Sommerzeit – Reisezeit mit Kindern

Ratgeber-Serie

Was gibt es Schöneres, als die Vorfreude auf den Urlaub? Wenn es darum geht, gemeinsam mit den Kindern diese schönste Zeit des Jahres zu genießen, sollte alles gut geplant und vorbereitet sein. Damit auch die Reise an das Urlaubsziel unbeschwert und sicher verläuft, geben wir Ihnen einige nützliche Tipps an die Hand.




Sorgen Sie bei Fahrten mit dem Auto im Vorfeld für Sicherheit

Die Unfallforschung hat es exakt ermittelt: Ungesichert im Fahrzeug mitreisende Kinder unterliegen einem siebenfach höheren Risiko, bei einem Unfall ernsthaft verletzt oder sogar getötet zu werden. Zusätzliche Gefahr entsteht dadurch, dass viele der Kinder in Sicherheitssystemen befördert werden, die nicht ihrem Alter oder ihrem Gewicht entsprechen.

Achten Sie deshalb auf die folgenden Punkte:

  • Altersgemäße Rückhaltesysteme benutzen.
  • Das Kind auch auf kürzesten Strecken ordnungsgemäß sichern.
  • Unbedingt sofort anhalten, wenn sich das Kind während der Fahrt abschnallt.
  • Kindersicherungen an den hinteren Türen aktivieren.
  • Sichern Sie den Raum zwischen den Vordersitzlehnen mit einem Schutznetz.
  • Fahren Sie möglichst moderat, also nicht mit ruckartigen Starts, hartem Bremsen und hoher Kurvengeschwindigkeit – dem Kind kann dadurch leicht übel werden.
  • Passen Sie den Zeitpunkt längerer Fahrten nach Möglichkeit dem Rhythmus des Kindes an – so kann es einen Teil der Strecke zum Beispiel per Mittagsschlaf „verkürzen“.
  • Wenn das Kind schläft: Lockern Sie niemals die Gurte, um den Schlafkomfort für das Kind zu erhöhen

Ein absolutes Muss – der richtige Kindersitz

Das Angebot an Kindersitzen ist ausgesprochen vielfältig – und längst nicht alle Produkte genügen den hohen Anforderungen, die Sie im Interesse des Kindes an das System stellen sollten.

Amtlich genehmigt sind Kinderrückhaltesysteme, die der ECE-Regelung 44 entsprechen. Diese Regelung legt einheitlich für die Mehrheit der europäischen Länder fest, welchen Prüfkriterien der Sitz entsprechen muss. Achten Sie deshalb beim Kauf eines Sitzes auf die ECE-R44/04-Prüfplakette.

Auch wenn ein Sitz durch die ECE-Universalzulassung für alle Fahrzeuge geeignet ist, sollten Sie vor der Anschaffung die leichte Montage und die problemlose Benutzung in Ihrem Fahrzeug prüfen.
Welcher Sitz der Größe und dem Alter des Kindes angemessen ist, verraten die verschiedenen ECE-Gruppen:

  • ECE-Gruppe 0: Für Kinder bis 10 kg Körpergewicht, bis ca. einem Jahr, bis ca. 75 cm:
  • ECE-Gruppe I: 9 bis 18 kg, 1 Jahr bis etwa 4 Jahre, bis 100 cm
  • ECE-Gruppe II: 15 bis 25 kg, 3,5 bis 7 Jahre, bis 125 cm
  • ECE-Gruppe III: 22 bis 36 kg, 7 bis 12 Jahre, bis 150 cm
Alternativ gibt es mitwachsende Sitze in den enstprechenden Normgruppen 0+, 0/I, I/II, I/II/III oder II/III, die Sie entsprechend länger nutzen können. Wichtig ist, das der Kindersitz zu Ihrem Kind - vorallem Größe und Gewicht - passt, was nicht immer der Norm entsprechen muss.

Seit 2013 gibt es noch eine weitere Norm: i-Size (aktuell zwei Sitze mit 61 bis 105 Zenti­meter, beziehungs­weise 67 bis 105 Zenti­meter, entsprichen etwa ECE-Norm­gruppe I). Der wesentliche Unterschiede zu den genannten, weiterhin gültigen Norm­gruppen nach ECE 44/04 ist, das hier eine Einteilung nach Körpergröße und nicht nach Gewicht erfolgt. Kinder bis 15 Monate sitzen außerdem rück­wärts gerichtet. Alle i-Size-Sitze werden mit dem Einrast­system Isofix befestigt, nur in dafür zugelassene Autos. Typen­listen veröffent­lichen die Anbieter.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat empfiehlt, bei Kindersitzen auch diese Punkte zu beachten:

