Carsharing, Mitfahrgelegenheiten und Fernbusse – das sollten Sie beachten!

Das eigene Auto galt lange Jahre als ein Statussymbol der Deutschen. Heute jedoch verzichten viele Menschen darauf – sei es aus Kosten- oder Umweltschutzgründen. Es gibt schließlich auch noch andere Möglichkeiten, um zum Einkaufen zu gelangen, einen Ausflug zu unternehmen oder Familie und Freunde in anderen Städten zu besuchen. Neben den klassischen, öffentlichen Verkehrsmittel werden Carsharing, Mitfahrgelegenheiten oder die neuen Fernbusse immer beliebter.



Was gilt es für Fahrer und Beifahrer bei der Nutzung von fremden Autos oder in Fernbussen zu beachten? Der Heinsberger Rechtsanwalt Volker Weingran aus der Anwaltsgemeinschaft Schneider & Dr. Willms, Partneranwalt von ROLAND Rechtsschutz, fasst die wichtigsten juristischen Hinweise zur „neuen Mobilität“ zusammen.




Carsharing – so entgehen Sie den kleinen Tücken

Gerade in größeren Städten nutzen immer mehr Personen diese Möglichkeit, auch ohne eigenes Auto mobil zu bleiben. Wer einen solchen Gemeinschaftswagen nutzt, sollte einiges wissen und beachten. „Vor der Fahrt sollte der Wagen auf Vorschäden geprüft werden“, rät Rechtsanwalt Volker Weingran. Beulen, Schrammen und Beschädigungen sollten dem Anbieter gemeldet und per Foto festgehalten werden. „Zur Sicherheit kann man das Bild auch einem Freund schicken, der die Uhrzeit der Aufnahme im Zweifelsfall bezeugen kann.“

Noch den Kilometerstand prüfen und es kann losgehen – aber wie sieht es eigentlich aus, wenn mit dem Fahrzeug ein Unfall geschieht? „Die Anbieter geben oft genau vor, wie sich der Fahrer bei einem Unfall zu verhalten hat. Und es ist ratsam, sich an diese Anweisungen zu halten“, so der Anwalt. Auch wenn es nicht Vorgabe des Anbieters ist, sollte in jedem Fall die Polizei hinzugezogen werden. Übrigens: Wer mit einem Carsharing-Wagen zu schnell unterwegs ist oder eine andere Ordnungswidrigkeit begeht, muss dafür haften. „Und dann wird der Anbieter in der Regel auch gleich noch eine Bearbeitungsgebühr verlangen“, so Volker Weingran.


Privates Carsharing – worauf Sie achten sollten

Wer sein eigenes Fahrzeug nicht so oft nutzt, für den ist es durchaus sinnvoll, das Auto gegen ein gewisses Entgelt anderen zu überlassen. Das ist gut für das Fahrzeug, weil es häufiger bewegt wird und auch gut für den eigenen Geldbeutel. Doch hier ist Vorsicht geboten. „Wie ein professioneller Carsharing-Anbieter ist auch die Privatperson in der Beweispflicht, wenn sie das Auto an Dritte verleiht. Und das birgt ein hohes Risiko“, betont Rechtsanwalt Weingran.

Ordnungswidrigkeiten, die der Fahrer begeht, fallen erst mal auf den Halter zurück. Damit dieser nicht auf Bußgeldern oder Anzeigen sitzen bleibt, sollte vorab einiges geklärt sein: „Wichtig ist, dass genau festgehalten wird, an wen und in welchem Zeitfenster der Wagen entliehen wird. Der Halter sollte in Erfahrung bringen, ob die Kfz-Versicherung für den potenziellen Mieter greift, und sich außerdem dessen Führerschein kopieren“, erklärt der Rechtsexperte. Verschiedene Plattformen für privates Carsharing (wie tamyca oder autonetzer) können dabei helfen, den rechtlichen und organisatorischen Rahmen abzustecken.


Fernbusse – auch dort können Verspätungen, Ausfälle oder Überbuchung vorkommen

Eine attraktive Alternative zur Bahn: Seit 2013 verkehren zahlreiche Fernbusse zwischen deutschen Großstädten. Der rechtliche Hintergrund steht allerdings schon länger fest. „Eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2011 definiert die Fahrgastrechte für Busfahrten über 250 Kilometer“, erklärt Rechtsanwalt Volker Weingran. Wichtig: Im Gegensatz zu den Rechten von Fluggästen zählen beim Busverkehr die Abfahrts- und nicht die Ankunftszeit. „Für die Ansprüche, die der Kunde stellen kann, ist der Zeitpunkt der Abfahrt relevant.“ Startet zum Beispiel ein Fernbus mit mehr als 90 Minuten Verspätung, muss das Busunternehmen Erfrischungen und einen Imbiss für die Fahrgäste bereitstellen – vorausgesetzt, die Fahrt wird insgesamt mindestens drei Stunden dauern.

Ist der Bus überbucht, mehr als zwei Stunden verspätet oder fällt die Fahrt sogar komplett aus, kann sich der Reisende den Fahrpreis erstatten lassen oder vom Anbieter über einen alternativen Weg zum Ziel bringen lassen. „Gibt es keine Alternativlösung, haben Reisende sogar einen Anspruch auf ein Hotelzimmer. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass weder das widrige Wetter noch andere Naturkatastrophen Schuld an der Verspätung haben.“


Mitfahrgelegenheiten – Fahrer und Mitfahrer profitieren davon

Mitfahrgelegenheiten erfreuen sich gerade bei jungen Leuten großer Beliebtheit. Doch auch hierbei müssen gewisse Grundsätze von beiden Seiten her eingehalten werden: „Fahrer und Mitfahrer müssen sich an die Vereinbarungen bezüglich Start- und Zielort, Reisezeiten und Bezahlung halten“, betont der ROLAND-Partneranwalt. Erscheint zum Beispiel ein Fahrer nicht am vereinbarten Treffpunkt oder bringt den Mitfahrer nicht bis zum vereinbarten Ziel, wird er damit vertragsbrüchig und muss seinem Mitfahrer gegebenenfalls Schadenersatz zahlen, sollte er auf teurere Verkehrsmittel ausweichen müssen.

„Und natürlich muss sich auch der Mitfahrer an alle Absprachen halten. Ansonsten könnte er ebenfalls rechtlich belangt werden“, erklärt der Anwalt. Er muss zum Beispiel am Ende der Fahrt den vereinbarten Preis bezahlen. Noch ein wichtiger Hinweis vom Anwalt: „Passiert auf dem Weg ein Unfall, ist der Mitfahrer zwar über die Kfz-Haftpflicht mitversichert, das gilt jedoch nicht für das Reisegepäck. Geht also der Laptop im Kofferraum zu Bruch, übernimmt die Versicherung den Schaden dafür nicht.“

Rechtliche Hinweise
Die Artikelinhalte werden Ihnen von AXA als unverbindliche Serviceinformationen zur Verfügung gestellt. Diese Informationen erheben kein Recht auf Vollständigkeit oder Gültigkeit. Bitte beachten Sie dazu unsere Nutzungsbedingungen.