Die Arbeit im Öffentlichen Dienst im Ausland

Deutsche Beschäftigte im Öffentlichen Dienst haben auch im Ausland viele Aufgaben zu erfüllen. Allen voran die Beamten und Beamtinnen des Auswärtigen Amtes ­– von den 4604 Beamte/Beamtinnen im mittleren, gehobenen und höheren Dienst sind mehr als die Hälfte in den insgesamt 227 deutschen Auslandsvertretungen beschäftigt.  





Aber auch in anderen Aufgabengebieten hat man als Beschäftigte/r im Öffentlichen Dienst die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit im Ausland tätig zu sein – dies geschieht im Rahmen einer Entsendung (Abordnung) zu einer Dienststelle im Ausland. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache – aber für weltoffene Menschen ist das eine gute Gelegenheit, eine Zeit lang in einem anderen Umfeld zu arbeiten, ein neues Land und andere Kulturen kennenzulernen.


Was genau ist eine Abordnung ins Ausland?

Unter einer Abordnung versteht man den Wechsel der Dienststelle. Die Abordnung kann entweder unter demselben Dienstherren (bei Beamten/Beamtinnen) bzw. Arbeitgeber (bei Arbeitnehmern/Arbeitnehmerinnen im Öffentlichen Dienst) oder zu einem anderen erfolgen. Das Rechtsverhältnis und die rechtliche Zugehörigkeit zur bisherigen Dienststelle bleiben dabei bestehen. Die Abordnung ist somit eine vorübergehende Übertragung einer anderen Arbeit oder anderen Aufgabe. Eine Abordnung bedeutet keine Versetzung, da sie zeitlich auf fünf Jahre begrenzt ist (Verlängerungen sind möglich) und eine Rückkehr zur ursprünglichen Stelle vorgesehen sein muss.

Die Bundesregierung fördert Entsendungen im multilateralen Bereich, da diese im Interesse Deutschlands liegen. Eine Entsendung bedeutet auch immer eine „Beurlaubung“ von der ursprünglichen Dienststelle, das Dienstverhältnis bleibt also aufrecht. Daraus ergeben sich Besonderheiten im sozialversicherungsrechtlichen Bereich oder auch im Bereich der Besoldung/Gehalt und von Entschädigungen.

Kurz gesagt: Wer ins Ausland entsendet wird, arbeitet auf eine begrenzte Zeit für denselben oder einen anderen Dienstherrn/Arbeitgeber, das Dienstverhältnis mit seiner Dienststelle bleibt während dieser Zeit aufrecht – er wird lediglich beurlaubt und bezieht seine Besoldung/sein Gehalt von der Dienststelle, in der er im Ausland eingesetzt wird. Solche Abordnungen müssen zwischen Dienstherrn und der/dem Beschäftigten im Öffentlichen Dienst abgesprochen sein. Hierbei geht meist die Initiative von dem Dienstherrn aus, der aus wichtigen Gründen einen seiner Bediensteten einem anderen Dienstherrn im Ausland zur Verfügung stellt.


Mögliche Tätigkeitsfelder

Die größten Chancen für eine Entsendung bestehen in den folgenden Bereichen – da in diesen im Ausland am meisten Bedarf besteht: Architektur/Städteplanung, Energiefragen, Entwicklungszusammenarbeit, Erziehung, Kultur, Forschung/Wissenschaft, Gesundheitswesen/Medizin, Humanitäre Hilfe, Informatik, Landwirtschaft/Veterinärwesen, Öffentlichkeitsarbeit, Politik und Internationale Beziehungen, Rechtswissenschaften, Telekommunikation, Transportwesen, Verwaltung/Personal, Wirtschaft/Handel, Umweltschutz.

