
Mental Health Report: Frauen stärker belastet – doch Männer lassen psychische Erkrankungen häufiger unbehandelt
- Mehr Frauen (34 Prozent) als Männer (27 Prozent) geben an, aktuell unter einer psychischen Erkrankung zu leiden.
- Bei 23 Prozent der betroffenen Männer und 21 Prozent der betroffenen Frauen wird die psychische Erkrankung derzeit nicht behandelt.
- Das Stresslevel auf einer Skala von eins bis zehn liegt bei Frauen (5,8) über dem der Männer (4,9).
- Weniger Frauen (39 Prozent) als Männer (47 Prozent) bezeichnen sich selbst als glückliche Menschen.
Frauen fühlen sich psychisch deutlich stärker belastet als Männer: 48 Prozent der Frauen geben an, aktuell in keiner guten psychischen Verfassung zu sein. Bei den Männern sind es 37 Prozent. Auch von einer psychischen Erkrankung berichten Frauen häufiger: 34 Prozent geben an, aktuell unter Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Zwangsneurosen oder einer anderen psychischen Erkrankung zu leiden.
Bei den Männern sind es 27 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt der sechste AXA Mental Health Report, für den das Meinungsforschungsinstitut Ipsos eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage ab 18 Jahren in Deutschland und siebzehn weiteren Ländern durchgeführt hat.
In diesem Jahr zeigt sich eine Entwicklung, die einen genaueren Blick auf den Umgang von Männern mit psychischer Gesundheit nahelegt: 23 Prozent der betroffenen Männer geben an, dass ihre psychische Erkrankung derzeit nicht behandelt wird. Bei den betroffenen Frauen sind es 21 Prozent. Im vergangenen Jahr war das Verhältnis noch umgekehrt: Damals gaben 24 Prozent der betroffenen Frauen und 15 Prozent der betroffenen Männer an, keine Behandlung zu erhalten.
„Dass Männer trotz einer geringeren selbstberichteten Betroffenheit inzwischen häufiger angeben, mit ihrer psychischen Erkrankung ohne Behandlung zu bleiben, sollten wir ernst nehmen. Das aktuelle Ergebnis kann ein Hinweis darauf sein, dass das Stigma rund um psychische Erkrankungen unter Männern wieder an Bedeutung gewinnt. Umso wichtiger ist es, psychische Gesundheit auch für Männer selbstverständlich zum Thema zu machen und Hilfe nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst zu vermitteln“, ordnet Dr. Deniz Kirschbaum, Psychotherapeutin, die Ergebnisse ein.
Frauen erleben mehr Belastungen und Stress
Auch bei konkreten Belastungsfaktoren zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Auf einer Skala von eins bis zehn liegt das durchschnittliche Stresslevel der Frauen bei 5,8 und damit deutlich über dem der Männer (4,9). Frauen erleben zudem zahlreiche aktuelle Lebens- und Gesellschaftsthemen häufiger als belastend.
So geben 48 Prozent der Mütter an, dass Elternschaft und die damit verbundenen Herausforderungen in der Kindererziehung ihr mentales Wohlbefinden negativ beeinflussen. Bei Vätern sind es 33 Prozent.
Auch traumatische Erlebnisse wie der Verlust eines geliebten Menschen belasten Frauen häufiger (42 Prozent) als Männer (32 Prozent). Zukunftsunsicherheit wirkt sich bei 49 Prozent der Frauen negativ auf das eigene Wohlbefinden aus, gegenüber 37 Prozent der Männer.
Soziale und politische Unruhen nennen 44 Prozent der Frauen als negativen Einflussfaktor, bei den Männern sind es 32 Prozent. Bei keinem der abgefragten Belastungsfaktoren geben Männer häufiger als Frauen an, dass dieser ihr mentales Wohlbefinden negativ beeinflusst.
Männer blicken positiver auf sich selbst
Analog zur höheren Belastung und Betroffenheit, zeichnen Frauen kein positives Bild von sich selbst: 39 Prozent der Frauen und deutlich mehr Männer (47 Prozent) stimmen der Aussage „Ich würde im Moment sagen, dass ich ein glücklicher Mensch bin“, zu.
Auch beim Umgang mit negativen Gedanken zeigen sich Unterschiede. 36 Prozent der Frauen sagen, dass sie in schwierigen Situationen dazu neigen, sich auf das Negative zu konzentrieren, wodurch es ihnen schwerfällt, weiterzumachen. Bei den Männern sind es 27 Prozent.
Gleichzeitig greifen Frauen und Männer in herausfordernden Zeiten auf unterschiedliche Bewältigungsstrategien zurück. Frauen geben häufiger an, sich von Freunden und Familie zurückzuziehen (42 Prozent Frauen gegenüber 30 Prozent Männer) oder zu ungesunden Essgewohnheiten zu neigen (34 Prozent der Frauen gegenüber 23 Prozent der Männer).
Auch Prokrastination ist bei Frauen verbreiteter (53 Prozent) als bei Männern (42 Prozent). Bei einem Bewältigungsmuster zeigt sich dagegen ein umgekehrtes Bild: Rund jeder zehnte Mann (9 Prozent) gibt an, in herausfordernden Zeiten zu promiskuitivem Verhalten, beispielsweise sexuellen Beziehungen mit mehreren Partner:innen, zu neigen. Bei den Frauen sind es 6 Prozent.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass psychische Gesundheit bei Frauen und Männern unterschiedlich erlebt und verarbeitet werden kann. Eine wirksame Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen muss deshalb beide Perspektiven berücksichtigen: die unterschiedlichen Belastungen von Frauen und Männern ebenso wie ihre unterschiedlichen Wege, mit psychischen Problemen umzugehen und Unterstützung zu suchen“, so Dr. Deniz Kirschbaum, Psychotherapeutin, weiter.
Ein Mechnismus, den beide Geschlechter gleichermaßen anwenden, ist die sogennate „Screen Time“: Rund ein Drittel beider Geschlechter verbringt in herausfordernden Zeiten übermäßig viel Zeit, also mehr als acht Stunden am Tag, am Bildschirm digitaler Endgeräte wie dem Smartphone (Frauen 32 Prozent, Männer 33 Prozent).
Über den AXA Mental Health Report
Für den internationalen AXA Mental Health Report hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag von AXA vom 12. Januar bis 16. Februar 2026 2.000 Personen zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland repräsentativ online befragt. Neben Deutschland wurden Ergebnisse in siebzehn weiteren Ländern aus Europa, Asien und Nordamerika ermittelt.
Der AXA Mental Health Report wurde bereits zum sechsten Mal in Folge erhoben. Die Studie ermittelt Aussagen zum mentalen Gesundheitszustand der Bevölkerung und sensibilisiert für mögliche Risiken der mentalen Gesundheit.
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