Freundschaft am Arbeitsplatz:

Spagat zwischen Nähe und Distanz

Glücklich kann sich schätzen, wer im Job einen Freund gefunden hat: Wenn man sich vom Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlt, dringend Hilfe benötigt und das nicht zugeben möchte oder einfach nur erzählen will, wie spät es am Vortag (ein Montag!) in der gerade angesagten Bar geworden ist. Es ist immer einer da, der zuhört, Verständnis und Sympathie zeigt.




Ausnahmsweise wichtig: Was sagen die anderen?

Nicht alle Firmen mögen es, wenn sich Angestellte untereinander zu gut verstehen. Manche fördern ein Klima der Konkurrenz, manche fürchten bei zu vielen Privatgesprächen um die Produktivität. In anderen Betrieben sagt vielleicht ein schwacher Chef, wo es langgeht, und fürchtet, dass Seilschaften entstehen, die ihm gefährlich werden könnten. Wenn zwei Kollegen, die enge Freunde sind, in der Mittagspause immer zusammenglucken, verdreht das restliche Team schon mal die Augen – zu Recht. Ein solches Verhalten passt auf den Schulhof oder in die Mensa. Am Arbeitsplatz ist es deplatziert: Weil man andere damit ausgrenzt und sich selbst vom informellen Informationsfluss abschneidet.


Eine erwachsene Freundschaft pflegen

Egal, ob du in der Firma anfängt, in der dein guter Kumpel, deine gute Freundin, schon arbeitet, oder ob die Freundschaft erst durch die Zusammenarbeit entsteht – orientiere dein Verhalten stets an deinem Auftreten anderen Kollegen gegenüber, mit denen du privat nichts unternimmst. Schließe niemanden aus, indem du immer mit derselben Person essen gehst, lästere nicht über Kollegen oder deinen Chef und nehme niemanden ausschließlich aus Solidarität in Schutz vor Kritik. Wichtig ist, immer professionell zu bleiben. So wappnest du dich gegen Vorwürfe, deine Arbeit würde unter zu viel Nähe zu deinen Freunden leiden oder dein Urteilsvermögen sei getrübt. Und Privatgespräche? Sie sollten zumindest nicht überhand nehmen. Und im Ernst: Vom Beziehungschaos daheim oder den Macken deiner Eltern müssen die anderen Kollegen nun wirklich nichts erfahren.


Wenn aus Kumpels Konkurrenten werden

Der Gedanke mag kühl und taktisch erscheinen, aber behalte beim Aufbau eines Vertrauensverhältnisses immer im Hinterkopf, dass sich die Situation und die Interessen am Arbeitsplatz jederzeit ändern können: Vielleicht muss dein Freund dich im Rahmen eines 360-Grad-Feedbacks beurteilen, vielleicht seid ihr darauf aus, ein und dasselbe Projekt zu betreuen oder es droht ein Arbeitsplatzabbau und nur einer von euch beiden kann bleiben. Vielleicht ist dein bester Freund auch eines Tages nach einer Beförderung dein Chef. Und der weiß dann, dass deine Hausärztin deine Krankschreibungen ausstellt, ohne dich gesehen zu haben, weil sie mit deiner Mutter studiert hat, dass du eigentlich schon lange keinen Bock mehr auf deinen Job hast und dich auf einer Hochschule für Fotodesign bewirbst oder dass du damals dem Kollegen Kramer einen Fehler angehängt hast. Besser ist es natürlich, du hast keine Leichen im Keller. Aber zumindest ein Geheimnis hat jeder - und das sollte auch geheim bleiben. Freundschaft hin oder her.


Ex-Freunde im Büro

Komplikationen ergeben sich in Büro, Geschäft oder Werkstatt auch, wenn aus Freunden nach einem Streit Ex-Freunde werden. Lassen sich Wut, Zorn oder Verletzungen dann so gut kontrollieren, wie zuvor die Zuneigung? Oder werden dann Dinge ausgeplaudert, die man sich einst im Vertrauen erzählte? Es gibt also viele gute Gründe, immer genau abzuwägen, wie nah man am Arbeitsplatz jemanden an sich heran lässt. Manchmal tut man sich mit einer vermeintlich herzlosen Entscheidung den größeren Gefallen. Langfristig passiert es dafür oft, dass ehemalige Kollegen, mit denen man sich schon immer oberflächlich gut verstanden hat, plötzlich zu guten Freunden werden – aber erst nachdem einer von beiden das Unternehmen verlassen hat.

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