Mit sieben Sinnen sicher durchs Leben – Der Sehsinn

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Ihr Kind die Welt sieht? Warum es so mutig auf hohen Klettergerüsten herumturnt oder schnell mal Dinge übersieht? In die Wiege gelegt bekommen wir nur die Grundausstattung unseres Sehvermögens. Der Rest ist harte Arbeit fürs Gehirn.

Kinder müssen erst lernen, ihre sieben Sinne sicher zu gebrauchen. Sie verarbeiten äußere Reize und Einflüsse anders als Erwachsene. Das macht sich im Alltag und in Gefahrensituationen bemerkbar. In unserer Serie fassen wir wichtige Fakten zur Entwicklung der sieben Sinne bei Kindern zusammen.
 
 
 




Teil 2: Der Sehsinn

Der Sehsinn ist das wesentliche Werkzeug, um die Außenwelt wahrzunehmen. Rund 80 Prozent der Informationen nehmen wir über die Augen auf, ein Viertel des Gehirns ist an der Verarbeitung beteiligt. Tatsächlich sehen Kinder die Welt mit anderen Augen, denn ebenso wie das Hörvermögen bildet sich das Sehvermögen erst im Laufe der Zeit aus.



Das Wichtigste im Blick

Ein Neugeborenes sieht gerade weit genug, um das Gesicht der Mutter zu erkennen, wenn es gestillt wird. Diese Fokussierung macht Sinn, bedenkt man die Masse an Reizen, die Säuglinge sonst zu verarbeiten hätten. Nach wenigen Wochen freuen sich Babys dann an der Bewegung bunter Mobiles über Wickeltisch oder Wiege, sie fangen an, ihren Eltern nachzublicken. Bis zum ersten Geburtstag entwickeln Kinder 50 Prozent der Sehschärfe von Erwachsenen. Vollständig ausgebildet ist der Sehsinn dann bis zum zwölften Lebensjahr.


Das lächelnde Auto – Kinder sehen anders

Wenn Sie die Straße vor einem Auto überqueren möchten, schauen Sie wahrscheinlich in das Gesicht des Fahrers und erkennen an Mimik und Gestik, dass er für Sie anhält. Ihr Kind sieht ein anderes Gesicht, ebenso freundlich lächelnd: Die Scheinwerfer sind die Augen, der Kühlergrill der Mund und das Schild mit der Automarke in der Mitte ist die Nase. Kinder können diesen freundlichen Blick des Autos als Aufforderung sehen, über die Straße zu gehen.
 
Auch beim Schauen nach rechts und nach links sehen Erwachsene etwas anderes als Kinder. Denn durch ihre geringere Körpergröße und einen engeren Blickwinkel, haben sie einen schlechten Überblick über das Geschehen.  Am Straßenrand erst einmal stehen zu bleiben, ist eine wichtige Regel für Kinder. Denn sie lenken sonst automatisch den Blick in die Richtung, in die sie laufen, und übersehen das von der Seite kommende Auto.



Kein Respekt vor der Höhe?

Solange das räumliche Sehen noch nicht voll ausgebildet ist, sind Kinder im Straßenverkehr schnell überfordert. Denn auch die Fähigkeit, die Geschwindigkeit und Entfernung von fahrenden Autos einzuschätzen, muss sich erst entwickeln.
 
Auch an anderer Stelle macht sich das bemerkbar: viele Eltern sind erstaunt, wie mutig ihr Kind von hohen Klettergerüsten springt. Möglicherweise ruft der Blick in die Tiefe einfach kein mulmiges Gefühl hervor, da Kinder die Dimensionen noch nicht abschätzen können. Am geöffneten Fenster kann der fehlende Respekt vor der Höhe tatsächlich dramatische Folgen haben, wenn sich das Kind hinauslehnt.


Sehstörungen rechtzeitig erkennen

Bis Kinder Bilder so verarbeiten, dass sie sich sicher in ihrer Umwelt zurechtfinden und bewegen können, hat ihr Gehirn Großartiges geleistet. Fehlsichtigkeit, Schielen oder organische Erkrankungen der Augen können dem im Wege stehen. Werden sie früh diagnostiziert und therapiert, bestehen gute Chancen, dass sich das Sehvermögen normal entwickelt.
 
Tatsächlich schlagen Mediziner Alarm, dass Kurzsichtigkeit zur Volkskrankheit bei Kindern und Jugendlichen wird. Im Verdacht steht das für die Augen anstrengende Starren auf Displays von Smartphones oder Tablets. Auch aus diesem Grund macht es Sinn, die Mediennutzung zeitlich zu begrenzen und täglich für Bewegung im Freien zu sorgen. Das senkt nachweislich das Risiko, eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln.