Und mittags ist dann Feierabend!



Vormittags die Grundlagen in Buchhaltung büffeln und anwenden, nachmittags am Wickeltisch das Baby versorgen? Was bis vor kurzem undenkbar war, gehört mittlerweile zum Ausbildungskonzept von immer mehr Betrieben: die Ausbildung in Teilzeit. In der Regel bei Unternehmen, die Nachwuchssorgen haben. Bleiben Lehrstellen unbesetzt, weil die Bewerberzahlen sinken, kann das Anbieten einer solchen Ausbildungsform Sinn machen. Umgekehrt bleiben viele Schulabgänger und junge Leute trotz guter Abschlussnoten auf der Strecke und ohne Ausbildungsvertrag - weil sie Verpflichtungen haben und nicht genug Zeit, um von früh bis spät im Ausbildungsbetrieb oder in der Berufsschule anwesend zu sein.


Benachteiligung abschaffen

Insbesondere Frauen, die sehr jung Mutter geworden sind, oder junge Leute, die einen Angehörigen pflegen müssen, waren bisher auf dem Ausbildungsmarkt benachteiligt. Ebenso Menschen mit Behinderung oder schwerer Krankheit. Die Ausbildung in Teilzeit soll ihnen nun neue Zukunftschancen eröffnen. Im Jahr 2012 etwa begannen 1.344 Lehrlinge eine Teilzeit-Lehre, die meisten in kaufmännischen Berufen oder im Gesundheitswesen. 92,2 Prozent von ihnen waren Frauen. Gerade von Frauen wird immer noch oft erwartet, dass sie Pflegeaufgaben innerhalb der Familie übernehmen und rund um die Uhr für die Kinder da sind. In der Vergangenheit war damit ein Weg in eine unsichere Existenz ohne qualifizierende Berufsausbildung vorgezeichnet. Dieser Automatismus hat nun ein Ende.


Halber Tag = Dennoch volles Ausbildungsprogramm

Wer seine Ausbildung in Teilzeit absolvieren möchte, braucht also ein berechtigtes Interesse. Es einfach nur ruhig angehen zu wollen und sich ansonsten seinen Hobbys zu widmen, reicht als Grund nicht aus. Mit triftigen Argumenten aber kann der werdende Azubi seine wöchentliche Arbeitszeit mit dem Ausbildungsbetrieb frei aushandeln: Zwischen 20 und 35 Wochenstunden ist alles möglich. Hauptsache die Zeit reicht aus, um die Lerninhalte im Ausbildungsberuf zu vermitteln. Eine Verlängerung der Gesamtdauer des Ausbildungsprogramms ist nämlich nicht vorgesehen. Deshalb ist es umso wichtiger, im Einzelfall genau zu prüfen, welche Vorkenntnisse, persönliche Bedingungen, wie etwa eine angefangene und wieder abgebrochene Lehre, und Noten der Bewerber mitbringt. Eigentlich ist eine solche Halbtags-Lehre in allen anerkannten Ausbildungsberufen möglich, letztlich kommt es darauf an, einen geeigneten Betrieb in der eigenen Umgebung zu finden.


Wermutstropfen Berufsschule

Lediglich die Berufsschulphasen der Ausbildung verlangen dem Azubi Organisationstalent ab. Hier ist weiterhin Vollzeitunterricht vorgesehen. Wer also ein Kind hat, muss die Großeltern oder andere Betreuungspersonen darauf vorbereiten, auch mal länger einzuspringen. Bei sehr großen Klassen wäre es den Berufsschulen theoretisch auch möglich, Teilzeitklassen einzurichten. Dies wird allerdings nur in großen Städten vorkommen. Die zweite Einschränkung muss ein Halbtags-Lehrling in Sachen Ausbildungsvergütung hinnehmen. Laut Gesetz darf das Lehrlings-Gehalt verringert werden, muss aber noch angemessen sein. In der Realität heißt das: Je weniger man arbeitet, desto weniger Geld. Eigentlich logisch – zumal eine Ausbildung immer eine Investition in die eigene Zukunft darstellt.
 
Die Ausbildung in Teilzeit wird von verschiedenen öffentlichen Einrichtungen unterstützt. Vor allem die Industrie- und Handelskammern haben ein Interesse daran, dass Betriebe von ihren Nachwuchssorgen befreit werden. Dort kann man weitere Auskünfte einholen, welche Firmen in der eigenen Umgebung einen Teilzeit-Ausbildungsplatz anbieten. Weitere Informationen sind außerdem auf dem Online-Portal Jobstarter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu finden.

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