Burnout, Burnon – vom Brennen, Ausbrennen und Durchbrennen

Schon einmal von Eustress und Disstress gehört? Die lateinische Vorsilbe „Dis“ steht für schlecht, die griechische „Eu“ für gut. Positiver Stress wirkt motivierend, da wir mit großer Hingabe und Vorfreude auf eine bestimmte Sache hinarbeiten (z.B. die Planung unseres Urlaubs oder Hochzeit). Disstress ist das genaue Gegenteil: Der Stress frisst sich soweit in unsere Eingeweide, dass es ab einem gewissen Zeitpunkt immer schwieriger wird, aus der sich beschleunigenden Stressspirale auszubrechen.




Schön, aber leider umsonst…

So weit so gut – klingt logisch. Ist es aber nicht. Denn die Trennung in positiven und negativen Stress ist mittlerweile wissenschaftlich überholt. Jeder Stress stresst, da die körperlichen Reaktionen die gleichen sind. Und das ist, was zählt. Und sind wir zu viel und zu oft gestresst, hat das unbewusste, endokrine Folgen für unseren Organismus (d.h. Stresshormone, die in unsere Blutbahn abgegeben werden) – Stress laugt somit auf Dauer Körper und Geist aus.

Das Adrenalin beim Dauerstress verhindert das Abschalten, Regenerieren und damit „Auftanken“ unserer Energiereserven. Gleichzeitig greifen die Stresshormone aber auch die Energiefabriken in unseren Zellen an (die Mitochondrien). Dadurch brauchen wir immer mehr Reserven auf und können immer weniger Energie mobilisieren – obwohl wir doch eigentlich noch mehr Power benötigen würden, um mit dem Stress mitzuhalten! Wenn man dann nicht aufpasst, entsteht früher oder später das wortwörtliche Gefühl des Ausgebranntseins.

Dieses zunehmende Gefühl des Ausgelaugtseins ist allerdings nur die erste Stufe auf dem Weg zum Burnout: Wenn sich das Ausgebranntsein soweit steigert, das einem alles zu viel wird – wirklich ALLES – dann nähert man sich dem Tiefpunkt, dem Burnout, einem Zustand totaler Erschöpfung, Hilflosigkeit, Kontrollverlust und Depression. Und das ist kein bezahlter Urlaub oder Krankfeiern, sondern eine sehr, sehr unangenehme Erfahrung, die mit Minderwertigkeitsgefühlen, Scham und einer unglaublich miesen Stimmung einhergeht – wodurch man sich meist auch einige gute Freunde vergrault.

Burnout kostet mehr als nur ein paar Tage nicht erreichbar zu sein – der Weg bis dahin ist gepflastert von seelischen Qualen und der sich hinziehende Ist-Zustand ist bar jeglicher Lebensqualität. Bevor man also einige Monate seiner kostbaren Lebenszeit samt wichtigen persönlichen Kontakten in die Tonne kloppt und „Burnout“ draufschreibt, sollte man es gar nicht erst soweit kommen lassen!


Burnon! Verstanden?!

So weit die Schnellfassung. Aber was ist dann Burnon? Ebenfalls möglichst kurz gefasst: Burnon verortet den Auslöser für Burnout nicht in den äußeren Faktoren wie Stress und einer hektischen Arbeitswelt, sondern in der inneren Einstellung des Betroffenen. Da ist etwas Wahres dran, denn ob man in einer stressigen Situation einen kühlen Kopf bewahren kann und ein Fels in der Brandung ist, oder ob wir uns von den auf uns einprasselnden Fluten mitreißen lassen, ist eine Frage unserer Persönlichkeit. Beides ist anerzogen, erlernt, trainiert und dadurch unser typisches Reaktionsmuster. Stresskompetenz kann man also erlernen und Ansätze von Hilflosigkeit mit geeigneten Strategien sukzessive ablegen.  

Die typische Argumentation eines Burnon-Trainers oder Coach:

„Burnout ist ein Mythos, ihn gibt es gar nicht. Denn wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder arbeiten – so hat es doch schon Konfuzius gesagt. Es geht also nicht um die Reduzierung äußerer Stressfaktoren, die krank machen könnten, sondern um die Verbesserung der inneren Einstellung zur Arbeit. Wenn man die Angestellten und Untergebenen besser motivieren kann, dass die Arbeit Spaß macht und als erfüllend angesehen wird, kommt es automatisch zu einem Burnon statt einem Burnout.“ Und Ri-Ra-Rick: alle arbeiten wieder 1 Stunde länger pro Tag ohne zu murren.

Dennoch birgt der Ansatz von Burnon auch etwas Gefährliches: Statt die Arbeitssituationen in unserer immer schnelllebigeren Welt weiterhin menschlich zu gestalten, heißt es nun: du kannst nicht mithalten, du bist selbst schuld. So werden viele Menschen im Hamsterrad immer höherer Anforderungen schlichtweg verheizt.


