Trainee-Programme:

Crash-Kurs für Nachwuchsführungskräfte

Ein wenig hört es sich an nach Ausbildung, Lehrzeit, an-die-Hand-genommen-werden. Will man also wirklich, wenn man gerade seinen Bachelor oder Master in der Tasche hat, ein Trainee-Programm absolvieren. Würde der Direkteinstieg nicht schneller zum beruflichen Ziel führen?




Vorsicht vor schwarzen Schafen

Trainee-Stellen sind teilweise in Verruf geraten, seitdem bekannt ist, dass einige Firmen Berufseinsteiger unter diesem Begriff ein paar Monate auf schlecht bezahlten Stellen ohne Perspektive schuften lassen. Das mag auch daran liegen, dass es mittlerweile verpönt ist, Praktika an Absolventen zu vergeben. Stattdessen wird der Begriff Trainee missbraucht – und damit gehörig entwertet. Denn in Wahrheit ist eine echte Trainee-Stelle immer noch ein Ritterschlag: Sie bereitet überdurchschnittlich qualifizierte Absolventen auf eine Karriere als Führungskraft vor. Damit ist sie nur den besten Hochschulabgängern vorbehalten.


Trainee-Programme als Kaderschmiede

Vor allem Konzerne bieten seriöse Trainee-Programme an. Und das ergibt auch Sinn, denn eine Organisation benötigt eine bestimmte Größe, um den Managernachwuchs durch verschiedene Abteilungen zu schleusen und dort Projekte zur selbstständigen Bearbeitung zu übertragen. Normalerweise dauert ein Trainee-Programm zwischen zwölf und 24 Monaten. Genug Zeit also, um vom Einkauf, über das Controlling, bis hin zur Konzernentwicklung und Qualitätskontrolle das Unternehmen gründlich kennenzulernen und das Marktumfeld zu verstehen, in dem es sich bewegt. Durchschnittlich fünf Stationen legt ein Trainee im Laufe seiner Ausbildung auf zurück, jede davon beansprucht zwischen neun und zwölf Wochen Zeit.
Der große Vorteil: Indem man die Organisation und seine Kultur etappenweise durchdringt, lernt man an allen Stellen die relevanten Köpfe kennen – eine gute Voraussetzung, um ein Netzwerk zu knüpfen und später, nach der Übernahme, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Meist steht dem Trainee auch ein erfahrener Mentor zu Seite. Er fungiert als Coach und Personal-Trainer bei allen beruflichen aber auch persönlichen Fragen. Wer die Qualität der angebotenen Trainee-Stelle prüfen will, sollte zudem nach Weiterbildungsmöglichkeiten fragen. Ein gutes Zeichen ist es, wenn Seminare, Workshops oder Schulungen auf dem Ausbildungsplan stehen. Mitunter ist sogar ein Auslandsaufenthalt vorgesehen.



Das liebe Geld

Aber kann man von einem Trainee-Gehalt auch leben? Man kann. Und zwar deutlich besser als zuvor als Student von Bafög, Nebenjobs oder elterlicher Apanage. Zumindest wenn das Programm die oben aufgezählten Kriterien erfüllt. Die Bandbreite der Vergütung ist allerdings groß: Auf zwischen 18.000 und 66.000 Euro brutto kommen Trainees im Jahr. Die meisten erhalten zwischen 36.000 bis 43.000 Euro - und damit sogar mehr als manche Kommilitonen, die sich für den Direkteinstieg auf eine Planstelle entscheiden. Der bedeutsame Unterschied: Hat man die Trainee-Zeit erfolgreich absolviert, winken deutlich höhere Gehälter, die für Direkteinsteiger mit jährlichen Tarifsteigerungen und unregelmäßigen Gehaltserhöhungen nur schwer erreichbar sind. Da Trainee-Programme die Firmen viel Geld kosten, ist die Chance auf einen festen Job im Unternehmen groß – immer vorausgesetzt, man hat seine Sache gut gemacht.


Die Spreu vom Weizen trennen

Auf den Karriereseiten im Internet beschreiben große Firmen in der Regel, was sie Trainees zu bieten haben und was sie im Gegenzug von ihnen erwarten. Um Klarheit zu schaffen und die guten von den schlechten Angeboten zu trennen, gibt es mittlerweile auch verschiedene Initiativen: Die Seite www.trainee-gefluester.de bietet etwa eine Datenbank und Erfahrungsberichte. Als eine Art Qualitätssiegel soll sich zudem die „Auszeichnung für karrierefördernde und faire Trainee-Programme“ der Stellenbörse Absolventa etablieren.

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