ist mit dem entgleisten Alkoholgenuss verbunden. „Das Schlimmste war die Scham vor mir selbst und vor anderen", sagte ein Gast in Sandra Maischbergers Talkrunde „Alkohol im Alter – die verheimlichte Sucht”. „Ich brauchte schon morgens das erste Glas. Als eine Flasche Rotwein nicht mehr reichte, zitterte ich eines Tages am ganzen Körper und heulte nur noch." Neben dem seelischen Tief wiegen die körperlichen Risiken im Alter noch schwerer als in jüngeren Jahren.


Ein hoher Preis

Experten erklären: „Mit steigendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper. Dadurch führt die gleiche Menge Alkohol zu einem höheren Alkoholspiegel. Gleichzeitig baut die Leber den Alkohol langsamer ab.“ Vergleichsweise geringe Mengen können zu Trunkenheit und damit zu Stürzen und anderen Unfällen führen. Vor allem werden die Organe stärker als bei jüngeren Menschen geschädigt, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit leidet, das Altern schreitet schneller voran. Die Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlichte eine Studie, nach der starker Alkoholkonsum von mehr als 36 Gramm Alkohol täglich bei älteren Männern den Gedächtnisverlust um bis zu sechs Jahre beschleunigen kann.

Ein schwerwiegendes Risiko liegt in den Wechselwirkungen mit Medikamenten. Alkohol kann die Wirkung vieler Medikamente verstärken, abschwächen oder verändern, in Verbindung mit blutdrucksenkenden Mitteln kann es beispielsweise zu einem gefährlichen Abfall des Blutdrucks kommen. Besonders riskant ist die Kombination von Alkohol mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva. Aber auch scheinbar harmlose Präparate halten gefährliche Überraschungen bereit: Das fiebersenkende Medikament Paracetamol kann in Verbindung mit Alkohol zu hochtoxischen Stoffwechselprodukten abgebaut werden, die auf Dauer eine schwere Lebernekrose herbeiführen können.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden von AXA

Auch in schwierigen Situationen sind wir für Sie da.

In unserer Pflegewelt von AXA gehen wir mit unseren Beiträgen einfühlsam und verständlich auf die Bedürfnisse rund um die Themen Pflege, Prävention und Unterstützung ein. Gerade die Filme zeigen sehr anschaulich, wie Sie mit schwierigen Umständen umgehen können und geben praxisnahe Anregungen, um den Alltag zu meistern. Ein hilfreicher Film beschäftigt sich mit dem Thema „Sucht im Alter“ und geht offen auf drängende Fragen ein. Informieren Sie sich rechtzeitig über Risiken und Chancen und schauen Sie hier in den PflegeTIPP gleich rein zu einem brisanten Problem, das immer mehr Menschen über 60 betrifft.

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Gute Chancen in jedem Alter

Es lohnt sich in jedem Alter, wieder Kontrolle über das eigene Verhalten zu gewinnen. Das geistige und körperliche Wohlbefinden verbessert sich innerhalb von kurzer Zeit. Von einer erfolgreichen Therapie der Sucht, profitiert aber nicht nur der Gesundheitszustand, sondern vor allem das Selbstwertgefühl und damit die Lebensqualität. „Raten Sie jedem, eine Therapie zu machen.“, sagt die Witwe, die sich noch im hohen Alter von 90 Jahren vom Alkohol frei gemacht hat. Die Therapeuten haben heute dazu gelernt. Die Forschung belegt, dass Suchttherapien bei älteren Menschen genauso sinnvoll und erfolgreich wie bei jüngeren sind. Studien haben auch gezeigt, dass ältere Patienten häufig sogar besser auf die Behandlung ansprechen und weniger Rückfälle haben. Vor allem bei Menschen, deren Alkoholproblem erst im Alter begonnen hat, „late onset“ im Fachjargon, sind die Chancen einer Therapie gut gegen eher mäßige Aussichten bei den „early onset“, die mit der Sucht alt geworden sind.  Als Therapieform hat sich die motivierende Gesprächsführung als schnell wirkende Kurzzeittherapie bewährt.


„Es ist schön, dass ich das nicht mehr brauche.“

Eine 77-Jährige hat sich nach vielen Jahren täglichen Trinkens zu einer Therapie entschlossen und lebt seit fünf Jahren erfolgreich abstinent (Quelle: www.unabhaengig-im-alter.de). Der erste Schritt aus der Abhängigkeit ist, Bewusstsein für das Problem zu schaffen. „Ich habe mich nie für eine Alkoholikerin gehalten“, Betroffene sind meist überzeugt davon, jederzeit aufhören zu können. Einen ersten Anstoß zum Umdenken kann der sogenannte CAGE-Test geben:

 
 
C (cut down drinking)
Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren sollten?
A (annoying)
Haben Sie sich schon darüber aufgeregt, wenn andere Leute Ihr Trinkverhalten kritisierten?
G (guilty)
Hatten Sie wegen Ihres Alkoholkonsums schon Gewissensbisse?
E (eye opener)
Haben Sie am Morgen nach dem Erwachen schon als erstes Alkohol getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder den Kater loszuwerden?
 
 

Bei Menschen über 65 weist bereits eine bejahte Frage auf einen übermäßigen Konsum oder  eine Abhängigkeit hin. Einen ausführlichen Selbsttest stellt zum Beispiel www.suchtkrankenarbeit.de zur Verfügung.

Wenn Sie sich Sorgen um Angehörige oder Freunde machen, finden Sie hier eine hilfreiche Checkliste „Was tun bei Alkoholsucht“:

Checkliste Alkohol im Alter (pdf, KB 254)

In kleinen Schritten auf den richtigen Weg

Vor allem älteren Menschen fällt es oft schwer, sich von einem Tag auf den anderen einem Arzt anzuvertrauen – vor allem, wenn ein Problem mit einem Stigma verbunden ist wie Alkoholismus. Zur vorsichtigen Annäherung an eine Lösung gibt es eine Fülle von Angeboten im Internet. Hier findet man ausführliche Informationen zum Thema Alkohol, Erfahrungen von Betroffenen und Ratschläge zu Beratungsstellen und Selbsthilfe.

Einige Link-Tipps:

  • Zur Aktionswoche Alkohol 2015 stellt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen eine Vielzahl von informativen Seiten zum Stöbern bereit unter www.aktionswoche-alkohol.de
  • Speziell auf Suchtgefahren im Alter geht die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen mit dem Angebot www.unabhaengig-im-alter.de ein.
  • Interessante Motivations- und Wissenstests und einen Online-Promillerechner bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Version für Erwachsene, aber flott aufgemacht unter www.kenn-dein-limit.de.
  • Ausführliche Broschüren, auch eine in leichter Sprache, bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Download bei www.bzga.de unter dem Menüpunkt Suchtprävention an.
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