Keine Chance für Betrüger an der Haustür

Lesen Sie, was ein erfahrener Polizei-Profi rät

Das PLUS von AXA hat Kriminalhauptkommissar a.D. Detlef Hohn zum Thema „Kriminalität an der Haustür“ befragt. Herr Hohn war 44 Jahre im Polizeidienst, 20 Jahre davon in der Prävention, der Vorbeugung von Betrugs- und Einbruchsdelikten. Detlef Hohn lehrte an der Polizeischule und hat etliche Seminare zum Thema Prävention gegeben. Lesen Sie hier das komplette Interview.





Herr Hohn, wie schätzen Sie den derzeitigen Stand von Kriminalität an der Haustür ein?


Ich bin froh, dass die Präventions-Arbeit der Polizei in den letzten Jahren gefruchtet hat. Betrugs- und Diebstahls-Delikte an der Haustür sind zurück gegangen. Viele Menschen reagieren vorsichtiger und misstrauischer, wenn ein Fremder vor der Tür steht und etwas verkaufen will oder sogar die Wohnung betreten möchte.

Generell muss man aber sagen, dass sich Betrüger und Diebe immer neue Methoden einfallen lassen und immer wieder mit neuen Tricks überraschen. Diese Menschen sind „Kopftäter“, keine „Gewalttäter“ und könnten auch als gute Laienschauspieler bezeichnet werden, die intuitiv und feinfühlig ihre Opfer ausnehmen.



Suchen sich Betrüger ihre Opfer gezielt aus? Gibt es besonders gefährdete Zielgruppen?


Ja, besonders gefährdet sind Senioren. Diese werden von Betrügern und Dieben ganz gezielt ausgesucht. In unseren Seminaren haben wir festgestellt, dass wir bei sogenannten „Jungsenioren“ ab 60 Jahren noch eine Verhaltensänderung bewirken und somit zur Prävention beitragen können. Bei Menschen ab 75 Jahren ist es sehr schwierig, Verhaltensweisen noch zu ändern.

Es gibt diverse Gründe, die diese Zielgruppe besonders anfällig macht:

  • Ältere Menschen haben häufig ein Kommunikationsdefizit und freuen sich, wenn ein Mensch vor der Tür steht und sich mit ihnen unterhält. Wie schon erwähnt sind Betrüger und Diebe zudem gute Schauspieler und können durch Dreistigkeit einen solchen Druck aufbauen, dass insbesonders hochbetagte Menschen einen Vertrag an der Haustür unterschreiben, nur um wieder Ruhe zu haben.
  • Außerdem gilt bei der Altersgruppe ab 70 Jahren häufig noch das Motto „Nur Bares ist Wahres“. Nicht selten werden Barbeträge von 10.000 Euro unter der Wäsche im Kleiderschrank gehortet. Sie müssten mal sehen, wie viele Menschen in unseren Seminaren nervös werden, wenn wir dieses vermeintlich sichere „Geheimversteck“ erwähnen.


Was passiert mit Verträgen, die an der Haustür abgeschlossen wurden? Hat der Betrogene Möglichkeiten, gegen den Vertragsabschluss vorzugehen?


Bei Verträgen gilt, dass man innerhalb von zwei Wochen schriftlich Widerspruch einlegen kann. Aber das wissen auch die Betrüger. Häufig datieren sie den Vertrag beim Ausfüllen entsprechend zurück. Merkt das Opfer dies nicht und unterschreibt, gibt es wenige Chancen für einen Widerruf.



Vor welchen Betrugsarten warnen Sie besonders? Gibt es aktuell einen neuen Trend?


Wie schon mehrfach erwähnt, fällt den Betrügern und Dieben immer wieder etwas Neues ein. Besonders beliebt sind Versuche, sich Zutritt in die Wohnung oder das Haus des Opfers zu verschaffen, um gezielt zu stehlen. Drei der klassischen Tricks sind:

  • Eine vorgeblich schwangere Frau klingelt an der Tür, und bittet um ein Glas Wasser gegen Übelkeit.
  • Auch mit dem „Zetteltrick“ gelingt häufig der Zutritt zur Wohnung: Jemand klingelt an der Tür eines Opfers und bittet um Zettel und Stift, um dem angeblich gut bekannten Nachbarn eine Nachricht zu schreiben.
  • Beim „Unfall-Trick“ erzählt der Dieb, dass unten auf der Straße ein Unfall passiert sei und bittet darum, eintreten zu dürfen, um die Polizei anzurufen.
In diesem Zusammenhang gibt es Pressemeldungen wie „Ich ließ einen rein und drei gingen“: Die Person, die sich Einlass verschafft hat, blockierte das Türschloss mit einem Klebestreifen, damit die Komplizen eindringen konnten. Während das Opfer mit einer Person in der Küche war, wurde der Rest der Wohnung nach wertvollem Diebstahlgut durchsucht. Meistens haben die Opfer verloren, wenn Diebe oder Betrüger es schaffen, über die Türschwelle zu kommen.



In der Presse ist häufig vom „Enkeltrick“ zu hören. Können Sie uns beschreiben, worum es geht?


Ein Betrüger ruft beim Opfer an und gibt sich als Enkel aus, der in einer Notsituation oder aus einem anderen Grund schnell und dringend Geld, z.B. für ein Immobiliengeschäft, benötigt.

Häufig kommen Gespräche wie folgt am Telefon vor:
Betrüger: „Hallo Oma, hier ist Dein Enkel.“
Opfer: „Klaus, bist Du es?“
Betrüger: „ Ja, Oma.“


So einfach erfährt der Betrüger den Namen des Enkels und erschleicht sich das Vertrauen des Opfers. Dann schickt er einen Boten, um das Geld abzuholen, da er aus Zeitknappheit oder anderen Gründen nicht selbst kommen kann. Häufig suchen die Senioren sogar noch Bank oder Sparkasse auf, um Geld abzuheben. Mitarbeiter von Banken und Sparkassen haben wir deshalb für Situationen sensibilisiert, wenn ältere Kunden ungewöhnlich hohe Summen in bar abheben möchten.

Ihre Opfer finden die Betrüger übrigens oft über das Telefonbuch: Vornamen wie „Adolf“, „Anneliese“ und „Liselotte“ sind aussagekräftige Informationen über das Alter.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Ratgeber „Der goldene Herbst“ (Sicherheitstipps für Senioren und Seniorinnen) verweisen. Diesen kann man sich auf der Website „Polizei Beratung“ kostenlos downloaden.



Welche generellen Tipps geben Sie Verbrauchern, um nicht Opfer von Betrügern an der Haustür zu werden?


  • Niemals einen Vertrag an der Haustür unterschreiben!
  • Ein so genanntes Kastenriegelschloss mit Sperrbügel ermöglicht es, die Haustür sicher zu öffnen und bietet einen Spalt, um mit dem Außenstehenden zu sprechen.
  • Rückfragen zu den familiären Verhältnissen vereiteln den „Enkeltrick“: z.B. die Erkundigung nach dem (nicht vorhandenen) Bruder des Enkels, nach dem Wohnort oder ähnlichen Details.
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Das PLUS von AXA bedankt sich bei Herrn Hohn für das Interview und wünscht Ihm alles Gute.

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