Hört nicht auf zu streiten!

Paula und Theo haben sich gern. Sehr gern sogar. Schließlich wachsen sie unter einem Dach auf, frühstücken morgens zusammen, gehen in denselben Kindergarten und verbringen das Wochenende am liebsten mit Mama und Papa. Doch bei aller Geschwisterliebe – ab und zu knallt es gewaltig zwischen den beiden, zum Beispiel, wenn Theo lieber Peppa Wutz statt die Sendung mit der Maus schauen möchte oder Paula schon wieder Theos Lieblingsbuch stibitzt hat.

Streit unter Geschwistern ist völlig normal. Doch wenn aus kleinem Geplänkel plötzlich ein lautes Tohuwabohu entsteht, ist das nicht nur für Kinder eine Stresssituation. „Hört endlich auf zu streiten“, ist daher oft die naheliegende Reaktion der Eltern. Doch sollte man wirklich immer gleich eingreifen? Für Kinder ist es immens wichtig, Konflikte alleine – auch mal ohne Mama oder Papa – zu lösen. Denn nur so lernen sie, wie man Kompromisse eingeht, Grenzen erfährt oder über eigene Grenzen hinausgeht, wenn man sich behaupten muss.

Nicht zu früh eingreifen

Doch Streiten will gelernt sein, deshalb ist es ratsam, Streitereien unter Kindern zunächst zu beobachten. Gerade bei jüngeren Kindern regelt sich die Situation häufig, indem die Kinder den Streit einfach vergessen, frei nach dem Motto: schwamm drüber. Was bei Erwachsenen kaum vorstellbar ist, ist bei Kindern die einfachste Strategie. Eingreifen sollte man erst, wenn die Situation zu eskalieren droht. Denn gerade jüngere Geschwister sind den Älteren in ihrer Argumentation häufig unterlegen und brauchen noch etwas Unterstützung, bevor sie durch Schreien oder Hauen den Konflikt lösen wollen. Als Außenstehender agiert man in dieser Situation wie ein Schiedsrichter und stellt sich zunächst zwischen die Streithähne. Dann kann jeder seine Sicht der Dinge erklären und man findet gemeinsam einen Lösungsweg. Die Kinder entschuldigen sich beieinander, finden einen Mittelweg (wenn du mit dem blauen Auto spielst, nehme ich das rote Auto) und wenn gar nichts hilft, tut zunächst auch eine räumliche Trennung gut, damit sich alle Beteiligten beruhigen und anschließend vertragen können. Bieten Sie den Kindern verschiedene Lösungsmöglichkeiten an und Sie werden schnell feststellen, dass die Kleinen mit jedem Streit selbstständiger mit Konfliktsituationen umgehen und das Gelernte auch außerhalb der Familie, mit Freunden oder dem Sitznachbarn in der Schule umsetzen können.

Da Kinder das Verhalten ihrer Eltern unglaublich schnell reflektieren, gilt auch hier: selbst an „Streit-Regeln“ denken. Wer schreit oder andere nicht zu Wort kommen lässt, darf sich nicht wundern, wenn die Kinder dieses Verhalten übernehmen. Achtet man verstärkt darauf, lernt man auch im Erwachsenenalter noch etwas dazu.
Eine weitere Möglichkeit, sich mit Streitereien bei Kindern auseinanderzusetzen ist, kritischen Situationen vorzubeugen. Langeweile, ein anstrengender Schultag, Hunger oder Müdigkeit lassen auch das sonst so ruhige Kind gereizt und anfällig für Streitereien sein. In solchen Situationen helfen oft eine kleine Umarmung oder ein paar ruhige Worte, damit es gar nicht erst zu Streitereien kommt.

Mit Geduld und Empathie gibt man Kindern die nötige Unterstützung beim Konflikte lösen. Also, lieber nicht zu früh eingreifen und warten, ob sich kleine Zankereien nicht wie von selbst regeln. Und vielleicht liest Paula Theo bald einfach aus dem gemeinsamen Lieblingsbuch vor.