Nach dem allgemeinen Dienstrecht wird bei internationalen Organisationen und Missionen in diese vier Gruppen von möglichen Dienstherrn unterschieden:

  • Die Vereinten Nationen (VN) mit ihren Unter- und Sonderorganisationen, die dienstrechtlich im sog. "common system" zusammengeschlossen sind. Zusätzlich diejenigen Organisationen, die dieses System autonom anwenden (z.B. die OSZE).
  • Die internationalen Finanzinstitutionen, die ihre eigenen Beschäftigungsbedingungen entwickelt haben. Auch die EZB ist aufgrund des EU-Vertrags autonom in der Ausgestaltung ihrer Beschäftigungsbedingungen, ähnliches gilt für die regionalen Entwicklungsbanken.
  • Die EU-Institutionen.
  • Die sogenannten koordinierten Organisationen, die sich in einem gemeinsamen Koordinierungsausschuss zur Regelung ihres Dienstrechts zusammengeschlossen haben. Zu ihnen zählen OECD, Europarat, NATO, WEU, die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW).

Allgemeine Anforderungen für die Entsendung

  • Ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse (fließend Englisch als
    Arbeitssprache, zusätzliche Fremdsprachenkenntnisse in sonstigen Arbeitssprachen der Internationalen Organisation sind ein Vorteil – reine Schulkenntnisse reichen nicht aus).
  • Im vergleichbaren höheren Dienst ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium
    Voraussetzung. Berufserfahrung ist selbst im Eingangsbereich Voraussetzung – die Dauer wird in der Stellenausschreibung angegeben.
  • Praktische Erfahrungen im internationalen Bereich sind von Vorteil.

Durch den Dienstherrn angeordnete Entsendung

Wenn man sich selbst um eine Entsendung bemüht, dann freut man sich auf die neue Lebenssituation. Wird man aber, vielleicht gegen seinen Willen entsendet, sieht die Welt anders aus. Denn im § 27 Abs. 3 heißt es unter anderem: „Die Abordnung zu einem anderen Dienstherrn ist ohne Zustimmung zulässig, wenn die Tätigkeit einem Amt mit demselben Endgrundgehalt auch einer anderen Laufbahn entspricht und nicht länger als fünf Jahre dauert.“

Im Klartext bedeutet dies, dass die/der Beschäftigte im Öffentlichen Dienst die angeordnete Abordnung antreten muss. Im Extremfall können Beschäftigte im Öffentlichen Dienst gegen eine gegen ihren Willen angeordnete Abordnung gerichtlich vorgehen. Eine Klage hat keine aufschiebende Wirkung – das bedeutet, dass die/der Beschäftigte im Öffentlichen Dienst zunächst Folge leisten muss, und somit in eine neue, möglicherweise ungewünschte Lebenssituation gedrängt wird.


Ihre Rechte im neuen Land

Nachdem zumeist eine Abordnung in ein anderes europäisches Land erfolgt, beleuchten wir hier die Rechte im europäischen Ausland. Als Staatsangehöriger eines EU-Mitgliedstaats haben Sie das Recht, ohne Arbeitserlaubnis in einem anderen EU-Land zu leben und zu arbeiten. Wenn Sie in einem anderen EU-Land arbeiten, dürfen Sie und Ihre Familie automatisch auch dort leben, selbst wenn Sie nicht Vollzeit arbeiten oder Ihr Arbeitsvertrag befristet ist.

Sie und Ihre Familie genießen dieselben Rechte wie die Staatsangehörigen Ihres neuen Landes. Sie haben daher ab Ihrem ersten Arbeitstag Anspruch auf dieselben Leistungen, wie zum Beispiel Leistungen, die Staatsangehörigen des Landes gewährt werden, weil sie angestellt sind, Leistungen, die Arbeitnehmern und ihren Familien gewährt werden, weil sie in dem Land leben und Leistungen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Beschäftigung stehen (das Recht, von unverheirateten Partnern begleitet zu werden, Vergünstigungen auf Bahnfahrkarten für Großfamilien, Förderungen für die Althaussanierung usw.).

Im Heimatland bleibt die Versorgungssituation von Beamten/Beamtinnen in Bezug auf das Besoldungsdienstalter oder den Pensionsanspruch unverändert aufrecht. Bei Arbeitnehmer/-innen im Öffentlichen Dienst bleibt ebenso die Anwartschaft auf Versorgungsrente aufrecht. Auch die erworbenen Leistungen als Beschäftigte/r im Öffentlichen Dienst bleiben bei einer Entsendung unberührt.


