Büroknigge: Umgang mit schwierigen Chefs und Vorgesetzten

Fast jeder Job bringt einen Vorgesetzten mit sich. Dabei kann es vorkommen, dass die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Angestellten auch einmal ambivalent ist. Jeder Chef ist anders – und damit ist auch das Verhältnis über die Hierarchiegrenzen hinweg nicht immer zu 100% ungetrübt. Das liegt mit in der Natur der Sache begründet – denn die Arbeitspsychologie bestätigt: je steiler das Hierarchiegefälle (und damit Hierarchiegebaren) in Unternehmen, desto mehr Reibungspunkte für das zwischenmenschliche Verhalten. Hier ein paar grundlegende Tipps, wie du dich in solchen Fällen am besten verhältst.




Gebührender Respekt

Unabhängig von der Qualität des Führungsstils deines Chefs gilt es, ihm immer einen angemessenen Respekt zu zollen, bestimmte Regeln einzuhalten und vor allem auf eine diplomatische Wortwahl zu achten. Das gilt sowohl für einen autoritären als auch für einen vermeintlich lässigen Menschentyp. Denn viele Schwierigkeiten lassen sich von vorneherein einfach vermeiden, wenn man nicht mit einem Stock im Wespennest stochert, denn da kann man als Angestellter nur den Kürzeren ziehen.

Zwar wird ein dominanter oder autoritärer Chef (die Grenzen sind hier definitionsgemäß fließend) von seinen Mitarbeitern immer eine stärkere Unterordnung fordern als ein liberaler Chef. Aber auch einen sehr kumpelhaften Chef sollte man niemals wie einen gleichrangigen Kollegen behandeln, denn der Schuss könnte schnell nach hinten losgehen und das eigentlich gute Verhältnis trüben – und das wäre sehr schade.


Danke liebe Chefs!

Dein Chef ist kompetent, lösungsorientiert und auch im zwischenmenschlichen Umgang besonnen? Glückwunsch! Dann kannst du hier aufhören zu lesen. Leider beherrschen aber nicht alle Vorgesetzten einen modernen und konsistenten Führungsstil. Nervige Chefs sorgen dabei nicht nur für ein mieses Betriebsklima, demotivieren und nehmen einem die Lust am Arbeiten, selbst zuhause denkt man noch an die vermeintliche Fehlbehandlung. Das alles muss aber nicht sein, wenn du die Tipps befolgst, wie man am besten mit anstrengenden Vorgesetzten umgeht.


Die „Chefologie“

Was dein Chef von dir erwartet hängt stark davon ab, was für ein Typ er ist. Dabei gibt es viele verschiedene „Chef-Typen“: Diese reichen von A wie Arbeitshengste über K wie Kompetente bis Z wie Zyniker. Die Welt dazwischen wird bevölkert von Chaoten, Cholerikern, Einfühlsamen, Hektikern, Kreativen, Karrieristen, Nörglern, Ordnungsfanatikern, Pragmatikern, Rechthabern, Workaholics, Yuppies und vielen mehr.
Manche Verhaltensgrundregeln gelten dabei für alle Typen, manche Charaktereigenschaften verlangen aber auch eine ganz spezielle Behandlung. Wenn du dich entsprechend darauf einstellst, kannst du nicht mehr so schnell auf dem falschen Fuß erwischt, falls dein Chef wieder mal charaktertypische Allüren an den Tag legt oder ein Ventil für seinen Frust sucht.



Verhaltenstipps für die Mitarbeiter-Chef-Kommunikation

Don Quichote war verrückt: Akzeptiere, was du nicht ändern kannst und steure mit deinem eigenen Verhalten das, was du ändern kannst. Denn es macht einfach keinen Sinn, gegen Windmühlen anzukämpfen.