  • Stellen Sie die Gurthöhenverstellung des Fahrzeugs entsprechend der Körpergröße des Kindes ein, damit der Schultergurt nicht am Hals anliegt.
  • Lose Sitzgurte heben den Sicherheitsgewinn durch das Rückhaltesystem komplett auf. Gurte daher vor jeder Fahrt dem Körper des Kindes exakt anpassen. Schnallt sich das Kind bereits selbst an, sollte man den Verlauf genau prüfen.
  • Niemals einen Schultergurt unterhalb der Achselhöhle anlegen lassen – das ist extrem gefährlich!
  • Auch wenn im Fahrzeug keine Fondkopfstützen vorhanden sind und der Kopf des Kindes deshalb über die Rücksitzlehne hinausragt, bitte keinesfalls auf das Kinder-Sitzkissen verzichten. Das Verletzungsrisiko ohne Sitzerhöhung ist viel größer als die Gefahr, die von fehlenden Kopfstützen ausgeht.

Spielzeug im Auto

Klar, das Auto ist keine Spielwiese – aber auf längeren Strecken muss man dem Kind schon ein bisschen Abwechslung bieten. Schließlich will man sich ja auch das sonst zu erwartende Quengeln und die im 15-Minuten-Rhythmus gestellte obligatorische Frage „Wann sind wir endlich da?“ ersparen.

Die Auswahl des geeigneten Spielzeugs für unterwegs ist gar nicht so unproblematisch. Denn was daheim äußerst harmlos ist, kann sich unterwegs als tödliche Gefahr entpuppen. Ein niedliches, wenige Gramm leichtes Modellauto wird bei einer heftigen Kollision zum Beispiel derart beschleunigt, dass es wie ein Geschoss mühelos Scheiben (oder Schädelknochen) durchschlägt.

Welche Dinge wären noch zu beachten?

  • Gefährlich sind alle Spielmaterialien mit spitzen und harten Kanten – etwa Malstifte, Plastikbausteine oder eben Miniautos.
  • Spielzeug – ebenso Atlanten, Schirme oder Taschen – niemals auf der Hutablage deponieren. Bei Zusammenstößen fliegen sie exakt in Kopfhöhe mit hoher Geschwindigkeit durch den Innenraum.
  • Geeignet sind Spielsachen aus weichem Material: Kuscheltiere, Leichtplastikteile, Lesebücher und -hefte ohne harten Einband.
  • Vorteilhaft ist es, eine Spielzeugsammlung zusammenzustellen, die stets im Fahrzeug bleibt. So behalten Sie die Kontrolle sowie die Übersicht – und die Spielzeuge bleiben für das Kind längere Zeit interessant, da sie nur beim Autofahren zur Verfügung stehen.
  • Legen Sie auf langen Fahrten häufiger eine Pause ein – wenigstens alle zwei Stunden. Lassen Sie das Kind mindestens 15 Minuten laufen und spielen. Das macht die Fahrt gesünder und deutlich entspannender für alle Mitreisenden.

Wie sieht es bei Bahnreisen oder dem Flugzeug aus?

Bahnhöfe und Züge üben auf Kinder meist eine ungeheure Faszination aus. Und spannende Dinge gilt es – wie immer – genauer zu erkunden. Da entfernt sich so mancher Knirps schneller und weiter von seinen Eltern, als denen lieb sein kann. Deshalb ist es gut, bei Bahnreisen daran zu denken:

  • Es soll keine Panikmache sein, aber Bahnhöfe sind nun mal ein beliebter Treffpunkt fragwürdiger Personen. Achten Sie deshalb sehr sorgfältig darauf, dass sich Ihr Kind nicht aus Ihrem Einflussbereich entfernt und Sie es ständig unter Blickkontrolle haben.
  • Im Zug sind unbegleitete Wanderungen ebenfalls strikt untersagt. Zu leicht könnte sich das Kind verlaufen.
  • Die Türen mancher Züge lassen sich während der Fahrt von innen öffnen. Das Kind also nicht in den Verbindungsräumen zwischen zwei Waggons unbeaufsichtigt spielen lassen.
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht allein in einem Abteil, dessen Fenster geöffnet ist.
  • Auch das schon ältere Kind sollte beim Gang auf die Toilette begleitet werden.
  • Besondere Vorsicht ist beim Ein- und Aussteigen geboten, weil die Spalte zwischen Waggontrittstufe und Bahnsteigkante für Kinder zur Fallgrube werden kann. Nehmen Sie es auf den Arm oder führen Sie es fest an der Hand.
  • Erklären und zeigen Sie dem Kind, woran es das Zugbegleitpersonal erkennen kann und dass es dort Hilfe erhält, falls es sich doch einmal verlaufen sollte.
Unser Tipp:
In manchen Fernreisezügen der Deutschen Bahn können Reisende mit Kindern unter fünf Jahren ein „Kleinkindabteil“ reservieren. Diese bieten ausreichend Platz für den Kinderwagen sowie die Familie und sind zum Teil mit Spielteppich oder sogar Klettergerüst versehen.

