Wetterchaos auf der Schiene...

Was passiert, wenn die Bahn ausfällt?


Bahnfahren ist beliebt, weil es als stressfrei, umweltfreundlich und komfortabel gilt. Nach dem Geschäftsbericht der Deutschen Bahn haben 2014 2,03 Milliarden Fahrgäste auf das Reisen auf der Schiene zurückgegriffen – das sind rund 14 Millionen Reisende mehr als im Jahr zuvor. Aber nicht immer läuft auf den fast 42.000 Schienenkilometern im Land alles reibungslos. Denn auch bei der Deutschen Bahn können Züge ausfallen oder zu spät sein. Schlechtes Wetter ist oft ein Grund dafür. Welche Rechte gibt es in diesen Fällen?


Entschädigungsrecht gestaffelt nach Verspätungsdauer

Bei der Verspätung eines Zugs hat der Fahrgast folgende Entschädigungsrechte (wahlweise):

  • ab 60 Minuten Verspätung:
    • Anspruch auf Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises der einfachen Fahrt
    • eine vollständige Fahrpreiserstattung, wenn der Reisende die Fahrt nicht antritt,
    • oder auf Fortsetzung der Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt, auch mit geänderter Streckenführung.
  • 120 Minuten Verspätung:
    • Anspruch auf Erstattung von 50 Prozent des Fahrpreises der einfachen Fahrt oder
    • auf Fahrpreiserstattung, wenn der Reisende die Fahrt nicht antritt,
    • oder auf Fortsetzung der Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt, auch mit geänderter Streckenführung.
Hat der Reisende ein Hin- und Rückfahrtticket gekauft, wird die Entschädigung nach der Hälfte des Fahrtpreises berechnet.


Sonderfall Nahverkehr

Im Nahverkehr liegt die Rechtslage ein bißchen anders. Denn wenn der Reisende Nahverkehrszüge nutzt, will er natürlich so schnell wie möglich an sein Ziel kommen. Bei einer absehbaren Verspätung von mindestens 20 Minuten kann er jeden beliebigen anderen Zug nutzen, auch einen Zug des Fernverkehrs. Dies gilt nicht für Sonderfahrten oder Züge mit Reservierungspflicht.


Sonderfall Nacht- und Spätfahrten

Wieder anders gehandhabt werden Nachtfahrten, also Fahrten, die in der Zeit zwischen 24.00 und 5.00 Uhr enden. In diesen Fällen kann der Reisende bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten jedes andere Verkehrsmittel, also auch ein Taxi, benutzen – aber nur dann, wenn es keine oder keine preisgünstigeren Verkehrsmittel mehr gibt, um das Reiseziel zu erreichen.
 
Das Gleiche gilt, wenn der fahrplanmäßig letzte Zug des Tages ausfällt und der Fahrgast seinen Zielbahnhof ohne ein anderes Verkehrsmittel nicht mehr bis 24.00 Uhr erreichen kann. In beiden Fällen wird dem Fahrgast für die Benutzung eines anderen Verkehrsmittels jedoch maximal ein Betrag von 80 Euro erstattet.



Übernachtung auf Kosten der Bahn

Ist für den Fahrgast wegen eines Zugausfalls oder einer Verspätung die Fortsetzung der Fahrt am selben Tag nicht mehr zumutbar und er muss übernachten, werden ihm angemessene Übernachtungskosten erstattet. Das ist nicht der Fall, wenn die Bahn das alternative Verkehrsmittel oder die Übernachtung selbst zur Verfügung stellt. Lehnt man dieses Angebot ab, werden selbst organisierte Alternativen nicht erstattet.


Bitte immer pünktlich!

Zu beachten ist aber Folgendes: Das Bahnunternehmen muss keine Entschädigung zahlen, wenn der Fahrgast den Reisemangel selbst verschuldet hat, also beispielsweise zu spät zum Bahnsteig gekommen ist. Allerdings muss die Bahn aufgrund eines neuen EUGH-Urteils nun im Fall von höherer Gewalt die Kunden entschädigen, die sie allzu lange hat warten lassen.
 
Außerdem existiert eine Bagatellgrenze: Liegt der Entschädigungsbetrag unter 4 Euro, muss er nicht gezahlt werden.

Diese Rechtstipps für Bahnfahrer wurden Ihnen von der ROLAND-Rechtsschutzversicherung präsentiert.

Rechtliche Hinweise
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