Der Öffentliche Dienst – ein familienfreundlicher Arbeitgeber

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, war schon immer eine Herausforderung – es mangelt entweder an Zeit oder an Geld. Egal, ob Privatwirtschaft oder Öffentlicher Dienst – in Zeiten von immer höherem Fachkräftemangel gilt es, als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Dazu zählt auch, den Mitarbeitern Arbeitsmodelle anzubieten, bei denen die Familie nicht zu kurz kommt und trotzdem ausreichend Geld in die Haushaltskasse fließt.

Die Problematik, sich um die Familie zu kümmern und trotzdem einem Beruf nachzugehen, trifft vordringlich Frauen – aber auch immer mehr Männer möchten mehr Zeit mit der Familie verbringen. Der Öffentliche Dienst gilt seit jeher als familienfreundlich mit planbaren Arbeitszeiten und hoher Arbeitsplatzsicherheit. Gelten diese Rahmenbedingungen noch und welche Möglichkeiten bestehen?




Wer arbeitet zurzeit im Öffentlichen Dienst und wie viel?

Von den insgesamt über 4,6 Millionen Beschäftigten im „klassischen“ Öffentlichen Dienst, sind mehr als die Hälfte – ca. 55%, also über 2,5 Millionen – Frauen. 83% aller weiblichen Beamten und Angestellten im Öffentlichen Dienst befinden sich in einer Teilzeitbeschäftigung – nur 17% arbeiten Vollzeit. Bei den Männern ist das Bild genau umgekehrt – nur 17% gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach. Insgesamt ist die Teilzeitquote von 1998 bis 2013 von 22% auf 32% gestiegen – zurückzuführen ist das zum Großteil auf die Erhöhung des Frauenanteils im Öffentlichen Dienst von 50% (1998) auf mittlerweile 55% (2013). Kurz gesagt: Im Öffentlichen Dienst arbeiten mehr Frauen als Männer – die meisten davon in Teilzeit. Das zeigt die Familienfreundlichkeit, welche von vielen Frauen angenommen wird. (Quelle: Zahlen, Daten, Fakten 2015; Bundesleitung des dbb beamtenbund und tarifunion)


Stichwort demographischer Wandel ...

Auch der Öffentliche Dienst muss seine Mitarbeiter durch attraktive Arbeitsbedingungen an sich binden – denn der Fachkräftemangel macht auch vor diesem Sektor nicht Halt. Darüber hinaus könnten familienfreundliche Angebote aufgeschlossener Privat-Arbeitgeber ein Anreiz für Beamte und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst sein, in die Privatwirtschaft zu wechseln und dadurch den Verlust von Arbeitskräften im Öffentlichen Bereich noch zu verstärken.

Die Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig es ist, seine Bediensteten zu halten – im Gesamten gesehen, wird es 2030 in Deutschland einen Arbeitskräftemangel von rund 5 Millionen Arbeitnehmern geben. Das resultiert größtenteils aus der fortschreitenden Überalterung der Gesellschaft und kann selbst durch stärkere Zuwanderung oder höhere Geburtenraten nicht ausgeglichen werden. Im Öffentlichen Dienst sind zurzeit 55% der Beschäftigten älter als 45 Jahre. Kommen immer weniger Fachkräfte nach – und wenn spätestens 2050 all diese Beamten und Angestellten in Rente gehen – hinterlassen diese eine nicht zu füllende Lücke.


Soziale Verantwortung als Anreiz für den Öffentlichen Dienst als Arbeitgeber

Gelebte „Corporate Social Responsibility“ – kurz „CSR“ – in Form einer familienbewussten Personalpolitik kann auch im Öffentlichen Dienst zu einer Problemlösung in Bezug auf den Fachkräftemangel, zu einem besseren Arbeitsklima und höherer Mitarbeiterzufriedenheit führen. Dazu zählen auch flexible Arbeitszeitmodelle, durch die es für die Beamten und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst einfacher wird, Familie und Beruf vereinbaren zu können. Hierbei ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen (Alleinerziehende, Mütter mit kleinen Kindern, Männer, Pflegende etc.) einzugehen und passgenaue Lösungen anzubieten. Der Öffentliche Dienst setzt dies um und bietet Möglichkeiten, die in der Privatwirtschaft kaum realisierbar sind.

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Arbeitszeitmodelle im Öffentlichen Dienst – die Teilzeitarbeit      

Im Öffentlichen Dienst ist die Beschäftigung mit reduzierter Arbeitszeit fester Bestandteil des Dienstrechts. Teilzeitarbeit verschafft Beamten und Arbeitnehmer ÖD durch individuelle Lösungen mehr Zeit für Familie und Kinder, um dadurch den Beruf und das Privatleben besser in Einklang zu bringen. Noch sind es überwiegend Frauen, die diese Möglichkeit in Anspruch nehmen – doch das Thema ist ebenso für Männer relevant, denn auch bei ihnen herrscht ein Trend zu höherem Familienbewusstsein. Aufgrund der Überalterung sehen sich auch viele Männer in der Pflicht, Arbeitszeit gegen Pflegezeit für Angehörige einzutauschen.

