Klatsch lass nach - Lästern im Büro

„Hast du die Kramer heute schon gesehen? Diese Overknees!“ „Seit ihrer Scheidung plündert die wohl den Kleiderschrank ihrer eigenen Enkel.“ Eine Kantine irgendwo auf der Welt. Die Wahrscheinlichkeit, dass beim Essen gerade über andere, nicht anwesende Dritte geredet wird, ist groß: Denn Forscher haben herausgefunden, dass sich mehr als ein Drittel unserer Gespräche um andere Menschen dreht. Warum also sollte das am Arbeitsplatz anders sein?




Lästern erfüllt eine Funktion

Gerade im Geschäft oder im Büro, wo der Druck oft groß ist, helfen kleine Lästereien den Menschen, Dampf abzulassen. Gleichzeitig solidarisiert man sich mit anderen, indem man mit ihnen vermeintlich geheime Gedanken teilt und schafft Zugehörigkeit. Zu wissen, worüber jemand lästert, bringt einem Neuankömmling in einer Gruppe zugleich die Spielregeln der Gemeinschaft bei: Welches Verhalten ist verpönt? Womit macht man sich eher Feinde oder entfesselt Neid? Im Umkehrschluss lernt man - sofern man genau analysiert -  wie sich Anerkennung verdienen lässt und vermeidet unerwünschtes Verhalten.


Was geht, was nicht mehr?

Harmloser Flurfunk, auch was Kollegen und Vorgesetzte angeht, ist eigentlich kein Problem. Wer hat gerade welches Projekt übernommen, wie macht sich der Betreffende dabei und wie gut hat er das erste Meeting geleitet? Alles ok. News aus dem Privatleben, die der Kollege selbst unter die Leute gebracht hat – damit muss man rechnen. Wenn es aber bösartig wird, beleidigend und in Unterstellungen ausartet, ist Vorsicht geboten. Natürlich darf man sachlich feststellen, dass die Buchhalterin im Urlaub zugenommen hat. Aber dass der Bleistiftrock jetzt sitzt wie eine Wurstpelle ist unverschämt; das behält man besser für sich.


Was hat es mit mir zu tun, wenn ich viel lästere?

Wer einen so hohen Druck verspürt, dass er sich regelmäßig Luft verschaffen muss, indem er über andere herzieht, sollte sich Gedanken darüber machen, was vielleicht schief läuft. Denn schließlich gibt es immer auch die anderen. Die, die entspannt und im Einklang mit sich und ihrer Umgebung ihrer Arbeit nachgehen und eben nicht über andere tratschen. In der Lästerecke mag man so etwas wahrscheinlich nicht hören: Aber irgendetwas machen solchen Menschen anders. Besser. So kann boshaftes Gerede ein Ventil und damit Indiz für die eigene Unzufriedenheit sein.


Wo es rechtlich kritisch wird

Zu viel Klatsch und Tratsch kann zudem das Klima im Team vergiften. Wenn sich eine Gruppe auf den Chef einschießt oder auf den neuen Kollegen, entsteht mitunter eine Eigendynamik, die sich nicht kontrollieren lässt und sich letztlich auf Arbeitsergebnisse niederschlägt. Kritisch ist es vor allem, sich gemeinsam immer ein und dasselbe Opfer herauszupicken. Hier ist schnell die Grenze zum Mobbing überschritten. Spätestens dann muss der Vorgesetzte oder die Personalabteilung einschreiten. Notfalls auch mit einer Abmahnung. Eine solche kann fällig werden, wenn Arbeitskollegen verleumdet werden oder wenn der Betriebsfrieden gestört wird.


Über dem Klatsch stehen

Manchmal ist es von daher einfach klüger und fairer, sich aus dem Gespräch zu zurückzuziehen, wenn die Kollegen verbal über einen anderen herfallen. Ein gleichgültiges „Ach, wirklich?“ oder „Dazu habe ich keine Meinung“ wäre ein geeigneter erster Schritt. Wer selbst ein gutes Standing hat - oder einfach nur einen aufrechten Charakter – kann auch deeskalierend eingreifen: Indem er versucht, das Thema zu wechseln, versucht, die Perspektive des Betroffenen einzunehmen oder einfach sagt: „Lasst doch die Kramer in Ruhe.“

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