Überleben im Großraumbüro



„Transparenz“, „Kommunikation“, Informationsfluss“, „Entscheidungen auf Zuruf“, so schwärmen die Befürworter des Großraumbüros. Doch viele Mitarbeiter können diese Begeisterung nicht teilen. Spätestens dann, wenn der Kollege nebenan ins Telefon brüllt oder das ganze Büro müffelt, hat der Spaß ein Ende. Arbeiten in der Cloud? War damit nicht etwas anderes gemeint?


Was guckst du?

Im Kollegen-Cluster hat der einzelne Mitarbeiter nicht viel Privatsphäre. Nur kurz die Termine mit den Kumpels für das Abendprogramm klarmachen? Mit einer schnellen Runde Angry Birds aufgestaute Aggressionen nach einem ärgerlichen Kundengespräch abbauen? Nicht das kleinste Ablenkungsmanöver bleibt im Großraumbüro unbemerkt. Buchstäblich im Nacken sitzt einem hier nicht nur der Chef, auch 30 Kollegen grinsen hämisch, wenn man den High-Score verfehlt hast. Wer auf private Kommunikation während der Arbeitszeit partout nicht verzichten kann, dem bleibt nur sein Smartphone unter den Schreibtisch. Ein bisschen fühlt man sich zurückversetzt in seine Schulzeit.


Das Büro ist keine Bühne

Umgekehrt ist nicht jeder Produktivitätsschub der Kollegen schön anzusehen: Es gibt welche, die beim Telefonieren an ihrem Arbeitsplatz mit großen Gesten auf und ab schreiten. Andere geben komische Geräusche von sich oder beißen sich die Unterlippe blutig, während sie angestrengt nachdenken. Wer sich bei derlei Theatralik und Geräuschpegel nicht mehr konzentrieren kann, muss zunächst mit gutem Vorbild vorangehen. Das heißt: im Gespräch sitzen bleiben, ruhig reden, wenig fuchteln und sich in Selbstbeherrschung üben. Damit man mit dieser Strategie nicht der Dumme ist, muss das Thema beim nächsten Jour Fix auf den Tisch. Es funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Zur Not muss eben der Chef mit einem Machtwort ran oder Zeiten festlegen, in denen nicht telefoniert wird.


Seinen Arbeitsrhythmus finden

Gegen Lärm in allen Varianten hilft immer noch am besten: ein Kopfhörer. Musik im Großraumbüro ist natürlich tabu, aber wer sie über Kopfhörer hört, kann sich dadurch auch abschirmen. Egal, ob man sich also bei italienischer Oper, Elektro-Swing oder Walgesängen am besten konzentrieren kann – die Sitznachbarn bekommen nichts mit. Und auch wenn man so vernarrt ist in den Siegertitel des diesjährigen Eurovision Song Contest, dass man ihn in der Endlosschleife raus und runter hört, bleibt es ein Geheimnis. Nur mitsingen ist verboten. Wer bei Musik nicht arbeiten kann, nimmt wenigsten Ohrstöpsel – und zwar die, die auch das Publikum bei Formel-Eins-Rennen verwendet.


Hitzköpfe und Kaltblüter

Ein ewiges Ärgernis ist die Raumtemperatur. Wer im Auto zur Arbeit kommt, hat im Winter wahrscheinlich nur eine leichte Bluse an und möchte es kuschelig warm. Boots-Träger leiden derweil unter Hitzestau. Damit die Heizung-an-oder-aus-Diskussion nicht die letzte Energie raubt, bereitet man sich auf die Arbeit am besten vor wie auf einen Skiausflug. Zwiebellook heißt die Lösung: Kapuzenpulli, Strickjacke und einen überlangen Cardigan hat man immer in Griffweite. Oder wenn es im eigenen Großraumbüro einen 10-Meter-Kleiderschrank gibt in der Garderobe. Im Sommer spitzt sich diese Situation sogar noch zu, wenn es im Großraumbüro müffelt wie sonst nur während einer Hitzewelle in der S-Bahn. Wenn man Pech hat, teilt man sein Büro gleich mit mehreren Kollegen, die es mit der Körperpflege nicht so ernst nehmen. Wer hier frühmorgens ein Deo auf dem Schreibtisch des entsprechenden Kollegen platziert, bleibt zumindest anonym. Die Frage, ob das guter Stil und erlaubt ist, spaltet allerdings die Geister und bleibt wohl auf ewig ungeklärt. Aber das ist ein anderes Thema.

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