Digitalisierung der Wirtschaft

Smart Factory und Smart Products


Wo sehr spezielle Produkte entstehen, immer kürzere Lieferzeiten gefordert sind und Qualitätsanforderungen steigen, müssen Unternehmen reagieren, um im Wettbewerb zu bestehen. Eine Lösung liegt in IT-gesteuerten Fertigungsprozessen, die Menschen, Maschinen und Anlagen so miteinander vernetzen, dass sie auf rasch wechselnde komplexe Anforderungen ohne Zeitverlust reagieren können – dies ist das Prinzip der Industrie 4.0.


Smart Factory: Maschinen wissen, was zu tun ist

Die Maschinenfabrik Reinhausen (MR) ist ein mittelständisches Unternehmen aus Regensburg und Weltmarktführer in der Mess- und Regeltechnik für Energieversorger. MR arbeitet schon seit den 1990er-Jahren an der intelligenten Vernetzung seiner zerspanenden Fertigung und hat sich im Zuge dessen erfolgreich zur Smart Factory gewandelt. Möglich macht das ein selbst entwickeltes internetbasiertes Fertigungssystem aus der Cloud, für das die Reinhausener 2013 den ersten Industrie-4.0-Award gewannen und mit dem sie sich ein ganz neues Geschäftsfeld erschlossen haben.


Innovative Software

Das Fertigungssystem arbeitet wie eine Datendrehscheibe. Es steuert, verwaltet und überwacht den gesamten Herstellungsprozess, versammelt sämtliche Fertigungsdaten und bringt sie ins Fließen. Dabei werden alle Mitarbeiter, Maschinen, Anlagen und vorhandenen IT-Anwendungen effizient eingebunden. Die Durchgängigkeit ist bis in die Unternehmensführung hinein gewährleistet. Überall in der MR-Produktion bedienen Mitarbeiter ihre Maschinen per Touchscreen, ehemalige Dreher oder Fräser gehen heute als gut geschulte Experten sicher mit dem System um.

Nirgends mehr müssen noch Daten von Hand eingegeben werden, Werkermappen gehören der Vergangenheit an und niemand macht sich noch darüber Gedanken, welches Werkzeug wann für einen spezifischen Arbeitsgang benötigt wird. Man liest es von Werkbank-Bildschirmen ab, die ständig aktualisierte Informationen liefern.
 
Ursprünglich hat MR sein Fertigungssystem für den Eigenbedarf entwickelt, inzwischen aber verkauft das Unternehmen seine innovative Softwarelösung an andere Unternehmen der zerspanenden Industrie. Mehr als ein Dutzend bayerische Betriebe setzen es bereits ein und kontinuierlich kommen weitere hinzu.


Smart Products: Geräte überwachen sich selbst

Überall auf der Welt sind von der Thyssen Krupp Elevator AG produzierte Fahrstuhlanlagen in Betrieb, ihre Zahl geht in die Tausende. Für seine Aufzüge hat das Unternehmen eine cloudgestützte Wartungslösung entwickelt, die vorausschauenden Service ermöglicht. Diese intelligente, maschinell lernende Lösung nutzt das Potenzial des Internets der Dinge, um Wartungsbedarf und Beschädigungen an über 20.000 Service-Ingenieure und Techniker zu kommunizieren.

Das Wartungssystem erfasst, analysiert und übermittelt Daten in Echtzeit und meldet von sich aus, wenn veraltete Komponenten ausgetauscht werden müssen. Ziel ist es, die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Fahrstühlen zu sichern, ihre verbleibende Lebensdauer zu berechnen und Ausfallzeiten um bis zu 50 Prozent zu verkürzen.

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Herausforderungen für den Mittelstand

Der Weg zur Industrie 4.0 bringt für Unternehmen jeder Größenordnung, Investitionsbedarf und strukturelle Veränderungen mit sich. Viele Konzerne haben das Potenzial erkannt und handeln entsprechend, der Mittelstand tut sich damit im Großen und Ganzen noch schwer. So hat einer Bestandsaufnahme des Arbeitskreises Mittelstand bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge erst jedes zwanzigste Unternehmen des produzierenden Mittelstandes seine Anlagen, Maschinen und Systeme umfassend vernetzt. Mehrere Gründe halten die KMU demnach noch von der Umsetzung von Industrie 4.0 ab:

  • Der Mittelstand hat Big Data und die Cloud noch nicht für sich entdeckt
  • Mittelständlern fällt es wegen knapper Ressourcen nicht leicht, die technologische Reife von Industrie 4.0-Lösungen zu beurteilen und deren wirtschaftlichen Nutzen einzuschätzen
  • Für die Entwicklung, Einführung und Nutzung von Industrie 4.0 sind qualifizierte Fachkräfte unverzichtbar. Derzeit herrscht ein Mangel an Elektrotechnikern, Informatikern und Softwareentwicklern
  • Vor allem in ländlichen Regionen fehlt noch Breitband-Infrastruktur
  • Fördermittel aus öffentlichen Haushalten könnten besser gezielt eingesetzt werden
  • Rechtliche Rahmenbedingungen werfen viele Fragen auf
  • Sicherheitsbedenken behindern die Umstellung
Auch, wenn gerade kleine Unternehmen hinsichtlich der Digitalisierung vor großen Herausforderungen stehen, zeigen die digitalen Vorreiter, dass sich der Einsatz neuer Technologien positiv auf das Unternehmenswachstum auswirkt und sich die Digitalisierung gewinnbringend nutzen lässt.


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