Kritik am Chef: Du bildest zwar mit deinem Chef ein Team, d.h. aber nicht, dass er sich gerne vor versammelter Mannschaft kritisieren oder eines Besseren belehren lässt. Die meisten Menschen können mit Kritik nicht richtig umgehen – das gilt auch für viele Chefs. Also serviere deine andere Meinung immer freundlich mit einem Lächeln und einem Löffelchen Honig. Tipp: Gewöhne dir an, deine Kritik als Frage zu formulieren, das ist weniger konfrontativ und gibt den notwendigen Input, ohne direkt widersprechen zu müssen.

Selbstkontrolle üben und sachlich bleiben: Bei Konflikten mit Vorgesetzten ist es besonders wichtig, objektiv und sachlich zu bleiben, auch wenn der Chef dir vielleicht nicht mit derselben Professionalität begegnet. Emotionen trüben das Urteilsvermögen und provozieren lediglich hitzige Diskussionen. Daher muss Deeskalation das oberste Prinzip deiner Reaktionen sein. Kritik musst du stets ohne Schärfe und lösungsorientiert vortragen – notfalls musst du erst mit Würde runterschlucken, das Gespräch auf später verschieben, das Zimmer verlassen und beiden die Zeit zum Beruhigen geben. Nur so bietest du selbst in schwierigen Situationen keine Angriffsfläche und kannst etwaige Spitzen an dir abprallen lassen. Lässt du dich hingegen auf einen pampigen Tonfall ein, drohst du in den Strudel zwischenmenschlicher Eskalation hineingerissen zu werden – und in einem solchen Grabenkampf hast du als Angestellter eindeutig die schlechteren Karten!

Privates bleibt privat: So wie ein Zauberer niemals seine Tricks verrät, solltest du Privates auch immer privat lassen. Es gibt genügend Gesprächsthemen, da musst du nicht ausgerechnet vor dem Chef aus dem Nähkästchen plaudern. Das könnte nur deinen mühsam erarbeiteten Nimbus als ruhender und kompetenter Pol des Unternehmens untergraben. Und wenn du doch einmal Privates erzählst, dann aber nur Positives! Niemals Katastrophen, Probleme und wirklich auf gar keinen Fall Unsicherheiten oder Ähnliches – das kann dir später nur unangenehm wieder auf die Füße fallen.

Leistung muss sichtbar sein: Überzeuge deinen Vorgesetzten sowohl mit deiner fachlichen wie auch sozialen Kompetenz, Umgänglichkeit, gutem Urteilsvermögen und umsetzbaren Visionen. So gewinnst du auf der inhaltlichen Ebene an Einfluss und wirst zu einer unverzichtbaren Stütze für deinen Chef und das Unternehmen.


Verschiedene Chef-Typen und ihre Eigenheiten

Der Selbstdarsteller: Diese Vorgesetzten lieben den großen Auftritt und neigen mit teurer Kleidung und großspurigen Gesten zur extremen Selbstdarstellung. Dazu gehört auch, dass sie sich Beschäftigten gegenüber oft übertrieben fürsorglich verhalten, denn der Starke steht idealtypisch den Schwächeren großmütig mit Rat und Tat zur Seite. Problem: Dieser Typ duldet keine Nebenbuhler, die irgendetwas besser können als er selbst, da sie ihm die Show stehlen könnten. Insofern ist von den Mitarbeitern etwas mehr Zurückhaltung gefordert als normal.

Der kreative Chaot: Diese Chefs haben täglich Dutzende neuer Ideen. Mit Schlagworten wie „Flexibilität“ und „Spontanität“ bekommen immer neue Angelegenheiten höchste Priorität, während die von gestern noch nicht abgearbeitet sind. Tipp: Hier gilt es, nicht zu schnell zu reagieren und die sonstige Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren – dafür hilft es, die Arbeitszeit fest in „Altes“ und „Neues“ einzuteilen, damit man nichts übersieht. Wer es aber schafft, die Ideen zu erden, zu konkretisieren und umzusetzen, steht bei einem solchen Chef oft sehr hoch im Kurs.