Burnout entsteht durch dauerhaft überfordernde Situationen

Die Wahrheit ist, beide Seiten haben recht: Ursächlich sind einerseits dauerhafte oder regelmäßige Überforderung (externe Einflüsse und Situationen), eine schlampige und ineffiziente Organisation unserer eigenen Arbeitskraft (was den Stress zusätzlich multipliziert, weil immer mehr unerledigtes auf dem Schreibtisch landet und zu wenig abgearbeitet wird) sowie unsere innere Einstellung, in wie weit wir uns überhaupt stressen lassen (also z.B. ob wir den Schreibtisch als halb voll oder halb leer ansehen).

Im Grunde bedarf es also:

  • Strategien, wie man mit Stress umgeht wenn er erst einmal da ist (Stressbewältigung)
  • Strategien, wie man verhindert, dass immer neuer Stress hinzukommt und überhandnimmt (Stressmanagement)
  • Dass man über genügend Ressourcen verfügt, die man dem Stress entgegensetzen kann (Work-Life-Balance / wichtige Phasen der Regeneration)

Alarmsignale für ein Burnout

Spätestens wenn Erschöpfung, Gereiztheit und innere Leere zunehmen, ist dringend sofortiges Gegensteuern geboten! Aber die Alarmglocken sollten schon viel früher schrillen, denn ein Feuer bekämpft man am besten wenn es noch nicht so groß ist direkt nach dem Ausbrechen und nicht erst dann, wenn der ganze Dachstuhl schon in Flammen steht. Burnout ist dabei kein reines Hirngespinst, daher solltest du das Thema ernst nehmen: 13 Millionen Beschäftigte sind in Deutschland nach Schätzungen von Gesundheitsexperten und Krankenkassen vom Risiko des Burnouts betroffen und 20 % aller Erwerbstätigen erleben Burnout-ähnliche Phasen.

Erste Warnsignale sind das Gefühl, der Drang, oder die Pflicht, ständig effizient sein zu müssen, auch nach der regulären Arbeitszeit noch arbeiten zu wollen/müssen oder sich gar Arbeit mit in das Wochenende oder den Urlaub zu nehmen. Dadurch hat man kaum Ruhepausen, ist zwangsläufig auch in der immer knapper werdenden Freizeit unter Stress und die für eine gute Work-Life-Balance so wichtigen sozialen Kontakte verflüchtigen sich. Kommen nun ein paar demotivierende Tiefschläge als Auslösefaktoren zusammen, kann alles sehr schnell gehen…

Am anderen Ende des Spektrums sind auch diejenigen stark Burnout gefährdet, die eine besonders negative Einstellung gegenüber der eigenen Arbeit besitzen und von Motivationslosigkeit geprägt sind.
Eine dritte Gruppe besonders Gefährdeter sind die extrem Hilfsbereiten, die alles übernehmen und sich damit dauerhaft selbst überheben – so wie diejenigen, die aufgrund ihres Berufes viel (v.a. stressiges) für andere tun, ohne dafür eine entsprechende Würdigung zu erhalten (Kindergärtnerinnen, Pfleger, Lehrer etc.).


Was hilft, einem Burnout vorzubeugen

Prävention durch „Nein“: Die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu kennen, anderen diese Grenzen (freundlich aber bestimmt) aufzuzeigen und diese Grenzen auch zu verteidigen (sich zu wehren) ist das Wichtigste. Aber Vorsicht: immer schön konstruktiv und höflich, aber genauso bestimmt bleiben.  

Prävention durch Zeitmanagement: Lerne, Wichtiges und Dringliches zu erkennen und adäquat abzuarbeiten. Plane immer genug Zwischenpuffer zwischen Terminen ein, um Stress vorzubeugen. Und plane auch genügend Ruhepausen in deinen Arbeitsalltag ein und nutze diese auch. Wer durcharbeitet, arbeitet früher oder später nicht nur schlechter und langsamer, es ist auf Dauer auch sehr ungesund.

Prävention durch Optimierung der Arbeitsatmosphäre: Licht, Schreibtisch, Ordnung, Büropflanzen… in einer angenehmen und praktischen Arbeitsumgebung arbeitet es sich leichter.

Prävention durch Sport und Bewegung: Bewegung baut Stresshormone ab, zugleich werden andere Teile des Gehirns genutzt und der Fokus der Aufmerksamkeit dadurch von der Stressquelle abgezogen.

Prävention durch Schlaf:
Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration unserer Energiereserven.

Prävention durch Ernährung: Antioxidantien (v.a. Vitamin C und B) sind ein wichtiger Zellschutz, besonders auch gegen die freien Radikale, die bei Stress entstehen. Neben frischem Obst und Gemüse sind auch Milch, Traubensaft (in Maßen auch Rotwein), Joghurt, dunkle Schokolade, Rotkraut oder Linsen ideale Stresshormonkiller.

Prävention durch Entspannung, Spaß und Freunde: Sauna, Therme, Kino, Theater, gesellige Abende mit Freunden oder Wochenendausflüge. Du weißt selbst am besten, bei was du gut abspannen und entspannen kannst.

Prävention durch die innere Einstellung: Man kann sich über jedes noch so kleine Haar in der Suppe aufregen, das bringt aber nichts. Arbeite an deinem Optimismus und deiner positiven Einstellung. Das ist vermutlich der wichtigste Tipp von allen!

Weitere hilfreiche Tipps und Informationen findest du in der Artikelserie über Depression sowie in dem 3-teiler über Work-Life-Balance im PLUS von AXA.

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