Bei Flugreisen beginnt bereits mit dem Schlangestehen zum Einchecken für viele Familien der Stress: quengelnde Kleinkinder, reisefiebrige größere Geschwister, cool-maulende Halbwüchsige, genervte Eltern. Hat man die oft lange Anreise mit Auto oder Bahn, das Ergattern der Bordkarte und das Warten im Terminal endlich überstanden, geht’s ab in die Maschine. Hier warten dann neue Anforderungen auf das Nervenkostüm und auf die Gesundheit der Reisenden. Grundsätzlich gibt es bei Flugreisen Folgendes zu bedenken:

  • In der Kabine ist die relative Luftfeuchtigkeit niedriger als unter normalen Bedingungen. Sie liegt zwischen sechs und 15 Prozent. Das kann vor allem bei Kleinkindern zu trockenen Schleimhäuten und dadurch gestörter Atmung führen.
  • Lärm und Schwingungen können bei sensibleren Kindern leicht zur Flugkrankheit führen – mit den gleichen Symptomen, die man auch von der Seekrankheit kennt: Schwindel und Übelkeit.
  • Zu unangenehmen Begleiterscheinungen – hauptsächlich Ohrendruck und Kopfschmerz – führt auch der ungewohnte Kabinendruck. Er entspricht bei einer üblichen Flughöhe von rund 11 Kilometern einem Luftdruck, den man auf Erden in rund 2.500 Metern Gipfelhöhe antrifft.
  • Bei Langstreckenflügen kommt es durch das Passieren mehrerer Zeit- und Klimazonen zu Anpassungsproblemen des menschlichen Organismus, dem so genannten Jetlag. Den spüren nicht nur vielfliegende Manager, sondern auch Kinder.
  • Kinder mit infektiösen Erkrankungen sollten keine Flugreise antreten – so können beispielsweise Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen durch den Druckunterschied große Schmerzen auslösen.
  • Die Ernährung vor und während des Fluges sollte leicht und wenig belastend sein. Vor allem blähende Speisen, wie Hülsenfrüchte, meiden.
  • Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers liegt beim Fliegen in großer Höhe – anders als auf dem Boden – bei nur etwa 70 g pro Stunde. Ein Glas alle zwei Stunden reicht also völlig aus. Gerade auf Langstreckenflügen ohne ausreichende Bewegung kann zu viel Trinken auch bei Kindern zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe der Beine führen, so genannten Ödemen.
  • Dem Kind möglichst bequeme Kleidung anziehen. Sinnvoll ist es, einen zusätzlichen Pullover griffbereit zu haben, wenn Müdigkeit zu Frösteln führt.
  • Um eine ungestörte Blutzirkulation sicherzustellen, nicht den ganzen Flug im Sitzen verbringen, sondern häufiger aufstehen und dem Kind Bewegung ermöglichen. Dabei das Kind jedoch nie allein durch die Kabine laufen lassen.
  • Kinder unbedingt auch auf die Bordtoilette begleiten, da sie dort durch Geräusche, Flugzeugbewegungen und unbekannte Handhabung der Installationen schnell verunsichert sind.
  • Das Kind stets anschnallen – auch dann, wenn es die Bordzeichen nicht ausdrücklich verlangen.
  • Verkürzen Sie dem kleinen Luftikus die Flugzeit, indem Sie sich viel mit ihm beschäftigen und spielen – vor allem dann, wenn er Anzeichen von Nervosität oder gar Angst zeigt.
  • Um den unangenehmen Druck beim Landeanflug von den Ohren zu nehmen, Kleinkinder zum Nuckeln an der Flasche oder zum Kauen (Kaugummi, Beißring) anregen.
Wenn Sie sich diese Tipps zu Herzen nehmen, dann werden Sie mit Sicherheit wohlbehalten an Ihrem Urlaubsziel ankommen. Doch auch dort gibt es einiges zu beachten. Wie Sie sich in Bezug auf Sonnenschutz und Schwimmbad richtig verhalten, um Ihren Kindern und sich selbst einen schönen Urlaub zu bescheren, erfahren Sie im nächsten Teil dieser Serie, der hier im PLUS von AXA für Sie bereit steht!

Wir wünschen Ihnen eine schöne Planungszeit für Ihren sicheren Sommerurlaub!

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