Der Pingelige: Oft auch als Kontroll-Freak, Ordnungsfanatiker oder Erbsenzähler bezeichnet. Ordnung ist das oberste Prinzip, Zeiten werden penibel eingehalten und über jeden Schritt muss er informiert werden – obwohl sowieso alles exakt nach seinen Vorgaben umgesetzt werden muss. Statt Lob auszusprechen wird auch noch das kleinste Haar in der Suppe gefunden – das kann auf Dauer deprimierend werden. Veränderungen erträgt er prinzipiell schlecht, was oft auch neue Mitarbeiter erfahren müssen: Sie gelten zunächst als potenzielle Unsicherheitsfaktoren. Da hilft nur, sich ständig abzustimmen, auf eigenverantwortliches Arbeiten zu verzichten und zu hoffen, dass sich die Leine mit der Zeit etwas lockert. Tipp: Entlocke aktiv immer wieder Lob für deine Arbeit, damit der Fokus weg von kleinen Schönheitsfehlern auf die prinzipiell gute Arbeit gelenkt wird. Für kreative Ideen musst du zuvor Unterstützung im Kollegenkreis sammeln.

Der Narzist: Narzisten sind selbstverliebte Persönlichkeiten, die viel von sich selber halten, dafür aber meistens weniger von ihren Mitmenschen. Dazu gehört, dass es für sie selbstwertstabilisierend ist, wenn sie von unkritischen Jasagern umgeben sind, was einige Mitarbeiter zum Einschmeicheln einladen kann. Dieser Cheftypus verträgt keine Kritik und hat immer Recht. Problem: Das ist natürlich kein moderner Führungsstil, braucht den Chef aber auch nicht zu kümmern. Darum lieber von Zeit zu Zeit sein Ego schmeicheln sowie Kritik und andere Meinungen vorsichtig verpacken und in Fragen formuliert durch die Blume sagen. Vorsicht, wer sich zu sehr einschmeichelt, isoliert sich schnell im Kollegenkreis und ist beim Wechsel des Vorgesetzten ebenfalls schnell auf der Abschussliste.

Der Karrierist: Der Typ „Aufsteiger“ ist ein Machtmensch und möchte um jeden Preis Karriere machen. Dafür fördert er mehr den internen Wettbewerb als den Teamspirit. Als Antreiber erhöht er dabei permanent das Arbeitstempo und fordert „freiwillige“ Überstunden über das vertraglich vereinbarte hinaus ein – der Erfolg wird dabei aber natürlich vor allem auf seinem Konto verbucht. Durch kumpelhafte Stimmung sucht er für seinen eigenen Aufstieg nützliche und dienliche Mitstreiter. Werden diese jedoch zu Konkurrenten oder Gegenpole, wird auch schon einmal gerne intrigiert und an deren Stühlen gesägt. Tipp: Arbeite immer korrekt, sei freundlich, aber halte eine gewisse Distanz und Abstand ein, um nicht ausgenutzt zu werden – Arbeit und Privates solltest du immer trennen, denn echte Freundschaften brauchen Zeit zum Wachsen. Um einem immer höheren Arbeitstempo entgegenzuwirken, musst du lernen, unwichtige Arbeiten zu delegieren und auch einmal „Nein“ zu sagen wenn dein Arbeitspensum bereits voll ist.

Der Kompetente: Immer ein offenes Ohr für Probleme jeglicher Art hat nur ein Chef-Typ: der Kompetente. Er/sie zeichnet sich durch hohes Fachwissen, soziales Fingerspitzengefühl und Offenheit aus und ist stets bemüht, gemeinsam mit den Mitarbeitern Lösungen zu finden. Sie sprechen häufig Lob aus, lassen sich von guten Ideen überzeugen und haben neben der Arbeit auch die physische und seelische Gesundheit der Mitarbeiter im Auge. Merke: Es gibt nur einen nachhaltigen Weg, selbst ein kompetenter Chef zu werden – diesen Karriereschritt kannst du dir nur als kompetenter Mitarbeiter erarbeiten.

AXA startklar! wünscht die bei diesem Vorhaben viel Erfolg!

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