Wie krank macht Urlaub?

Endlich lässt der Stress nach, der Druck weicht – und der Körper spielt nicht mehr mit. Wenn man mit kalten Wickeln kuschelt statt mit der Luftmatratze, sich mit Lindenblütentee tröstet statt mit Aperol Spritz und Dolce Vita, hat man wahrscheinlich gerade Urlaub. Diese Erfahrung müssen jedenfalls viele machen, die ausgerechnet während der Ferien krank werden. Leisure Sickness oder auch Freizeitkrankheit nennen Wissenschaftler das Phänomen, das sie seit einigen Jahren immer öfter beobachten.




Zusammenspiel von Körper und Psyche

Doch was steckt dahinter? Betroffen sind vor allem Menschen, die im Job einen hohen Einsatz bringen und damit unter einer dauerhaften Überlastung leiden. Was dann passiert, erklären Psychologen so: Der Körper passt sich den Erfordernissen im Alltag an. Braucht er mehr Energie, schafft er es auch, diese Kräfte zu mobilisieren. Oft geht das auf Kosten von Blutdruck und Ruhepuls, auch die Organe wie Leber, Magen oder Darm leiden unter dem permanenten Stress. Gleichzeitig sind wir mit den Gedanken immer bei der Arbeit, die Wahrnehmung für das eigene Wohlbefinden schwindet. Erst wenn wir im Urlaub – oder auch am Wochenende – das Tempo drosseln, wieder zur Besinnung kommen, registrieren wir, dass es uns eigentlich nicht gut geht. Die Krankheit bricht aus, oft ist es eine Erkältung oder ein grippaler Infekt, weil das Immunsystem sich jetzt eine Pause gönnt.


Prävention beginnt vor dem Urlaub

Trotzdem ist die Freizeitkrankheit kein Schicksal. Sicherlich, wie sehr uns der Job fordert, können wir nicht immer bestimmen. Aber auch hier empfiehlt sich Achtsamkeit: Sind wir gezwungen, über längere Zeit mehr zu leisten als wie imstande sind, sollte man mit seinem Vorgesetzen sprechen. Entspannung kann man außerdem lernen. Die Wissenschaftler, die den Begriff Leisure Sickness geprägt haben, führen die Ursachen auch auf ein achtloses Privatleben mit viel Medienkonsum und wenig Bewegung zurück. Wir hocken rum und lassen uns berieseln statt selbst aktiv zu werden und zu entscheiden, was wir tun wollen – und es zu tun. Gerade die Familientherapie kennt den Begriff der Quality Time. Sie bezeichnet die Zeit, die wir aufmerksam und zugewandt mit Partner und Familie verbringen. Warum also nicht Quality Time mit sich selbst verbringen? Geeignet sind alle Aktivitäten, bei denen wir konzentriert, innerlich ruhig und mit ganzem Herzen bei einer Sache sind. Das kann eine Teezeremonie sein, ein Ausstellungsbesuch, eine Wanderung im Gebirge oder ein Stehpaddel-Ausflug.


Ist mein Urlaub jetzt futsch?

Wen es dennoch erwischt hat, muss übrigens nicht darüber verzweifeln, dass sein Jahresurlaub nun verbraucht ist. Krankheitstage sind keine Urlaubstage – vorausgesetzt, man hält sich an ein paar Spielregeln: Sobald man erkrankt, informiert man seinen Arbeitgeber wie gewohnt auf dem schnellstmöglichen Weg darüber. Gerade in Zeiten von E-Mail und günstigen Roaminggebühren sollte das auch im Ausland kein Problem sein. Laut Arbeitsgesetz muss bei längerer Krankheit spätestes am vierten Krankheitstag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorliegen. Ist im Arbeitsvertrag eine andere Frist vereinbart, ist der Nachweis vom Mediziner vorher schon notwendig. Diese Vereinbarung gilt auch im Urlaub. Es ist also wichtig, zum Arzt zu gehen – auch im Ausland. Hier kann das Attest als Fax oder als Scan per E-Mail verschickt werden. Ein wenig umständlich, aber wichtig – andernfalls verfallen die Urlaubstage.

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.