Ab in den Bildungsurlaub



Die Feriensaison ist so gut wie gelaufen. Zeit, Pläne für den nächsten Urlaub zu schmieden – einen Bildungsurlaub. Was sich ein wenig anhört wie 70er-Jahre-Pädagogik ist eine smarte Sache und so aktuell wie nie zuvor. Schließlich verlangt das Berufsleben, dass du immer up-to-date bleibst und deine Fähigkeiten ständig erweiterst. Je nachdem, wo du lebst und arbeitest, ist dein Arbeitgeber verpflichtet, dir dafür frei zu geben. So wollen es die Bildungsurlaubs- oder auch Bildungsfreistellungsgesetze der Länder. Jedes Bundesland regelt darin einzeln, wie lange Angestellte für eine Weiterbildung Urlaub nehmen dürfen. In der Regel handelt es sich um ganze fünf Tage im Jahr. Im Saarland sind es drei Tage, in Berlin zehn Tage innerhalb von zwei Jahren. Während dieser Zeit bekommst du weiterhin dein ganz normales Gehalt. Wenn du Glück hast, zahlt dein Chef sogar die Kursgebühren. Einen Rechtsanspruch dafür gibt es allerdings nicht. Es sei denn, du verdienst brutto weniger als 25.600 Euro jährlich. Dann kannst du eine Bildungsprämie von bis zu 500 Euro beantragen. Sonderregelungen gelten zudem für Beamte und Angestellte des öffentlichen Diensts. Zu den Ausnahmen zählen die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen. Wenn du hier wohnst, hast du keinen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Es lohnt sich aber trotzdem, deinen Chef darauf anzusprechen. Da deine Qualifizierung in seinem eigenen Interesse liegt, kommt er dir vielleicht auf freiwilliger Basis entgegen.


Allgemeinbildung verbessern oder die berufliche Perspektive?

Im Kern dient der Bildungsurlaub der politischen und beruflichen Bildung. Theoretisch schließt das Kurse wie „Estland und Tallinn zwischen Mittelalter und Moderne“ oder „Nationalpark Hainich – Schutz für den Urwald mitten in Deutschland“, wie sie von verschiedenen Veranstaltern angeboten werden, mit ein. In der Praxis muss dein Arbeitgeber nur Kurse bewilligen, von denen der Betrieb profitiert. Doch auch hier ist die Auswahl riesig: kaufmännische Kenntnisse, Management-Kurse, Rhetorik-Training, Kreativtechniken oder EDV-Wissen - eigentlich ist für jedes Interessensgebiet und für jeden Bedarf etwas dabei. Besonders beliebt sind Sprachreisen. Tagsüber Spanisch büffeln und abends die Bars von Barcelona erkunden? So kann Weiterbildung richtig lässig sein. Allerdings musst du auch hier deutlich machen, wie das neue Know-how dir bei der Arbeit nützt.


Wenig Interesse trotz großem Nutzen

Umso erstaunlicher, dass die Nachfrage nach Bildungsurlaub so gering ist: Zwar sind drei Viertel aller Arbeitnehmer offen für neues Wissen, rund ebenso viele Firmen bieten ihren Mitarbeitern Fortbildungen an. Einen echten Bildungsurlaub nehmen aber nur zwei Prozent der Angestellten in Deutschland in Anspruch. Das könnte auch daran liegen, dass viele gar nicht wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Du weißt es jetzt und hast damit einen Vorsprung. Wenn du also während deiner Arbeitszeit etwas lernen willst, musst du nur noch eine Voraussetzung erfüllen: Du musst eine Betriebszugehörigkeit von mindestens sechs Monaten vorzuweisen haben, solltest du in Rheinland-Pfalz leben zwei Jahre. Außerdem müssen der Kurs, den du dir ausgesucht hast, sowie der Veranstalter von der zuständigen Behörde in deinem Bundesland für berufliche Bildung anerkannt sein. Eine Übersicht über Kurse sowie gültige Regelungen und Fristen findest du im Internet unter www.bildungsurlaub.de und www.bildungsurlaub.info

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