Per definitionem versteht man unter Teilzeitbeschäftigung jede Teilnahme am Berufsleben, die unterhalb der Arbeitszeit für Vollzeitkräfte liegt. Bei Beamten sind das derzeit 41 Wochenstunden – bei Arbeitnehmern im Öffentlichen Dienst 39 Stunden. Die Arbeitszeitdauer bei Teilzeit kann von wenigen Stunden pro Woche bis zu Fast-Vollzeitbeschäftigung reichen. Elemente eines individuellen Arbeitszeitmodells können Home-Office-Stunden, Gleitzeit, freiwillige Samstagsarbeit und weitere, mit dem Dienstherren vereinbarte Modelle beinhalten.


Möglichkeiten für Beamte und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst

Grundsätzlich kann der Umfang der Arbeitszeit individuell mit dem Dienstherren vereinbart, die Arbeitszeit frei auf die Woche oder den Monat verteilt und Sabbatmonate oder Sabbatjahre vorgesehen werden. Es ist auch möglich, dass sich – unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen – mehrere Dienstnehmer die Arbeitszeit an einem Arbeitsplatz teilen. Die Besoldung erfolgt prozentual vom Vollzeitverdienst.

Die Möglichkeiten für Teilzeitarbeit richten sich nach der Arbeitszeitverordnung, dabei kann die Arbeitszeit ungleichmäßig auf die Wochentage verteilt werden. In den meisten Fällen erfolgt bei Teilzeit eine Verringerung der täglichen Arbeitsstunden – es ist auch möglich, an bestimmten Arbeitstagen voll und an anderen Arbeitstagen nicht zu arbeiten oder Arbeitszeit für längere Freistellungen anzusparen.

Besondere Arbeitszeitmodelle stellen sogenannte „Sabbatmonate“ oder das „Sabbatjahr“ dar. Freistellungen aufgrund angesparter Arbeitszeit von maximal drei Monaten können beliebig innerhalb der Gesamtzeit der bewilligten Teilzeitbeschäftigung in Anspruch genommen werden. Für Freistellungen von bis zu einem Jahr muss der Dienstnehmer in „Vorleistung“ gehen und die Freistellungsphase muss am Ende des bewilligten Zeitraumes liegen. Somit kann zum Beispiel für 12 Monate Teilzeit mit der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit in der Form bewilligt werden, dass sechs Monate Vollzeittätigkeit (bei halben Bezügen) mit sechs Monaten Freistellung (ebenfalls bei halben Bezügen) kombiniert werden.

Die Familienpflegezeit ist eine weitere Hilfestellung für die Doppelbelastung durch Beruf und Pflege naher Angehöriger. Zum Ausgleich von Einbußen beim Ruhegehalt wegen familienbedingter Teilzeit oder Beurlaubung, wurde im Beamtenbereich die Möglichkeit geschaffen, den Eintritt in den Ruhestand um bis zu drei Jahre hinauszuschieben.

Eine andere Variante stellt die Beurlaubung dar. Unter Beurlaubung versteht man die Freistellung für eine bestimmte Zeit ohne Bezüge z. B. für Kinderbetreuung, Pflege, ehrenamtliche Tätigkeit oder freiwillige Weiterbildung.


So kann das konkret aussehen – Beispiele für Teilzeitbeschäftigung

  • Ein Dienstnehmer mit der Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit arbeitet zwei volle und einen halben Tag pro Woche.
  • Ein Dienstnehmer mit der Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit arbeitet in einer Woche drei und in der nächsten Woche zwei volle Tage.
  • Ein Dienstnehmer mit der Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit arbeitet in einer Woche voll und hat in der folgenden Woche frei.
  • Ein Dienstnehmer mit drei Vierteln der wöchentlichen Arbeitszeit arbeitet drei Wochen voll und hat dann eine Woche frei.
  • Ein Dienstnehmer mit drei Vierteln der wöchentlichen Arbeitszeit arbeitet sechs Monate Voll, hat danach drei Monate frei und arbeitet wieder drei Monate voll.

Das Gesetz macht keinen Unterschied …

Aufgrund § 12 des Bundesgleichstellungsgesetztes, ist die Dienststelle allen Beamten und Arbeitnehmern ÖD gegenüber verpflichtet, Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit zu erleichtern. Laut § 13, Abs.1, ist Anträgen auf familienbedingte Teilzeit zu entsprechen, soweit zwingende dienstliche Belange nicht entgegenstehen. Dies gilt ausdrücklich auch für Stellen mit Vorgesetzten- und Leitungsaufgaben. Neu zu besetzende Positionen müssen auch zur Besetzung in Teilzeit ausgeschrieben werden.
Sollten Sie Beamter oder Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst sein und sich für die Möglichkeit von Teilzeitbeschäftigung interessieren, setzen Sie sich für genauere Informationen und Bedingungen bitte mit Ihrem Vorgesetzten in der Dienststelle in Verbindung.


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