Markus Kammer berichtet über sein Leben nach einem Schlaganfall

Multiple Sklerose

Endlich wieder auf Augenhöhe

Norbert Ruppel ist Juwelier mit Leib und Seele. Seit über 30 Jahren führt er sein Schmuckgeschäft im hessischen Seligenstadt, 1992 hatte er es von seinen Eltern übernommen. Die vielen Stammkunden wissen seine Fachexpertise zu schätzen - ob auf der Suche nach Eheringen, einem Geschenk oder einer neuen Armbanduhr. Norbert Ruppel legt Wert darauf, immer auf Augenhöhe zu beraten. Das ist nicht selbstverständlich für den 58-jährigen. Denn Norbert Ruppel sitzt eigentlich im Rollstuhl. 

Seine Leidensgeschichte beginnt 1990. Zu diesem Zeitpunkt ist er ein sportlicher Mann von 27 Jahren, der in seiner Freizeit gerne schwimmt. Irgendwann bemerkt er, dass sich sein Körpergefühl verändert, sogar Taubheitsgefühle stellen sich ein. Sein Hausarzt vermutet zunächst einen Mangel an Vitamin B, doch auch nach der Einnahme von Vitamin Ergänzungen verspürt der Hesse keine Besserung. Nach weiteren Untersuchungen und der Entnahme von Nervenwasser in der Uniklinik Darmstadt bekommt er schließlich die eindeutige Diagnose: Norbert Ruppel leidet an der Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS). Schätzungsweise 200.000 Betroffene gibt es in Deutschland, die Krankheit gilt als unheilbar*. 

Juwelier Norbert Ruppel beim Beraten einer Kundin in seinem Geschäft

„Niederschmetternd“, so empfand Ruppel die ersten Tage nach der Diagnose. Von nun an bestimmte der tägliche Kampf gegen den Fortschritt der Krankheit sein Leben. Sein Mantra, mit dem er sich motivierte: So lange wie möglich mobil bleiben, jeder Gang zu Fuß zählt. „Ich wusste genau: Wenn ich erst einmal im Rollstuhl sitze, dann komme ich da auch nicht mehr raus“. Die Notwendigkeit eines Rollstuhls kann Ruppel immerhin noch viele Jahre herauszögern, dennoch verändert sich sein Körper durch die Krankheit zusehends.

Die gesamte Motorik leidet, selbst das Zubereiten von Essen fällt irgendwann schwer. Und auch das Gehen wird immer mühsamer. Erst behilft sich Norbert Ruppel mit einem Gehstock, doch irgendwann ist der Rollator unausweichlich. „Ich habe damals aber nicht jedem von meiner Erkrankung erzählt. Wenn ich auf der Straße wegen meiner Gehhilfen angesprochen wurde, habe ich immer gesagt, dass ich gestolpert bin“. 2013, 23 Jahre nach der Diagnose, geht es dann nicht mehr anders: Norbert Ruppel muss in den Rollstuhl.

Ein Schritt, der ihn auch psychisch enorm belastete. „Ich bin mir vorgekommen wie ein Kind im Kinderwagen, das zu anderen aufblickt. Das ist kein schönes Gefühl“, erinnert er sich an die erste Zeit. „Das, was mir immer so wichtig war, das Gespräch auf Augenhöhe mit anderen Menschen, war einfach nicht mehr möglich“. 

Juwelier Norbert Ruppel in seinem Rollstuhl mit mechanischer Aufstellfunktion

Bei einem Kuraufenthalt 2018 entdeckt Norbert Ruppel dann etwas, das sein Leben verändern sollte: einen Rollstuhl mit einer integrierten mechanischen Aufstellfunktion. „Ich sah, wie sich ein anderer Kurgast damit erhob und sich so wieder auf gleicher Ebene zu seinen Mitmenschen befand. Das wollte ich auch“. Norbert Ruppel wendet sich an AXA. Rollstühle mit einer solchen Aufstellfunktion sind im Leistungsspektrum seiner privaten Krankenversicherung nicht vorgesehen. Doch seine Betreuerin von AXA, die sich auch schon um seine Kur gekümmert hatte, hatte eine Idee: Sie stellte den Kontakt zum AXA-Partner Manutex her, einem Unternehmen, das  AXA bei Genehmigungsverfahren und Antragsprüfungen im Bereich Hilfsmittel unterstützt. Manutex gehört zum großen Partnernetzwerk des AXA gesundheitsservice360°, in dem ausgewählte Spezialisten, Gesundheitseinrichtungen und -dienstleister für eine bestmögliche Versorgung der Versicherten sorgen.

Auch Manutex-Mitarbeiter Christian Schwerm erinnert sich gut an den Fall von Norbert Ruppel. „Ich kenne mich mit Multipler Sklerose aus und hatte mich schon vorher häufiger mit den speziellen Rollstuhlmodellen für diese Patienten befasst – daher hatte ich auch zu Norbert Ruppel gleich einen guten Draht“. Gemeinsam mit AXA fand Schwerm schließlich eine optimale und bedarfsgerechte Lösung: Ein anderes Rollstuhl-Modell, das noch besser auf die individuellen körperlichen Bedürfnisse von Ruppel ausgerichtet ist – und dessen Kosten auch durch seinen Versicherungsvertrag abgedeckt wurden. „In einem solchen Fall ist es immer sehr wichtig, dass der Patient uns vertraut. So konnten wir helfen und gemeinsam mit AXA eine optimale Lösung für den Kunden finden“. 

Für Norbert Ruppel ist der Traum vom Stehen seitdem kein Traum mehr. Die meiste Zeit bewegt er sich sitzend in seinem Rollstuhl fort. Aber wenn ein Kunde sein Juweliergeschäft betritt und eine persönliche Beratung benötigt, drückt er einfach den Hebel, der den Rollstuhl hochfahren und ausklappen lässt. Dann steht der Juwelier mit einem Gurt befestigt vor seinen Kunden und spricht mit ihnen auf Augenhöhe. „Das ist ein besonders schönes Gefühl. Man wird ganz anders wahrgenommen“. Mit Manutex-Mitarbeiter Christian Schwerm tauscht er sich heute noch aus und schickt ihm hin und wieder Fotos. Zuletzt eines davon, wie Norbert Ruppel seine Frau umarmt – natürlich im Stehen. 

Bildquelle: Fotografin Sandra Schildwächter

*Quelle: https://dgn.org/presse/pressemitteilungen/multiple-sklerose-immer-mehr-patienten-leben-ohne-behinderungen/