Arzt-Bescheinigung im Krankheitsfall:

schon am ersten Tag vorlegen?

Wenn du als Arbeitnehmer krank wirst, hast du Anspruch darauf, dass dir dein Unternehmen deinen Lohn bis zu sechs Wochen lang weiterzahlt. Allerdings hast du im Gegenzug dafür deinem Arbeitgeber gegenüber eine Anzeige- und Nachweispflicht – und das schon ab dem ersten Krankheitstag. Wird diese nicht eingehalten, droht schnell eine Abmahnung, wenn nicht sogar eine Kündigung. Das ist nicht nur so dahin gesagt: Die krankheitsbedingte Kündigung ist die häufigste der personenbedingten Kündigungen und kann bei häufigen Kurzerkrankungen (am besten direkt vor und nach den Wochenenden), bei Langzeiterkrankungen oder bei krankheitsbedingtem Leistungsabfall erfolgen. Anders als bei verhaltensbedingten Kündigungen bedarf es dabei keiner Vorwarnung in Form einer Abmahnung!




Anzeigepflicht

Im Krankheitsfall musst du deine Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber noch am ersten Krankheitstag –am besten unverzüglich – mitteilen. Dafür genügt schon ein einfacher Telefonanruf. Dieser Anruf (es geht auch per E-Mail, SMS ist hingegen weniger zu empfehlen) kann auch von deinem Partner oder einem sonstigen Bekannten durchgeführt werden. Um eine Vertretung während der Krankheitszeit muss man sich als Arbeitnehmer allerdings nicht selbstständig kümmern – für Führungspositionen bietet es sich jedoch an, für etwaige Notfälle vorzusorgen und einen entsprechenden Vertretungsplan festzulegen, das beugt Stress und Missverständnissen vor.


Nachweispflicht

Die Nachweispflicht (Attest, ärztliche Bescheinigung) ist im Entgeltfortzahlungsgesetz in Paragraf 5 Absatz 1 festgeschrieben: „Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen.“ Konkret bedeutet dies, dass die ärztliche Bescheinigung spätestens an dem Arbeitstag vorgelegt werden muss, der dem dritten Krankheitstag folgt. Wirst du an einem Donnerstag krank und dir geht es am Montag immer noch nicht gut, muss die Bescheinigung am Dienstag vorliegen.
Achtung: Der Beginn deiner Arbeitsunfähigkeit muss auf den ersten Tag der Krankheit datiert werden und nicht auf den Tag der Vorlagepflicht. Allerdings dürfen Ärzte den Beginn einer Krankheit nur um zwei Tage rückdatieren – also warte nicht zu lange mit dem Arztbesuch, wenn es dich schlimmer erwischt hat! Denn du kannst nicht drei Tage zuhause bleiben und erst am vierten Tag zum Arzt gehen, um dich dann krankschreiben zu lassen.


Es zählt der Arbeitsvertrag!

Allerdings räumt das Entgeltfortzahlungsgesetz dem Arbeitgeber einen breiten Spielraum ein, wann die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit vorliegen muss. Denn „der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen.“ Das kann bereits für den ersten Tag deiner krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit gelten – das heißt, das Attest muss deinen ersten Krankheitstag abdecken. Wer sich nicht daran hält, dem droht die Kündigung. Der Arbeitgeber ist zudem auch berechtigt, die Fortzahlung des Arbeitsentgelts zu verweigern, solange die ärztliche Bescheinigung noch nicht vorliegt.


Sonderregelungen für Einzelfälle

Falls ein Arbeitnehmer durch besonders hohe Fehltage auffällt, darf der Arbeitgeber auch verschärfte Sonderregeln für diese Einzelfälle aufstellen. Ansonsten gelten die Regelungen für die Arbeitsunfähigkeit einheitlich für die gesamte Belegschaft. Liegt eine vom Gesetz abweichende Regelung vor, muss diese im Arbeitsvertrag fixiert sein. Du kannst dich auch jederzeit beim Betriebsrat oder deinem Arbeitgeber informieren, welche Regelung genau gilt, damit du dich rechtzeitig darauf einstellen kannst.


Dieser Schuss geht nach hinten los…

Wenn Chefs eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Krankheitstag verlangen, zeugt das nicht gerade von Vertrauen. Aber diese schikanös anmutende Vorschrift ist auch für die Arbeitgeberseite häufig nicht von Vorteil: Wer seine Arbeitnehmer zwingt, wegen jedem Unwohlsein zum Arzt zu springen, hat vermutlich am Ende mehr Fehltage zu beklagen, denn Ärzte schreiben meist nicht nur für einen Tag sondern gleich für mehrere Tage krank. Und einem guten Arbeitsklima ist so eine rigide Vorschrift natürlich ebenfalls nicht sonderlich zuträglich.


Erreichbarkeit während des Krankheitsfalles

Von Führungskräften und Mitarbeitern in Schlüsselpositionen kann erwartet werden, dass sie – je nach Art der Erkrankung – telefonisch erreichbar sind, damit ihre Abteilung und die aktuellen Projekte reibungslos funktionieren. Ansonsten dürfen Angestellte alles tun, was ihrer Genesung dient und die Krankheit nicht verschlimmert – wer sich aber so verhält, dass dadurch seine Genesung verzögert wird, kann abgemahnt, im Wiederholungsfall sogar gekündigt werden.


Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Angestellten. Wenn er merkt, dass sich ein kranker Mitarbeiter extrem durch den Tag quält, gebietet es seine Fürsorgepflicht, ihn nach Hause oder zum Arzt zu schicken. Diese Fürsorgepflicht umfasst dabei sowohl den Schutz des kranken Mitarbeiters vor Überanstrengung, als auch den Schutz der übrigen Mitarbeiter vor Erkrankungen und Ansteckung, soweit das dem Arbeitgeber möglich ist.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, wünscht dir AXA startklar! eine gute Gesundheit!

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