Wie wichtig ist Geld?

Warum arbeitet der Mensch? Weil er seinem Handeln einen Sinn verleihen möchte? Weil er sich als Teil eines größeren Ganzen besser fühlt, eine Mission hat? Oder weil er muss? Die meisten arbeiten auch deswegen, weil sie eben keine Millionenerben sind und anders ihr Leben nicht bestreiten können – also für Geld. Dennoch ist es ein Trugschluss zu denken, je mehr man verdient, desto mehr Spaß hat man an der Arbeit und desto mehr Motivation bringt man mit.




Geld frisst Antrieb

Geld kann im Gegenteil sogar die intrinsische Motivation korrumpieren. Unter intrinsischer Motivation versteht man die Antriebskraft, die jedem Menschen unabhängig von äußeren Faktoren innewohnt. Jemand, der einer Tätigkeit nachgeht, weil sie ihm Spaß macht, eine Herausforderung darstellt oder weil er damit etwas Gutes bewirken kann, ist intrinsisch motiviert. Um einen guten Job abzuliefern, benötigt ein solcher Mensch in einer zu ihm passenden Umgebung nicht unbedingt ein Bombengehalt. Rückt das Einkommen, das zu den extrinsischen Faktoren zählt, in dieser Situation zu sehr in den Fokus, kann der Arbeitnehmer seine ureigene Motivation sogar verlieren. Der Idealist, der sich immer für seine Ziele einsetzen wollte, hat plötzlich nur noch seinen Kontostand im Blick – und verliert das Gefühl für die Dinge, die ihn eigentlich glücklich machen. Gleichzeitig beobachten Wissenschaftler und Manager, dass der motivationsfördernde Effekt von Gehaltserhöhungen nur kurzzeitig anhält. Der Angestellte bekommt vorübergehend einen Schub, dessen Kraft schnell verpufft – dann ist alles wieder wie gehabt. Man gewöhnt sich einfach schnell an den zusätzlichen Euro.


Handlungsfreiheit statt Boni

Schlechte Arbeitsbedingungen lassen sich demzufolge auch nicht durch üppige Gehälter ausgleichen. Letztlich wird ein Team dann durch zynische, schlecht gelaunte Charaktere beherrscht werden. Umgekehrt sollte sich jeder Berufsanfänger gut überlegen, welche Ziele er im Leben wirklich hat. Schnell reich werden klingt jedenfalls verlockender als es ist. Manche Unternehmen, die mit modernen Managementmethoden experimentieren, sind deshalb dazu übergegangen, Prämienzahlungen konsequent zu streichen. Sie haben erlebt, wie aus ehemals begeisterten Mitarbeitern verwirrte Leistungszombies wurden, die auf den nächsten Quartalsbonus schielten und dabei den Sinn für das Firmenziel verloren haben. Statt auf den Reiz des Geldes setzen solche Betriebe auf die Kraft einer gemeinsamen Vision, des kameradschaftlichen Miteinanders und der Selbstbestimmung. Da aber niemand erfreut ist, wenn man ihm etwa wegnimmt, mit dem er zuvor fest kalkuliert hat, ist es vor einem solchen Schritt zunächst notwendig – und auch üblich -  die Grundgehälter deutlich nach oben zu korrigieren.


Mit der eigenen Arbeit im Reinen sein

Denn bei aller Kritik an der motivationsfördernden Kraft des Geldes: Niemand sollte sich billig mit einem zu niedrigen Gehalt abspeisen lassen. Ein gerechtes, leistungsbezogenes Einkommen ermöglicht uns nicht nur, unser Leben so zu führen, wie wir es uns wünschen. Es drückt auch Respekt und Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber dem Mitarbeiter und dessen Arbeit aus. Etabliert hat sich deshalb das Bild vom Einkommen als Hygienefaktor. Damit kommt dem Geld in etwa der Stellenwert von Zärtlichkeit in einer Beziehung zu: Ist genug davon vorhanden, macht man sich darüber nur wenig Gedanken und nimmt es als selbstverständlich hin. Herrscht ein Mangel, fällt es uns sofort auf und lässt unsere Laune – und Motivation – auf einen Tiefpunkt sinken.

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