Sozialversicherungsleistungen

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie als Beamter in einem EU-Land tätig sind und in ein anderes Land entsandt werden, sind Sie im Sozialversicherungssystem des Landes versichert, bei dem Sie beschäftigt sind. Das bedeutet, dass Ihre Leistungen bei Krankheit, Mutterschaft/Vaterschaft, Invalidität, Dienstunfällen, Berufskrankheiten, sowie Altersrenten/Pensionen, Hinterbliebenenrenten/Pensionen, Sterbegeld und Familienleistungen durch die Rechtsvorschriften des Landes geregelt werden, für das Sie arbeiten.

Nachdem die Leistungen in den einzelnen Ländern unter denen in Deutschland liegen, empfiehlt sich für Unfälle sowie den Krankheits- oder Pflegefall selbst mit einer privaten Absicherung vorzusorgen. Diese ist vor allem im Krankheitsbereich sehr wichtig, da in vielen Ländern der Standard in der ärztlichen Versorgung als „Kassenpatient“ unter dem deutschen Standard liegt. Der Abschluss einer privaten Krankenversorgung für die Zeit des Auslandsaufenthaltes ist somit ein grundlegender Schritt in der Vorbereitung.

Vorteil AXA Das PLUS für Kunden der DBV

Als Spezialversicherer für den Öffentlichen Dienst kennen wir den speziellen Versicherungs- und Vorsorgebedarf der jeweiligen Berufsgruppen. Im Vordergrund steht bei der DBV ein genau auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmtes Paket aus Produkten, Services, Beratung und Betreuung.

Die Produktpalette reicht hierbei von der Unfallversicherung, Krankenversicherung, Dienst-/Berufsunfähigkeitsversicherung, Hausrat oder Wohngebäudeversicherung, Haftpflicht, Rechtsschutzversicherung, Existenzsicherung oder Rentenvorsorge bis hin zur perfekten Fahrzeugversicherung. Weitere Informationen über die Produkte und Leistungen finden Sie hier.


Steuerliche Aspekte

Es gibt kein EU-weites Gesetz, das die Besteuerung des Einkommens von Beschäftigten im Öffentlichen Dienst regelt, die Staatsangehörigen eines EU-Landes sind, jedoch in einem anderen EU-Land leben und arbeiten. Damit beschäftigen sich nationale Gesetze sowie Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Ländern, die jedoch Unterschiede aufweisen. Über die genauen Grundlagen der einzelnen Länder informieren die Finanzämter.

Grundsätzliche Besteuerung Ihres Einkommens:
Wenn Sie als Beschäftigte/r im Öffentlichen Dienst zur Arbeit in ein anderes Land entsandt werden, gilt in den meisten Fällen (es sei denn, das Doppelbesteuerungsabkommen mit diesem Land sieht andere Regelungen vor):

  • Sie zahlen weiterhin nur in dem Land, das Sie entsandt (also beschäftigt) hat
    Einkommensteuer auf das Einkommen aus Ihrer Tätigkeit als Beamter/Beamtin.
  • Sie zahlen nur Einkommensteuer in dem Land, in dem Sie arbeiten, wenn Sie
    dort wohnen und Staatsangehörige(r) dieses Landes sind oder Sie nicht ausschließlich zur Aufnahme einer Beschäftigung als Beamte/Beamtin in dieses Land gezogen sind (z. B. wenn Sie bereits vor der Aufnahme einer Beschäftigung als Beamter/Beamtin dort gelebt haben).

Sonderfall Bundeswehr

Bei der Bundeswehr erfolgt eine Entsendung zumeist als „besondere Auslandsverwendung“. Hierbei gelten besondere Regelungen, die den Rahmen dieser Aufstellung sprengen würden – bei Interesse können Sie diese in der Broschüre des Bundesministerium der Verteidigung hier (PDF, 4 MB) nachlesen. (Quelle: www.europa.eu)

Wie Sie sehen, gibt es bei einer Entsendung vieles zu beachten und zu planen. Eine genaue Vorbereitung ist das A und O für einen gelungenen Auslandsaufenthalt.

Lesen Sie auch im PLUS:

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.