„Nicht in Watte packen und nicht überfordern“

Von Julia Spätling, Leiterin der Familienschule der Deutschen Familienstiftung in Fulda​ ​

„Nicht in Watte packen und nicht überfordern“

Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren intensive Fürsorge, von der emotionalen Geborgenheit über die körperliche Pflege bis hin zum Schutz vor Unfällen und Verletzungen im Alltag. Um jegliche Gefahren aus dem Lebensumfeld ihres Kindes zu verbannen, neigen gerade junge Eltern manchmal dazu, ihr Kind im Übermaß zu behüten. Doch das ist weder für das Kind noch für die Eltern gut. Es geht vielmehr darum, Kinder in der Entwicklung eines eigenen Gefahrenbewusstseins zu unterstützen. Wichtig ist dabei, auf die Entwicklungsphasen des Kindes zu achten. So hat Ihr Kind mit ungefähr zwei Jahren eine Phase erreicht, in der sie es nicht mehr „nur“ beschützen dürfen, wenn Sie seine Persönlichkeitsentwicklung nicht hemmen wollen. Das ist der Zeitpunkt, zu dem Sie das Kind mit einer gezielten Erziehung in die aktive Unfallverhütung einbeziehen können. Sensibilisieren Sie Ihr Kind für Gefahren, indem Sie nicht nur darüber reden, sondern einen direkten Bezug zur Situation herstellen. Gerade Kleinkinder müssen sehen, was Sie gerade erläutern. Es hat zum Beispiel wenig Sinn, dem Kind nur zu sagen, dass es sich mit dem Messer schneiden könnte. Zeigen Sie ihm wann und wie es passieren könnte: Wenn man das Messer nicht richtig hält, wenn es zu groß für Kinderhände ist, wenn man sich mit der Spitze pikst und so weiter. Niemand kennt Ihr Kind so gut wie Sie selbst, achten Sie also darauf, ob es schon so weit entwickelt und alt genug ist, mit Alltagsrisiken umzugehen. Überfordern Sie Ihr Kind nicht, aber unterschätzen Sie es auch nicht. In so einem kleinen Kopf geht meist sehr viel mehr vor sich, als man glauben mag ....




Der Expertentipp

Wenn es um den Schutz ihrer Kinder geht, haben Eltern manchmal das Gefühl vor einer unlösbaren Aufgabe zu stehen: Passieren kann schließlich immer und überall etwas. Lassen Sie sich nicht entmutigen, denn Sicherheit ist leichter machbar, als Sie vielleicht denken. Unsere Experten stellen Ihnen in kurzen Beiträgen vor, was Sie für eine sicherheits- und gesundheitsorientierte Erziehung wissen müssen.