Kluge Fragen im Bewerbungsgespräch


„Haben Sie noch Fragen an uns?“ Früher oder später kommt der Moment. Man hat sich im Vorstellungsgespräch gegenseitig beschnuppert, einen ersten Eindruck gewonnen, die harten Fakten geklärt. Jetzt ist der Bewerber an der Reihe. Erstaunlich oft ist die Reaktion darauf höfliches Kopfschütteln. Nein, alles klar. Danke und Ende. Noch schlimmer ist eigentlich nur, nach Urlaubsbedingungen, Gehaltsentwicklung und Pausenregelungen zu fragen. Denn schlechte oder keine Fragen markieren vor allem eines: mangelnde Vorbereitung und damit Ahnungslosigkeit.




Ohne Vorwissen keine Anknüpfungspunkte

Wie in allen Lebensbereichen gilt auch im Jobinterview: Um präzise und sinnvoll fragen zu können, ist solides Vorwissen notwendig. Je mehr jemand weiß, desto mehr offene Fragen stellen sich ihm. Schon allein deshalb ist es unverzichtbar, sich vor dem Gespräch intensiv über das Unternehmen zu informieren. Die Quelle Nummer eins ist die Firmenhomepage. Aber auch für eine Google-Suche muss Zeit sein. In Bewertungsportalen wie Kununu, whatchado, Zeitungsartikeln oder Pressemitteilungen schlummern wertvolle Informationen über Arbeitsorganisation, Betriebsklima, Firmenstrategien, neue Produkte oder Dienstleistungen und Betriebsergebnisse. All das lässt sich leicht in eine gepflegte Unterhaltung über Ziele, Visionen und Perspektiven des Betriebs übersetzen. Eine Frage einzuleiten mit „Ich habe gelesen, dass....“ zeigt dem Gesprächspartner, dass der Bewerber den Termin ernst nimmt.


Dein Platz im großen Ganzen

Aber auch Fragen, die das eigene Arbeitsumfeld oder die Einarbeitung betreffen, sind gerne gehört. Man kann etwa nach einem Organigramm fragen, das die Firmenstruktur als Skizze darstellt, und seine eigene Position darin bestimmen lassen. Wer wird mein direkter Vorgesetzter sein? An wen berichte ich noch? An welche Abstimmungsprozesse werde ich bei meiner Arbeit gebunden sein? Wie groß ist mein Handlungsspielraum? All das hat unmittelbar mit dem Berufsalltag zu tun und zeigt, dass man sich mit der zukünftigen Aufgabe auseinandergesetzt hat. Wer wissen will, wie es um die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen steht, sollte dies ruhig ansprechen. Es signalisiert Leistungsbereitschaft, strategisches Denken und den Wunsch nach einem Arbeitsgeber, dem man länger als ein Jahr treu sein möchte.


Offene Fragen sind top

Versuche dir anzugewöhnen, Fragen mit „Wer“, „Wie“ oder „Was“ einzuleiten. Man nennt das eine offene Fragetechnik, die mehr als ein „Ja“ oder „Nein“ als Antwort erfordert und damit für einen angenehmen Gesprächsfluss sorgt. Vermeide umgekehrt „Warum“-Fragen. Bei ihnen schwingt immer ein leicht vorwurfsvoller Ton mit. Als ob man seinen WG-Partner fragte: Und warum steht hier noch das Geschirr vom letzten Wochenende? Den Satz zu beginnen mit „Was ist die Ursache“ oder „Was war Ihre Motivation für“ – so wie es ein guter Personaler wahrscheinlich auch tut - hört sich viel freundlicher an.


Mit Notizen ins Gespräch gehen

Wer unsicher ist, kann sich vor dem Gespräch eine Reihe geeigneter Fragen aufschreiben. Zum Beispiel ob die Stelle neu geschaffen wird oder warum der ehemalige Kollege das Unternehmen verlassen hat. Indem du sie notierst, wirst du sie dir besser merken können. Ansonsten ist auch während des Interviews ein Blick in deine Vorbereitungsunterlagen erlaubt. Vielleicht hast du dir ohnehin Gesprächsnotizen gemacht. Ein paar der Fragen werden sich im Gesprächsverlauf erledigt haben, für andere ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt. Nur eine ist ein absolutes No-go: Die Frage nach dem „Wie war ich?“ Sie signalisiert ein schwaches Selbstbewusstsein und bringt den Personaler in eine peinliche Situation.

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