Online-Streaming: Legal? Illegal? Total egal?

Samstagabend und nichts Vernünftiges im Free-TV. Zum Glück gibt es ja noch das Laptop – im Internet findet man ja heutzutage die neuesten Blockbuster, angesagte Musik-Videos und auch Sport, Sport, Sport. Aber warum sind diese Inhalte dort kostenlos verfügbar? Ist das wirklich legal?

Welche Methoden unbedenklich sind, wo man besser vorsichtig ist und wovon man lieber absolut die Finger lassen sollte, erklärt Fabian Rüsch, Partneranwalt von ROLAND Rechtsschutz aus der Kanzlei Brozat, Rüsch, Matheja.




Die ganze Kinovielfalt gratis im Wohnzimmer?

Kinokarten kosten Geld – wieso dann nicht lieber den neuesten Film bequem zu Hause auf der Couch ansehen? Aber ist es eigentlich erlaubt, aktuelle Blockbuster auf diversen Online-Plattformen kostenlos am PC anzusehen? „Grundsätzlich handelt es sich bei Kinofilmen um urheberrechtlich geschützte Werke. Da die Verbreitung auf kostenlosen Online-Portalen gegen den Willen der Rechteinhaber geschieht, begeht der Zuschauer hier grundsätzlich eine Urheberrechtsverletzung“, erklärt Rechtsanwalt Fabian Rüsch. Trotzdem gehen das Bundesjustizministerium und auch ein Teil der Rechtsprechung davon aus, dass der Nutzer solcher Angebote nicht illegal handelt, weil die kurzfristige Speicherung des Films nicht als „urheberrechtswidrige Vervielfältigung“ beurteilt werden könne. Doch der Anwalt warnt: „Das Amtsgericht Leipzig hat im Rahmen eines Strafverfahrens die gegenteilige Auffassung vertreten. Die Rechtslage ist gerichtlich also noch nicht geklärt.“


Für mich, für dich, für alle?

Beim Online-Streaming werden Filme, Musik und Serien lediglich angesehen und angehört – sogenannte Filesharing-Plattformen gehen dabei noch einen entscheidenden Schritt weiter: Auf solchen Tauschbörsen lädt der Nutzer nicht nur Daten herunter, sondern auch hoch und stellt sie damit anderen zur Verfügung. Davon sollte man laut Rechtsanwalt Fabian Rüsch am besten die Finger lassen: „Soweit der Stream urheberrechtlich geschützt ist, verletzt dies in jedem Falle das Urheberrecht und ist damit illegal. Es droht eine teure Abmahnung.“


Beim illegalen Streamen erwischt – was nun?

Urheberrechtsverletzungen sind längst keine Kavaliersdelikte mehr und werden mittlerweile auch häufig geahndet. Doch wie sollte man sich am besten verhalten, wenn eine Abmahnung mit Zahlungsaufforderung ins Haus flattert? Hierzu rät ROLAND-Partneranwalt Fabian Rüsch: „Betroffene sollten eine Abmahnung weder leichtfertig akzeptieren noch ignorieren, da ansonsten eine einstweilige Verfügung droht.“ Desweiteren empfiehlt er, sich schnellstmöglich qualifizierten Rat – zum Beispiel durch einen Rechtsanwalt – einzuholen.



Musik und Videos speichern – ist das erlaubt?

YouTube und andere Portale sind eine Möglichkeit für Musiker, ihre Videos zu veröffentlichen. Wie sieht es eigentlich aus, wenn man die Musik in ein MP3 konvertiert und auf dem Rechner speichert? Das ist abhängig von der Art des Videos, erklärt Anwalt Rüsch: „Handelt es sich um ein offizielles Video, das der Musiker kostenlos zur Nutzung zur Verfügung gestellt hat, ist eine Privatkopie erlaubt. Denn hier verhält es sich wie bei einer Radiosendung, die man zum privaten Gebrauch aufzeichnet.“ Wenn eine MP3-Konvertierung eines Streaming-Inhalts also lediglich dazu dient, sich diese Musik auch offline anhören zu können, bestehen keine Bedenken. Anders sieht es bei Konzertmitschnitten oder Musikvideos aus, die nicht vom Künstler selbst eingestellt bzw. ohne dessen Einverständnis angefertigt wurden: „Das Herunterladen bedeutet hierbei eine Urheberrechtsverletzung, weil die entsprechende Aufnahme rechtswidrig hergestellt wurde.“ Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man sich auch davor hüten sollte, selbst gefilmte Konzertmitschnitte im Internet zu veröffentlichen!


Bayern, BVB, Schalke etc. trotz Free-TV-Sperre?

Samstagnachmittag: In der Bundesliga geht es heiß her. Wie gut, dass viele ausländische Plattformen sämtliche Spiele im Online-Stream zeigen – aber ist das erlaubt? „Grundsätzlich ist die Rechtslage mit der bei Kinofilmen vergleichbar. Soweit das Bundesligaspiel im deutschen Free-TV gesperrt ist, muss man davon ausgehen, dass der Live-Stream für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nicht durch den Rechteinhaber lizenziert ist. Fußballfans bewegen sich damit beim Schauen dieses illegalen Live-Streams in einer rechtlichen Grauzone“, erklärt Fabian Rüsch. Soweit sich die Nutzer nicht lediglich auf das Anschauen beschränken, sondern den Stream gleichzeitig hochladen (P2P-Software), ist dies in jedem Fall illegal.


Fazit: Mit zahlungspflichtigen Streaming-Diensten oder Pay-TV-Angeboten sind alle auf der sicheren Seite, die gerne neue Filme sehen, die nächste Folge der Lieblingsserie nicht abwarten können oder das Auswärtsspiel der Lieblingsmannschaft in der Bundesliga nicht verpassen möchten.


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